Event: Sternenklang Festival 2025
Headliner: Schandmaul, dArtagnan, Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Manntra
Ort: Niederburg Kranichfeld, Thüringen
Datum: 05.06. bis 08.06.2025 (Pfingsten)
Kosten: 129 Euro
Genre: Mittelalter
Besucher: Knapp 2.000
Die Location
Rund 3.000 Menschen leben hier. Viele wunderschöne Fachwerkhäuser stehen Seite an Seite mit einigen abgenutzten DDR-Bauten. Rundum Wälder und Hügel sowie zwei Burgen. Das ist Kranichfeld in Thüringen. Wenige junge Menschen wohnen hier, viele Läden sind geschlossen, auf der Wahlkarte ist es so blaubraun wie all seine Nachbarorte. Und genau hier richtet Alexander Prinz, vielen als Der Dunkle Parabelritter bekannt, über Pfingsten ein ausverkauftes Festival aus: das Sternenklang Festival.

Es ist ein Festival mit Bands wie Mr. Hurley & Die Pulveraffen, die sich ganz klar gegen Rechts äußern. Laut Website sind Menschen in Rechtsrock-T-Shirts und Ähnlichem ausgeschlossen. Und das scheint zu stimmen: Bis auf ein widerliches T-Shirt im Ort habe ich niemanden gesehen, der offen menschenverachtende Botschaften getragen hat. Nur eines stört: Das sexistische „Fritten für Titten“-Schild am Pommeszelt hätte mit dem Rest der 90er am Burgtor bleiben sollen.
Die Niederburg

Innerhalb dieser alten Mauern finden sich Zelt- und Heerlager. Ebenso die „Niederburg“, die auch als Gutshaus durchgehen würde, und ein kleiner Schauplatz. Gegenüber der Burg die Festival-Bühne mit Amphitheater und viel zu wenig Platz zum Tanzen. Doch das Herzstück ist vielleicht gar nicht die Mainstage, sondern die kleine Marktbühne zwischen den Lagern. Hier findet am Freitag vor Pfingsten ein Bandcontest statt, bei dem sich kleine Bands beweisen können – die Sieger dürfen dann im nächsten Jahr die Hauptbühne für bis zu 2.000 Leute eröffnen.
Der Bardencontest
An dieser Stelle möchte ich gar nicht erst vortäuschen, unvoreingenommen zu sein – dafür kenne ich zwei der Bands viel zu gut. Das Gute: Das Publikum stimmt trotzdem genauso ab, wie ich es getan hätte. Wer sich die Neulinge anhört, darf am Ende einer Band eine von rund 300 Goldmünzen schenken und so den Gewinner bestimmen.
Deus Cult: Sympathische Piraten

Die unrühmliche aber wichtige Aufgabe des Aufspiels fällt dabei Deus Cult zu, einer Piratenbande mit Sarg als Schiff und Banner als Segel. Sie machen ihren Job sehr gut, bringen einige Prisen Humor und gute Laune mit. Nur leider klingt ihr Gesang danach, als wenn sie mehr Zeit mit Rauben und Plündern verbringen als mit Proben. Und das reicht nicht, um ihnen am Ende mehr als ein paar Dutzend Münzen zu sichern – so haben sich die Seeräuber das mit dem Goldschatz vermutlich nicht vorgestellt. Hoffentlich bleiben sie dran, dann kann das was werden!
Kaspar Und Die Anderen: Fabelhafte Gewinner
Nach ihnen greifen Kaspar Und Die Anderen zur Laute, spielen ganz ohne elektrische Verstärkung so, als ob sie unter Strom stehen. Ihre Energie ist ansteckend – ob bei Einhornfohlen, Die Im Ofen Verkohlen 🦄🔥, oder wenn Werwölfe Ein Dorf Zerfleischen. Doch trotz, oder vermutlich gerade wegen, ihrer makabren und intelligenten Texte liebt das Publikum diese Truppe aus dem Norden.

Auch ihre Witze sitzen, etwa im letzten Stück: Kaspars Traum. Darin träumen sie davon, wie es wohl wäre, wenn sie gewinnen. Wie sich Versengold und Mr. Hurley darum streiten würden, wer vor ihnen als Vorband spielen darf. Alex Prinz und den anderen Orgas gefällt es, einer der drei wertvollen Siegelringe wandert in ihre Hände. Und nicht nur diese Stimme gehört ihnen. Am Ende ist es kein Traum mehr – das Publikum schenkt ihnen über hundert goldene Münzen: Kaspar Und Die Anderen werden das nächste Sternenklang eröffnen!
Hutprobe: Mittelaltermusik von mittelalten Männern
Der dritte Slot gehört der Hutprobe – einem Duo ganz ohne Hut. Sie spielen zwar sauber, aber eher flach. Bei mir bleibt nur der Drunken Sailor hängen; das Set reißt mich nicht mit. Auch das Publikum wirkt nicht begeistert, am Ende gibt es ein paar anerkennende Münzen.
Die Einsamen Barden: Starker zweite Platz

Nicht nur das weibliche Publikum begeistern Die Einsamen Barden, die ebenfalls aus dem Norden stammen und unverstärkt spielen. Mit dem Ritt Auf Dem Drachen singt sich Ophelia den Frust von Prinzessinnen vom Leibe, den sie doch so gerne spüren würde. Nichts für machohafte Ritter, aber eine starke Show einer starken Truppe mit witzigen Liedern. Nur Set und Lautstärke überzeugen nicht ganz so stark wie Kaspar Und Die Anderen – sodass sie mit gut 50 Münzen den zweiten Platz erringen.

