Scorpions & Stellar Temple auf der Foire Aux Vins in Colmar (France) am 01.08.2018

            „Scorpions & Stellar Temple auf der Foire Aux Vins in Colmar (France) am 01.08.2018“

Eventname: Crazy World – Tour 2018

Band: Scorpions

Vorband: Stellar Temple

Ort: Parc des Expositions (Messe), Avenue de la Foire aux Vins, 68000 Colmar, Frankreich

Datum: 01.08.2018

Kosten: 63,- € VVK

Genre: Hardrock, Rock

Besucher: 10.000 (ausverkauft)

Veranstalter: Foire aux Vins d`Alsace

Links: https://www.facebook.com/events/581185778894953/
https://www.foire-colmar.com/de/das-musikfestival

Setliste:

  1. Going Out With A Bang
  2. Make It Real
  3. Is There Anybody There?
  4. The Zoo
  5. Coast To Coast
  6. Top Of The Bill / Steamrock Fever / Speedy`s Coming / Catch Your Train
  7. We Built This House
  8. Delicate Dance
  9. Send Me An Angel
  10. Wind Of Change
  11. Tease Me, Please Me
  12. Overkill (Motörhead)
  13. Drum-Solo by Mikkey Dee
  14. Blackout
  15. Big City Nights
  16. Still Loving You (Zugabe)
  17. Rock You Like A Hurricane (Zugabe)

Vom 27.07. bis 05.08.2018 findet auf dem Parc des Expositions (Messegelände) wieder die beliebte, und weit über die Grenzen des Elsass hinaus bekannte, Wein- und Verbrauchermesse Foire aux Vins d`Alsace statt. Die Weinmesse findet bereits seit 1947 statt und lockt jährlich weit über 250.000 Besucher nach Colmar. Längst ist die Messe viel mehr als ein Treffen von einheimischen Winzern und Weinliebhabern, sondern eine interessante Mischung aus Volksfest, Weinmesse, Verbraucherausstellung (mit über 350 Ausstellern) und Pop & Rock Festival. Anfangs fand die Messe in der Innenstadt von Colmar statt, musste dann aber aufgrund des Erfolges bald auf das Messegelände verlegt werden. Das Musikfestival gibt es in dem Zusammenhang seit 1958 und findet heutzutage in der „Muschel“, dem überdachten Festival – Freilichttheater statt. So spielten in den letzten Jahren z.B. SabatonEnsiferumAcceptW.A.S.P.Robert PlantIggy PopTarjaMotörheadSlayerArch EnemyLimp BizkitAirbourneDeep PurpleGamma RayHelloweenAnthraxEpicaNightwishWithin` TemptationSaxon, Alice CooperEuropePlacebo … und viele, viele mehr in Colmar. Insgesamt fanden etwa 700 verschiedene Konzerte statt.

In diesem Jahr stehen wieder eine ganze Reihe Konzerte auf dem Programm, u.a. von Lenny Kravitz, Santana, Rag ’n’ Bone Man, Beth Dito, Ghost, Powerwolf, H.E.A.T., Doro und den Scorpions. Das Konzert der Hannoveraner Scorpions ist schon seit Monaten gnadenlos ausverkauft, noch nie zuvor habe ich bei der Colmarer Weinmesse so einen extremen Run auf die Tickets einer Band erlebt. Die Scorpions haben in Frankreich absoluten Kultstatus und so hat jeder Altrocker sein altes Bandshirt aus dem Schrank gekramt und ist gen Colmar gepilgert. Der Ansturm an den beiden Eingängen zum Freilichttheater ist jedenfalls enorm und lange Schlangen bilden sich über das Messegelände. Da ich akkreditiert bin, kann ich es locker angehen lassen und zunächst noch eine Runde über das Weinfest drehen. Die Bezeichnung Weinfest ist hier mittlerweile nicht mehr ganz wörtlich zu nehmen, denn neben Wein aus dem Elsass ist hier fast alles zu erwerben, von der Badewanne bis zum Traktor. Für mich sind eher die verschiedenen Merchandiser interessant, da hier teilweise uralte Bandshirts und Patches zu finden sind.

Um 17:30 Uhr ist Einlass und die Schlangen sind zwischenzeitlich noch extrem angewachsen. Insgesamt sind 10.000 Tickets verkauft worden, man muss beim Einlass also etwas Zeit mitbringen. Zum Glück muss ich da nicht durch, es gibt hier einen extra Presseeingang und so bin ich zwei Minuten später, völlig ohne Kontrolle, schon drin.

