The Other – Haunted

Starker Horrorpunk mit viel Hard Rock, Rock 'n' Roll und Melodie. Mittlerweile besser als das Original.

Artist: The Other

Herkunft: Deutschland

Album: Haunted

Spiellänge: 45:30 Minuten

Genre: Horrorpunk, Rock ’n‘ Roll

Release: 12.06.2020

Label: Drakkar Entertainment

Link: https://www.facebook.com/theotherhorrorpunk

Bandmitglieder:

Gesang – Rod Usher
Gitarre – Ben Crowe
Gitarre – Pat Laveau
Bass – Aaron Torn
Drums – Dr. Caligari

Tracklist:

1. Mark Of The Devil
2. We’re All Dead
3. Turn It Louder
4. Dead To You – Dead To Me
5. Was Uns Zerstört
6. On My Skin
7. 1408 & 217
8. Vampire Girl
9. Absolution
10. Fading Away
11. Creepy Crawling
12. To Hell And Back
13. The Silence After The First Snow

Lasst uns ehrlich sein: Style, Image und Attitude des Genres Horrorpunk führen am Ende immer zu den Gründervätern Misfits, deren Geburtsjahr mit meinem übereinstimmt.
Über viele Jahre war die Band mit ihren Aushängeschildern Glenn Danzig, Michale Graves und natürlich Jerry Only unantastbar und vor allem durch die beiden Granatenalben nach der Reunion Ende der Neunziger, American Psycho und Famous Monsters, federführend und prägend.

Nur wenige Jahre später erblickten The Other aus Nordrhein-Westfalen das Licht der Welt.
Und wie das nun mal so ist, wenn man eine Horrorpunk-Band gründet, standen die großen Vorbilder in der Anfangszeit natürlich Pate.

Im Laufe der Zeit emanzipieren sich The Other allerdings immer mehr und bringen auf dem 2015er-Release Fear Itself neue Einflüsse aus Rock und Metal dazu, die das enge Misfits-Gewand von innen heraus aufplatzen lassen.

Zwei Jahre später kommt Casket Case raus und führt den eingeschlagenen Weg noch konsequenter fort. Noch mehr Melodien, mehr Variationen im Tempo und mehr als einmal kommen mir auch die Kalifornier von Tiger Army in den Kopf.

Was erwartet uns also nun im Jahr 2020?

Zum einen, ein mal wieder ein klasse CD-Cover im Stil der alten US-Horrorfilme aus den Fünfziger und Sechziger Jahren.
Zum anderen schon mal einen ersten Hit: Mark Of The Devil klingt wie eine Mischung aus Ghost, Tiger Army, Social Distortion und Type O Negative. Die Nummer macht unglaublich viel Spaß und strapaziert die Repeat-Taste enorm.

We’re All Dead atmet einen rotzigen Turbonegro-Spirit, Horror Punk ’n‘ Roll quasi, ohne auf den ursprünglichen Düsterdrive zu verzichten. Was ein Brett!

Der Orange County-Rocker Turn It Louder lässt die Sonne aufgehen und ist ein erstklassiger Soundtrack, um den Highway 101 mit offenen Fenstern entlang zu cruisen. So viel Leichtigkeit und Melancholie in einem Song, der mit einem waschechten Hardrockriff endet. Auch hier: saustark, Jungs!

Dead To You – Dead To Me fährt den Rock ’n‘ Roll-Faktor dann etwas runter und kippt etwas in Richtung Gothic-Rock, wohingehend Was Uns Zerstört auch auf einem Deutschpunk-Sampler zu finden sein könnte.

Ebenfalls deutschsprachig ist auch das Anti-Nazi-Lied Absolution, das mit Zeilen wie „Kein Gott, kein Führer, keine Religion. Denken statt folgen, bleib Individuum“ klar Stellung bezieht.
Gerade in diesen komischen Zeiten, in denen irgendwelche verwirrten Kasperköpfe die Straßen mit einer Mischung aus Verschwörungstheorien, religiösem Humbug und nationalistischen Parolen blockieren, tut es gut, auch mal wieder vernünftige Statements zu hören.

Fading Away steht musikalisch mit seinen poppigen Momenten dazu im krassen Gegensatz und hinterlässt bei mir keinen bleibenden Eindruck; auch das folgende Creepy Crawling mit seiner leicht Anthrax’schen Strophe kann nicht an die erste Hälfte der Scheibe anknüpfen.

Was haben wir denn noch so?

Ach ja, On My Skin. Kommt schön düster daher und ebnet den Weg für 1408 & 217, den wohl „typischsten“ Horropunk-Brecher auf Haunted. Schön im Uptempo gehalten, mit einem nicht genrefremden Psychobilly-Touch in der Strophe und einem superhymnischen Refrain ausgestattet. Dazu passt auch das folgende Vampire Girl wie der Kajal-Stift ums Auge.
Midtempo, eingängiger Refrain und ein garantierter Livehit.

Die Finnen Lordi würden sich nach einem Song wie To Hell And Back wahrscheinlich mittlerweile die Finger lecken. Astreiner Hardrock mit Düstertouch und einem extremen Feel Good- nun…Feeling.

War es das?

Nö, einen haben wir noch: The Silence After The First Snow.
Ein schöner, melodischer Horrorpunk-Schunkler, der im Refrain etwas an alte Die Toten Hosen erinnert, strophentechnisch aber ein breitbeiniger Rocker bleibt.

The End.

Was bleibt, ist die Tatsache, dass ich noch nie so viele Referenzen in einem Review aufgeführt habe.
Spricht das jetzt für eine extreme Vielfalt oder für eine etwas verloren gegangene Orientierung?

Ich denke, wir können hier zu 100 % auf „Vielfalt“ setzen.
The Other klingen so abwechslungsreich und vor allem gut wie noch nie.

Chapeau, meine Herren!

The Other – Haunted
Fazit
The Other sind mittlerweile einfach besser als die Misfits. Punkt.
Nicht nur, weil die Amis irgendwie nur noch vor sich hindümpeln, sondern weil die Jungs aus dem Bergischen Land mittlerweile einfach kreativer und reifer sind.

Natürlich hört man die Wurzeln der Band auf Haunted in jeder Sekunde heraus, allerdings wird hier nicht zum hundertsten Mal Glenn Danzig zitiert.
Stattdessen gibt es neben dem "typischen" Horrorpunk auch viel Gutes aus Hardrock, Rock 'n' Roll und Glam dazu.

The Other sorgen auf Haunted für düsteres Sommerfeeling, das gerade jetzt im Herbst herzlich willkommen ist.

Anspieltipps: Mark Of The Devil, We're All Dead und Vampire Girl
Andreas B.
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