Black Angels – Steamroller

Hardrock-Dampfwalze mit Gute-Laune-Garantie und Eigenständigkeit

Artist: Black Angels

Herkunft: Schaffhausen (CH), Hegau-Region (D)

Album: Steamroller

Genre: Hard Rock

Spiellänge: 50:20 Minuten

Release: 01.08.2019

Label: Eigenproduktion

Links: http://www.black-angels-rock.com
https://www.facebook.com/Black.Angels.Rock

Bandmitglieder:

Gesang – Ron Phillips
Gitarre – Andre Bradka
Bass – Michael „Mikel“ Enders
Schlagzeug – Marc „The Shark“ Weber

Tracklist:

01. Steamroller
02. Spread Your Wings
03. Wheel Will Fly
04. I.Never.Com
05. Never Gonna Let You Down
06. Set Me Free
07. Sound Of Thunder
08. Into The Dark
09. When The Night
10. Batman Reloaded
11. The Road
12. I.Never.Com (Extended Version)

Die Hardrocker Black Angels gründeten sich bereits 1979 in Schaffhausen und gehörten damals neben Krokus und China zu den bekanntesten Rock-Exporten der Schweiz und bestanden aus Clive Murray (Vocals), Mark Egg (Guitars), Andy McKay (Guitars), Walt Lion (Bass), Harry Stone (Keyboards) und Brian Irving (Drums). Das Debütalbum Hellmachine erschien 1981, für das Folgealbum Kickdown (1983) wurde bereits der Engländer Murray gegen den neuen Sänger Ron Phillips ausgetauscht. Es folgten mit Phillips noch die Alben Black And White (1985) und Broken Spell (1985) und obwohl die Band mit über 80.000 Einheiten gute Verkaufszahlen erzielte und mit Szenegrößen wie z.B. der Alvin Lee Band, Mother`s Finest, The Hooters, Uriah Heep, Nazareth, Ten Years After oder Whitesnake durch ganz Europa tourte, löste man sich nach dem vierten Studioalbum auf.

Nach fast 25 Jahren Pause sollte die Bandgeschichte jedoch ab 2009 weitergeschrieben werden, denn der damalige Frontmann Ron Phillips reanimierte die Truppe in neuer Besetzung. Der gesamte Backkatalog wurde erstmals via Karthago Records auf neumodischen Silberscheiben in einem monströsen Box-Set wiederveröffentlicht und zudem wurde kurzerhand mit Changes noch ein neues Album aus dem Hut gezaubert, mit dem das Box-Set perfekt abgerundet wurde. Von den damaligen Bandmitgliedern der frühen 1980er-Jahre war nur noch Ron Phillips an Bord, doch den rundum erneuerten Black Angels gelang es perfekt, den Hardrock-Sound der 80er in die Gegenwart zu transportieren.

Seitdem gingen erneut zehn Jahre ins Land, bis Ron Phillips Black Angels 2019 mit ihrem insgesamt sechsten Longplayer in den Startlöchern standen, Steamroller erschien am 1. August 2019 und rutschte bei Time For Metal unerklärlicherweise bisher durch.

Aktuell besteht die ehemals Schweizer Truppe, die anno 2020 an den Hegauvulkanen beheimatet ist, aus Ron Phillips (Vocals), Andre Bradka (Guitars), Michael Enders (Bass) und Marc Weber (Drums). Für das aktuelle Album Steamroller begaben sich Ron Phillips und seine Schwarzen Engel unter die Fittiche von Helloween Schlagwerker Dani Löble und Crematory Gitarrist / ex-Mystic Prophecy Bassist Connie Andreszka, die dem Hardrock Sound den passenden modernen Anstrich verpassten. Herausgekommen sind elf brandneue Songs, die dem alten Material in nichts nachstehen. Das Bandmotto Rock Will Never Die wird hier groß geschrieben, denn mit klassischen Hardrock Nummern werden die Wurzeln nicht verleugnet, doch ist man auch nicht in den 80er-Jahren hängen geblieben und versucht nicht, so die goldenen Zeiten vergangener Tage am Leben zu erhalten.