Um 19:00 Uhr geht es dann los, zunächst mit den 2013 gegründeten Stellar Temple aus Frankreich. Die Band um Frontmann Thomas Kieffer läßt sich nur schwer in eine bestimmte Schublade packen, einige Songs erinnern an entspannte 70`er Jahre Rockmusik, andere Tracks haben wieder eine deutliche Grunge-Schlagseite. Man bedient sich in der großen musikalischen Schatzkiste der Vergangenheit und backt aus den diversen Zutaten einen eigenen Retrokuchen. Mal klingt die Band nach Pantera, dann wieder nach Soundgarden oder Led Zeppelin. Der Gesang von Thomas Kieffer ist dabei sehr variabel, der sich aber eher bei den langsamen Songs so richtig entfaltet. Die Band hat im Jahr 2016 mit Domestic Monster ein Album veröffentlicht, doch die Band ist bisher, obwohl ich an der Grenze zum Elsass wohne, völlig an mir vorbeigegangen. Ich habe das Album nie gehört, aber wie ein Monster wirkt die Band auf der Bühne gar nicht, eher wie eine lahme Schildkröte. Die Songs plätschern, obwohl Retrobands ja durchaus angesagt sind, nichtssagend und unspektakulär vor sich hin und von Bühnenshow hat die Band bisher wohl auch noch nichts gehört. Frontmann Kieffer läuft auf der Bühne herum wie beim Sonntagsspaziergang und der Rest der Musiker, in Form von Gitarrist David Husser und Bassist Marc Strebler, steht wie angewurzelt. Der französische Underground hat durchaus gute Rock- und Metalbands zu bieten, aber Stellar Temple ist nicht mein Ding. Die Franzosen, die hier auch den Großteil des Publikums ausmachen, sehen das aber offenbar etwas anders und feiern die Retrocombo, als würden Phil Anselmo, Chris Cornell oder Robert Plant selbst auf der Bühne stehen.

