“Ich hoffe auf eine Fortsetzung!“

Artists: Goregonzola, Battlesword, Misanthrope Monarch, Eohalis, Phobiatic, Sublevel, Selfdevoured, Dicentress, Resurrected, Demon Seduction, Atomgott, Convictive, Menerra, Abaddon, Immortal Scorn, Blodtåke

Herkunft: Deutschland

Album: Brutal H1ts – 100 % Pure Underground

Spiellänge: ca. 67:00 Minuten

Genre: Death Metal, Technical Death Metal, Thrash Metal, Grindcore, Black Metal, Post Black Metal, Melodic Death Metal

Release: 01.07.2017

Label: Brutal Metal Records

Link: https://www.brutalmetalrecords.de/ und https://www.facebook.com/brutalmetalrecords/

Tracklist:

  1. Goregonzola – Cuntholz
  2. Battlesword – Tongues Of Hatred
  3. Misanthrope Monarch – The Brotherhood Of Destruction
  4. Eohalis – Waste Of Eternity
  5. Phobiatic – Domination Matrix
  6. Sublevel – Disposition
  7. Selfdevoured – Storm Of Wrath
  8. Dicentress – Waterdusk
  9. Resurrected – Hellcome
  10. Demon Seduction – Red Ground
  11. Atomgott – Geboren in Schmerz
  12. Convictive – Gewahrwerden
  13. Menerra – War
  14. Abaddon – Abaddon
  15. Immortal Scorn – Shattered Soul
  16. Blodtåke – Absolution Denied

Es gibt ja Gott sei Dank überall diese Enthusiasten, die sich darum bemühen, dass es auch bzw. gerade im Underground noch sehr rege zugeht. Zu diesen Enthusiasten zähle ich zum einen die Magazine, die sowohl online als auch offline über die Aktivitäten im Underground berichten, zum anderen sind da die unverdrossenen Fans, die ich auch auf meinen diversen Konzertbesuchen immer wieder antreffe. In dem Zusammenhang müssen natürlich auch die verschiedenen Locations erwähnt werden, die den Underground-Bands immer wieder eine Möglichkeit bieten, sich zu präsentieren. Last but not least gibt es die Labels, die diesen Bands eine Heimat bieten und sie durch den Dschungel des Musikbusiness führen.

Eines dieser Labels ist Brutal Metal Records, die im Juni dieses Jahres ihren einjährigen Geburtstag feiern und aus diesem Anlass am 01.07. die Compilation Brutal Hits – 100 % Pure Underground veröffentlichen werden. Darauf sind sechzehn Bands versammelt, die ein breites Spektrum an Genres abdecken, und da hat es das Team von Brutal Metal Records sicherlich nicht leicht gehabt, eine Auswahl zu treffen. Auch ich kann hier nur eine Auswahl der Bands treffen, auf die ich kurz eingehen möchte, sonst wird dieses Review ein zweites „Metal Archives“. Dabei hat die Nennung bzw. Nicht-Nennung von Bands weniger mit der Qualität des Songmaterials zu tun, sondern ist teilweise zufällig, teilweise sind es die Bands, die ich halt vorher schon kannte. Zuvor möchte ich aber auch ausnahmsweise einmal die Verpackung bzw. das Digipack erwähnen, das rundherum in Handarbeit erstellt wurde und sowohl von der Optik als auch von der Haptik sehr positiv auffallen kann. Brutal Metal Records ist ein DIY-Label, d. h. die eigenen Veröffentlichungen werden selbst gebrannt und bedruckt, das Digipack in Handarbeit gedruckt, geklebt, geschnitten und gefaltet, die Silberlinge per Hand eingelegt und dann alles in Folie eingeschweißt. Ist ja auch nicht die normale Vorgehensweise, zeigt aber auch, wie viel Herzblut allein in diese Sachen investiert wird. Nun aber zum wichtigsten, nämlich den Bands und deren Songs!

