„Willkommen im Club der Hobbits!“

Artist: Callejon

Herkunft: Düsseldorf, Ratingen & Köln, Deutschland

Genre: Metalcore, Modern Metal

Label: Four Music

Link: http://www.callejon.de/

Bandmitglieder:

Gesang – Bastian „BastiBasti“ Sobtzick
Gitarre – Bernhard „Bernie“ Horn
Bassgitarre – Thorsten „Totti“ Becker
Gitarre – Christoph „Kotsche“ Koterzina
Schlagzeug – Maximilian „Kotze“ Kotzmann

Callejon Interview 2015 - 01

Time For Metal / Mario F.: Ich habe einfach mal im Fanclub rumgefragt, was die Leute so interessiert und da sind ein paar Fragen zusammengekommen, die ich ganz interessant finde. Ganz vorneweg z.B.: Wie ist eure durchschnittliche Schlafmenge im Vergleich zwischen Tour und Freizeit?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Ich schlaf eigentlich auf Tour fast mehr als in der Freizeit. Wir haben das große Glück, mit einer unglaublich guten Crew gesegnet zu sein, die die unangenehme Arbeit macht, die wir sonst immer machen mussten. Wir sind also schon so „elitär“, dass wir diese Arbeit outsourcen konnten. D.h. während die bereits um 10 Uhr morgens in der Halle anfangen aufzubauen, haben wir erst um 14 Uhr den ersten Termin – nämlich Soundcheck und so. Und bis dahin können wir machen was wir wollen.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: …aber wenn man das Frühstück nicht verschlafen will, dann sollte man schon so spätestens um 10:30 Uhr am Start sein.

Time For Metal / Kai R.: Also 10:30 Uhr aufstehen, frühstücken, wieder ins Bett legen?

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Könnte man so machen, ja.

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Aber ich bleibe lieber direkt im Bett liegen und komme erst um 12.

(Lachen)

Time For Metal / Kai R.: Wäre auch mein Motto.

Time For Metal / Mario F.: Auch oft kam die Frage: In welchem Alter habt ihr eigentlich mit euren Instrumenten angefangen?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Ich habe mit 15 Jahren angefangen Gitarre zu spielen. Eigentlich spät. Ich fand vorher eigentlich alles scheiße und dann kam Slash.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Ich habe mit 3 angefangen.

Time For Metal / Mario F.: Das ist schon sehr früh.

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Und du kannst immer noch nicht mehr?

(Lachen)

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Ja, Wahnsinn und echt schade. Aber als ich klein war, habe ich Alex van Halen gesehen und das war mein Mann.

Time For Metal / Kai R.: Verständlich. Ebenso wie Slash. Dazu muss man eigentlich nicht mehr sagen.

Time For Metal / Mario F.: Dann beantwortet sich die nächste Frage zur Hälfte ja schon selbst: Warum habt ihr euch speziell für die Musikrichtung, die ihr spielt, entschieden?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Eigentlich ist es ganz lustig, denn es ist gar keine so bewusste Entscheidung, wie man immer annimmt. Also, jeder, der vielleicht selbst schon mal in einer Band gespielt hat bzw. in einer Band spielt, wird feststellen, dass das, was rauskommt, oft ganz was anderes ist, als das, was man machen wollte. Das hängt halt von den Mitgliedern der Band ab und es deckt sich eigentlich nie mit der Idee, die man vorher im Kopf hatte. Zumindest ist das meine Erfahrung. Ich habe schon in anderen Bands gespielt und als man angefangen hat, dachte man „Boah, ich mache jetzt eine Band, die klingt so wie die Deftones, das wird mega geil.“ Und mal abgesehen davon, dass die Idee eigentlich nicht so schlau ist, genauso klingen zu wollen wie eine andere Band, ist es dann auch am Ende nie so, weil es auch andere Personen sind. Charakter, Herangehensweise, Möglichkeiten, zur Verfügung stehende Instrumente und eigener Stil bringen dann doch etwas ganz anderes hervor. Daher glaube ich: So bewusst ist die Entscheidung, zu diesem Stil geraten zu sein, gar nicht.

Time For Metal / Kai R.: Und bei dir ging es über den Deftones-Stil zum Callejon-Stil oder ging es über Deftones, Gabba, HipHop und dann zu Callejon?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: HipHop auch auf jeden Fall. Wir sind da nicht so. Also tatsächlich haben mich die Deftones total begeistert und als die erste Platte rauskam, habe ich das mega abgefeiert. Und dann aber auch ganz andere Sachen: Sick Of It All fand ich auch mega fett, was jetzt aber auch mal eine ganz andere Abteilung ist. Auch Iron Maiden habe ich früher gehört. Und am Ende ergibt das alles dann irgendwas. Wir sind auch noch lange nicht fertig mit unserem Stil.

