Blood Torrent im Interview über Spätzle, das neue Album und über politische Meinungen

Spätzle, Knöpfle, Schupfnudeln oder Maultaschen?

Artist: Blood Torrent

Herkunft: Schwäbisch Gmünd, Deutschland

Genre: Black Metal

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/pg/BloodTorrent/

Bandmitglieder:

Gesang und Bass – H.a.v.o.c.
Gitarre – Erebos #14
Gitarre – Rahl
Schlagzeug – Myrmeleon

Time For Metal / Kai R.:
Hey Blood Torrent,
erst mal das Wichtigste – wie geht es euch?

Blood Torrent:
Uns geht es soweit ganz gut. Wir sind bisher alle von Covid-19 verschont geblieben, zumindest körperlich. Nicht live auftreten zu können und die verminderten sozialen Kontakte sind nicht gerade spaßig. Auch wenn es natürlich auf gewisse Weise verständlich ist, dass Maßnahmen eingeführt wurden. Wir hatten am 14.03. noch einen Gig in Bad Kreuznach bei Mainz. Das war der Tag, an dem die ersten offiziellen Empfehlungen rausgingen. Wir waren uns da unsicher, ob wir den Gig überhaupt spielen sollten. Aber wir sind jetzt ganz froh, dass wir den noch gespielt haben.

Time For Metal / Kai R.:
Da ich immer gerne locker anfange, starten wir mal mit folgender Frage: Was würdet ihr präferieren? Spätzle, Knöpfle, Schupfnudeln oder Maultaschen?

Blood Torrent:
Das kommt ganz auf die Situation und den Tag drauf an. Aber wenn ich mich für eines entscheiden müsste, dann wären es wahrscheinlich Spätzle. Die sind am vielseitigsten einsetzbar. Denke meine Bandkollegen sehen das ähnlich.

Time For Metal / Kai R.:
Dann würde ich gerne mal wissen, wie ihr euch die Zeit vertreibt, wenn ihr dank der Covid-19 Krise im Eigenheim verweilen müsst.

Blood Torrent:
Wir haben angefangen, an neuem Material zu arbeiten, uns Gedanken zu machen, wie es weitergeht. Das, was wir im Moment machen können, um weiterhin produktiv zu sein. Wir haben viele tolle Ideen entwickelt und ich denke, auf manchen Ebenen hat diese „Auszeit“ auch im Moment was Gutes. Den Rest von der Zeit verbringen wir dann mit Sport oder Alkohol haha.

Time For Metal / Kai R.:
Gegründet habt ihr euch im Jahr 2005 und seid seither auch nicht inaktiv gewesen. Neben einem Full-length Album (Torrent Of Hatred – 2012) habt ihr auch noch zwei weitere EPs und eine Demo veröffentlicht. Was macht ihr für Musik und wie würdet ihr das Genre selbst am besten beschreiben, welches ihr bedient?

Blood Torrent:
Richtig. Die Musik macht uns sehr großen Spaß und wir sind mit Leidenschaft dabei. Ich denke, das ist auch auf unseren bisherigen Veröffentlichungen hörbar. Es ist auf jeden Fall extreme Musik und es steckt auch eine ganz bestimmte Art von Energie dahinter. So genau kann man das nicht sagen und es ist schwer, die Musik in eine Schublade zu stecken. Aber wenn, dann würde ich die Musik als Black-/Death Metal mit einem starken Einschlag von Rock und Punk beschreiben. Vielleicht auch ein bisschen in die Richtung Black ’n‘ Roll. Auf jeden Fall sollte die Musik auf die Fresse gehen.

Time For Metal / Kai R.:
Nach Continuum (EP von 2013) war nun lange Zeit Ruhe. Jetzt startet ihr 2020 wieder mit einer neuen Single (The Cosmic Breakdown) durch. Darf man sich als Fan auf ein neues Album freuen?

Blood Torrent:
Definitiv ja. Wir haben lange und hart auf das neue Album hingearbeitet. 2017 haben wir bereits angefangen, neue Songs zu schreiben, alte zu überarbeiten sowie uns Gedanken zu machen, wie wir das Ganze aufnehmen, welchen Sound wir haben möchten usw. Als das Schreiben der Songs dann beendet war und wir wussten, welche Songs wir auf dem Album haben möchten, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir die kompletten Aufnahmen so natürlich wie möglich haben möchten. Also war es an uns zu schauen, wie wir das Ganze unserer Vorstellung nach in den Kasten bekommen. Vor allem, was die Aufnahmen der Drums und der Gitarren angeht. Es ist gut, dass kleine Bands in der heutigen Zeit die Möglichkeit haben, alles digital aufzunehmen, das erspart oft eine Menge Arbeit. Jedoch macht es den Sound auch oft zu künstlich und zu glatt, und genau das wollten wir nicht. Also haben wir alles mit Mikros aufgenommen. Alles, außer Kleinigkeiten beim Intro und Midtro, sind richtige Instrumente und bis auf ein paar Hervorhebungen haben wir den Sound sehr originalgetreu gelassen.

