Mit ihrer überraschenden Reunion vor einer Handvoll Jahren und den beiden jüngeren, durchweg positiv aufgenommenen Veröffentlichungen United $tate$ Of Anarchy und Toxic Grace haben Eivildead eindrucksvoll bewiesen, dass sie auch Jahrzehnte nach ihrer Anfangsphase noch thrashen können. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick zurück: Die Wiederveröffentlichung des zweiten Albums The Underworld von 1991 ist zwar eine logische Konsequenz, aber auch eine notwendige? Aus heutiger Sicht ist das Album ein Zeitdokument, mehr aber auch nicht – insbesondere im Kontrast zur neu entfachten Stärke der Band.
Manche Leichen sollten ruhen gelassen werden
Schon beim Einstieg wird klar, dass hier ein anderer Ansatz verfolgt wird als noch auf dem Debütalbum Annihilation Of Civilization. Die Produktion von The Underworld ist übermäßig technisch, fast schon wie die Reinzeichnung eines Schaltplans geraten und wirkt dadurch über weite Strecken seelenlos. Wo auf dem Erstlingswerk noch ein rauer, ungestümer Thrash-Metal-Spirit herrschte, dominiert nun ein klinischer Sound, der zwar präzise ist, aber kaum Druck oder Durchschlagskraft entfaltet.
Auch das Songwriting trägt seinen Teil zum zwiespältigen Eindruck bei. Viele Tracks wirken zusammengestückelt, als hätten Evildead einen Haufen Riff-Ideen an einem Computer aneinandergereiht, ohne sie organisch wachsen und ineinandergreifen zu lassen. Dazu kommt, dass die Stakkato-Riffs stark an den Nerven sägen. Übergänge erscheinen oft konstruiert, Spannungsbögen brechen zu früh ab oder entstehen gar nicht erst. Statt packender Tracks gibt es ein Nebeneinander von Versatzstücken, das den Hörer eher distanziert zurücklässt.
Thrash Metal auf Biegen und Brechen
Im Vergleich zum Debüt fehlt es The Underworld zudem deutlich an Energie und frischen Ideen. Die Band greift überwiegend auf bereits etablierte Thrash-Metal-Schablonen zurück, ohne diesen eine eigene Handschrift aufzudrücken. Eine Ausnahme bildet jedoch die ungewöhnliche, aber überraschend gelungene Cover-Version des Scorpions-Klassikers He’s A Woman / She’s A Man, der bereits 1977 das Thema Geschlechterdiversität aufgriff. Hier zeigen Evildead plötzlich Mut zur Eigeninterpretation und liefern einen der wenigen wirklich coolen Momente des Albums.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Evildead – The Underworld (Re-Release) in unserem Time For Metal Release-Kalender.



