Uzziel: Der etwas andere Schlag in die Fresse

Wer als Underground-Band mit kompletter Do-it-yourself-Mentalität ein Debüt raushaut, dem Kritiker neben Spielwitz und Ohrwurmgefahr unterstellen, der verheißungsvolle Start eines “Rohdiamanten” zu sein, macht schon mal eine Ansage an die Szene. Wenn diese Band dann noch von sich selbst sagt, dass sie ebendiesen Erstling rückblickend nur als Teil eines Lernprozesses betrachtet, dann ist das eine Ansage an alle, Liebhaber und Hater des Debüts, dass sie von dieser Band noch lange nicht alles gesehen und gehört haben – und vor allem, dass da  jemand noch ordentlich von sich hören lassen wird. Und genau so eine Ansage ist es, die jetzt die österreichischen Thrasher von Uzziel vorlegen, die mit Torn Apart 2014 bereits einen bleibenden Eindruck vor allem bei deutschsprachigen Underground-Kennern hinterlassen haben. Nun legen die vier Schwermetaller um Sänger Mex Uzziel, Frontmann und Allrounder, der seine Band mit ebenso harter wie sicherer Hand führt, und neben Aufnahmen, Booking, Video- und Grafikdesign eben auch für Texte und den schwarzmetallisch angehauchten Thrash-Sound seiner Band verantwortlich zeichnet, mit einem ordentlichen Schlag auf europäischer Ebene nach:

“Nicht nur textlich möchten wir mit unserer Musik den Leuten gehörig einen vor den Latz knallen. Der Schlag in die Fresse wird bei uns aber nicht, wie in der Metalbranche üblich, mit noch extremeren oder schnelleren Gitarren- oder Schlagzeugparts ausgedrückt, sondern wir machen da einen extremen und bewussten Stilbruch, wie z.B. mal ein Jazz-Intro oder etwas Unerwartetes ganz plötzlich, mitten in den Songs.”

Und wer This Fear (VÖ 8. November 2019 via SAOL/Bertus/The Orchard) in die Hände bekommt, merkt sofort, dass all das mehr als wörtlich zu nehmen ist. Uzziel gelingt es, die für den Sound der Band typische düster-misanthropische Grundthematik bis zum Anschlag zu strapazieren – sei es das Gefühl des Verlassenwerdens, das in Songs wie Acid Rain oder Dementia spürbar wird, oder die herausgeschriene Verzweiflung angesichts der Aussichtslosigkeit und des Scheiterns in Final Solution. Es ist die unfassbare Energie dieser Songs, die auch die für sich selbst sprechenden Live-Erfolge dieser Band, u.a. als Support für Sepultura, Dark Tranquility, Caliban oder Six Feet Under, erklärt. So etwas will und muss einfach erlebt werden.

Uzziel machen sowohl musikalisch als auch stilistisch noch einen wichtigen Schritt nach vorn, einen Schritt in eine mehr als vielversprechende Richtung – der eben auch ein Stück weit ein Ausfallschritt ist, um zum Punch auszuholen. Am Ende könnten sie mit This Fear einmal mehr beweisen, was harte Arbeit und ein unbändiger Wille leisten können. Als ersten Beweis dafür liefert die Band mit dem Lyric-Video zu Acid Rain heute den ersten Vorgeschmack auf das Album:

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