Ich bin hin- und hergerissen. Wenn man mich bittet, doch bitte mal ein Auge auf ein neues Album zu werfen, dann sind es meist Freunde oder Bekannte aus der Region. Dann wird auch meist etwas wohlwollender auf das Werk geschaut. Das verhält sich hier anders. Wenn ich den Finger hebe, dann meist, wenn ein Album nicht so recht weiß, wohin es will. Genau in diese Kategorie fällt leider auch Jästified, das am 17.04.2026 erscheinende Album der Rockformation Jäst aus der Frankfurter Rhein-Main-Metropol-Region. Vier Buchstaben, eine Band, eine Mission, genau wie Abba. Allerdings spielen sie „80s AOR Reboot„, wie sie selbst sagen, und nicht Grand Prix Euro-Pop.

Die Band tritt in klassischer, erfahrener Rockbesetzung an: Jessica Conte (Gesang), flankiert vom Gitarristen Axel „Ironfinger“ Ritt (Ex-Grave Digger und Domain), Steven Wussow (Orden Ogan, Ex-Xandria) am Bass und Timmi Breideband (Ex-Freedom Call, Ex-Bonfire) am Schlagzeug.
Der Opener Heartlight macht zunächst vieles richtig. Er ist eingängig, sauber produziert und mit einem Refrain ausgestattet, der sofort hängen bleibt. Es ist ein solider Einstieg. Mit Kiss Yourself Goodbye zieht das Tempo spürbar an. Es ist düster, kantig, energisch. Hier blitzt auf, was dieses Album hätte sein können: ein knackiger Rocker mit Biss.
Doch dann kommt der Bruch. Do You Wanna Dance nimmt den aufgebauten Schwung direkt wieder heraus. Stilistisch zu weich, dazu ein Solo, das eher irritiert als begeistert. Hier verliert die Platte erstmals deutlich an Boden. Diese Tendenz setzt sich fort: A Love Like That, An Ode To Infinity und Road Of Destiny bewegen sich tief im Soft-Rock-Fahrwasser. Das ist nicht schlecht, aber hier fehlt es schlicht an Profil und Wiedererkennungswert.
Zum Glück gibt es Lichtblicke. Mit Sweet Gasoline kommt endlich wieder Druck ins Spiel. Ein Song, der den Rockfaktor nach oben schraubt und zu den klaren Highlights zählt. Auch I Can See Clearly Now überzeugt mit mehr Dynamik und Spielfreude.
Das Melissa-Etheridge-Cover Like The Way I Do hingegen bleibt problematisch. Wo das Original vor Energie brennt, wirkt diese Version erstaunlich blass. Es ist nett gemeint, aber am Ende nicht so gut gelungen.
Mit In The Thrill Of The Night findet die Band zurück zu einer gelungenen Balance aus Melodie und Rock, bevor Ten Years Plan das Album solide, aber unspektakulär ausklingen lässt.
Unterm Strich bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Jästified hat seine starken Momente, leidet aber unter einer klaren stilistischen Zerrissenheit. Hier fehlt der Mut zur klaren Linie, denn genau die hätte das Album deutlich nach vorne gebracht. Zwischen kernigem Rock, AOR-Versatzstücken und zu viel Weichspüler schwankt das Werk wie ein Schiff ohne klaren Kurs. Ihre Stärke wird die Band live ausspielen. Da wird es echten Female-Fronted-Rock mit der nötigen Power geben, da bin ich mir ganz sicher.
Jede Note auf dem Debütalbum wurde von echten Händen eingespielt, hier gibt es keine Samples und keine KI, so versichert die Band. Das Artwork stammt von Jessica Conte, die Texte stammen aus der Feder von Jessica Conte, Steven Wussow und Axel Ritt. Das Album wurde von Axel Ritt in seinen Meadow Studios aufgenommen, gemischt und gemastert.
Vorgesehen sind neben den bekannten Kanälen im Download und Stream auch physikalische Datenträger als CD und Vinyl. Waren diese im Vorfeld bei Startnext sogar signiert vorbestellbar, kann ich derzeit nur einen Bandcamp-Link zur CD im Digipak finden.
Hier geht es für weitere Informationen zu Jäst – Jästified in unserem Time For Metal Release-Kalender.