Los geht es mit Goregonzola aus dem Frankenland. Hier ist der Name fast schon Programm, wobei ich zugegebenermaßen zunächst mal an den sehr leckeren Käse gedacht habe, dessen Name ja nur einen Buchstaben weniger hat. Definitiv kein Käse ist das, was die Jungs da rausprügeln. Die sehr gediegene Mischung aus Death Metal und Grindcore erweist sich als würdiger Opener und zeigt gleich mal, was sich das Label unter „Brutal Hits“ vorstellt.

Schon zehn Jahre länger als Goregonzola, nämlich seit 1999 (!!!) ist die nordrhein-westfälische Band Battlesword am Start und schwingt die Fahne des Melodic Death Metal der alten Schule. Nix mit Keyboard, nix mit Clean Vocals, hier muss ich unweigerlich an die guten alten Amon Amarth denken. Im selben Fahrwasser segeln Menerra, die an dreizehnter Stelle mit dem Track War auf große Fahrt über die Meere – oder besser gesagt, in Eure Gehörgänge – gehen.

So, wie ich schon beim Bandnamen Goregonzola ein wenig grinsen musste, geht es mir auch bei Misanthrope Monarch, denn der Kreativität bei der Findung des Bandnamens sind ja wirklich keine Grenzen gesetzt. Noch nicht ganz so lange dabei ist diese Band, das heisst aber nicht, dass sie nicht wissen, wie man Death Metal mit Thrash Metal-Zutaten kombinieren kann, um daraus einen sehr soliden Sound zu schmieden. Das können im Übrigen auch die Duisburger Jungs von Demon Seduction sehr gut. Die durfte ich bereits schon mehrmals live erleben, und das Debütalbum Dissolution, von dem der hier vertretene Song Red Ground stammt und das vor kurzem re-released wurde, wartet auch noch auf ein Review von mir.

Schwere Geschütze fährt auch Phobiatic auf, die ich gerade zum ersten Mal live erleben und mich dabei gleich von ihren Qualitäten überzeugen durfte. Seit dem Jahr 2008 sind die Männer am Start und bearbeiten das weite Feld des Technical Death Metal. Das funktioniert auch mit „nur“ einem Gitarristen richtig gut, und wenn man dann noch so einen guten Shouter wie Sebastian am Start hat, der im Jahr 2013 zur Band stieß, ist die halbe Miete ja schon eingespielt.

Sehr gefreut habe ich mich auch darüber, dass es die Band Sublevel auf diese Compilation geschafft hat. Zufällig bei der CD-Releaseshow von Call Of Charon entdeckt, wo sie als Opener gleich mal den halben Laden zerlegt haben. Da war dann natürlich auch direkt danach ein Review zur EP borders angesagt, die ich nur nach wie vor jedem Fan von richtig gut gemachtem und technisch höchst versiertem (Modern) Death Metal wärmstens ans Herz legen kann. Beim hier zu hörenden Song Disposition gibt es dann auch tatsächlich mal Clean Gesang auf die Ohren, aber wenn er so gut ist, will ich mich wirklich nicht beschweren 🙂

Ein Song auf diesem Album kommt auch ganz ohne Gesang aus und ist so was wie eine Ruhepause zur Hälfte des Albums. Die Band Dicentress aus Thüringen liefert mit Waterdusk ein Instrumental, das mit seinen progressiven Einschlägen durchaus einige Spannungsbögen legt und Lust auf Mehr macht. Sehr augenfällig ist das Suchergebnis zur Homepage der Band, steht da doch „Dicentress – Progressancholic Metal“. Ich habe mich ja weiter oben schon zu den teilweise sehr kreativen Namensgebungen geäußert, aber auch bei der Beschreibung eines Genres wird doch erstaunlich oft sehr viel Gehirnschmalz investiert…

Für einen schwarzmetallischen Anstrich sorgt die Band Convictive, die mit einem Mädel, nämlich Jalina, am Mikrofon daherkommt. Von ihrem „liebreizenden“ Anblick sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Auch live können die Fünf überzeugen, was sie schon bei Shows mit Bands wie Agrypnie, Ereb Altor oder Cruachan und mir persönlich bei der Black Metal-Ausgabe des Glasfeast im Mai in Köln bewiesen haben. Nicht nur mit dem auf dieser Compilation vertretenen Song Gewahrwerden liefern sie eine feine Ladung (Post) Black Metal, die ich jedem Fan des Genres ans Herz legen kann.

