Amberian Dawn – Looking For You

Finnischer ABBA Popmetal, weder Fisch noch Fleisch

Artist: Amberian Dawn

Herkunft: Hyvinkää, Finnland

Album: Looking For You

Spiellänge: 42:52 Minuten

Genre: Fantasy Metal, Melodic Metal, Power Metal, Symphonic Metal

Release: 31.01.2020

Label: Napalm Records

Links: https://amberiandawn.com/
https://napalmrecords.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Capri
Gitarre – Emil Pohjalainen
Gitarre und Tasteninstrumente – Tuomas Seppälä
Bassgitarre – Jukka Hoffren
Schlagzeug – Joonas Pykälä-aho

Tracklist:

  1. United
  2. Eternal Fire Burning
  3. Looking For You
  4. Two Blades
  5. Symphony Nr.1 Part 3 – Awakening
  6. Go For A Ride
  7. Butterfly
  8. Universe
  9. Lay All Your Love On Me (ABBA Cover)
  10. Au Revoir
  11. Cherish My Memory Re-Mastered (Bonustrack)

Zunächst hatte ich gehofft, dass es nicht so ist, wie es angekündigt war. Die neue Amberian Dawn Scheibe soll melodischer ABBA Metal sein und was soll ich sagen? Meine Hoffnung wurde enttäuscht. Mehr noch. Das ist eher Pop Metal mit leichten symphonischen Ansätzen, der mich einfach nicht erreicht. Es ist bereits die vierte Platte der Finnen um die Sängerin Päivi Virkkunen. Nach eigenen Angaben spielt die Truppe um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Tuomas Seppälä, symphonischen Power Metal. Beim ersten Hören hätte ich die Scheibe aber eher einem anderen Genre zugeordnet. Schon bei United, dem ersten Titel, werde ich an Agnetha, Anni-Frid, Björn und Benny erinnert. Für die Unwissenden oder Jüngeren: Das sind die vier von ABBA. Stark keyboardlastig, mit einer zugegeben schönen Melodie, aber einem so deutlichen Hang zu den Schwden (die in den Siebzigern weiß Gott gute Musik gemacht haben), erreicht es den geneigten Metaller kaum. Selbst mir, der schöne Harmonien und weichgespülten Metal à la Avantasia, Sabaton oder ähnlicher Combos mag, ist das zu seicht. Es kommt zwar eine gute, zu kurze Gitarrenarbeit dazu, aber das reicht nicht aus. Weiter geht es mit ähnlich strukturierten Tracks. Eternal Fire Burning und Looking For You sind nach der gleichen Machart. Eine recht ansprechende Melodie, die von Päivi „Capri“ Virkkunen vorgetragen wird, in einem poppigen Gewand. Dann gibt’s immer ein klasse Gitarrensolo, das aber nicht in der Lage ist, den Song in Richtung Metal zu ändern.

Diese Art von Songs mag ihre Fans haben, aber für mich reicht das nicht. So könnten ABBA 2020 klingen und wären in den entsprechenden Charts bestimmt erfolgreich. Dieser Eindruck zieht sich durch das gesamte Album. Die Musik wird von angenehm anzuhörenden Melodien geprägt, die aber keinerlei Ecken und Kanten haben und deshalb einfach zu glatt, vorhersehbar und einfach viel zu poppig sind. Eine Ausnahme bietet der Track Symphony Nr. 1 Part 3 – Awakening. Da kommt als Gastsänger Fabio Leone zum Einsatz und das tut dem, auch mit knapp über fünf Minuten längsten Song der Scheibe, gut. Der Wechselgesang gibt dem Stück eine gewisse epische Note und das wäre bestimmt noch ausbaufähiger gewesen. Die männliche Härte lässt hier den gesamten Sound markanter erscheinen. Dazu noch ne Schippe Stahl und ein perfekter Track wäre da gewesen. Trotzdem gefällt diese Nummer insgesamt gut. Sie ist dadurch um einiges besser als das, was bisher zu hören war aber immer noch entfernt von einem echten Kracher.

Es geht dann aber nach bekannter Machart weiter. Seichte, melodiöse Songs, die Capri, mal mehr mal weniger an die schwedischen Damen erinnernd, vorträgt. Es gibt auch mal stimmliche Erinnerungsfetzen an Kate Bush, die aber schnell wieder verschwinden. Ich will damit nicht sagen, dass Capri nicht singen kann. Ihre Stimme kommt in ungeahnte Höhen und würde bestimmt auch gut in einer Oper funktionieren. Ihre Stimme, die mit den übermächtigen Synthis und Keyboards für das Symphonische sorgen soll, würde bestimmt mit einem männlichen Gegenpart für mehr Resonanz sorgen. Zum Glück gibt es immer wieder ein ansprechendes, leider viel zu kurzes, Gitarrensolo von Emil Pohjalainen oder von Tuomas Seppälä, das dann für den gewissen metallischen Aspekt sorgt. Somit gibt es aus meiner Sicht leider kein weiteres Highlight. On Go For A Race, Butterfly oder Au Revoir zeigen keine Änderungen und die Struktur der Songs ändert sich nicht. Universe sticht dann doch noch etwas hervor. Getragener und ruhiger ist dieser Track gut anhörbar. Die Stimme von Capri passt hier hervorragend zu dem Titel und diese Kombination gibt dem Song etwas Pathetisches. Die nicht so überladenen, symphonischen Ansätze passen an dieser Stelle und zeigen, dass es auch mit weniger geht. Dann gibt es tatsächlich auch noch einen Coversong. Mit Lay All Your Love On Me, von wem wohl, wird dann den offensichtlichen musikalischen Vorbildern gehuldigt. Mit einem Bonustrack endet die Scheibe.

Amberian Dawn – Looking For You
Fazit
Wer seichten Pop Metal offensichtlich nach schwedischen Vorbildern hören mag, ist hier richtig. Wer etwas mehr Härte erwartet, der wird enttäuscht. Die Tracks plätschern trotz Keyboardorgien aus den Boxen. Die ab und an aufblitzenden Gitarrenparts erwecken einen Anschein von Power Metal Zügen, mehr aber auch nicht. Klar ist es Geschmacksache, meiner wurde hier nicht getroffen. Wegen der oftmals schönen Melodien und der durchgängigen Leistung ein Album ohne Höhen und Tiefen abzuliefern, gibt´s die von mir vergebene Punktzahl.

Anspieltipps: Universe und Symphony Nr.1 Part 3 – Awakening
Kay L.
6.5
Leser Bewertung1 Bewertung
10
6.5
Punkte
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