The Silent Wedding – Ego Path

Die Griechen überzeugen auf ihrer dritten Scheibe durch vielschichtigen Prog Power Metal

Artist: The Silent Wedding

Herkunft: Athen, Griechenland

Album: Ego Path

Spiellänge: 51:19 Minuten

Genre: Heavy Metal, Prog Metal

Release: 11.02.2022

Label: F.Y.B Records

Link: https://www.thesilentwedding.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Marios Karanastasis
Gitarre und Samples – Jim Katsaros
Bass – George Kritharis
Schlagzeug – Renos Lialioutis
Tasteninstrumente und Background Vocals – Johnny Thermos

Tracklist:

  1. The Eternal Enigma
  2. Time Of Darkness
  3. The Sea Of Fate
  4. Caught In The Web
  5. Reveal The Rain
  6. Sinners In Disguise
  7. Stealing The Sun
  8. Point Of No Return
  9. The Final Token
  10. Ehtereal Walls
  11. Song Of The Dead
  12. A Path To Nowhere

Sieben Jahre nach ihrem letzten Album Eternal Enigma und sich anschließenden Touren mit Threshold oder Iced Earth, veröffentlichen die Griechen ihr drittes Full Lenght Album. Gegründet haben sich die fünf 2006 und zwei Jahre später erschien ihr erste selbst betitelte EP mit vier Songs und einem Live-Cover-Track von WASP. Die Kritiker waren angetan und 2013 kam dann ihr erstes komplettes Album bei dem in Belgien ansässigem F.Y.B Records heraus. In den folgenden Monaten promoteten die Jungs aus Athen ihre Platte auf diversen Festivals, auf eigenen Shows und waren auch mit Voodoo Six und Maiden United unterwegs. In der Zeit konnten sie sich eine kleine, aber stabile und wachsende Fan-Base aufbauen, zu der unter anderem ich gehöre. Seit der ersten EP verfolge ich die Entwicklung und freue mich deshalb um so mehr, dass ich das neue Album vorliegen habe. Auf der Scheibe sind zwölf Songs, die sich auf knapp 52 Minuten verteilen. Musikalisch bewegen sich die aus Athen stammenden Musiker im Bereich des modernen Heavy Metal, mit progressiven Einflüssen, die vor allem durch die Keyboards von Johnny Thermos hervorgerufen werden. Sänger Marios Karanastasis steuert sein Timbre entsprechend bei und seine Stimme klingt ab und an etwas gewöhnungsbedürftig, was wohl an den epischen Akzenten liegen mag. Dabei singt er in einem verständlichen Englisch, was das Zuhören vereinfacht. Aber das gehört zu der Truppe und was wären The Silent Wedding ohne ihren Frontmann, der auf die Bühne gehört. Für die Gitarrenarbeit zeichnet Jim Katsaros verantwortlich, der unter anderem auch für die Samples zuständig ist, die den progressiven Touch weiter ausbauen. Hinter der Schießbude sitzt Renos Lialioutis, der nicht nur etwas an das „Tier“ bei den Muppets erinnert, sondern auch so wild agiert. Ihn bei den Shows zu sehen, ist absolut lohnenswert. Dann ist da noch Bassist George Kritharis der die Band mit mächtigen Salven aus dem Viersaiter vervollständigt und mit Renos zusammen die dynamische Basis bildet.

Nun aber zur neuen Platte. Die beginnt mit einem Instrumental, das zunächst etwas befremdlich wirkt. Eigentlich nur Synthifragmente mit verzerrtem Gesang im Hintergrund, wobei der Titel The Eternal Enigma wohl eine Verbindung zum letzten Album Enigma Eternal schlagen soll. In ähnlicher Manier beginnt Time Of Darkness. Auffällig, wie auch bei fast allen anderen Songs, ist die melodiöse Ausrichtung, die auf Stimme und Keyboards basiert. Das ist sozusagen eines der wichtigsten Elemente in den Songs. Dabei ist die Gitarre sozusagen die Straße, auf der sich die beiden anderen gekonnt bewegen. Die Rhythmusfraktion liefert für eben diese Straße den Untergrund. So setzt sich das alles zusammen und ergibt einen The Silent Wedding Song. Time Of Darkness ist in dieser Manier und soll dann auch als Singleauskopplung beweisen, dass The Silent Wedding eigentlich in eine höhere Liga gehören. Das zeigt sich auch wieder in The Sea Of Fate. Johnny Thermos gibt die melodiöse Ausrichtung vor, die dann von Marios aufgegriffen wird und beide ergänzen sich harmonisch zu einem komplexen Stück. Deutlich ist der recht dominante Part der Tasteninstrumente und da sind die Gitarrenparts fast schon als stiefmütterlich zu bezeichnen. Trotzdem dürfen sie nicht fehlen, um dem Track diese Kraft zu verleihen. Mit Caught In The Web folgt die zweite Singleauskopplung. Dieses Stück lebt von einer großartigen Melodie und einem Chorus, der es einem einfach macht und schnell mitgesungen werden kann.

