Swiss Metal Attack am 20.12.2019 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Stelldichein der Schweizer Metalszene

Event: Swiss Metal Attack 2019

Headliner: Burning Witches

Support: Gomorra, Pertness, Freakings, Influence X

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 20.12.2019

Kosten: 30,00 CHF VVK

Genre: Heavy Metal, Power Metal, Swiss Highland Metal, Thrash Metal, Progressive Metal

Besucher: ca. 300

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch Swiss Metal Attack https://www.facebook.com/swissmetalattack

Link: https://www.facebook.com/events/247205656200021/

Setlisten:

Influence X:
01. Asymmetrie
02. Determined
03. Existence
04. Mindtrap
05. Paranoise
06. Rotten Breath

Freakings:
01. Violent Disaster
02. Rise Of Violence
03. Txwxnxd
04. Hell On Earth
05. Friendly Fire
06. Psychedelic Warfare
07. Gladiator
08. Wave Of Pain

Pertness:
01. Intro
02. Frozen Time
03. From The Beginning
04. My Prophecy
05. Metamorphosis
06. Words Of Lies
07. Cold Wind Of Death
08. Foggy Dew
09. Outro

Gomorra:
01. Flames Of Death
02. Kursk
03. Gomorra
04. When Nobody Ask
05. Brother We`re Damned
06. Out Of Control
07. Hope For The Righteous
08. Breaking The Chains

Burning Witches:
01. Executed
02. Metal Demons
03. We Eat Your Children
04. Bloody Rose
05. Hexenhammer
06. Maiden Of Steel
07. Black Widow
08. Save Me
09. Open Your Mind
10. Holy Diver (Dio Cover)
11. Wings Of Steel
12. Jawbreaker
13. Burning Witches

Die Schweiz hat schon viel Gutes hervorgebracht: gute Uhren, leckeren Käse und Schokolade, echt scharfe Messer, aber kaum jemand denkt beim Thema Schweiz zuallererst an die Rock- und Metalszene des kleinen Landes. Dabei sind die Schweizer Musiker gerade stolz auf ihre gut funktionierende und äußerst spannende Metalszene. Mit Bands wie z.B. Celtic Frost, Krokus, Messiah, Hellhammer, Gotthard, Cataract, Samael, Shakra, Poltergeist … uvm. hatten die Schweizer schon lange einen gewissen Einfluss auf die Metalgeschichte, doch auch der Underground hat viel Spannendes zu bieten.

Alle Jahre wieder bietet die von Damir Eskic (Destruction, Gonoreas/Gomorra, Damir`s Rising Force) organisierte Swiss Metal Attack in der Konzertfabrik Z7 einen Einblick in die Vielfalt und das Talent der lokalen Szene. Das Indoor-Festival bietet jungen und aufstrebenden Schweizer Metal Bands eine Plattform, sich im legendären Z7, dort, wo sonst nur die großen internationalen Acts aufspielen, zu präsentieren. Auch heute sind wieder fünf Bands mit einer breiten Vielfalt am Start und werden die Location erzittern lassen. Wie schon in den letzten beiden Jahren dürfen sich die Bands auf der großen Bühne des Midi-Z7 austoben. Wie in jedem Jahr wurde im Vorfeld ein großes Geheimnis um Spielzeiten und Running Order gemacht, damit alle Bands die gleichen Chancen auf möglichst großen Publikumsaufmarsch haben, wobei man kein Prophet sein muss, um vorherzusagen, dass die Burning Witches als Headliner fungieren werden. Leider ist das Interesse vier Tage vor Weihnachten trotzdem nicht besonders groß und der Ansturm an Metalheads hält sich arg in Grenzen, was aber sicher nicht an der Qualität der Bands liegt.