Auf die Hauptband des Abends bin ich mächtig gespannt. Nicht, dass ich nun der große Fan bin, aber mein letztes Scorpions Konzert ist über 20 Jahre her und ich frage mich, was bringen die Jungs heute, nach 53 Jahren Bandgeschichte, noch auf die Bühne. Außerdem, damals war natürlich auch Mikkey Dee noch nicht dabei. Die Umbaupause dauert, wie erwartet, etwas länger, doch nach 35 Minuten fällt endlich der große Vorhang und es ist an der Zeit für Kappen-Klaus und seine Scorpione. Die fünf Musiker lassen sich per virtuellem Hubschrauber auf der riesigen Backdrop-Videoleinwand einfliegen, um dann zu Going Out With A Bang vom Return To Forever Album auf die Bühne zu stürmen. Schnell wird klar, hier steht natürlich nicht mehr die aufstrebende junge Band auf der Bühne, die mit jugendlicher Spielfreude zur Sache geht. Nach über 50 Jahren auf allen Bühnen dieser Welt ist hier jeder Handgriff, jeder Schritt, jedes Riff …, pure Routine. Gitarrist Rudolf Schenker ist dann der Erste, der sich an den Bühnenrand und auf den kleinen Laufsteg wagt und wild post, was der Show gleich mehr Dynamik verleiht. Auch die Fans in den ersten Reihen sind begeistert und ein erster Jubelsturm geht durch Colmar. Aber auch bei den nachfolgenden Songs Make It Real und Is There Anybody There? ist die Publikumsbeteiligung noch recht zögerlich, was aber vielleicht an dem relativ kleinen Infield liegt, während ein Großteil der Besucher auf den Rängen rundum sitzt. Die Hannoveraner müssen wohl noch ein paar prägnante Riffs drauflegen, um die 10.000 Leute mitzureißen. Die erfahrenen Musiker wissen natürlich genau, was es braucht, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen und so schlagen bei The Zoo nicht nur die Bässe ordentlich in die Magengrube, sondern der Klassiker legt auch bei den Fans den Schalter um und erstmals wird an diesem Abend lautstark mitgesungen. Zur Belohnung kommt Frontmann Klaus Meine gleich mal mit zwei Händen voll Drumsticks an den Bühnenrand und verteilt diese fleißig in den vorderen Reihen. Ob sie von Mikkey Dee, oder gar der kompletten Band, signiert sind, konnte ich nicht sehen. Der Ex-Motörhead-Drummer thront etwas oberhalb von all dem Geschehen und verschwindet für mich leider komplett hinter seinem riesigen Drum-Kit. Wenigstens drückt die Band jetzt etwas aufs Gaspedal und bei dem wilden Medley der Anfangszeit Top Of The Bill / Steamrock Fever / Speedy`s Coming / Catch Your Train präsentiert sich die Band immer wieder in Dreier – und Vierergruppen auf dem Laufsteg, wobei vor allem Schenker immer wieder durch wildes Posing hervorsticht. Darüber hätten sich vermutlich auch die Fotografen während der ersten drei Songs gefreut, jetzt sorgt es aber zumindest noch für gute Stimmung und etwas Action auf all den verwackelten, miesen Handyvideos. Das Publikum ist auf Betriebstemperatur, und als Kappen-Klaus nun noch eine französische Flagge und sogar ein paar Brocken französischer Sprache hervorzaubert, brechen alle Dämme. Das instrumentale Delicate Dance gönnt Meines Stimmbändern eine kleine Erholung und wir kommen in den Genuss von Matthias Jabs erstem Gitarrensolo auf dem Laufsteg. Im darauffolgenden Block kommt die Hausfrauensektion, die hier in Colmar zahlenmäßig groß vertreten ist, voll auf ihre Kosten. Die Hannoveraner haben im Vergleich relativ selten Balladen produziert, doch wenn, dann entwickelten diese sich zu den erfolgreichsten Songs dieser einzigartigen Karriere überhaupt. Mit Send Me An Angel und, wie nicht besonders schwer zu erraten, der Wiedervereinigungshymne Wind Of Change wird Mitsing- und Feuerzeugalarm ausgelöst. Jetzt zeigt sich ganz besonders, dass Klaus Meine sich über all die Jahre seine geniale Stimme erhalten konnte. Nun bekommt man in Colmar vielleicht annähernd eine Vorstellung davon, wie die Stimmung damals, bei den Auftritten nach der Wende, in der ehemaligen DDR war. Ganz Colmar singt völlig textsicher zusammen Wind Of Change und das Zusammengehörigkeitsgefühl könnte nicht größer sein. Und doch war früher alles besser, denn das Feuerzeugmeer vergangener Zeiten wird heute ersetzt von einem Meer an Handys. Dreiviertel aller Besucher haben in diesem Moment ihr Smartphone in der Hand, um alles für Facebook und die Nachwelt festzuhalten. Danach wird glücklicherweise mit Tease Me, Please Me wieder gerockt. Endlich ist es auch an der Zeit den neuen Mann hinter der Schießbude, Mikkey Dee, vorzustellen, natürlich standesgemäß in Form des Motörhead-Songs Overkill. Dee prügelt wie ein Irrer auf seine Felle ein, während Lemmy himself auf der Backdrop-Leinwand thront. Das Publikum rastet aus und nicht wenige haben Tränen in den Augen. Immer wieder steht Mikkey hinter seinem gewaltigen Drum-Kit auf und bedankt sich artig, bevor er mit seinem Schlagzeug abhebt und sein Solo, in drei Meter Höhe und mit einer genialen Lightshow verbunden, spielt. Zu Blackout befestigt Rudolf Schenker nun eine mobile Nebelmaschine an seiner Gitarre und rast wie ein gestochener Skorpion über die Bühne. Die Scorpions sind in Höchstform und bieten hier ganz großes Kino. Zu Big City Nights werden wir per Leinwand durch diverse nächtliche Großstädte gebeamt, was dann aber nach nicht einmal 90 Minuten das offizielle Ende der Show einleitet. Natürlich kann ohne Rock You Like A Hurricane nicht Schluss sein, aber zumindest verschwindet die Band von der Bühne. Lange dauert es aber nicht und mit Still Loving You geht es in die nächste Kuschelrunde und wieder einmal zeigt Colmar, dass es auch bei den Uralt-Klassikern textsicher ist. Nun wird auch klar, warum bei bestem Wetter für Colmar heute eine Unwetterwarnung herausgegeben wurde, denn zum Schluss fegt der Hurrikan dann laut und vernichtend über die Elsassmetropole. Rock You Like A Hurricane lässt noch einmal alle ausrasten, es wird gebangt und gegrölt. Alle noch so lauten Zugaberufe bleiben leider unerhört und so bleibt vielen Fans nichts anderes übrig, als auf dem angrenzenden Weinfest ein Bier (notgedrungen geht auch Wein) auf einen tollen Konzertabend zu heben und das Erlebte Revue passieren zu lassen.

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