Kaum ein Laden in Köln hat so eine wunderbare Atmosphäre wie das Underground. Straßenkunst und Graffitis zieren den Eingangsbereich und der gemütliche Innenhof lädt zu einer Zigarette oder einem Bierchen unter freiem Himmel ein. Die Bar und die beiden großen Räumen innen sind geprägt vom Mangel an Sonnenlicht und die Einrichtung würden man neu-deutsch wohl als shabby-chic bezeichnen. Doch genau das ist es, was das Underground ausmacht. Keine Nobeldisko, kein Laden, der von Außen einen blendenden Eindruck macht. Seine Geschichte mit den unzähligen Konzerten und Partys und vor Allem die Leute sind das, warum hier Jahrzehnte lang viele alternative Menschen her kamen. Für ein Konzert im Underground haben viele Nicht-Kölner sicher schon einmal eine weite Anreise in Kauf genommen und für den Kölner musste meist nicht mal ein Konzert als Anlass herhalten, um nach Ehrenfeld zu fahren. Mit seinem beschaulichen Fassungsvermögen war das Underground immer eine willkommene Anlaufstelle für Newcomer-Bands und die Örtlichkeiten sahen sicherlich so manchen Künstler groß werden. Leider ist mit alldem nun Schluss. Die Stadt will das Gelände um das Underground zu einer Schule umbauen, dazu muss auch das Underground weichen. Die Sinnigkeit einer Schule im Ausgeh-Teil von Köln-Ehrenfeld ist vielen Leuten generell schon ein Rätsel, warum das Underground nicht einfach neben der Schule bestehen kann, sorgt für zusätzlichen Kopfschütteln. Genaue Details gibt es in der offiziellen Stellungnahme von Betreiber Micki Pick, die wir bereits für euch veröffentlicht haben. Dass niemand so wirklich glücklich mit der Entscheidung der Stadt ist, lässt sich ebenfalls in diesem Video mit Ausschnitten der Stellungnahme erkennen:

Mittlerweile gibt es für alle, die sich noch nicht ganz mit dem Ende der Ära-Underground abfinden können, sogar eine Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/underground-koeln-vereintes-nein-zum-abriss
Diese hat bereits innerhalb weniger Tage ihr Ziel von 5000 Stimmen von ortsansässigen Bürgern erreicht. Die Stadt Köln sollte sich wohl fragen: kann etwas, dass innerhalb von kurzer Zeit bereits 10.000 Gegenstimmen sammeln konnte, wirklich die richtige Entscheidung sein?

Da hilft auch das Vertrösten auf eine alternative Location nichts. Als Ausweich-Location für bereits geplante Konzerte soll die nahegelegene DQE-Halle dienen. Schön und gut, wenn wenigstens weiterhin eine Plattform für kleinere Gigs geboten wird, der Charme und der Kultstatus des Undergrounds gehen trotzdem verloren. Zusätzlich steht bereits fest, dass die DQE-Halle kein Tages- oder Wochenendgeschäft beinhalten soll und auch für andere kulturelle Veranstaltungen dient. Neues Flair wird hier also nicht allzu schnell aufkommen. Fraglich ist aber vor Allem: warum kann und darf die DQE-Halle, die keine 50 Meter Luftlinie vom Underground auf ein und demselben Gelände steht, erhalten und genutzt werden, das Underground aber nicht? Dazu findet sich online bisher keine Stellungnahme. Weder von der Stadt, noch vom Betreiber. Vielleicht ist eine Schließung des Undergrounds ja gar nicht zwingend nötig, passt den Leuten, die die Entscheidungsgewalt haben, aber einfach besser ins Konzept. Fakt ist, dass der alternativen Kultur in Köln ein großes Stück verloren geht. Dabei spielt die Tatsache, dass sich das Underground Party-technisch in den letzten Jahren ein Stück weit vom Alternative- und Rock ’n’ Roll-Image entfernt hat, keine Rolle. Die Konzerte gab es noch immer und das Publikum war noch immer das gleiche.

Wie geht’s jetzt weiter? Um die Läden aufzuzählen, die Konzerte der Größenordnung Underground veranstalten können und die vom Klientel her ins Bild passen, hat man leider noch zu viele Finger an einer Hand – da besteht ganz dringend Nachholbedarf, liebe Stadt Köln. Im Underground selbst läuft das Programm bis zum 15. September wie geplant. Genug Zeit also, um Lebewohl zu sagen und bei einem gehopften Kaltgetränk über die schönen Stunden im Underground zu sinnieren.

 

 

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