Ein wenig aus dem Rahmen fällt die Band Abaddon, die in ihrem Song Abaddon mit einem tollen Mix aus Folk/Symphonic Metal (in den Strophen) und Melodic Death Metal (im Chorus) ihre Reise aus dem niederrheinischen Wesel antreten. Normalerweise ist der Ort ja eher beschaulich, aber ich denke mal, wenn die Stimmgewalt von Abaddon erschallt, versammeln sich die Menschen, um gemeinsam zu schunkeln, die Fäuste in die Höhe zu recken und lauthals mitzusingen. Bereits seit über 20 (!!!) Jahren ist die Band am Start und konnte bereits mit Szenegrößen wie Suidakra, The Vision Bleak oder Arcturus die Bühnen teilen. Ist ja auch mal eine Anmerkung wert.

Dann gehen die knapp 70 Minuten Spielzeit auch schon ihrem Ende entgegen. Immortal Scorn machen keine Kompromisse und prügeln mir ihren Oldschool Death Metal um die Ohren, bevor Blodtåke dem Album den zweiten und letzten schwarzmetallischen Anstrich geben. Hier steht aber kein „Post“ davor, sondern es gibt reinrassigen Schwarzmetall, der sich eher in Richtung des norwegischen Stils orientiert.

Das sich Brutal Metal Records rund um das Album richtig Mühe geben, sieht man auch daran, dass es gleich drei Teaser auf YouTube zu finden gibt. Bevor ich in langwierige Überlegungen einsteige, hier einfach mal alle drei hintereinander weg:

Brutal H1ts – 100 % Pure Underground (Compilation)
Fazit: Man muss sicherlich nicht alle Songs bzw. Bands von diesem Album mögen, das tue ich auch nicht. Aber ich kann nur immer wieder dazu aufrufen, gerade solche Underground-Bands zu unterstützen, und sei es nur, indem man zu ihren Shows fährt. Dazu gibt es auch einen sehr passenden Spruch, dessen Urheber ich leider nicht kenne:

"Erst, wenn der letzte Club geschlossen hat und der letzte Künstler von der Bühne abtritt, wirst Du feststellen, dass man eine geile Atmosphäre nicht runterladen kann – Support your local artist – Besuche auch kleine Konzerte und unbekannte Bands."

Ich bin ja fast nur bei Underground-Shows unterwegs und habe da schon sehr viele geniale Bands entdeckt, aber selbst ich kannte von den auf diesem Album versammelten Bands noch nicht einmal die Hälfte. Das zeigt doch, was hier für Potential vorhanden ist, das schon längst nicht mehr nur schlummert sondern richtig aktiv ist. Zum anderen braucht es natürlich auch Labels, wie das von Brutal Metal Records, die breit aufgestellt sind und damit diese Bands auch professionell supporten. Jetzt liegt es an Euch, dafür zu sorgen, dass solche Bands, Labels und Locations auch weiterhin aktiv sein können und den – manchmal schon sehr satten – Etablierten zumindest mal vors Schienbein, wenn nicht sogar kräftig in den A… treten! Und 5 – in Worten: fünf!! – Euro (zuzüglich Versandkosten), für die dieses Album zu Euch kommt, sollte Euch das doch wert sein…

Anspieltipps: Da hier verschiedene Genres versammelt sind, hängt das natürlich wirklich sehr von den persönlichen Vorlieben ab. Meine Favoriten sind Battlesword, Phobiatic, Sublevel, Dicentress, Demon Seduction und Abaddon
Heike L.9
9Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
9.6

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