Das Ganze nahmen wir im Homestudio unseres Drummers Grandur auf, welcher auch das Mixing und Mastering übernommen hat. Leider musste er in der Zwischenzeit aus privaten Gründen die Band verlassen. Aber wir haben bereits einen würdigen Nachfolger: Myrmeleon, welcher auch ein ausgezeichneter Musiker ist.

Mit dem Release unserer Single haben wir bemerkt, dass wir weitere Kreise gezogen haben, und auch einige internationale Metalheads auf uns aufmerksam geworden sind. Wir haben den Eindruck, dass die Singleauskopplung bei den Fans sehr gut ankommt. Im Herbst/Winter möchten wir unser Album Void Universe releasen, worauf wir uns schon sehr freuen, und hierzu natürlich etliche Gigs spielen. Da spielt jedoch die aktuell herrschende Situation, und wie sie sich entwickeln wird, eine große Rolle. Vieles kann ja momentan leider noch nicht abgeschätzt werden, wann zB. wieder Konzerte gespielt werden dürfen etc. Wir hoffen hierzu auf jeden Fall, dass uns die derzeitige Situation dabei nicht zu sehr ausbremst oder den Release noch weiter hinauszögert.

Time For Metal / Kai R.:
Steht hinter Void Universe ein Konzept? Oder worüber handelt das Album?

Blood Torrent:
Es ist kein Konzeptalbum an sich. Jedoch gibt es innerhalb der Texte auf Void Universe, und damit auch auf unserer Single, ein immer wiederkehrendes Thema: Es geht um das Argument der Selbstauslöschung innerhalb des Fermi-Paradoxons. Es wird hierzu die Frage aufgeworfen, was passieren würde, wenn die Gesellschaft von vorne anfangen könnte. Und nach dem Argument der Selbstauslöschung wird sich jede Hochkultur ab einem gewissen Punkt immer selbst zerstören. Egal, wie oft sie neu anfangen könnte. Es ist ein vorprogrammierter Zusammenbruch von Zivilisationen und scheint ein unwiderlegbares Naturgesetz zu sein. Und ich glaube, bei der Menschheit ist dieses Prinzip besonders gewichtig.

Time For Metal / Kai R.:
Neben Heaven Shall Burn, Wizo und Chthonic gibt es ja reichlich Bands, die die Musik als Medium ihrer politischen Meinung nutzen. Wie steht ihr dazu?

Blood Torrent:
Das knüpft nun sehr gut an deine letzte Frage an. Wenn man anfängt Kunst zu machen, macht man sich auch Gedanken darüber, was der Inhalt der Kunst ist. Und man wird immer von etwas angetrieben. Sei es gesellschaftlich oder persönlich. Ich denke, dass man so gut wie nichts im Leben machen kann, ohne dabei eine politische Meinung zu vertreten. Denn man hat zu jedem Thema eine Meinung. Bands, die sagen, sie machen komplett unpolitische Musik, haben sich das meiner Meinung nach einfach noch nicht wirklich vor Augen gehalten. Vor allem ist doch die Kunst an sich schon ein politisches Statement. Aber das ist auch meine ganz persönliche Meinung und da sind wir uns sogar innerhalb der Band nicht einig. Ich denke, wichtig dabei ist, dass die Kunst nicht dafür genutzt werden sollte, um anderen seine Meinung aufzudrücken. Kunst sollte doch immer noch die Möglichkeit besitzen, einfach nur für sich zu stehen. Ganz ohne persönlichen Stempel. Denn jeder Mensch nimmt die Kunst doch auch etwas anders auf. Vor allem in der Musik.

Time For Metal / Kai R.:
Was haltet ihr von Onlinestreams? Werden Geisterkonzerte den Locations in Zukunft die Gäste streitig machen, oder seht ihr das als Chance, um mit Musik weitere Fans zu erreichen?

