1. Mittelalterlicher Biergarten am 04.09.2020 in Wildberg

Spielleute Skadefryd begeistern beim Abendkonzert

Event: 1. Mittelalterlicher Biergarten

Bands: Spielleute Skadefryd, Des Geyers Schwarzer Haufen

Ort: Burg Wildberg, Schlossstraße, 72218 Wildberg

Datum: 04.09.2020

Kosten: 6,- €

Genre: Mittelalterliche Marktmusik, Folk

Besucher: ca. 200

Veranstalter: DWK-Events / Dieter „vom Galgenberg“ Wurster https://www.facebook.com/DWK
https://www.dieter-v-galgenberg.de

Link: https://www.dieter-v-galgenberg.de/veranstaltungen.html

Setlist Spielleute Skadefryd:

01. Ai Vist Lo Lop
02. Männer Mit Bärten
03. Papst Und Sultan
04. Tod Und Mediziner
05. Tri Martolod
06. Sto Mi E Milo
07. Als Lumpen Tun Wir Fahren
08. Piratenseele
09. Traum Vom Tod
10. Ich Und Ein Fass Voller Wein
11. Sauft Brüder Sauft
12. Tavernenlied
13. Je Jacobites By Name
14. Hat Dein Mann
15. Alle Meine Lebetag
16. Wild Rover
17. Son Ar Chistr / Was Wollen Wir Trinken
18. Wein, Weib Und Gesang
19. Die Schwarze Witwe
20. Nimm Sie Dir
21. Spielmanns Los
22. Lord Of The Dance
23. Loch Lomond
24. Geh Doch
25. Roll The Old Chariot Along (Zugabe)
26. Drunken Sailor (Zugabe)
27. Santyano (Zugabe)
28. Blau Wie Das Meer (Zugabe)
29. Hallelujah (Zugabe)

Nachdem Corona-bedingt auch die großen Mittelaltermärkte und MPS-Events nicht stattfinden dürfen, springt nun Veranstalter Dieter „vom Galgenberg“ Wurster in die Nische und organisiert den 1. Mittelalterlichen Biergarten zu Wildberg im Schwarzwald. An insgesamt drei Tagen bauen Händler ihre Zelte im Burggelände auf und bieten allerlei Nützliches und Unnützes zum Kauf an, was das mittelalterliche Herz begehrt. Eine Taverne und Fleischbräterei laden zu Speis und Trank. Für die kurzweilige Unterhaltung sorgen Gaukler, Zauberer und Spielleute.

Wir kommen erst recht spät am Nachmittag gegen 17:00 Uhr an der Burg Wildberg an, die auf einem auslaufenden Sporn weit über dem Tal der Nagold liegt. Die Parkplatzsituation vor Ort ist, kurz gesagt, nicht das Gelbe vom Ei, erst nach 20 Minuten Sucherei gelingt es uns, die neumodische Benzinkutsche abzustellen, sodass wir gegen 17:30 Uhr dann endlich unseren Wegezoll entrichten können. So haben wir einen großen Teil des Nachmittagsprogramms und auch das meiste vom Des Geyers Schwarzer Haufen-Auftritt verpasst. Viel verpasst haben wir aber offenbar nicht, denn als wir die Burganlage betreten, laufen nur vereinzelt ein paar Besucher herum oder sitzen verteilt an einigen Tischen vor der riesigen Bühne, vor der gerade ein Gaukler dabei ist, die kleinen Mittelalter-Fans zu unterhalten.

Somit wenden wir uns zuallererst der Taverne zu und versorgen uns mit etwas Flüssigem, bevor sich an der Fleischbräterei doch tatsächlich die Sau vor uns versteckt hat. Im Vorfeld wurde Spanferkel am Spieß angekündigt …, nun ja, der Spieß ist da, doch die Sau glänzt durch Abwesenheit. Wie wir erfahren, wurden im Vorverkauf nur etwas über 50 Tickets für die Veranstaltung verkauft und so vermute ich, hat sich das Ferkel wohl nicht gelohnt. So müssen wir auf Steak und Currywurst zurückgreifen, was aber nicht wirklich weiterzuempfehlen ist. Wir bleiben den Rest des Tages lieber beim kühlen Blonden, getreu dem Motto, das bisschen, was wir essen, können wir auch trinken.

Nachdem der Gaukler die Kleinen bespaßt hat, kommen wir doch noch in den Genuss eines kurzen Sets von Des Geyers Schwarzer Haufen. Wie wir erfahren, hatten sich beim Nachmittags-Set des Ludwigsburger Trios gleich mal die ersten Spießbürger Wildbergs über die Lautstärke beschwert, ob es nun aber wesentlich ruhiger zur Sache geht, kann ich nicht beurteilen. Das Trio, das sich bereits 1983 gründete (aktuell bestehend aus Albrecht Schmidt-Reinthaler, Andreas Berg und Bernd Settgast), peppt alte mittelalterliche Songs und Texte großer und wichtiger Zeitgenossen neu auf und versieht sie mit eigenen Folk- und Rock-Elementen. Die Tische vor der Bühne sind nur mäßig besetzt, dennoch kann das Trio am Ende ein wenig Handgeklapper ernten.

Im Anschluss sind dann die Kleinen wieder an der Reihe, denn ein Zauberer führt ein paar seiner Kunststücke auf und kann auch ein paar der Großen in seinen Bann ziehen.

