Wenn man von 2000 bis 2006 aktiv war und dann wieder ab 2019, aber erst im Jahre 2024 die erste Single auf den Markt wirft, dann scheint irgendetwas im Argen zu sein. Cryoxyd sieht sich deshalb auch selber nicht als Band, sondern eher als ein strukturelles Konzept. Im Grunde steckt aber dahinter der Franzose Eron, der dann andere Musiker an seinem Konzept teilhaben lässt. Das französische Label Dolorem Records ist zumindest schon einmal begeistert und bringt jetzt das Debüt namens This World We Live In… heraus.
Ich mag diese eher kleinen, aber feinen Labels, wie zum Beispiel das französische Label Dolorem Records. Ohne solche Sprungbrettmöglichkeiten würden manche Bands eben nicht die Möglichkeit bekommen, sich einem größeren Zuhörerkreis präsentieren zu können. Als Death-Metal-Lunatic zieht mich solch ein Label, welches Bands wie Horror Within, Creeping Fear, Infern oder Nephren-Ka eine Chance geboten hat, natürlich magisch an. Überwiegend beschäftigt man sich mit dem einheimischen Underground, und das ist auch gut so. Da muss man den Alex auch einmal loben. So, muss auch mal gesagt sein!
Einfluss von Chuck Schuldiner unüberhörbar
So auch mit der Band Cryoxyd, und von Anfang an hört man den Einfluss von Death bzw. von der Gitarrenarbeit von Chuck Schuldiner. Nehmen wir zum Beispiel den Song Day After Day. Gleich das Eröffnungsriff und das treibende und druckvolle Riffing zu Beginn hinterlassen eine Nostalgieträne bei mir. Dann weicht man mit dem beinahe melodischen Riff ein wenig ab, kehrt aber zum Anfang zurück, und dann klingt es eigentlich typisch total nach Death. Fettes Riffing, selbst die Gesangsleistung, vor allem wenn er das Growling lang zieht, erinnert er an Chuck. Hier und da klingt es noch ein wenig nach Morbid Angel, aber das Stakkato-lastige Riffing beim Refrainpart Day After Day und das anschließende Solo (hervorragend) kommen zum Kern der Sache und sind eine totale Anbetung von Chuck. Wenn er dann langsam und drückend im Midtempo agiert, dann ins Uptempo übergeht und dann wieder den Day After Day Refrainpart herausholt, dürfte wohl jedem Fan der amerikanischen Vorbilder das Höschen ein wenig nass werden. Durch diesen melodischen Part, der noch einmal vorgetragen wird, klingt man aber eben nicht komplett wie ein Klon, sondern nur wie jemand, der sich eben komplett von dem Meister aller Meister hat inspirieren lassen.
Ach ja, auch das über sechs Minuten gehende Injected Minds, zu dem es ein Video gibt, geht sofort vom Riffing und vom Gesang her wieder in die Richtung. Zuvor gibt es ein kleines, windiges Interlude, doch dann hält man von Anfang an das Tempo hoch und agiert schön schnell. Nach einem Break holt man erneut ein ziemlich fettes Riff heraus und bleibt powerhaft, bevor man dann ein Solo einbaut und in einen technischen Part wechselt, der ein wenig dissonant klingt. Tempo heraus und dann wieder dieses typische Death-Riffing der alten Schule. Wieder Break und Wiederholung. Herrlich. Macht einfach nur Spaß. Der gute Eron scheint sich stundenlang nur eine Band angehört zu haben bzw. ein paar wenige. Ein melodischer Part mit verspielten Soli folgt und hier und da kommen auch einmal Brutality durch, und wenn man bei Death ist, ist eine Phase von Pestilence ja auch nicht weit. So, wie der Song angefangen hat, so endet dieser auch. Windgeräusche und eisige Klänge dienen als Songoutro.
Eine Hommage an die Neunziger
Das Riffing ist natürlich schon nahe am Original und lässt die guten Neunziger wieder auferstehen. Das machen ja wieder viele Bands, und auch gut. Ich war 1990 siebzehn Jahre alt und feiere natürlich diese Zeit ab. Damals konnte man so viel entdecken und jedes Album war härter als das vorherige. Eine geile Zeit, die ich nicht missen möchte, und natürlich war und sind Death ein wichtiger Bestandteil meiner musikalischen DNA.
Umso schöner ist es, zu hören, dass es immer noch Bands gibt, die so beeinflusst werden. Das technische Vermögen ist absolut vorhanden, gar keine Frage. Was Eron hier macht, hat alles Hand und Fuß, wie zum Beispiel beim Song Ambivalent Feelings. Man holt die Drums langsam zu Beginn rein und wird lauter und lauter, lässt dann erst einmal die Gitarre alleine sprechen, um dann zusammen zu agieren. Im Midtempo fährt man nun Richtung Vernichtung und klingt zwar auch nach der von mir hier schon so oft genannten Band, hat aber auch anderen, old schooligen, überwiegend amerikanischen Death Metal im Gepäck. Aber eben auch immer wieder Chuck und seine Gang. Und dann dieses langsame und melodische Solo. Alter Schwede, das hat es in sich, klingt sogar ein wenig klassisch. Heftig, dazu eine fette Basseinlage und dann baut man den Song wieder druckvoll auf. Geil. Das ist spieltechnisch absolut auf hohem Niveau und begeistert mich absolut.
Hier und da übertreibt er es mir ein wenig, vor allem, wenn er die technische Seite in den Vordergrund stellt, aber als Death-Fan quasi der ersten Stunde, muss ich sagen, dass ich das Songwriting sehr zu schätzen weiß. Ich weiß nicht, ob es seine Absicht war, aber ich finde schon, dass es eine sehr gelungene Ehrdarbietung an Chuck Schuldiner ist.
Hier geht es für weitere Informationen zu Cryoxyd – This World We Live In… in unserem Time For Metal Release-Kalender.