Den Anfang machen heute pünktlich um 18:30 Uhr die Progressive Metaller Influence X aus Siebnen. Wieder einmal zeigt sich, dass der Opener solcher Festivals es schwer hat, denn die fünfköpfige Truppe spielt nur vor sehr magerem Publikum, was die Band aber nicht davon abhält, direkt von Anfang an Vollgas zu geben. Die Band ist mir bisher nur vom Namen her ein Begriff, live sehe ich sie heute zum ersten Mal und auch das Songmaterial ist mir überhaupt nicht vertraut. Zunächst fällt die raue und tiefe, aber doch sehr variable Stimme von Frontmann Ramin Daenzer positiv auf. Musikalisch bewegt man sich hier durchaus im hart rockenden Prog Metal im Fahrwasser von Symphony X und Dream Theater, jedoch macht man auch immer wieder mal kurze Ausflüge in den atmosphärischen Artrock. Auch die Tasteninstrumente von Keyboarder Vito Staedler bringen Abwechslung und symphonische Momente. All das hält sich jedoch in Grenzen, die vorantreibenden Gitarrenriffs von Rodger Iqbal dominieren das Geschehen und werden von der kreativen und disziplinierten Arbeit der Rhythmussektion getragen. Obwohl sich bei dem Sound sicherlich kein Freund von anspruchsvollem Prog Metal langweilen kann, gibt sich die recht überschaubare Kulisse noch zurückhaltend und abwartend. Auch Destruction Fronter Schmier mischt sich am frühen Abend schon unter das Publikum, obwohl seine Mädels erst ganz zum Schluss spielen. Um sich entsprechend Gehör zu verschaffen, greift Sänger Daenzer zwischendurch sogar zum Megafon, was kurzfristig bejubelt wird. Nach nur sechs Songs und gerade einmal 35 Minuten Spielzeit ist dann auch schon wieder Schluss und man muss die Bühne für die nachfolgende Band räumen.

Nach gut 15 Minuten Umbaupause heißt es dann um 19:20 Uhr Knüppel aus dem Sack. Mit den Freakings aus Bubendorf gibt es eine gehörige Portion Thrash Metal auf die Lauschlappen. Old school to the Bone! lautet das Motto des 2008 gegründeten Thrash Trios, das auch nach zwölf aktiven Jahren noch immer in der Originalbesetzung antritt. Das Motto nimmt man sich dann in den folgenden 35 Minuten auch sehr zu Herzen, ohne jedoch an gewisser Eigenständigkeit einzubüßen und altbacken zu klingen. Hier wird nicht lange gefackelt, vom ersten Moment an geht es in die Vollen. Zackiges Riffing, ein enorm wuchtiger Sound und eine herrische Stimme von Jonathan Brutschin diktiert die Apokalypse. Auch wenn sich das Z7 nur sehr zögerlich füllt, ist die Stimmung vor der Bühne nun schon eine ganz andere, es wird mitgegrölt und der eine oder andere schwingt auch sein Haupthaar. Auch Schmier lässt sich zwischendurch immer mal wieder im Publikum sehen, des Weiteren schaut auch Burning Witches Frontfräulein Laura Guldemond vor der Bühne vorbei. Auch die Schweizer Symphonic Metaller Deep Sun haben heute eine zweiköpfige Abordnung vorbeigeschickt. Es geht fast durchgehend in Höchstgeschwindigkeit zur Sache, wobei einem immer wieder die alten Helden wie Slayer, Kreator und Testament in den Sinn kommen, die hier als Inspiration gedient haben, aber auch jüngere Vertreter wie Violator oder Municipal Waste. Das Trio geht mit äußerster Spielfreude zur Sache und Fronter und Gitarrist Brutschin und Bassist Toby Straumann ergänzen sich auf der Bühne perfekt, während Brüderchen Simon Straumann an der Schießbude alles niedermäht und das Tempo hoch hält. Die Jungs müssen eine Pferdelunge haben, anders ist das auf Dauer hohe Tempo nicht zu erklären. Wer keine Lust mehr hat auf hochpolierten Metal, der ist bei diesem Abriss-Trio allerbestens aufgehoben!

