Spoil Engine – Renaissance Noire

Die Sau muss raus, egal wie

Artist: Spoil Engine

Herkunft: Belgien, Niederlande

Album: Renaissance Noire

Spiellänge: 44:18 Minuten

Genre: Melodic Death, Metal Core, Modern Metal

Release: 15.11.2019

Label: Arising Empire

Links: http://www.spoilengine.com
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https://shop.spoilengine.com

Produktion: Matthijs Quaars und Davy Vanlokeren, Mix: Henrik Udd, Cover Artwork: Adrian Baxter

Bandmitglieder:

Gesang – Iris Goessens
Gitarre – Steven ‘Gaze’ Sanders
Schlagzeug – Matthijs Quaars
Bassgitarre – Davy Vanlokeren

Tracklist:

  1. R!OT
  2. Medicine
  3. The Hallow (feat. Jeff Walker)
  4. Venom
  5. Golden Cage
  6. Frostbite
  7. Warzone
  8. No Flowers For A Pig
  9. The Void
  10. Storms Of Tragedy

„Wir haben uns entschieden, die Vergangenheit ein für alle Mal hinter uns zu lassen und unsere Wut und Frustration zu nutzen, um daraus das härteste Album zu machen, das wir überhaupt machen könnten.“ (Steven ‘Gaze’ Sanders, Spoil Engine)

In diesem Falle schauen auch wir nicht zurück, sondern widmen uns dem neuesten und zwischenzeitlich fünften Longplayer von Spoil Engine. Das vorliegende Album Renaissance Noire umfasst insgesamt zehn Tracks mit einer Spielzeit von runden 45 Minuten. Wütend und geboren aus der Frustration vergangener Zeiten heraus soll es also sein. Das hört sich sehr vollmundig, selbstbewusst und verlockend zugleich an. Und ja, diesen beherzten Worten lassen Spoil Engine Taten folgen.

R!OT versprüht gleich zu Beginn eine gehörige Portion vorgenannter Elemente. Ohne Vorspiel gleich in die Vollen. Warum lange rummachen, wenn einem die Message auf der Zunge liegt. Es ist Iris Goessens, die dieser Nummer Aggression und Seele gibt. Sie intoniert und moduliert dabei mit maximaler Leidenschaft. Als Gesangslehrerin vermag sie hierbei beinahe alle Stilelemente zu bedienen. Die Screams, das Growling und letztlich die natürliche Klangfarbe ihrer Stimme reizen und fordern mich heraus. Letztlich fügen sich die Vocals sehr schlüssig in die Instrumentierung ein. Und eben jene sorgt für den fetten Groove und Härte. Das anfangs melodiegeschwängerte Riffing setzt durchaus druckvolle Akzente und mündet offen gehalten in einen Refrain, der jede Menge Punk beinhaltet.

Noch ausdrucksstärker und weitaus dreckiger geht Medicine zu Werke. Hoch lebe der Groove, diese Nummer reißt einen in der Tat vom Hocker und besitzt zudem noch einen Refrain, der wie bei R!OT hängen bleibt. Dies setzt sich mit The Hallow nachdrücklich fort. Jeff Walker von Carcass darf sich hier einreihen und so verwundert es nicht, dass dieser Track vor schierer Wut überkocht.

Mit Venom wird der Horizont deutlich erweitert. Unter Beibehaltung der bislang bekannten Grundstrukturen überrascht Venom mit etwas mehr Cleangesang und Melodie. Die Gitarrenarbeit und das Songwriting generell klingen deutlich progressiver. Da ist Djent, Metalcore, vor allem aber pure Begeisterung am eigenen Tun drin. Für Abwechslung in der vorherrschenden Raserei sorgt Golden Cage. Balladesk anmutend kann dieses Arrangement mit Schwere und Tiefe überzeugen. Die zunehmende Dynamik im Aufbau hin zum Refrain erzeugt nicht selten Gänsehautmomente.

Man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, Spoil Engine haben Spaß am Experimentieren gewonnen. Denn die Songs folgen keineswegs immer nur einer Richtung. Man testet sich und die vorhandenen musikalischen Fähigkeiten aus, was neben Frostbite und Warzone zu sehr eigenwilligen und selbstbewussten Nummern führt. Fernab des Mainstreams beweisen Spoil Engine Kreativität, Mut und Ehrgeiz. The Void zum Beispiel verknüpft moderne Metaleinflüsse mit gnadenlos hartem und akzentuiertem Riffing und überrascht deshalb in vielerlei Hinsicht. Die Vocals tänzeln zwischen gutturaler und clean gehaltener Modulation und verleihen diesem Song eine somit gänzlich neue Note. Mit Storms Of Tragedy geben Spoil Engine dann zum Schluss nochmals Vollgas und verkünden eindrucksvoll, wieder im Spiel zu sein.

Spoil Engine – Renaissance Noire
Fazit
Renaissance Noire ist ein rundum erwachsenes Album, das ohne diese Musiker in dieser Qualität so nicht möglich gewesen wäre. Im Zentrum des Geschehens steht mit Sicherheit die Stimmgewalt von Iris Goessens, deren vielfältige Sangeskunst ohne ihre Mitstreiter allerdings keinen bzw. nicht genau diesen Raum zur Entfaltung gefunden und bekommen hätte. Musikalisch wandelt man auf moderneren Pfaden, reißt aber hier und da auch immer wieder die Wurzeln der Band an. Das Album bewegt sich im Songwriting auf einem ansprechenden Niveau mit vielen Höhen und wenigen Tiefen. Sollte dieser musikalische Weg konsequent weiterverfolgt und weiter veredelt werden, dürften Spoil Engine abermals auf sich aufmerksam machen können.

Anspieltipps: R!OT, Medicine, Venom und The Void
Peter H.
8.4
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8.4
Punkte
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