Avatarium – The Fire I Long For

Ein Album wie ein Feuer, nach dem man sich in kalten Wintertagen sehnt

Artist: Avatarium

Herkunft: Stockholm (Schweden)

Album: The Fire I Long For

Genre: Doom Metal

Spiellänge: 43:58 Minuten

Release: 22.11.2019

Label: Nuclear Blast Records

Link: https://www.facebook.com/avatariumofficial/

Bandmitglieder:

Gesang – Jennie-Ann Smith
Gitarre – Marcus Jidell
Schlagzeug – Andreas ”Habo” Johansson
Bass – Mats Rydström
Keyboard / Orgel – Rickard Nilsson

Tracklist:

1. Voices
2. Rubicon
3. Lay Me Down
4. Porcelain Skull
5. Shake That Demon
6. Great Beyond
7. The Fire I Long For
8. Epitaph Of Heroes
9. Stars They Move


Die Schweden Doomer Avatarium sind mit ihrem vierten Longplayer The Fire I Long For zurück.

Das erste Mal in Kontakt kam ich mit der Band im November 2015 in Berlin anlässlich ihrer Promotour zu ihrem zweiten Album The Girl With The Raven Mask im kultigen Club Bi Nuu. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich sie damals noch nicht richtig im Blick hatte. Im Bi Nuu traten sie zusammen mit Honeymoon Disease und The Vintage Caravan auf. The Vintage Caravan waren es auch, die mich eigentlich veranlassten das Konzert zu besuchen, denn die kannte ich noch als Supporter von Blues Pills bei einer der vorangegangen Touren.

Avatarium waren damals noch mit Leif Edling (Candlemass) unterwegs, denn Avatarium war damals eins der vielen Nebenprojekte von ihm. An diesem Abend haben Avatarium nicht nur mich überzeugt. Ich war angetan von der Band, die ich dann fast zwei Jahre später auf der Tour zu ihrem dritten Album Hurricanes And Halos im Kubana in Siegburg wiedersehen sollte. Im Kubana erlebten wir eine toll aufgelegte schwangere Jennie-Ann Smith. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch an Jennie-Ann Smith und Marcus Jidell zu ihrem Sohn.

In schöner Regelmäßigkeit bringt die Band um das Ehepaar Jennie-Ann Smith und Marcus Jidell alle zwei Jahre einen neuen Longplayer heraus. Mit der Geburt ihres Sohnes ist also seit dem Vorgängeralbum Hurricanes And Halos viel Aufregendes geschehen. Trotzdem haben sie es geschafft nach zwei Jahren (in gewohnter Regelmäßigkeit) erneut ein Album aufzulegen.

Das neue Album mit dem Titel The Fire I Long For erscheint wie alle Vorgänger bei Nuclear Blast Records. Erhältlich wird es als CD Digipack und auf Vinyl in den Farben Gold (limitiert auf 300 Stück), White (limitiert auf 500 Stück) und Black sein.

Gründer Leif Edling ist ja bekanntermaßen stark in den Hintergrund getreten und auch seit der letzten Platte kein Livemitglied der Band mehr. Dadurch sind Jennie-Ann Smith und Marcus Jidell nun zum Haupt-Songwriterduo geworden. Auf The Fire I Long For haben sie sich auf ihren Ursprung besonnen und sind mit diesem Album wieder ein Stück mehr in den Doom Metal zurückgekehrt, von dem sie sich auf dem Vorgängeralbum zugunsten von Rock etwas abgewendet hatten.

Das tut der Platte richtig gut und ich würde das aktuelle Album wieder stärker als doomiges Album bezeichnen, obwohl auch hier wieder ein paar Rocksongs innerhalb des Albums geblieben sind.

