Artist: Chaos Divine
Herkunft: Perth, Australien
Album: Legacies
Spiellänge: 62:18 Minuten
Genre: Progressive Metal
Release: 16.10.2020
Label: Eigenproduktion
Link: https:// www.chaosdivine.net
Bandmitglieder:
Gesang – Dave Anderton
Gitarre – Ryan Felton
Gitarre – Simon Mitchell
Bassgitarre – Michael Kruit
Schlagzeug – Ben Mazzarol
Tracklist:
- Instincts
- No Saviour (Rise & Fall)
- Unspoken
- Only Son
- Guardian Gravity
- Colours Of War
- Beacon
- False Flags
- Dead Rivers Flow
- Behind The Seal
- The Key
- Legacies
- Into The Now
Ja, es gibt sie noch, diese glücklichen Zufälle. Da stöbert man willkürlich durch irgendwelche Spotify-Playlisten, hört ein Lied (Beacon) und im selben Augenblick schießt einen dieser eine Gedanke durch den Kopf: Mensch, wie geil ist das denn bitte! So geschehen bei Chaos Divine. Der Fünfer stammt aus Perth in Australien und blickt immerhin auf eine 15-jährige Bandgeschichte zurück. In dieser Zeit brachten sie mit Avalon (2008), The Human Connection (2011) und Colliding Skies (2015) drei Full-Length Alben auf dem Markt, die allesamt überaus positive Kritiken in Liebhaberkreisen einheimsen konnten. Der Bekanntheitsgrad der Band begrenzte sich allerdings bisher nur auf den eigenen Kontinent. Nun steht mit Legacies das neueste Langeisen der Aussies, welches komplett in Eigenregie arrangiert wurde, in den Startlöchern.
Chaos Divine spielen Progressive Metal. Nun kann ich von mir behaupten, dass ich einen breit gefächerten Musikgeschmack habe und mich in vielen Metalgenres zu Hause fühle, doch Progressive Metal gehört definitiv nicht dazu. Hätte ich mich also vorher über den Stil der Band informiert, hätte ich bestimmt nicht reingehört und mir wäre eines der besten Alben des laufenden Jahres entgangen – eben ein glücklicher Zufall!
Schon die disharmonischen Tonfolgen zu Beginn des Openers Instincts wären bei mir eigentlich ein Fall für die Skip-Taste. Doch ich ahnte schon, was mich erwarten würde. Zu ruhigeren Gitarrenklängen setzt nun die Geheimwaffe in Form des Sängers Dave Anderton ein. Der Mann kann wirklich singen und seine Stimme und Gesangslinien sind das sprichwörtliche Salz in der Suppe, das Tüpfelchen auf dem I, das gewisse Etwas, das dieses Album zu was ganz Besonderem werden lässt! Der einsetzende Refrain erzeugt ein angenehmes, wohliges Gefühl und lässt einen gleichzeitig in eine Traumwelt eintreten, die alle Sorgen vergessen macht. Habe selten solch exzellente Gesangslinien gehört, die einen dermaßen verzaubern können. Grandios! Dezent eingesetzter gutturaler Gesang und ein erhabenes Solo runden Instincts angemessen ab. No Saviour (Rise & Fall) ist ein guter Song, der mir persönlich doch etwas zu kompliziert ist und vor allem eingefleischten Proggies gefallen dürfte. Mit sphärischen Synthesizern wird Unspoken eingeleitet. Und auch hier bekommen wir einen wunderschönen herzerwärmenden Refrain geboten. Die Gitarrenarbeit gestaltet sich auch nachvollziehbarer – ein rundum gelungener Song! Das melancholische Only Son bietet einen ruhigen Gegenpol zum bisher Gehörten und lädt zum Träumen ein. Guardian Gravity kommt dagegen mit fetter Insomnium-Schlagseite um die Ecke und vermischt gekonnt traumhafte Melodien mit progressiven Versatzstücken und einmal mehr außergewöhnlichem Gesang.
Mit Beacon folgt wie oben erwähnt, mein erster Berührungspunkt mit Chaos Divine. Was soll ich sagen. Lasst eure Seele baumeln, euch eine Träne der Rührung entlocken und genießt diesen einzigartigen Song! False Flags wurde bereits 2019 als Single veröffentlicht und bietet alle Stärken der Mannen aus Perth in einem Song vereint. Und wer dann meint, dass eine Steigerung nicht mehr möglich sein kann, der höre sich Dead Rivers Flow an. Ein ruhiger Song, getragen von einem phänomenalen zweigeteilten Refrain. Unfassbar genial!
Bei Behind The Seal wird der Härtegrad wieder angezogen und es schimmern vermehrt Anleihen aus dem Bereich Melodic Death Metal durch.
Mit dem aus sphärischen Klängen bestehende Instrumental Legacies wird der Abschlusstrack Into The Now eingeläutet, mit dem die Australier in einem achtminütigen Epos zum letzten großen Schlag ausholen. Der Song steigert sich minütlich und mündet nach epischem Mittelpart in einem großen Finale. Gänsehaut pur!




