Apocalyptica – Cell-0

Back to the Roots: ein instrumentales Meisterwerk aus Finnland

Artist: Apocalyptica

Herkunft: Helsinki, Finnland

Album: Cell-O

Spiellänge: 53:40 Minuten

Genre: Cello-Rock

Release: 10.01.2020

Label: Silver Lining/Warner

Links: https://www.apocalyptica.com/

Bandmitglieder:

Violoncello – Eicca Toppinen
Violoncello – Paavo Lötjönen
Violoncello – Perttu Kivilaakso
Schlagzeug – Mikko Sirén

Tracklist:

  1. Ashes Of The Modern World
  2. Cell-O
  3. Rise
  4. En Route To Mayhem
  5. Call My Name
  6. Fire & Ice
  7. Scream For The Silent
  8. Catharsis
  9. Beyond The Stars

Wenn man Finnland, Metal und Cellos in einem Satz hört, kann man davon ausgehen, dass es sich um die Ausnahmemusiker Apocalyptica dreht. Die vier Finnen sind bekannt für ihre klassischen Cellos, denen sie harte Rock- und Metalklänge entlocken. Jeder kennt das eine oder andere Metallica Cover oder Songs, die aus Kooperationen mit anderen Musikern der Genres zustande gekommen sind. In der Sammlung finden sich Songs mit Nina Hagen, Sandra Nasic, Ville Vallo und seit neuesten auch Sabaton Sänger Joakim Brodén. Die Band hat sich in den letzten Jahren zum Leid mancher Fans stark verändert und wurde immer mainstreamiger. Im letzten Album Shadowmaker fand sich konstant Sänger Franky Perez wieder, was das Konzept von instrumentalen Metalversionen stürzte und viele irritierte.

Nun, vier Jahren später und ohne gesangliche Unterstützung, veröffentlichen Apocalyptica ihr neues Werk Cell-O. Eine Rückbesinnung an die „Guten alten Zeiten“. Instrumentale eigene Songs reduzieren auf das Wesentliche und zeigen das Potenzial dieser außergewöhnlichen Kombination. Ich war auch in den mainstream Zeiten Fan der Cello-Rocker, dennoch freut es mich, dass sie mit dieser Platte wieder zum Ursprung zurückkehren.

Zwar gehen Apocalyptica wieder einen großen Schritt zurück, doch sind sie um einiges reifer geworden und haben sich im Laufe der Zeit natürlich entwickelt. Cell-O ist vielschichtig, detail- und abwechslungsreich. Man lernt Apocalyptica hier noch einmal von Neuem kennen und hat den Eindruck, dass sich die Finnen um Eicca Toppinen nun wieder mit dem beschäftigen, was all die Jahre tief in ihnen schlummerte. Typisch skandinavisch hat das Album eine sentimental gefühlvolle aber auch harte und fast schon radikale Stimmung. Es spielt hier und da auf die vergangene Bandgeschichte an und ist manches Mal wie ein kleines Resümee, jedoch trägt es genauso eine gewisse Aufbruchsstimmung in sich. Dabei mischt es harte Rock- und Metalpassagen mit melodischen, leicht klassischen Elementen. Rock meets Classic trifft bei Cell-O wohl eher den Nagel auf den Kopf, als die leider zum Teil abgesagte Show mit Alice Cooper. Um es vorwegzunehmen – um alles erfassen zu können, reicht ein einfacher Durchlauf nicht aus.

Den eingesessenen Metalfan holt schon das erste Lied der Platte ab. Ashes Of The Modern World ist bedrohlich düster und könnte auch auf mancher Black Metal Platte zu finden sein. In ganzen sechseinhalb Minuten hauen die Finnen ordentlich in die Saiten. Da dürfte jeder schon mal angefixt sein.

Weiter geht es mit dem titelgebenden Cell-O. Ein zehnminütiges Herzstück, in dem unglaublich viel passiert. Eine großartige Komposition, die langsam an Tempo gewinnt und so vielseitig erscheint, dass man immer wieder etwas entdeckt. Das Hauptthema, eine immer wieder kehrende Melodie, hat für mich Ohrwurmpotenzial.

Nach diesem Höhenrausch erklingt auf Platz drei mit Rise eine Ballade. Kurze Verschnaufpause für die Ohren. Die ist dann mit En Route To Mayhem vorbei. Anfangs noch ein wenig zahm, entwickelt sich der Song mit jeder Sekunde und hat nach gut drei Minuten einen thrashigen Höhepunkt.

Call My Name hingegen kommt wieder etwas sanfter, dennoch irgendwie bedrohlich daher und bietet einen gelungenen Übergang zu Fire & Ice. Hier hören wir keltische Einflüsse, die sofort grüne Hügellandschaften im inneren Auge erscheinen lassen. Eine schöne Abwechslung und spannend zugleich, denn die beiden Elemente kann man musikalisch gut im Song erkennen.

Scream For The Silent beginnt eher klassisch und ruhig, nimmt aber im Laufe ordentlich an Fahrt auf und endet in einem recht heavylastigen Finish. Hier kommt der Mix aus Klassik und Rock bzw. Metal besonders gut raus.
Catharsis hingegen, verbreitet wieder eine wohlig melancholische Stimmung und mit dem abschließenden Beyond The Stars hätten Apocalyptica kein besseres Ende finden können. Hier kommen noch einmal alle Elemente von Cell-O und den Fähigkeiten seiner Erschaffer zum Vorschein und klingen mit einem Sprachsample aus.

Für mich ist Cell-O jetzt schon ein heißer Anwärter für mein Album des Jahres. Hochwertig kompositorisch, handwerklich solide und dabei auch gefühlvoll, hart und vor allem leidenschaftlich. Alles, was ein gutes Album mitbringen muss.

Im November, so denn Corona will, sind Apocalyptica mit Epica auf Tour und ich freue mich jetzt schon riesig, dieses Album live erleben zu können. Bericht folgt!

Apocalyptica – Cell-0
Fazit
Mit Cell-0 haben Apocalyptica für mich all die vergangenen Fehltritte wieder gutmachen können. Ein vielschichtiges und abwechslungsreiches Album, das sich sicher noch lange in meinen Playlisten finden lässt.

Anspieltipps: Cell-0, En Route To Mayhem und Fire & Ice 
Martha K.
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