Das Interiew mit Sänger und Bassist K der Extreme Metal Band Arroganz zum aktuellen Album Morsus

Incl. kurzem Statement zu den Covid-19 Hygienekonzerten im Sommer

Artist: Arroganz

Herkunft: Deutschland

Genre: Black Metal, Death Metal, Doom Metal

Label: Supreme Chaos Records

Links: https://www.facebook.com/arroganzgermany

Bandmitglieder:

Gesang und Bassgitarre – K
Gitarre – P
Schlagzeug – T

Time For Metal / Rene W.:
Hallo K,

unsere Wege haben bereits des Öfteren zueinander geführt. Heute wollen wir über euer aktuelles Album Morsus sprechen, das vor etwa einem Monat veröffentlicht wurde. Meine erste Begegnung mit euch vergesse ich nicht wieder, es war das Konzert im abgelegenen Moormerland in einem eiskalten Winter vor ein paar Jahren. Trotz der witterungsbedingt geringen Besucherzahl habt ihr alles aus eurer Show rausgeholt. Wie hat ein solcher Abend euren Werdegang geprägt?

Arroganz / K.:
Ja, an den Abend erinnere ich mich! Das war, wenn auch familiär, eine gute Show mit sehr ausgelassener Stimmung. Wir spielen gerne auch mal in etwas abgelegenen Ecken, an denen man sonst nur vorbeifahren würde. Das machen wir nach wie vor. Kleine Clubs, große Clubs, Festivals, Metropolen oder Kleinstädte – alles hat seinen Reiz für uns. Und jede Show bedeutet uns etwas. Wir wissen dieses Privileg, Musik machen zu können, zu schätzen. Wir genießen jede Show, jeden Ton, den wir spielen.

Time For Metal / Rene W.:
Bleiben wir bei der Livepräsenz. In diesem Jahr läuft durch die Covid-19-Pandemie alles anders als geplant. Ihr habt zum Beispiel Auftritte unter Corona-Hygienekonzept gespielt. In Münster durften wir dabei sein und waren trotz der Umstände von der guten und irgendwie gelösten Stimmung überrascht. Wie spürt man ein solches Event als Künstler, bei dem das Publikum im Sitzen mitfeiert und ggf. mit Masken durch die Reihen läuft?

Arroganz / K.:
Unser erstes Konzert mit entsprechenden Regeln war in Oberhausen. Und wir hatten gemischte Gefühle, als wir dort hingereist sind. Einerseits haben wir uns natürlich gefreut, dass wir endlich wieder live spielen konnten. Andererseits konnten wir es uns kaum vorstellen, vor einem sitzenden Publikum aufzutreten. Die Zweifel verflogen aber relativ schnell. Die Show war super organisiert und die Gäste waren heiß auf Live-Musik. Das kam trotz Abstand auch auf der Bühne an. Ein geiler Gig – genau, wie in Münster! Klar sehen wir gerne Bewegung im Publikum und schauen uns auch mal die Gesichter in den ersten Reihen an. Aber ehrlich gesagt: lieber eine Show mit Abstand und Sitzordnung, als gar keine.

Time For Metal / Rene W.:
Der letzte Teil einer dunklen Trilogie in Form von Morsus stand somit unter einem ganz besonderen Stern. Wie wurde das Aufnahmekonzept angepasst? Konntet ihr wie gewohnt die Stücke einspielen, oder gab es gar eine Verzögerung, wie bei anderen Bands beim Veröffentlichungstermin?

Arroganz / K.:
Covid hat die Aufnahmen überhaupt nicht beeinflusst. Wir waren bereits im Sommer/Herbst 2019 im Studio. Den gesamten Winter über haben wir gemischt. Im Frühjahr gemastert. Bei der Entstehung des Albums ist alles also “normal” gelaufen – auch wenn dieser Prozess bei uns jedes Mal alles andere als normal ist. Eine Verzögerung gab es lediglich beim Presswerk: Das konnte nur ein von drei Schichten fahren – deswegen kam die Vinyl-Version des Albums leider erst vor ein paar Tagen bei uns an.

Time For Metal / Rene W.:
Das Artwork sticht direkt ins Auge. Filigran mit vielen kleinen Details habt ihr alles herausgeholt, was man aus einem Cover herausholen kann, ohne den Käufer zu überfordern. Welche Message wollt ihr damit an eure Anhänger übermitteln?

