Beyond The Black – Heart Of The Hurricane

„Rocker oder Romantiker?“

Artist: Beyond The Black

Herkunft: Deutschland

Album: Heart Of The Hurricane

Spiellänge: 64:48 Minuten

Genre: Symphonic Metal

Release: 31.08.2018

Label: Airforce 1 Records / Universal Music

Link: http://beyond-the-black.com/de/

Bandmitglieder:

Gesang – Jennifer Haben
Bass – Stefan Herkenhoff
Gitarre, Gesang – Chris Hermsdörfer
Gitarre, Gesang – Tobias Lodes
Keyboard, Gesang – Jonas Roßner
Schlagzeug – Kai Tschierschky

Tracklist:

01. Hysteria
02. Heart Of The Hurricane
03. Through The Mirror
04. Million Lightyears
05. Song For The Godless
06. Escape From The Earth
07. Beneath A Blackened Sky
08. Fairytale Of Doom
09. My God Is Dead
10. Dear Death
11. Scream For Me
12. Freedom
13. Breeze
14. Echo From The Past (Bonustrack)
15. Parade (Bonustrack)

Spricht man vom Saarland, denkt Otto Normal zuerst an Karlsberg UrPils, Lyoner, Nicole, Sandra, Gerd Dudenhöffer, die Schlossberghöhlen und natürlich Saarbrücken. Aber Metal findet doch höchstens im Underground statt. So war es bis vor einigen Jahren, doch mit Powerwolf und Beyond The Black mischt das Saarland mittlerweile die Charts auf. Wobei es Jennifer Haben, Frontfrau von Beyond The Black, in den letzten Jahren nicht so leicht hatte wie die Wölfe. Kaum eine andere Band erhitzt die Gemüter dermaßen wie die Female Fronted Symphonic Metal Band. Beyond The Black, eine unambitionierte Nightwish Kopie. Abrupte Besetzungswechsel. Als Castingschrott gebrandmarkt, als egoistisches Soloprojekt verschrien. Songs nicht selbst aufgenommen, keine eigenen Texte. Die Band ist stets für eine Kontroverse gut, von Kritikern verachtet, von den Fans innig geliebt. Vieles war sicherlich gerechtfertigt, insbesondere im Hinblick auf die ersten Scheiben Songs Of Love And Death und Lost In Forever, der Vorwurf der billigen Nightwish Kopie. Nun die Veröffentlichung des dritten Werkes Heart Of The Hurricane in komplett neuer Besetzung.

Schon in der Vergangenheit war die Band schwer einzuordnen, als Grundsubstanz diente sicherlich Symphonic Metal, der aber oftmals mit Gothic Rock und diversen Pop Rock Einflüssen verwässert wurde. Auch auf dem neuen Album jongliert man zwischen den Fronten und löst so erneute Diskussionen aus. Albumtitel und Coverartwork sind somit programmatisch und spiegeln den Sturm wider, den Jennifer Haben in den letzten drei Jahren durchleben musste.

Hysteria ist ein recht kompromissloser, melodischer Midtempo Opener mit einem ordentlichen Härtegrad. Einfacher, aber rockiger und solider Symphonic Rock mit einem sehr energischen Chorus. Ein gut platzierter Akustikbreak und ein cooles Gitarrensolo zum Ende hin machen den Song zu einer typischen Beyond The Black Nummer, für die die Fans sie lieben werden. An manchen Stellen geht es ein bisschen in Richtung Tobias Sammet`s Avantasia. Experimente gibt es aber nicht, man macht einfach da weiter, wo man bei Lost In Forever aufgehört hat. Vielleicht zeigt sich etwas mehr bis dato nie da gewesene Entschlossenheit, die sicherlich auf die neue Band zurückzuführen ist und die frischen Rückenwind mit sich bringt. Auf Konzerten wird der Track sicherlich gut funktionieren, da der großartige Refrain zum Mitgrölen animiert.

Experimente wagt man auch beim Titeltrack Heart Of The Hurricane nicht. Hier geht es etwas ruhiger zur Sache, doch man steigert sich hin zu einem energiegeladenen, groovigen Melodic Rocker mit mitreißendem Refrain. Die rhythmische Gitarrenarbeit gefällt und die süßen Vocals werden von verhältnismäßig harten Gitarrenriffs durchkreuzt. Jennifers Stimme zeigt sich hier von ihrer besten Seite. Jedoch wirkt der Track, wie schon oft gehört.

Through The Mirror liefert eine wunderschöne Melodie, wird aber stark von Piano und nahezu balladesken, atmosphärischen Strophen begleitet. Es baut sich eine episch anmutende Nummer auf, die selbst Metal Ballads Hater überzeugen könnte. Die verhassten Popstrukturen führen gemeinsam mit den Melodieverläufen zu einem beachtlichen Ergebnis. Die symphonische Halbballade wartet mit leichtem Folkeinschlag auf und löst Ohrwurmalarm im Chorus aus. Die Sängerin überzeugt mit tieferer Stimmlage als gewohnt.

Bei Million Lightyears handelt es sich um ein charismatisches Duett zwischen Frontfrau Jennifer Haben und Gitarrist Chris Hermsdörfer. Die beiden Stimmen bilden einen tollen Kontrast und ergänzen sich gut. Ein solider Pop Metal Track im Midtempo Bombast.

