The Gems am 02.04.2026 im Hamburger Knust

Schwedinnen und Schweizer läuten den Frühling ein

Eventname: Spring Tour 2026

Headliner: The Gems

Support: King Zebra, Mia Karlsson

Ort: Knust, Hamburg

Datum: 02.04.2026

Genre: Hard-Rock

Besucher: ca. 400

Eintrittspreis: VVK 32,50 EUR, AK 35,00 EUR

Setlisten:

  1. Year Of The Snake
  2. Queens
  3. Send Me To The Wolves
  4. Clout Chaser
  5. Go Along To Get Along
  6. Hot Bait
  7. Live And Let Go
  8. Forgive And Forget
  9. Guitar Solo
  10. Gravity
  11. Stars
  12. Math Ain’t Mathing
  13. Buckle Up
  14. Kiss It Goodbye
  15. Firebird
  16. Diamond In The Rough
  17. Happy Water
  18. Like A Phoenix

  1. Wicked
  2. She Don’t Like My Rock’n’Roll
  3. Dina
  4. Under Destruction
  5. Cyanide
  6. Starlight
  7. All I Want Is You
  8. Love Lies
  9. Wall Of Confusion
  10. Firewalker
  11. Children Of The Night

  1. Quiet
  2. Raindrops
  3. I’m Not The One
  4. Breathe Now
  5. Would You

Ein feines Package erfreut uns Ende März in Deutschland. Die Ladys von The Gems haben erkennbar mit den Hufen gescharrt, ihr brandneues Album Year Of The Snake live auf die Bühne zu bringen. Und erfreulicherweise startet die Slithering Through Europe-Tour in Deutschland. Zehn Städte stehen auf dem Plan – von West nach Süd und Ost nach Nord. Abschluss des „Spring-Breaks“ ist Hamburg, eine Stadt, mit der die Schwedinnen seit Jahren eine besondere Verbindung pflegen. Und natürlich kommt das Powertrio nicht allein – im Vorprogramm performen zwei Acts, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Mia Karlsson 2026 Hamburg; Foto: Norbert Czybulka

Den Auftakt macht um 20:25 Uhr eine Solokünstlerin, die offensichtlich die/den eine/n überrascht. Sowohl vom Setup als auch vom Programm, denn neben einer Gitarre ist auf der Bühne nichts zu sehen. Mia Karlsson, Gitarristin bei Crucified Barbara und regelmäßige Tour-Bassistin der Gems, bekommt die Chance, ihr erstes Album Coming Home zu präsentieren. Und beweist, welch musikalische Klasse und wunderschöne Stimme sie hat. In einer emotionalen Ansprache erzählt sie davon, dass sie nach einem Burnout glaubte, nie wieder Musik zu machen. Wie gut, dass sie die Kraft gefunden hat, weiterzumachen. Finden auch die Gems-Kolleginnen, die vom Bühnenrand applaudieren. Das Fünf-Song-Set hat Gefühl und Tiefe, besonders die neue Single Raindrops wird bejubelt.

King Zebra 2026 Hamburg; Foto: Norbert Czybulka

Nach kurzer Pause ändert sich die Atmosphäre. Denn schon kurz vor 21:00 Uhr stürmen – im wahrsten Sinne des Wortes – King Zebra die Bühne. Und lassen schon mit dem ersten Song Wicked keinen Zweifel daran, was der Plan ist: dem Begriff „Einheizer“ Ehre zu machen. Und das klappt so gut, dass Sänger Eric St Michaels bereits nach dem dritten Song Dina die Jacke in die Ecke wirft. So kann man das Gems-Shirt auch viel besser sehen – auch ein Zeichen, wenn die Vorband das Shirt des Hauptacts trägt … Die fünf Schweizer sind jedenfalls richtig gut drauf, die Gitarristen Roman Lauer und Jerry Napitupulu wechseln auf der kleinen Bühne permanent die Positionen und Frontmann Eric bearbeitet den Mikroständer wie Coverdale in seinen besten Tagen. Apropos beste Tage: Der eingängige Hardrock der Zebras atmet den Hauch der Achtziger und ältere Semester erkennen in St. Michaels die prägnante Stimme von China wieder. Cyanide und Under Construction geben ordentlich Gas, Starlight, der Opener des 2024er-Albums Between The Shadows überzeugt mit geilem Riff. Die erst am 19. März veröffentlichte Single All I Want kommt allerdings ein bisschen sehr süß und klebrig daher. Dafür steht mit Wall Of Confusion der Höhepunkt des Gigs an: Gems-Röhre Guernica Mancini, die den Song bereits auf dem Album Survivors bereichert hatte, kommt auf die Bühne und rockt mit den Alpen-Königen. Die 400 Fans im Knust sind erwartungsgemäß aus dem Häuschen und nun endgültig bereit für den Headliner. Davor müssen sie allerdings bei Outro und Selfie-Part von King Zebra noch eine Jodelarie über sich ergehen lassen …

