Avatar – Hunter Gatherer

Der Avatar verändert seinen Gesichtsausdruck

Artist: Avatar

Herkunft: Göteborg, Schweden

Album: Hunter Gatherer

Spiellänge: 45:31 Minuten

Genre: Groove Metal, Modern Metal

Release: 07.08.2020

Label: Century Media

Links: https://avatarmetal.com/
https://www.facebook.com/avatarmetal/

Bandmitglieder:

Gesang – Johannes Eckerström
Gitarre – Tim Öhrström
Gitarre – Jonas Jarlsby
Bassgitarre – Henrik Sandelin
Schlagzeug – John Alfredsson

Tracklist:

  1. Silence In The Age Of Apes
  2. Colossus
  3. A Secret Door
  4. God Of Sick Dreams
  5. Scream Until You Wake
  6. Child
  7. Justice
  8. Gun
  9. When All But Force Has Failed
  10. Wormhole

Unter einem Avatar versteht man ja eigentlich ein Buddy Icon für z.B. einen Messenger, welchen man beliebig je nach Laune verändern kann. Die Band Avatar wurde 2001 als Lost Soul gegründet, wurde jedoch recht schnell in Avatar umbenannt und man coverte Songs von In Flames, Iron Maiden oder Helloween. Es dauerte jedoch etwas bis zum Debütwerk. Anfang 2006 erschien Thoughts Of No Tomorrow und orientierte sich natürlich am Göteborg Sound, sprich Melodic Death Metal. Ein Jahr später gab es Nachschub mit Namen Schlacht und der gleichen musikalischen Ausrichtung. Es folgten Avatar 2009 und mit Black Waltz 2012 zog der Avatar auf die Gesichter der Musiker, d.h. man trat nun mit geschminkten Gesichtern auf. Dazu wurden musikalische Einflüsse aus Modern Metal und Industrial hörbar, ebenso wie auf dem Nachfolger Hail The Apocalypse 2014. Zwei Jahre späte entdeckten Avatar das Thema Konzeptalben für sich und warf Feathers & Flesh auf den Markt. Johannes Eckerström sagte in einem Interview „Es geht um diese Eule, die gegen die Welt in den Krieg zieht, um den Sonnenaufgang zu verhindern. Es ist eine Fabel, die von der Arbeit des berühmten französischen Fabelautors Jean de La Fontaine inspiriert wurde. Die Kreaturen in der Fabel repräsentieren also eine Seite der menschlichen Psyche oder andere Verhaltensweisen. Je nachdem, was sie in der Geschichte tun, passiert ihnen etwas Gutes oder Schlechtes, und am Ende lernen sie eine Art Lektion.“ Der siebte Streich im Januar 2018 nannte sich Avatar Country. Zu der Scheibe gab es auch noch einen gleichnamigen Spielfilm, welcher über eine Kickstarter-Kampagne finanziert wurde. Das Album selbst war wiederum ein Konzeptalbum bezüglich der Legende von Avatar Country. Nun 2020 also etwas bezüglich Jäger und Sammler und kein reines Konzeptalbum. Es ist eine dunkle Version mit tiefen Studien über Grausamkeit, Technologie, Verachtung und Entbehrung. Der eher fröhliche Avatar bei Avatar Country verändert also sein Gesicht. Johannes kommentierte zu Werk Nummer acht „bei Avatar Country wollten wir sehen, ob wir Comedy machen können. Es war lustig und wir wollten sehen, ob wir etwas Lustiges machen können. Jetzt ist es wichtig, dass wir etwas ohne Humor machen. Es zieht uns zurück in die Realität. Es geht mehr um Dunkelheit, Traurigkeit, Distanziertheit, Entfremdung und die Angst, an die Welt im Allgemeinen zu denken.

Silence In The Age Of Apes ballert gleich mal sehr modern aus den Boxen. Mit einem Mix aus Schreiattacken und Klargesang sowie dem basslastigen Gitarrenspiel liefert man klassischen modernen Metal, der sich wenig in meinem Gehörgang festsetzt. Colossus ändert den Sound, elektronische Klänge gibt es zur Eröffnung und das Ganze bewegt sich leicht in den Industrial Bereich und mischt sich mit melodischem Metal. Auf jeden Fall etwas, was man nicht täglich zu hören bekommt. Anschließend werden einem die Flötentöne beigebracht bei A Secret Door. Eine recht zugängliche Nummer mit ruhigen Passagen und einem harten Refrain inkl. Schreiattacken. Das Ding hat reichlich Mitgrölpotenzial und gehört für mich zu den besseren Nummern auf der Scheibe. God Of Sick Dreams bewegt sich in Richtung des ersten Tracks und modernem Metal, welcher bei mir nur bedingt ankommt. Die Abwechslung bleibt, Scream Until You Wake kommt wieder deutlich eingängiger um die Ecke, erinnert sogar hier und dort an melodischen Todesblei in einem neuen angepassten Soundgewand. Child kommt ganz tief aus der modernen Kiste, mal melodisch, mal hart und erinnert mich an die Veränderungen einer anderen Band aus Göteborg in den letzten Jahren. Die Nummer kann man gut auch auf eine der letzten In Flames Scheiben packen. Justice setzt dem Ganzen noch einen drauf, sehr schön glattpoliert und am amerikanischen Markt orientiert. Nun gibt es Klavier und Gesang als Ballade und das Ganze heißt dann auch noch Gun. Da wäre meine Erwartung bezüglich der Musik wahrlich anders gewesen. Bei When All But Force Has Failed geht´s wieder mit härterem modernen Metal weiter, ganz nett aber wenig beeindruckend. Wormhole ist der Rausschmeißer, welcher sich mal nicht typisch Moshpit tauglich zeigt. Im Midtempo geht es vorwärts mit hartem Riffing und Screams. Ein Song, der sich von der Masse abhebt, aber mich nicht aus dem Sessel haut.

Avatar – Hunter Gatherer
Fazit
Da muss man nicht viel drumherum reden, Avatar orientieren sich primär am amerikanischen Markt und liefern genau die Musik für dieses Kundenklientel. Parallelen zu In Flames und den Alben der letzten Jahre kann man durchaus ziehen. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, was die Truppe aus Göteborg mal für Scheiben veröffentlichte. Das Werk kann man bedenkenlos in die Kategorie eher belangloser, typischer Modern Metal einsortieren. So bin ich bezüglich der Bands aus Göteborg und deren aktuelle Entwicklung um eine Enttäuschung reicher. Wer mit den letzten In Flames Scheiben glücklich ist, kann auch hier mal ein Ohr reinhalten, wer Avatar von vor fünf Jahren sucht, muss die alten Sachen auflegen.

Anspieltipps: A Secret Door, Scream Until You Wake und Wormhole
Jürgen F.
5.5
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