Event: Splintered in Winter Tour 2025
Headliner: Sabaton
Vorband: The Legendary Orchestra
Ort: ZAG-Arena Hannover
Datum: 08.12.2025
Genre: Power Metal
Besucher: Um die 10.000
Setlisten: Sabaton, The Legendary Orchestra
Was für ein Konzert! Bereits das Legendary Orchestra fetzt sich durch Sabatons alte Songs, ganze dreizehn Stück davon. Der Einstieg mit Ghost Division und Bismarck sitzt perfekt. 10.000 Leute und das Orchester hat kein Problem, Druck aufzubauen, bereits jetzt werden die Fäuste in die Luft gereckt. Ich würde mir auch einfach drei Stunden lang nur Orchester und Chor anhören, so gut sind sie!

Als sie sich an The Final Solution trauen, ist das einerseits enorm stark und krass. Das Lied ist so mächtig, eine so krasse Mahnung vor dem Holocaust und den Verbrechen der NAZIs, vielleicht eines ihrer wichtigsten Lieder. Und es beißt sich mit allem anderen im Saal, dem Adrenalin, dem Metal, den militaristischen Outfits, den Flecktarn-Hosen. Aber vielleicht braucht es genau das, um den schmalen Grat zu zeigen, den Sabatons Musik begeht: zwischen Militarismus und Mahnung. Hoffen wir, dass die Mahnung gewinnt.
Nur einen kleinen Wermutstropfen gibt es: Die drei Solistinnen bekommen sehr viel Spotlight – Patty Gurdy an der Hurdy Gurdy, Mia Asano an der Geige und Noa Gruman von der israelischen Band Scardust, die Soli singt und dirigiert. Alle drei sind großartige Musikerinnen. Aber gerade, wenn man dicht vor der Bühne steht, sieht man zwischen den Zinnen der gigantischen, hohen Bühne nur die Solistinnen in ihren engen, attraktiven Outfits. Das genauso großartige Orchester und der exzellente Chor in den schlichten, dunklen Roben treten so komplett in den Hintergrund – sie hätten mehr verdient.
Nach den Winged Hussars und Swedish Pagans tritt das Orchester dann von der Bühne und nach einer kurzen Pause betritt Napoleon die Bühne: Im Pit steht eine zweite, kleinere Bühne, auf der Napoleon erst einmal ausgebuht wird, nur um dem Publikum dann sehr deutlich auf Deutsch und Englisch zu sagen, wo er sich dessen Buhrufe hinsteckt. Kurz darauf tritt ein anderer Schauspieler in der Rolle des Dschingis Khan hinzu und nach einigen Beleidigungen kreuzen sie die Schwerter, auf das dann Julius Cäsar für Ordnung sorgen muss. Der geht ihnen aber so schnell auf die Nerven, dass er nach wenigen Minuten auf senatesque Art diverse Klingen in seinem Rücken findet.

Sollte jemand dieses Schauspiel zu langwierig finden und sich wünschen, dass das Metal-Konzert direkt beginnt, hätte ich volles Verständnis – aber es sind genau diese Momente, die ein Konzert für mich besonders machen. Und dann treten auch schon die Kreuzritter an, schreiten mit Fackeln durch das Publikum, um Ordnung in die streitenden Feldherren zu bringen. Kaum haben sie die kleine Bühne errungen, legen sie Helme und Schilde ab und greifen zu ihren eigentlichen Waffen, Gitarren und Mikrofon: Sie stimmen Templars an, während sich eine gigantische Brücke von der Decke senkt und beide Bühnen miteinander verbindet.
„Bitte schafft den Golden Circle ab, es ist einfach peinlich, wenn ich dort vorne schneller durch die Menge komme als im hinteren Pit – und die Fans dort ausgelassener feiern.“
Beim folgenden The Last Stand und Hordes Of Khan beginnt die für Sabaton typische Flammenschlacht. Zu I, Emperor schreitet Napoleon mit seinen Soldaten über die Bühne und lässt Kanonen zum Publikum feuern, ehe Cäsar den Rubikon überquert. Es ist ein gigantisches Spektakel und eine pure Freude. Carolus Rex erfreut meine Liebe für ihre alten Stücke – auch wenn das Orchester auf dieser Front schon sehr viel geboten hat. Hier stehen wir dann auch im Pit und ich bin sehr froh, dass der Veranstalter Tritthocker für uns Fotografen hat – so hoch ist die Bühne, dass ich als großer Kerl die gerne nutze, um dann am ausgestreckten Arm Fotos zu machen.

Bei den Stormtroopers laufen Soldaten in Weltkriegs-Uniformen über die Bühne, kein leichter Anblick. Sie installieren eine TNT-Zündbox, auf die Sänger Joakim Broden lustvoll schielt, ehe sie einen Haufen Flares zündet. Der Christmas Truce bringt kurz danach wieder das Gedenken, den Wunsch nach Frieden: die Zeit im Weltkrieg, als die Soldaten in den Gräben ihre Waffen niederlegten, um gemeinsam Weihnachten zu feiern.

Und doch ist der Kontrast zwischen Gaius Julius Cäsar im Publikum vor einem Taschenlampenmeer, der bombastischen und explosiven Show, dem wieder angetretenen Chor und der historischen Kriegsmüdigkeit im Angesicht der Barbarei schwer zu greifen. Ein Motiv, das umso mehr gilt, als die Musiker kurz danach in Gasmasken über ihre Brücke schreiten, um dann mit Gas und Instrumenten zu Attack Of The Dead Men durchs Publikum zu schreiten. Der Kontrast zwischen Show und dahinterstehender lebensverachtender Brutalität in Sabatons Musik ließ sich als Teenager deutlich besser ausblenden – lange vor Russlands barbarischem Angriff auf die Ukraine.
Darauf folgen noch sechs alte, starke Songs, etwa Primo Victoria und Steel Commanders, bei denen alles abgefackelt wird, was noch brennen kann. Und mit Masters Of The World gibt es einen bombastischen Abschluss mit allen Verabschiedungen und viel Konfetti.
Es ist ein Konzert, das im Adrenalinrausch, eine bombastische Freude ist. Und auch wenn im Nachhinein ein komisches, uneasy, Bauchgefühl ob all der militärischen Komponenten herrscht, möchte ich die nächste Tour definitiv mitnehmen, so gut ist das Spektakel. Und auch wenn es sehr teuer ist – für die schlechtesten Sitzplätze zahlt man nicht viel weniger als 100 € –, finde ich es sehr angemessen, für alles, was einem geboten und abgefackelt wird.
Though: take It with a grain of Salt. Sabaton hatten die besten Fotoregeln für Pressefotografen, die ich bisher erlebt habe. Das können gerne alle Bands genauso machen. Das bedeutet auch, dass irgendwann noch eine weitere Galerie folgen wird, wenn ich mit allen Fotos durch bin. Ich kann mir nur vorstellen, dass das Konzert etwas langweiliger ist, wenn man dutzende Meter über der Bühne auf irgendeinem Stuhl sitzt, statt durch die Pits zu laufen.
