Time For Metal / Mario F.: Ja, das merkt man ja auch. Die Alben sind ja jedes Mal wieder anders. Das ist auch wieder für die nächste Frage sehr interessant: Wo holt ihr euch die Inspiration her für diesen ständigen Wechsel, für die immer neuen Inhalte?

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Ja, ich glaube, das ist auch eine Frage, die man dem Basti am besten stellen müsste, da er natürlich der Sänger ist. Aber ich meine, es passiert ja aber auch genug, man braucht sich nicht gezielt Inspiration suchen. Grade mit Wir Sind Angst – man sieht ja tagtäglich, was um einen herum passiert und die Sachen wirken dann über einen gewissen Zeitraum auf uns ein und das manifestiert sich dann in so einer Platte. Also zumindest ist das eine Momentaufnahme dessen, was wir und unser Umfeld empfinden.

Callejon Interview 2015 - 02

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Es reicht eigentlich aus, wenn man mit Leuten spricht. So hat man ständig mit anderen Ansichten und Ideen zu tun und allein schon, dass wir jetzt hier sitzen – wir haben uns vorher noch nie gesehen – dann quatschen wir untereinander auch und jeder hat einen eigenen Freundeskreis, jeder hat Ideen und man spricht über die Sachen, die jemand anders gesagt hat oder man liest Zeitung. Das alles zusammen ergibt ein Bild, das man reflektiert und dann wieder loswerden will.

Time For Metal / Mario F.: Jetzt auch bezogen auf das neue Album Wir Sind Angst habe ich ganz oft gesehen, dass die Leute versucht haben, euch irgendwie politisch einzuordnen. Wie ist denn eure Meinung zu diesem Versuch? Also wollt ihr, dass die Leute euch da irgendwie kategorisieren oder sagt ihr lieber „Wir sind da unpolitisch“?

Time For Metal / Kai R.: Oder ist die Angst eine eigene Politik für euch?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Die Angst gilt es ja eigentlich zu bekämpfen, das ist ja das Ding. Also man soll bitte nicht zu viel Angst haben. Also zumindest keine irrationalen Ängste vor irgendwelchen Einwanderungen oder irgendwelchen absurden Bedrohungen, die einem da vorgeschlagen werden. Ganz im Gegenteil: Eigentlich würde ich uns auch nicht als politische Band in dem Sinne bezeichnen. Vielmehr ist es so, dass wir uns eben – jeder für sich – Gedanken machen. Und das ist unser Hauptziel, was sich auch alle zu Herzen nehmen sollten : Die Umwelt und das Umfeld zu reflektieren, sich Gedanken zu machen, sich zu informieren – das ist eigentlich das Wichtigste, was man machen kann. Und wenn jemand uns scheiße findet, dann ist das total okay, solange er sich vorher Gedanken darüber gemacht hat. Es ist immer schlecht, eine Meinung von jemand anderem ungefragt zu übernehmen. Alles andere kann ich akzeptieren.

Time For Metal / Kai R.: Wenn man das jetzt mal statistisch betrachtet: Das letzte Album ist in den Albumcharts ja recht weit nach oben gekommen. Und wenn man das jetzt mal als „Mainstream- Meinung“ sieht, dann gehört ihr in dem Genre ja schon zu den Spitzenreitern, vor allem wenn ich so überlege, was für Alternativen wir in Deutschland so haben. Habt ihr gemerkt, dass ihr eure Stellung immer mehr verbessert habt und euch irgendwann an den Erfolg gewöhnt oder freut ihr euch immer noch über Erfolge wie eine hohe Chartplatzierung?

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: So Sachen wir Chartplatzierungen tangieren uns eher zweitrangig, da für uns das primäre Ziel ist, eine geile Platte zu machen. Wir wollen geile Shows spielen und haben Bock auf den Scheiß und haben etwas zu sagen und wollen das so fett wie nur irgend möglich machen. Wir haben Gott sei Dank viel Know How, viel Energie und den Basti als kreativen Kopf, wie ich noch keinen zweiten auf diesem Planeten gesehen habe. Und wenn das alles zusammenkommt, dann entwickelt sich das positiv und schlägt sich auch in einer Chartplatzierung nieder.

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Es ist nicht so, als würden wir uns nicht freuen – wir denken uns schon so „Boah, ist das fett.“ Und dann machen wir auch eine Flasche Sekt auf.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Im Prinzip können wir uns davon aber nichts kaufen.

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Die größere Belohnung sind auf jeden Fall die Shows, die darauf folgen. Und die Tour, die jetzt läuft, ist für uns alle mehr wert als der 5. Platz in den Charts.

Time For Metal / Kai R.: Ihr habt heute und morgen noch ein Konzert, aber das Jahr ist ja noch relativ jung – wo geht es für euch danach hin?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Dann erstmal Betty Ford-Klinik. Erstmal zum Entzug. Quatsch, erst einmal geht es nach Hause und dann gehen wir unseren eigenen, persönlichen Sachen ein wenig nach und dann bereiten wir uns schon wieder auf die Festivalsaison vor. Urlaub findet irgendwie nicht statt, oder? Du bist auch grade umgezogen…?