Blood Torrent:
Vor allem in der jetzigen Situation sind Onlinestreams eine ganz gute Möglichkeit trotz all der Beschränkungen seine Kunst weiter mit anderen zu teilen und die Musik weiterleben zu lassen. Necrophobic z.B. haben zu Beginn der Einschränkungen ein Online-Stream-Konzert gegeben, was ziemlich cool war. Allerdings glauben wir nicht, dass Onlinestreams jemals physische Konzerte mit Besuchern ersetzen können. Musik ist schließlich ein Erlebnis, das von der Band und den Zuhörern nur voll erlebt werden kann, wenn beide physisch zusammen vorhanden sind. Die Atmosphäre und die Aura, die bei einer guten Liveshow erzeugt werden, werden durch ein Geisterkonzert nie erreicht werden können. Wenn wir uns selbst vorstellen, nur noch Geisterkonzerte spielen zu müssen, wäre das einfach nicht das gleiche. Also Onlinestreams sind eine gewisse Chance, um weitere Hörer zu erreichen, dass sie jedoch „realen“ Konzerten die Gäste streitig machen, halten wir für sehr unwahrscheinlich.

Time For Metal / Kai R.:
Was denkt ihr? Lohnt es sich heute noch als kleine Band eine CD/ ein Vinyl zu veröffentlichen oder ergibt der digitale Markt mehr Möglichkeiten zur Verbreitung?

Blood Torrent:
Der digitale Markt ermöglicht viele neue Möglichkeiten. Man sollte es als Band auf jeden Fall in Betracht ziehen, dort aktiv zu werden. Allein schon, um mehr Menschen erreichen zu können. Auch wenn es natürlich Schattenseiten, unseres Eindrucks nach vor allem aus kommerzieller Sicht des Künstlers, gibt, scheint dieser Markt die Zukunft zu sein. Das Grammofon hat sich schließlich auch weiterentwickelt – haha. Allerdings finden wir es dennoch wichtig, auf CDs und Vinyl zu veröffentlichen. Wir sind alle große Musikliebhaber und kaufen auch weiterhin CDs und Platten. Gerade auf Konzerten ist es super, wenn man sich von einer Band, die einem taugt, einen Tonträger mitnehmen kann. Auch das Gefühl, etwas „handfestes“ und eine Sammlung im Regal zu besitzen, ist unserer Meinung nach sehr viel wert. Ich denke, kein digitaler Besitz wird so etwas jemals ersetzen können.

Time For Metal / Kai R.:
Abschließend gebe ich euch ein wenig Platz um uns etwas zu fragen, was ihr schon immer von einem Online-Magazin, wie Time For Metal es ist,wissen wolltet. Ihr fragt – wir antworten! ?

Blood Torrent:
Speziell hinsichtlich eures Online-Magazins: Ihr scheint sehr stark aufgestellt zu sein und macht einen sehr professionellen Eindruck. Darauf sind wir als Band natürlich sofort aufmerksam geworden. Wie kam es dazu?

Time For Metal / Kai R.:
Hou, damit fragst du ja quasi die Eckpfeiler unserer Entstehungsgeschichte ab. Wenn ich das hier vollkommen ausführen würde, dann würde das das Interview wahrscheinlich von der Länge her verdoppeln. Ich freue mich aber, dass ich euch ein Interview ans Herz legen kann, welches wir in einem Podcast gegeben haben. Hier erzähle ich zusammen mit meiner Kollegin Katharina R. wie es zum hier und jetzt gekommen ist. Das, was hoffentlich oder vielleicht von außen als professionell wahrgenommen wird, ist, dass wir keine Journalisten im eigentlichen Sinne sind. Wir sind alles Metalheads, die das Magazin aus Überzeugung – im Ehrenamt – betreiben. Bei uns geht es nicht um Klickzahlen oder darum, wie viel Geld eine Band an uns zahlt, um gefeatured zu werden. Es geht vielmehr darum, etwas für unsere Community zu tun. Dazu gehört eben auch, dass wir auch Bands eine Plattform bieten, die sich nicht bei Mitbewerbern einkaufen können/wollen. Unser Gedanke dahinter – von Metalheads für Metalheads.

Im Hintergrund arbeiten wir seit zehn Jahren mit wachsender Erfahrung und Professionalität. Mit der Zeit lernt man, worauf es ankommt und was es braucht, einen Artikel interessant zu gestalten. Ich für meinen Teil kann behaupten, stolz zu sein, dass wir damals aus einer Bierlaune ein so tolles Projekt geschaffen haben, welches heute mehr Daseinsberechtigung hat, als jemals zuvor.

Blood Torrent:
Vielen Dank für das Interview!

Time For Metal / Kai R.:
Ich danke euch und bleibt gesund,

Kai

Weitere Beiträge
Ist Metal veggie und vegan? (3/3)