Bonginator – Retrodeath

US-Death-Metal, Synthwave und 16-Bit-Computerspielklänge treffen aufeinander

Artist: Bonginator

Herkunft: USA

Album: Retrodeath

Spiellänge: 45:52 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 24.10.2025

Label: Testimony Records

Link: https://www.facebook.com/bonginatorMA/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Erik Thorstenn
Gitarre – Ben Sonsire-Cummings
Bassgitarre – Jack Shanahan
Schlagzeug – Joseph McNamara

Tracklist:

1. Sequence Initiation (Intro)
2. All We Really Are Is Livestock
3. All Cops Are Biomechs
4. Pizza Time (feat. Belushi Speed Ball)
5. The Fog Interlude
6. The Fog
7. Short Ass Bus (feat. Big Ass Truck and Ignominious)
8. Lunk Alarm
9. Intruder Organism Interlude
10. Intruder Organism (feat. Fulci)
11. Who Let the „Things“ (1989) Out
12. Outro (feat. Tim Capello)

Bonginator aus Boston haben sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht und machen aus ihrer Vorliebe für Dope keinen Hehl. Dieses erklärt dann auch den Bandnamen, würde ich meinen, und ist ja auch nicht mehr neu. Cannabis Corpse sollte man da erwähnen. Egal, die vier Amerikaner sind seit dem Jahre 2021 dabei und knallten 2022 gleich eine EP heraus. Diese kam im Underground schon einmal gut an, und so legte man mit dem Debüt namens The Intergalatic Gorebong Of Deathpot (welch ein Titel) mehr als ordentlich nach. Das Album kam bei Barbaric Brutality heraus, einem eher unbekannten Label, welches aber sehr cool ist, und vor allem Kassetten herausgebracht hat. Aufgrund des Albums konnte ein Deal mit Testimony Records ergattert werden und nun beglücken sie uns mit Album Nummer zwei, nachdem man im Vorfeld bereits vier Singles veröffentlichte. Alle befinden sich natürlich auf diesem Album.

Los geht es schon einmal mit einem ziemlich spacigen Intro. Erinnert am Anfang kurz an Terminator, dann an die Schaltzentrale von Houston und geht dann über in einen Elektro-Synth-Part. Da haben sie vorher wahrscheinlich so einige Züge genommen. Am Ende holt man die Schaltzentrale wieder mit ins Boot. Okay, Humor haben sie schon mal.

All We Really Are Is Livestock kommt dann auch kurz mit einer Sprachsequenz und einigen Effekten, und los geht die Midtempo-Death-Metal-Party. Der Sound ist auf alt getrimmt und scheppert ordentlich. Deswegen alleine klingt der Song schon geil, aber auch das simple Riffing kann mich überzeugen und tatsächlich: Die Effekte und das groovige Gesamtgerüst klingen lecker. Dann drückt man die Stimmung ganz in den Keller und slammt unterirdisch um die Wette. Und immer wieder diese Sprachsequenzen, die ein fester Bestandteil des Songs sind, mich aber komischerweise nicht stören. Nicht ganz so langsam, aber schon groovig, geht es dann weiter. Einfach, quadratisch, praktisch gut. Nichts für Schöngeister und Technikfreunde. Muss ja auch nicht immer – stumpf ist manchmal Trumpf – und schon nach dem Opener, der mit Sprachsequenz endet, wird klar, dass sie den Weg, den sie bei ihrem Debüt eingeschlagen haben, verlassen haben. Nicht ganz, aber man zeigt sich schon verändert.

Denn auch All Cops Are Biomechs beginnt mit Synthie-Wave-Elementen und einem Erzähler, breitet sich dann aber aus und die Death-Metal-Gitarren übernehmen die Macht. Zwischendurch werden die Synthie-Wave-Elemente als Drumpart verwendet und dieses klingt auf der einen Seite komisch, auf der anderen Seite aber sehr interessant. Ansonsten bewegt man sich wieder im groovigen Death Metal und dieses ziemlich galant. Das haben sie echt drauf. Auch hier zeigt man sich eher von der simplen Seite und teilweise auch slammig, aber das funzt wie Sau. Und immer wieder diese Synthie-Parts, die mich an den Miami-Vice-Soundtrack erinnern. Oder wenn man ganz wild drauf sein will, an Modern Talking. Das würde jetzt zu weit gehen. Andererseits wäre es bestimmt interessant, wenn Bonginator You’re My Heart, You’re My Soul covern würden. Ich schweife ab und begebe mich deswegen zum nächsten Song.

Zum nächsten Song Pizza Time gibt es ein ziemlich geiles Video. Man beschäftigt sich hier mit den Ninja Turtles und deren Lieblingsmahlzeit Pizza. Manchmal muss man sich auch um die wichtigen Dinge in der Welt kümmern. Natürlich gibt es auch wieder eine Einleitung dazu und man fühlt sich zurückversetzt in die Achtziger und Neunziger. Ist schon krass, wie sie einen neuen Sound mit diesem Synthie-Krams hergestellt haben. Lässt man diese mal außen vor, handelt es sich bei dem Song um einen richtig geilen Death-Metal-Song, aber mit einer extremen Thrash-Metal-Schlagseite. Hier ballern sie auch einmal ordentlich, haben aber auch ein ziemlich fettes Solo am Start und ziemlich geile Riffs und durchaus auch ein Händchen für ein gelungenes Songwriting. Die Midtempo-Parts grooven wie Sau und der Song an sich ist absolut aggressiv, am Ende sogar kurz atmosphärisch. Hat was, absolut. Mit dabei ist Vinny Castellano von Belushi Speed Ball, der echt geile Vocals beisteuert.

Auch der Song Short Ass Bus (feat. Big Ass Truck and Ignominious) hat eine extreme thrashige Kante und wird eben wieder mit den schon genannten Merkmalen kombiniert, bleibt aber im Death-Metal-Kosmos. Und das macht es interessant.

Das Eintauchen in die Action- und Horrorfilme der Achtziger macht sich bezahlt, und daraus ist wahrscheinlich auch der Song The Fog entstanden.

Bei Intruder Organism hat man sich von dem Film Das Ding beeinflussen lassen. Da dieser ja eher in der Horrorecke anzusiedeln ist, hat man sich die Band Fulci als Unterstützung dazugeholt. Der Song geht absolut in die Magengrube. Der Sound drückt, man ballert mal ein wenig, kommt dann mit tonnenschweren Gitarrenriffs ums Eck und holt wieder die Groove-Kelle heraus. Natürlich wird es auch wieder ganz langsam. Da dürften sich wieder Leute freuen, die gerne langsam im Kreis laufen. Macht absolut Spaß. Einfach, aber effektiv, wie das ganze Album!

Bonginator – Retrodeath
Fazit
Die Cannabis-Freunde von Bonginator überraschen wahrscheinlich auf ihrem zweiten Album den einen oder anderen Zuhörer, denn hier treffen US-Death-Metal, Synthwave und 16-Bit-Computerspielklänge aufeinander. Beim ersten Anhören klingt es durchaus entfremdend, aber nach mehrfachem Genuss des Materials hat man die Welt der Protagonisten verstanden und kann darin eintauchen und sie auch genießen, denn lässt man die genrefremden Elemente weg, handelt es sich um echt gute Death-Metal-Songs, welche auch thrashige Momente zulassen. Und wer sich textlich mit den Filmen aus den Achtzigern und den Turtels beschäftigt, kann ja schon gar nichts verkehrt machen. Interessantes Album mit einem interessanten Sound. Anchecken erwünscht!

Anspieltipps: Pizza Time und Intruder Organism
Michael E.
8.9
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