Bereits der Operner Voices ist ein absoluter Doomkracher, der vor sich hin kriecht. Vierzig Sekunden beherrschen die Instrumente die Szenerie, bevor Jennie-Ann Smith mit ihrer regelrecht beschwörenden Stimme hinzukommt und das Ding noch einmal aufputscht. Das macht dann nach fast drei Minuten auch noch eine Orgel in Stile der alten Deep Purple, wodurch der Song noch einmal einen anderen Anstrich erhält. Was bewirken da die Voices Inside Your Head eigentlich!? Ich weiß zwar, dass sie nicht echt sind – aber es ist einfach nur geil, was sie mir sagen!!!

Ein Stück mehr im rockigen Galopp geht es mit Rubicon weiter. Zwar bedächtig, jedoch eindeutig rockig.

Das anschließende Lay Me Down ist eine rockige Ballade und geht nur langsam voran. Go So Low – keep it low ist hier der Leitspruch. Sehr schön zwar hingehaucht, aber eindeutig nichts für einen Balladenhasser wie mich.

Mit schweren Riffs schleudert uns Porcelain Skull in die doomige Welt der Platte unversehens zurück. Jetzt ist es wieder die Mucke, die ich so sehr bei Avatarium mag. Tief gestimmte Riffs und schwer in den Gliedern sitzend. Ein Porzellanschädel zum Zerbersten. Ein geiles Gitarrensolo gibt es obendrauf.

Welchen Dämon haben Avatarium denn in Shake That Demon geritten? Der Rückfall in den gewöhnlich Rock, den eigentlich nur noch Jennie-Ann Smith’s Stimme retten kann.

Das Innere von Great Beyond liegt irgendwie hinter dem vorangegangenen Rocksong. Great Beyond ist voller Schwermut, die von Jennie-Ann Smith’s Stimme stark in Szene gesetzt wird.

Der Titeltrack The Fire I Long For zeigt in sich eine innere Zerrissenheit. Der Song wechselt zwischen einer nur langsam vor sich dahin ziehenden Sequenz und auftrumpfenden Gitarrenparts, bevor er gegen Ende hin immer druckvoller wird.

Mit Epitaph Of Heroes kommt kurz vor Schluss noch einmal eine Wahnsinns Doomwalze, die einen einfach nur umhaut. Der Glanzpunkt dieses Albums. Das Ding haut einfach nur rein. Sollte die Band dieses Review lesen, so zolle ich ihnen hier einen riesen Respekt und muss applaudieren, denn der Song haut mich einfach nur um. Wahnsinniger Doom mit psychedelischen Elementen.

Das abschließende Stars They Move betrachte ich nach Epitaph Of Heroes nur noch als ein Outro, obwohl über drei Minuten lang. Jennie-Ann Smith darf hier ihre stimmlichen Qualitäten begleitet von einem spärlichen Klavier nochmals unter Beweis stellen. Ihre stimmlichen Qualitäten sind wirklich beachtlich. Den Song kann man an dieser Stelle bringen, er könnte jedoch auch als Soundtrack zu einem James Bond Film passen. Als Outro ist er jedoch für mich völlig in Ordnung.

Avatarium – The Fire I Long For
Fazit
Avatarium legen mit The Fire I Long For ein saustarkes Album vor. Wie bei Avatarium gewohnt, nicht von der ersten bis zur letzten Minute ein reines Doom Album. Rockig psychedelische Songs finden erneut auf dieser Platte ihren Platz. Das mag Fans aus dem rockigen Milieu herbeilocken, kann aber auch Jünger der reinen Doom Lehre verschrecken. Ich denke jedoch, diese Mischung macht halt Avatarium aus. Mir gefällt die Mischung auf jeden Fall, bei dem der Song Epitaph Of Heroes der Glanzpunkt schlechthin ist. So ist das Album genau zur richtigen Jahreszeit veröffentlicht worden, denn es ist wie ein Feuer, nach dem man sich in kalten Wintertagen sehnt!

Anspieltipps: Voice, Porcelain Skull und Epitaph Of Heroes
Juergen S.
9.1
Leser Bewertung2 Bewertungen
9.8
Pro
Contra
9.1
Punkte
Weitere Beiträge
The Pinpricks – Bait EP