Die nächste Band habe ich in diesem Jahr bereits auf dem Baden In Blut Festival gesehen, wo Pertness aus dem Berner Oberland einen hammermäßigen Auftritt abgeliefert haben. Während eines kurzen Intros betreten die Musiker mit Masken die Bühne und legen anschließend mit Frozen Time gleich gut los. Offenbar ist es auf der Bühne unter den Scheinwerfern mächtig warm, denn gleich nach der ersten Nummer entledigt man sich der Masken sofort wieder. Die vier Jungs im Kilt bezeichnen ihren Stil selbst als Swiss Highland Metal, wobei sich das eigentlich nur auf die Herkunft der Band bezieht. Im Grunde handelt es sich um klassischen, melodischen Power Metal mit leichtem Folk- und Thrash-Einschlag. Ab und an klopfen dabei Blind Guardian an, mal schauen Ensiferum um die Ecke. Obwohl die selbst ernannten Highlander schon seit über 25 Jahren aktiv sind und schon einige Hürden genommen haben, treten sie auch heute Abend wieder top-motiviert und voller Spielfreude an. Auch wenn die Songs überwiegend recht simpel und einfach gestrickt sind, kann heute endlich geklärt werden, was Männer unter dem Kilt tragen – in diesem Fall eine ordentliche Ladung Metal. Glücklicherweise verzichtet man in den Highlands auf unnötiges Blingbling wie z.B. Keyboards, stattdessen regieren hier die Riffgewalt und die raue Stimme von Frontmann Tom Schluchter. Auch die Stimmung vor der Bühne steigt nun rapide an und nicht wenige schütteln ihre Matte mal wieder kräftig durch. Die Jungs machen auch heute wieder richtig Spaß und legen die Messlatte für die nachfolgenden Bands recht hoch. Es kann nur einen Highlander geben? Nein vier, definitiv!

Auch wenn sich heute nur etwa 300 Leute ins Z7 verirrt haben, so wird es während der Umbaupause doch wesentlich voller vor der Bühne und Fans, die sich bisher eher im Hintergrund gehalten haben, drängen nach vorne. Der Auftritt von Gomorra steht an und die Band entert zu Flames Of Death die Bühne und wirbelt so das Publikum gleich mal zu Beginn durcheinander. Die früheren Gonoreas, die jetzt in verändertem Line-Up als Gomorra weiterhin aktiv sind, haben hier eine Menge Anhänger, was nicht zuletzt an Chef Klampfer Damir Eskic liegt, der hier gleich zu Beginn schon ordentlich angefeuert und abgefeiert wird. Schnell macht sich auch positiv bemerkbar, dass man mit Dominic Blum (Ex-Comaniac) wieder einen zweiten Gitarristen in der Band hat, denn so extrem fett haben die Jungs lange nicht geklungen. Ich habe die Band lange nicht mehr gesehen und so ist die Besetzung für mich völlig neu. Neu-Frontmann Jonas Ambühl (Atlas/Axis) macht am Mikro einen guten Job ohne Fehl und Tadel und steht seinem Vorgänger Leandro Pacheco, trotz anderem Timbres, in nichts nach. Auch Bassist Nico Ardüser (Atlas/Axis) ist für mich in dieser Formation neu, der sich hier gut ins Geschehen einbringt, aber seinen Vorgänger Pat Rafaniello noch nicht so ganz ersetzen kann. Aber die Hauptfigur ist heute Abend eh die Destruction-Klampfer-Bestie Damir Eskic, der die Bühne voll und ganz für sich einnimmt. Ständig wechselt er die Seite und post in den wildesten Verrenkungen am Bühnenrand oder vor dem Drum-Kit von Stefan Hösli und haut dem Publikum die Riffs buchstäblich um die Ohren. Dass es aber dermaßen kracht, das habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Doch auch für Gomorra ist nach gerade einmal 40 Minuten Schluss, doch die durch und durch überzeugende Show macht Lust auf die nächste Headliner-Show.