In dieser Art und Weise geht es weiter. Reveal The Rain und Sinners In Disguise schließen sich an. The Silent Wedding zeigen auch hier wieder ihr Gefühl für Melodie und Songstrukturen, die nicht rein als Metal zu bezeichnen sind. Sie schaffen es, eine Brücke aus hartem Riffing und auch mal guten Soloeinlagen von Jim Katsaros (wie man schön in den beiden Tracks hören kann) und schon teilweise orchestralen Parts zu schlagen. Immer wieder gelungen ist der stimmliche Einsatz, der sich durch den Song schlängelt, wie eine Anakonda um ihr wehrloses Opfer. Stealing The Sun stützt sich zunächst in der Strophe auf Keyboards und Piano und erst im Refrain wird es gemeinschaftlicher. Das im unteren Tempo gehaltene Stück kommt mit einer schon fast epischen Theatralik um die Ecke und erzeugt ein in den 70ern angesiedeltes Stück romantische Atmosphäre. Mit Point Of No Return wird wieder die Progschiene gefahren. Zunächst klingt das Stück, als wenn die Spuren beim Mix nicht passend übereinandergelegt wurden. Bei genauerem Hinhören erkennt man aber den Zusammenhang, der hier wieder durch die Keypassagen hergestellt wird und dann durch den Gesang von Marios Karanastasis zusammengehalten wird. Trotzdem bleibt der Track sperrig. The Final Token wartet zunächst durch Piano und den ausdrucksstarken Gesang auf, wobei der Rest der Truppe in eine Statistenrolle gedrängt wird, die nur von Jim Katsaros kurz durchbrochen wird.

Dann wird es heavy. The Etheral Walls zeigt die Rhythmusfraktion in exzellenter Abstimmung, und das Hauptthema des Songs wird, wie soll es anders sein, durch die Keys bestimmt. Im Mittelteil dann gutes Riffing mit einem sich anschließendem Gitarrensolo, das mit als das Beste auf der Scheiben gewertet werden darf. Dazu wieder ein guter Chorus, der dem Track zum Ende hin etwas Erhabenes verleiht. Bevor mit A Path To Nowhere das Album beschlossen wird, kommt noch Song Of The Dead. Wieder eine tolle Gesangsmelodie mit einem leichten flirrenden Keyboard im Hintergrund, dazu wird es noch (zumindest in weiten Teilen) einen leichten Tick härter als das Vorgängerstück. Das liegt sicherlich mit an den schnellen Drums von Renos Lialioutis und der stakkatohaft gespielten Gitarre. Zum Ende hin verändert sich das Stück und bietet ein Ende mit viel Chorus an, das mal wieder typisch für die Band ist. Das letzte Stück ist ein akustisches Stück und zeigt die ruhige Seite der Band. Auch ohne Gesang vermögen The Silent Wedding mit diesem Stück viel zu sagen. Über die textlichen Inhalte auf dem Album könnte man vieles sagen. Sie sind direkt und ohne Schnörkel und treffen mit ihrer Aussage genau auf den Punkt. Inhaltlich geht es um den eigenen Weg, der in vielfältiger Weise beeinflusst wird. Sie erzählen Geschichten und transportieren Messages, die aber immer die Wahrheit widerspiegeln.

The Silent Wedding – Ego Path
Fazit
Fans von Evergrey, Darkness oder Harmony sollten hier dringend reinhören. Intelligente Songs, sauber gespielt, progressive Anleihen, eine fette Produktion und thematisch spannende Inhalte verleihen dem Album Klasse. Die Griechen hätten es verdient, wesentlich bekannter zu werden.

Anspieltipps: Caught In The Web. Stealing The Su und The Eternal Walls
Kay L.
9
Leserbewertung0 Bewertungen
0
9
Punkte