Der Titeltrack Steamroller knallt ordentlich aus den Boxen, oder sollte ich lieber sagen walzt, kann mit einem fetten Riff und eingängigem Refrain begeistern und macht Lust auf die kommende Live-Saison nach Corona. Mit dem groovigen Spread Your Wings, nicht mit dem gleichnamigen Queen-Klassiker zu verwechseln, ist den Schwarzen Engeln ein richtig eingängiger Gute-Laune-Hit gelungen, der sich auf Anhieb in den Gehirnwindungen festsetzt. Mit Wheel Will Fly verhält es sich ganz ähnlich, jedoch kratzt man hier ein bisschen am NWOBHM, doch der Song klingt dennoch frisch und wird wohl in Zukunft auf keiner Setlist fehlen. Mit I.Never.Com wird hier deutlich zu früh der Fuß vom Gaspedal genommen, denn hier handelt es sich um eine typische Rockballade, mit der sich die Band um einen Platz auf kommenden Metal Ballads Compilations bewirbt. In den 80ern hätten sich die Fans auf den Konzerten die Finger an den Feuerzeugen verbrannt, heutzutage wird wohl eher Display-Alarm in den Konzertlocations herrschen. Allerdings tue ich mich hier etwas schwer mit der gefühlvollen Stimme von Ron Phillips, denn die Farbe passt deutlich besser zum 80er Vibe der rockigen Abgeh-Nummern. Geschmackssache! Beim folgenden Never Gonna Let You Down fühle ich mich prompt an Neil Youngs Rockin` In The Free World erinnert – erdiger Rock mit Gute-Laune-Garantie. Auch das rockige Set Me Free macht richtig Spaß, jedoch hat man sich beim Einstieg etwas zu weit in Richtung Hannover orientiert, denn die Ähnlichkeit zu Rock You Like A Hurricane von Kappen-Klaus und seinen Scorpionen ist nicht von der Hand zu weisen. Doch das ist wirklich nur der Einstieg, danach findet man sehr schnell zur gewohnten Eigenständigkeit zurück. Die Harley Davidson Motorengeräusche zu Beginn von Sound Of Thunder machen sofort klar, wohin die Reise geht, denn serviert wird eine lupenreine Biker-Hymne, die das Benzingequatsche und die Lagerfeuerromantik eines jeden MC Treffens perfekt untermalen wird. Mit Into The Dark folgt gleich die nächste Hymne, die zumindest phasenweise an den Altmeister Ronnie James Dio erinnert. Auch When The Night ist eine typische 80er-Jahre Hymne mit eingängigem Refrain und Wiedererkennungswert. Über Batman Reloaded hülle ich wohl besser den Mantel des Schweigens, denn was die Jungs hier geritten hat, ist nicht nachvollziehbar. Der Song will sich so gar nicht in das restliche Album einpassen und sticht heraus wie das berühmte schwarze Schaf in der Herde, das aufgrund seiner Fellfarbe auch niemand haben will. Die einzig schlüssige Erklärung wäre, man hat an dem Tag, an dem der Song entstand, mit den Grailknights gemeinsam die Bühne gerockt. Sorry, geht gar nicht! Auch wenn The Road nicht mehr das Potenzial der ersten Songs entwickeln kann, so ist man hier zumindest wieder in der Spur. Als Rausschmeißer muss erneut eine Extended Version der Kuschelrock Nummer I.Never.Com herhalten.

Black Angels – Steamroller
Fazit
Natürlich erfinden die Black Angels mit Steamroller das Rad nicht neu, was bei einer 1979 gegründeten Band wohl auch niemand erwartet, doch durch die sehr eigene Stimmfarbe von Phillips fällt die gewisse Eigenständigkeit nicht sonderlich schwer und man hebt sich von den gängigen Schwergewichten wie Krokus, China, Gotthard, Scorpions und Victory ab. Das Album ist abwechslungsreich, zeigt viele Facetten der Band und bietet gerade in der ersten Hälfte einige richtig gute Hardrock-Hymnen parat. Zum Ende hin fällt das Potenzial der Songs leider etwas ab und Batman Reloaded ist als kompletter Ausfall zu werten. Fans von 80er-Jahre Hardrock sollten hier definitiv aber mal ein Ohr riskieren.

Anspieltipps: Spread Your Wings, Set Me Free, Sound Of Thunder und Never Gonna Let You Down
Andreas F.
7.5
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