Ab 19:00 Uhr steht dann das große Abendkonzert des ersten Tages mit den Spielleuten Skadefryd aus Bad Säckingen auf dem Programm und tatsächlich füllen sich nun langsam die Reihen. Die 2013 gegründete Marktmusik-Gruppe besteht aktuell aus Gunnar dem Trobador, Nephilim dem Goldkehlchen, Gevatter dem Schwarzen Barden, Graf Markus dem Fähnrich und Yelva der Klangvollen, die sich für diesen Auftritt aushilfsweise mit dem Trommler Hector von Tinnitus Brachialis verstärkt haben, da die eigene Suche nach einem neuen Mann bisher nicht von Erfolg gekrönt ist. Auch für die Spielleute ist es der erste Auftritt nach der Corona-Pandemie, dennoch ist die sechsköpfige Truppe heiß darauf, endlich ihr neues, drittes Album Pest Off! live zu präsentieren, welches erst am 20. August auf einer neumodischen Silberscheibe erschienen ist. Die Formation vom Hochrhein steigt dann jedoch mit Ai Vist Lo Lop, einem alten Liedleyn in okzitanischer Sprache, in ihr Abendprogramm ein. Das Repertoire der Spielleute ist mittlerweile groß und breit gefächert, von Minnesang über historische Melodien, Piratenlieder, selbst verfassten Versen, Rauf- und Saufliedern bis hin zu extrem tanzbaren Rhythmen, und so gibt es in den folgenden zweieinhalb Stunden einen Strauß bunter Melodien. Mit Gitarre und Gesang werden Geschichten und Erlebnisse aus dem bewegten Mittelalterleben erzählt und mit allerlei witzigen Gesten, Weisheiten, Anekdoten und Sprüchen untermalt. Die Auftritte der Spielleute sind auch immer ein Stück weit ein buntes Kostümfest, denn zu Papst Und Sultan darf Fähnrich Markus, neben den üblichen Band-Gewandungen, mal kurz den Papst mimen und Troubadour Gunnar schlüpft gerne mal in die Rolle des Piratenkapitäns. Tanzen ist in Zeiten von Corona zwar nicht angesagt, dennoch sind die Tische vor der Bühne ziemlich gut gefüllt und es dauert auch nicht lang, bis die ersten mit einsteigen, mitsingen und sich mit Handgeklapper die Finger wärmen. Unter den Gästen sind nicht nur Gewandete, sondern auch eine ganze Reihe jüngerer Leute, die nur unschwer als Metal-Fans zu erkennen sind. Auch die nächsten Songs stammen alle von den beiden Vorgänger-Alben Cantus Vagus und Westwind, bevor dann als sechster Titel mit Sto Mi E Milo endlich einer der neuen Songs zum Besten gegeben wird. Von Pest Off! gibt es im regulären Set noch das Tavernenlied, Wein, Weib Und Gesang, Die Schwarze Witwe, Nimm Sie Dir, Spielmanns Los und Geh Doch auf die Ohren, bunt gemischt mit einem Best of-Programm. Natürlich funktionieren auch hier die Saufsongs wie Wein, Weib Und Gesang und Was Wollen Wir Trinken am besten, denn das Saufen funktioniert auch in Zeiten von Corona und Abstandsregeln. Entgegen vieler anderer gleichgearteter Formationen wird bei den Spielleuten Skadefryd ein weiteres Mal komplett auf technische Hilfsmittel wie Verstärkeranlagen verzichtet, hier ist alles echt und ungefiltert und das ist es auch, was die Auftritte zu etwas Besonderem macht. Und so ganz nebenbei, so klappt es dann auch mit den Nachbarn von Wildberg. Obwohl die reguläre Spielzeit von zwei Stunden bereits um ist, lassen sich die Bad Säckinger nach Zugaberufen nicht lange bitten und legen mit Roll The Old Chariot Along und den vier neuen Songs Drunken Sailor, Santyano, Blau Wie Das Meer und der Leonard Cohen-Nummer Hallelujah noch einmal gewaltig nach. Nach zweieinhalb Stunden ist dann aber endgültig Schluss und trotz einiger kleiner Patzer, die darauf zurückzuführen sind, dass man während der gesamten Corona-Pandemie nicht einmal geprobt hat, können die schadenfrohen (übers. Skadefryd) Bad Säckinger auf ganzer Linie begeistern.

Eigentlich sollte nun der erste Tag zu Ende gehen, doch relativ kurzfristig hat Veranstalter Dieter vom Galgenberg von der Stadt noch die Genehmigung bekommen, ein bisschen mit dem Feuer zu spielen und so dürfen nach den Spielleuten auch noch Ellyldan die Bühne entern, die die Besucher dann mit einer spektakulären Tanz- und Feuershow in die Nacht schicken.

Am Samstag und Sonntag stehen noch die Abendkonzerte von Fairy Dream und Saitenstreich auf dem Programm, doch dafür ist uns die Fahrerei dann doch zu weit.

Fazit: Obwohl die Parkplatzsituation ärgerlich war und auch die Fleischbräterei nicht überzeugen konnte, so war es ein kleiner, feiner Markt in wunderschöner Umgebung, der deutlich gemacht hat, dass man auch in Zeiten von Corona nicht gänzlich auf Veranstaltungen verzichten muss. Die Abstandsregeln wurden eingehalten und auch die Hygienevorschriften wurden zu 100 % umgesetzt, denn kaum war jemand am Tisch aufgestanden, war auch schon jemand zum Desinfizieren da. Vorbildlich!

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