Pagan Altar – Lords Of Hypocrisy (Re-Release)

23.01.2026 - Heavy Metal, Okkult Doom – Dying Victims Productions – 50:19 Minuten

Ein Klassiker kehrt zurück

Bereits zum Re-Release von Lords Of Hypocrisy im Jahr 2019 hatte ich mich ausführlich mit diesem besonderen Kapitel der britischen Heavy-Metal-Geschichte beschäftigt. Nun steht das Album erneut im Fokus, denn am 23.01.2026 erscheint Lords Of Hypocrisy erneut auf CD und Vinyl, dieses Mal über das Label Dying Victims Productions. Möglich wird dies nach der Auflösung des kanadischen Labels Temple Of Mystery Records, das für die Wiederveröffentlichung im Jahr 2019 verantwortlich zeichnete. Ein idealer Zeitpunkt also, diesen zeitlosen Klassiker noch einmal neu zu beleuchten.

Entstehungsgeschichte zwischen den Jahrzehnten

Lords Of Hypocrisy ist das zweite Album der Londoner Heavy-Metal- und Okkult-Doom-Legende Pagan Altar. Das zugrunde liegende Songmaterial entstand bereits zwischen 1976 und 1983, wurde jedoch erst viele Jahre später neu eingespielt. Eine offizielle Veröffentlichung erfolgte schließlich 2004, zeitgleich mit der Reunion der Band. Gerade diese lange Entstehungsgeschichte sorgt dafür, dass das Album wie ein verschollenes Artefakt aus der Frühzeit des britischen Heavy Metal wirkt.

Zwischen Doom, Heavy Metal und Folk

Musikalisch knüpfen Lords Of Hypocrisy an den Geist des Debüts Judgement Of The Dead an, setzen jedoch andere Akzente. Doom Metal bleibt ein zentrales Element, doch auf diesem Album gewinnt der klassische Heavy Metal klar die Oberhand. Dunkle Siebziger-Riffs, ein deutlicher NWOBHM-Einschlag sowie majestätische Leadgitarren prägen das Klangbild. Stilistisch bewegen sich Pagan Altar irgendwo zwischen Black Sabbath, frühen Judas Priest und einem ausgeprägten folkigen Unterton, der immer wieder an frühe Jethro Tull erinnert.

Der unverwechselbare Gesang von Terry Jones

Besonders prägend ist der Gesang des 2015 verstorbenen Terry Jones. Sein gehetzter, klagender und zugleich eigenständiger Stil verleiht den Songs eine düstere, okkulte Aura, die bis heute ihresgleichen sucht. Gerade in Stücken wie Sentinels Of Hate fühlt man sich unweigerlich an die Anfangstage von Jethro Tull erinnert – allerdings ohne Querflöte, dafür mit deutlich schwererer Gitarrenarbeit.

Dramaturgie und Songvielfalt

Der Albumverlauf überzeugt durch seine Abwechslung und klare Dramaturgie. Der feierlich-düstere Titeltrack eröffnet das Album eindrucksvoll, bevor Songs wie Satan’s Henchmen psychedelische Elemente mit hartem Siebziger-Heavy Metal verbinden. Folkige Zwischenspiele wie The Interlude oder das banjogetriebene The Devil Came Down To Brockley lockern das Gesamtbild auf, ehe mit March Of The Dead ein wuchtiger Heavy-Metal/Doom-Abschluss folgt.

Zeitlos und weiterhin relevant

Lords Of Hypocrisy ist ein zeitloses Dokument okkult geprägten Heavy Metals, das auch Jahrzehnte nach seiner Entstehung nichts von seiner Wirkung verloren hat. Die erneute Wiederveröffentlichung 2026 bietet für Fans, die noch nicht im Besitz dieses Kleinods sind, eine weitere Gelegenheit es zu ergattern und in angemessener Form zu würdigen.

Hier! geht es für weitere Informationen zu Pagan Altar – Lords Of Hypocrisy in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Pagan Altar – Lords Of Hypocrisy (Re-Release)
Fazit zu Lords Of Hypocrisy
Im Vergleich zum Debüt Judgement Of The Dead überzeugt Lords Of Hypocrisy mit einem deutlich klareren und druckvolleren Sound, in dem alle Instrumente sauber herauszuhören sind. Klanglich ist das Album damit höher anzusiedeln als sein Vorgänger. Musikalisch verschiebt sich der Fokus jedoch etwas: Der doomige Anteil tritt zugunsten eines stärkeren Heavy-Metal-Gewichts in den Hintergrund. Das ist letztlich Geschmackssache und wird jeder Hörer für sich selbst bewerten müssen. Insgesamt bleibt Lords Of Hypocrisy aber ein starkes und zeitloses Album, das auch heute nichts von seiner Wirkung verloren hat. Da sich am Material seit dem Re-Release von 2019 nichts geändert hat, fällt die Bewertung erneut identisch aus.

Anspieltipps: The Lords Of Hypocrisy, Sentinels Of Hate und March Of The Dead
Juergen S.
8.8
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