Nach dieser überzeugenden Steilvorlage von Gomorra ist es nun Zeit für den Hauptact des Abends und so zieht es auch die letzten Besucher von draußen herein. An dieser Stelle ein dickes Kompliment für die super Organisation, denn über den ganzen Abend wurde der Zeitplan exakt eingehalten und auch die Burning Witches stürmen mit nur einer Minute Verspätung auf die Bühne. Auch die Mädelsband sah ich zuletzt auf dem diesjährigen Baden In Blut Festival, wo sie leider mit ziemlichen Technik- und Soundproblemen zu kämpfen hatten. Nach dem bisherigen Sound heute ist das nun nicht zu erwarten. Als einzige Band des Tages dürfen die Mädels nun für 75 Minuten das Ruder übernehmen. Mit Executed und dem anschließenden Metal Demons gelingt ein guter Einstieg und ganz offenbar ist man gewillt, dem Z7-Publikum eine ordentliche Ladung Metal vor den Latz zu knallen. Etwas überrascht bin ich jedoch, Gitarristin Romana Kalkuhl auf der Bühne zu sehen, die erst kürzlich operiert werden musste. Im Vorfeld wurde schon eifrig gemutmaßt, ob sie denn schon wieder fit ist und es wurde von einigen durchaus erwartet, dass Damir Eskic ihren Platz für heute Abend einnehmen wird. Offenbar ist aber alles wieder im grünen Bereich, auch wenn sie sich noch nicht ganz so an der großen Bühnenaction beteiligt. Obwohl schon bei Gomorra die Stimmung top war, steigt das Stimmungsbarometer noch um ein ganzes Stück weiter an. Auch wenn die Band von vielen Metalheads müde belächelt wird und unter dem Motto Sex sells verbucht wird, so ist es den Hexen doch gelungen, sich eine gewaltige Fanbase zu erspielen. Angeführt werden die Damen natürlich auch heute von Oberhexe Laura Guldemond, die mächtig gut drauf ist. Somit kann es für den weiteren Verlauf nur in eine Richtung gehen, mit Volldampf voraus gen Abriss. Auch wenn man erst zwei Alben am Start hat, so kann man durchaus klotzen statt kleckern und muss nicht haushalten. Songs wie We Eat Your Children und Bloody Rose werden gleichermaßen abgefeiert, einen ersten Höhepunkt erreicht die Stimmung aber dann spätestens mit Hexenhammer. Lautstark wird mitgesungen und jeder Takt der brennenden Hexen wird bejubelt. Die Gitarrenarbeit von Romana Kalkuhl und Sonia Nusselder kann durchaus überzeugen und auch die Rhythmusfraktion in Form von Bassistin Jeanine Grob und Drummerin Lala Frischknecht webt einen sauberen Teppich. Die fünf Mädels wachsen immer mehr zu einer echten Einheit zusammen. Zum Ende hin sorgt natürlich der Dio Klassiker Holy Diver noch einmal für richtig gute Laune und Burning Witches sind der perfekte Rausschmeißer. Allen Lästermäulern zum Trotz, in dieser Band steckt unwahrscheinlich viel Potenzial. Direkt nach dem obligatorischen Foto schwingt sich Holländerin Laura, die erst kürzlich den letzten Auftritt mit ihrer Symphonic Metal Band Shadowrise absolviert hat, direkt hinunter in den Bühnengraben und schüttelt etliche Hände. Auch wenn sie für viele noch die ungeliebte Nachfolgerin von Seraina Telli ist, das Mädel ist super sympathisch und auf dem Boden geblieben. Alles in allem erlebten etwa 300 Metalfans ein weiteres Swiss Metal Attack Festival mit fünf hervorragenden Schweizer Bands.

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