Bei dem Track Song For The Godless wagt man erstmals echte Experimente und versucht, andere Hörerschichten zu erreichen. Man schielt in Richtung Mittelalter, jedoch steht der Song wie ein Fremdkörper zwischen den symphonischen Rocksongs. Ich habe nichts dagegen, wenn eine Band mal mit anderen Stilen experimentiert und versucht neue Wege zu gehen, doch hier sollte der Schuster bei seinen Leisten bleiben. Der Schwenk in Richtung Medieval Rock erleidet Schiffbruch. Stark ist jedoch das Gitarrensolo gegen Ende hin mit Double Bass Action. So etwas kann man vielleicht als Bonustrack durchgehen lassen.

Escape From The Earth ist durchweg akustisch gehalten und erzeugt ordentlich Atmosphäre. Es handelt sich um einen sehr kurzen, eingängigen und gothiclastigen Track, der stark an Avantasia`s Draconian Love erinnert. Ein simples, aber effektives Zwischenspiel.

Escape From The Earth war praktisch das Intro in das sehr langatmige Beneath A Blackened Sky. Nach dem Carmina Burana artigen Intro wird hier die Symphonic Metal Keule ausgepackt. Durch Streicher und Chöre wird eine dramatische und düstere Atmosphäre erzeugt. Die Gitarren treiben die Vocals regelrecht vor sich her, um dann in einen hymnischen Chorus überzuleiten. Der Song hat Hitpotenzial.

Das zackige Fairytale Of Doom schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe. Die Nummer glänzt mit opulenter Umsetzung, tollen Vocals, epischem Corus und starken Melodien, die an Delain denken lassen.

Die epische, teils melancholische, Halbballade My God Is Dead beginnt mit Pianoklängen. Der Chorus wird getragen von Jennifers traurigen Vocals, die im Kontrast zu eindringlichen männlichen Hintergrundgrowls stehen. Die Dame zeigt sich hier in Höchstform, die Growls wirken etwas deplatziert. Der Track hat ein paar Ecken und Kanten mehr und man zeigt eine gewisse Vielschichtigkeit.

Das treibende Dear Death besticht mit einem erhabenen Chorus. Hier wird einerseits die Metalkeule ausgepackt, andererseits hat der Song eine fröhliche Musical Schlagseite. Ein kleiner Hit, der aber ein paar Durchgänge benötigt.

Im letzten Drittel des Albums beginnt Scream For Me vielversprechend, ruhige Strophen und deftiger Chorus mit männlichen Screams passend zum Titel wechseln sich ab. Man geht erfreulich hart zu Werke, aber was anfangs spannend beginnt, endet dann doch irgendwie als Rohrkrepierer, denn das Wechselspiel zwischen dezenten Growls und hymnischen Gesangparts zündet auf Dauer einfach nicht. Man sollte die Finger von Songtiteln lassen, auf die ein gewisser Bruce Dickinson ein Patent hat.

Besser macht man es im Uptempo Track Freedom, der mit Abstand das härteste Stück der Platte ist. Tiefer gestimmte Gitarren und brachialen Riffs beherrschen den Song, bis ein zartes Gothic Piano ins Spiel kommt. Hier funktioniert es auch mit den Screams, die sich gut ins Gesamtbild einfügen. Hier punktet auch die Top-Produktion. Der wohl härteste Song der bisherigen Beyond The Black Karriere.

Laute und leise Töne im Wechsel. Nach dem harten Freedom rundet die ruhige Pianoballade Breeze das Album ab. Hier werden mit Streichern, Bläsern und einem gefühlvollen Piano alle Register gezogen. Jennifer wechselt zwischen sehr sanften und leidenschaftlich lauten Vocals hin und her. Von Metal ist man hier meilenweit entfernt, aber man ist bereit zu Experimenten und schöpft das Potenzial der jungen Dame voll aus. Daumen hoch!

Wer sich das Limited Edition Mediabook zulegt, darf sich zudem noch über zwei Bonustracks freuen. Die Positionierung am Ende ist nach dem sehr ruhigen Breeze unglücklich gewählt. Echo From The Past beginnt mit einer ungewöhnlichen Westerngitarre und könnte mit dem sehr eingängigen Refrain durchaus ein regulärer Albumtrack sein. Den Abschluss bildet das unscheinbare Parade mit einem außergewöhnlichen, hörenswerten Chorus.

Fazit: Beyond The Black erfinden auch auf ihren dritten Longplayer das Rad nicht neu, geboten wird Symphonic Rock mit stark poppigem Einschlag, wie man den Sound schon von den ersten beiden Alben kennt. Jedoch ist Jennifer Haben unter dem Druck der Kritiker und der sozialen Medien nicht zerbrochen und zieht weiterhin ihr Ding durch. Die neue Band bringt sich gut ein, der Fixpunkt ist und bleibt jedoch die einschmeichelnde Stimme von Jennifer Haben. In Sachen Backing Growls gibt es Nachholbedarf. Punkten können dagegen die sehr gute Produktion von Sascha Paeth (Avantasia / Edguy) und diverse kleine Experimente und Abwechslungsbereitschaft. Ein etwas geringerer Popanteil, deftigere Gitarren und mehr Wums an den Drums würden den Songs gut tun. Man sollte einfach wesentlich öfter die Metalkeule auspacken. Die erste Hälfte des Albums konnte halbwegs überzeugen, zum Ende hin lässt die Qualität immer mehr nach. Dennoch ein gutes Album mit hoher Hitdichte. Wer auf leicht konsumierbaren Symphonic Metal steht, darf hier problemlos zugreifen. Um die Fans aber auch in Zukunft bei der Stange zu halten, muss man in Zukunft zulegen.

Anspieltipps: Hysteria, Breeze, Dear Death
Andreas F.
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