Arroganz / K.:
Das Cover und das gesamte Artwork des Albums soll – so wie es ja eigentlich immer sein sollte – die Aussagen und die Stimmung des Albums unterstreichen. Wir haben dieses Mal sehr lange am Artwork gearbeitet, hatten viele Ideen. Schlussendlich hat die Idee mit den gespiegelten Collagen aus der Kunst von Hieronymus Bosch am meisten in uns ausgelöst. Die Motive stellen den Kampf mit sich selbst, und den Schmerz und die Bitterkeit, mit denen wir in den letzten Jahren zu tun hatten, auf ihre ganz eigene Weise dar

Time For Metal / Rene W.:
Die Zusammenarbeit mit Supreme Chaos Records empfindet man als Außenstehender als sehr innig. Von eurem Label kommen ausschließlich lobende Worte. Eine freundschaftliche Basis, die euch in eurem Schaffen noch beflügelt?

Arroganz / K.:
Ja, das Ganze ist sehr freundschaftlich und wir freuen uns, das Album mit Supreme Chaos rausbringen zu können. Wir haben in der Vergangenheit ja schon für diverse EPs und Vinyl-Versionen anderer Releases mit Robby zusammengearbeitet und sind sehr zufrieden.

Time For Metal / Rene W.:
Kommen wir auf Morsus zurück. Wann habt ihr in etwa mit dem Songwriting begonnen, welche Einflüsse haben die Lyrics maßgeblich beeinflusst und wie geht ihr beim Einspielen der Stücke vor? Habt ihr einen Mastermind oder seid ihr eine Band, bei der alle Musiker beim Feinschliff aktiv mitwirken können und dürfen?

Arroganz / K.:
Wir haben über drei Jahre an dem Album gearbeitet. Die ersten Riffs für Morsus entstanden bereits bevor wir für das Vorgängeralbum Primitiv ins Studio gegangen sind. Ich schreibe eigentlich relativ kontinuierlich Musik und Lyrics. Unabhängig von Release-Plänen. Eine Woche, in der ich keine Musik gemacht habe, fühlt sich für mich unvollständig an. Meistens arbeite ich Songs zunächst alleine zu Hause aus. Dann zeige ich sie den anderen beiden und wir arbeiten gemeinsam im Proberaum an den Details. Auch im Studio kann sich hier und da auch noch etwas ändern. Ich denke, der ganze Prozess – von der Idee, bis zum fertig gemasterten Song – ist bei uns ein langer, harter und zäher, aber immer zielführender Prozess.

Time For Metal / Rene W.:

Mein Kollege bringt Morsus zusammengefasst wie folgt auf den Punkt: „Arroganz schaffen es wieder, ihre eigene Mischung aus Death, Black und Doom Metal gekonnt in ein düsteres Soundgewand zu verpacken. Der Bass spielt eine wichtige Rolle und man präsentiert sich 2020 sehr düster und atmosphärisch, aber auch aufs Wesentliche konzentrierend.“ Würde ihr dieses unterschreiben oder kopfschüttelnd zur Seite schieben?

Arroganz / K.:
Da kann ich zum Teil schon zustimmen: Das Album ist definitiv düster und atmosphärisch geworden. Neben der genannten Mischung haben wir aber auch Einfluss abseits vom Metal mit einfließen lassen. Was das „Wesentliche“ ist, ist natürlich eine Frage der Perspektive, oder auch des Geschmacks. Morsus ist für uns sehr vielseitig und hat viele Ebenen. Sowohl musikalisch, als auch inhaltlich.

Time For Metal / Rene W.:

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche euch drei alles Gute für die Zukunft. Hoffentlich kann man 2021 mit einem Bier wieder anstoßen. Das letzte Wort gehört bei mir traditionell ganz alleine euch und ihr könnt es ganz offen an eure Horde und unsere Leser wenden.

Arroganz / K.:
Wir haben zu danken und wünschen dir auch nur das Beste! Für nächstes Jahr planen wir, unsere Release-Tour mit Goath nachzuholen und im Mai ist eine kleine Tour mit unseren serbischen Freunden von Infest geplant – alles natürlich unter Vorbehalt. In der jetzigen Situation kann man nichts versprechen. Aber wir tun unser Bestes und gehen optimistisch an die Sache. Selbst, wenn wir wieder alles verschieben müssen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir sind allen sehr dankbar, die uns dieses Jahr – trotz den Umständen – unterstützt haben. In welcher Form auch immer. Wir machen weiter! Egal was kommt!

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