The Gems 2026 Hamburg; Foto: Norbert Czybulka

Nach den Königen wird es nun Zeit für die neuen Queens des Hardrock. Die Uhr zeigt inzwischen 22:15 Uhr. Die Bühne ist in blutrotes Licht getaucht. Motörhead hält mit Love For Sale und Broken das Energielevel oben. Dann die ersten Töne von Walls, dem pulsierend-emotionalen A-Capella-Einstieg des brandneuen Albums. Wie Schatten huschen die vier Schwedinnen auf die Bühne. Sängerin Guernica stellt den mächtigen Plateau-Stiefel auf die Monitorbox … und los geht das schwedische Feuerwerk. Mit dem Titelsong Year Of The Snake zu starten, ist ein klares Statement. Year Of The Snake wirft die Vergangenheit wie eine alte Haut ab und etabliert das schwedische Trio als eine der führenden All-Female-Bands im internationalen Hardrock. Und so ist es nur folgerichtig, dass die Band alle Titel des neuen Albums auf die Bühne bringt. Nur punktuell eingestreut sind Songs vom Debüt Phoenix, wie das gefeierte Send Me To The Wolves. Das Hamburger Publikum ist ab der ersten Sekunde voll da und feiert die folgenden Clout Chaser, Go Along To Get Along und Hot Bait überraschend textsicher ab. Überhaupt zeigt sich eine ganz besondere Atmosphäre und Nähe zwischen Band und Publikum. Immer wieder unterbricht Guernica vor Rührung über die offensichtlich unerwartete Resonanz. Aber die Gems sind heute auch in absoluter Topform. Emlee Johansson, der Heartbeat der Band, trommelt wie ein Uhrwerk und bekommt das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Mia Karlsson legt mit ihrem soliden Bass ein fantastisches Fundament, auf dem Gitarristin Mona Lindgren mit Präzision, Gefühl und grandiosen Soli aufsetzt. Man spürt, wie stolz die drei Namensgeberinnen – Gems steht nicht nur für ein besonderes Rockjuwel, sondern beinhaltet die Künstlerinnen Guernica, Emlee und Mona auch linguistisch – auf ihr neues Werk sind.

The Gems 2026 Hamburg; Foto: Norbert Czybulka

Während auf dem Debüt noch eine Menge Schmerz und Verarbeitung ob des Ausscheidens beim Filippa-Nässil-Projekt Thundermother zu spüren war, ist Year Of The Snake ein Zeichen des Aufbruchs und der Veränderung. Diesen Schwung spürt man nicht nur im Songwriting, sondern besonders in der Live-Performance. Diese Gang – inklusive „Aushilfs-Bassistin“ – ist eine Einheit. Hier stehen Freundinnen on stage, die lieben, was sie tun. Kein Wunder, dass kein einziger Song aus der gemeinsamen „T-Phase“ gespielt wurde. Ist auch unnötig, denn es wurden explizit Songs kreiert, die das Live-Repertoire perfekt ergänzen. Schnellere Nummern, mehr Heavy, mehr Blues und jede Menge Ohrwurmcharakter. Bester Beweis: Gravity, das Guernica im silbernen „Disco“-Jackett präsentiert, ist die geborene Hit-Single, die das Fan-Spektrum deutlich erweitern dürfte. Es ist schwer, aus dem energiegeladenen Auftritt einzelne Songs herauszuheben. Die Spielfreude der Schwedinnen ist heute nicht zu schlagen – sicher auch der Vorfreude auf die österliche Tourpause geschuldet. Einen besonderen Moment setzt das Akustik-Medley aus Ease My Pain, Running und Fruits Of My Labour. Hier offenbart sich die unfassbare Stimme Mancinis in ihrem vollen Umfang – von zart-zerbrechlich bis rau-rockig. Dann wird mit Firebird, Diamond In The Rough und dem Trinklied Happy Water noch mal ordentlich Gas gegeben, inklusive Guernicas Bad in der Menge. Und plötzlich sind 17 Songs vorbei und die Zugabe steht an. Mona kündigt an, dass es heute eine Jazz-Version von Like A Phoenix geben wird. Die kleine Reminiszenz an ihre und Emlees „Fun Combo“ JL Trio endet zum Glück schnell und der Song entwickelt seine volle Strahlkraft. Unterstützt von King Zebra endet der Abend fulminant mit voller Bühne, glückseligen Bands und einem begeisterten Publikum, das an diesen Aprilabend im Knust lang zurückdenken wird.