Beauty & The Bard: Balladenbarden mit klugen Texten
Kurz hinter ihnen holen sich Beauty & The Bard den dritten Platz. Sie bieten ruhige Balladen mit klugen und witzigen Texten. Und obwohl sie „nur“ Balladen spielen, reißen sie die Menge mit und fesseln Alex Prinz mit der Premiere ihres Sternenklang-Lieds. Ihre Stimmlage ist ursprünglich nicht meins, aber sie sind so gut, dass Kaspar Und Die Anderen vorher dachten, dass sie gewinnen würden. Also: Unbedingt mal anhören.
Lautenfeyn: Nicht ganz rund, aber laut

Als starker Kontrast folgt ihnen Die Bande Lautenfeyn: Mit elektrischen und akustischen Gitarren, E-Bass, Cello, Drehleier und Gesang fahren sie das komplette Arsenal auf. Ihre Mischung aus Metal, Räuberrock und mindestens optischen Gothic-Einflüssen ist die lauteste und schrillste des Abends. Technisch sind sie solide, aber zusammen nicht mitreißend: Zwischen den beiden jungen Musikerinnen – Streicherin und Bassistin – und den beiden alten Männern fehlt die Dynamik. Und nicht nur mir fehlt das Besondere, ein catchiger Riff, ein wirklich intelligenter Vers: Am Ende bekommen sie ein paar Dutzend Münzen.
Zugaben & Überraschungskonzerte
Nach Lautenfeyn werden die Münzen verteilt – und als Kaspar Und Die Anderen als Sieger feststehen, strahlen sie vor Glück. Da alles im Zeitplan liegt – dank der Hamburger Pubquizmaster und Moderatoren Annika und Ruben – können sie eine lange und begeisternde Zugabe spielen.

Dabei überleben die Spielleute sogar den pechschwarzen Siegeslikör, den die einsamen Barden ihnen einschenken – oder werden sie vielleicht zu den Wiedergänger-Liedersängern, von denen sie dann singen? Und als hätten sie noch nicht genug gespielt, geben sie zusammen mit den einsamen Barden ein paar Stunden später ein spontanes Nachtkonzert – unter einer Straßenlaterne an der Kreuzung vor dem Burgtor, für ein paar Dutzend Menschen.
Das Rattenpack: Gewinner der Herzen
Am nächsten Morgen folgt dann mein persönliches Highlight. Denn den Bandcontest im letzten Jahr hat eine weitere Hamburger Band gewonnen, deren Musik ich liebe. Und sie dürfen jetzt die Mainstage eröffnen.


Denn sie können spielen, egal ob ruhig mit Nyckelharpa und Geige oder krachend fetzend mit Tim an der akustischen Gitarre und Nick am Bodhran. Und sie haben eine enorme Ausstrahlung und sehr viel Kraft in ihrer Musik. Die Lieder der Ratten und ihr Auftritt sind inspiriert vom fahrenden Folke im Larp – aber bei weitem nicht nur romantisiert.
Ob Schmerz …
Da ist etwa Narben. Ein Lied, das all die Wut, den Zorn und die Trauer darüber erzählt, verlacht und ausgestoßen zu sein. Clara an der Geige und Ingrid an der Nyckelharpa sind hier extrem stark, der raue Gesang von Tjark ist so niedergeschlagen wie zornig. Narben ist nicht verklärt, sondern todernst. Und als dann leichter Regen einsetzt, wirkt es noch eindringlicher.
… oder Feier …

Direkt darauf: Phexgewollt – das pure Gegenteil und doch genauso stark. Dieser Song bejaht die pure Lebensfreude, ist voll Energie und zeigt wie sehr „Keine Wunder / Keine Kunst! – Keine Späße / Ohne Uns!“ für Das Rattenpack gilt. Hier spielt der Gesang von Otter und Tjark perfekt zusammen. Und er steht dafür, wie eng die Band mit anderen Künstler:innen ist: Er wurde von Hauke und Jane geschrieben und ihnen geschenkt. Aus Janes Feder stammt zusätzlich Narben – beides Lieder, die die Essenz des Packs definieren.
… oder Quatsch: Die Ratten liefern
Hier könnte man noch so viele Lieder – etwa den König Der Bettler – nennen, doch der Platz ist so endlich wie der Auftritt des Rattenpacks. Für die Zugabe aber ist Zeit: Hier holen sie sich Hakenhand auf die Bühne. Mit diesem Piraten hat Tjark Zerstört Das Inventar geschrieben, was ihnen Deichkind dann gestohlen haben ein wunderbar bescheuertes Remmidemmi-Cover. Mal witzig, mal traurig, immer energiegeladen, sich selbst nicht ernstnehmend – was will man mehr von einer Band?
Und jetzt sind wir erst am Anfang der Mainstage, aber am Ende des wirklich besonderen Teils, der das Sternenklang wirklich auszeichnet. Wie es weitergeht, lest ihr in Teil 2.















