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Ja, ich bin grade umgezogen.

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Bernhard zieht auch grade um, also halt so persönliche Sachen…

Time For Metal / Kai R.: Von Düsseldorf weg?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Das kann ich natürlich nicht sagen. Der Bernhard wohnt in seiner eigenen Welt. Er ist der König von seinem eigenen Land.

(Lachen)

Time For Metal / Kai R.:: Ich komme aus Willich, demnach ist das um die Ecke…

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Du kommst aus Willich? Kein Scheiß? Kennst du St. Tönis?

Time For Metal / Kai R.: Natürlich.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Ja, ich komme aus St. Tönis.

Time For Metal / Kai R.: Die Welt ist eben klein.

Time For Metal / Mario F.: Die Tour ist bald zu Ende. Worauf freut ihr euch jetzt am meisten?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Auf mein eigenes Bett.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Auf Beständigkeit. Dass man eben zum Kleiderschrank geht und seine Sachen liegen da gewaschen drin und man muss nicht Stunden in einer Tasche wühlen, die …

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: …schon stinkt wie ein alter Hund…

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: …die auf irgendeiner Couch in irgendeinem Keller von irgendeinem Gebäude liegt und dann hat man doch wieder was im Bus vor der Tür vergessen und muss wieder zurück laufen und dann schreit jemand „Eyyy, ihr habt gleich Soundcheck!“ und man denkt sich „jaaa…okay…“. Da freut man sich auf Beständigkeit und Gemütlichkeit und das Zu Hause-Sein.

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Und mal einen Moment mal allein zu sein.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Ja, Privatsphäre.

Time For Metal / Kai R.: Und Gänge mit höheren Decken als hier im Nightliner?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Das ist für mich jetzt nicht so schlimm. Ich kann fast überall aufrecht stehen.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Wir sind Abteilung Hobbit.

Time For Metal / Kai R.: Willkommen im Club.

(Lachen)

Time For Metal / Kai R.: Die nächste Frage geht zwar eher an den Basti, aber vielleicht könnt ihr mir das auch beantworten. Ich hatte die Ehre, die Rezension zu eurem letzten Album zu schreiben und da ist mir aufgefallen, dass ihr das Blitzkreuz auf dem Cover vergessen habt. Zumindest ist das das erste Cover, was ich persönlich kenne, wo das nicht drauf ist. Gibt es dafür einen Grund?

Callejon - Wir Sind Angst - Cover

Callejon – Wir Sind Angst – Cover

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Ich bin zwar nicht Basti und kann das vermutlich nicht so dezidiert beantworten, aber der Grundansatz bei diesem Album war ja, dass es „geradeaus“ ist und dass es eine total eindeutige Message hat und dass nichts davon ablenkt und darum ging es dem Basti auch – ein sehr eindeutiges Albumcover zu haben, das nicht zu überladen ist. Und als bei ihm die Entscheidung gefallen ist, den Totenkopf zu nehmen, denke ich, dass er das Cover nicht weiter mit Blitzkreuz und Schriftzug überladen wollte. Dass der Name der Band draufsteht, ist ja zwingend notwendig – man muss ja klar machen, dass es sich um ein Album der Band Callejon handelt – daher musste das Blitzkreuz dann weichen. Aber natürlich gibt es das Blitzkreuz sonst noch überall…

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Z.B: ist es auf der Special Edition auf dem Karton an der Seite und hinten.

Time For Metal / Kai R.: Okay, es wird als euer Markenzeichen also bestehen bleiben?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Klar, auf jeden Fall. Nicht umsonst ist ja die Sprüh-Schablone in der Special Edition.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Die ist sehr praktisch.

(Lachen)

Time For Metal / Mario F.: Bei der Special Edition gab es ja teilweise Probleme mit den CDs – also dass die zerkratzt waren. In wie fern habt ihr das selbst mitbekommen?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Wir haben das selbst sehr stark mitbekommen. Das ist natürlich ärgerlich. Man lernt immer dazu und natürlich stellen wir die CDs nicht selbst her und bauen die auch nicht selbst da rein. Man hat halt eine Idee und die Idee war, dieses Buch zu machen und diesen Schuber drin zu haben und nun ist es eben so, dass wir viele Sachen zum ersten Mal machen, weil Basti da eben ganz wirre und neue Ideen hat. Dann läuft man immer Gefahr, dass irgendwie so etwas mal passieren kann und dann kriegen wir natürlich unmittelbar die Rückmeldung von den Fans auf Facebook. So „Ey, das ist scheiße. Ihr macht Scheiße.“

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: …„Alles verkratzt und wir haben Wochen drauf gewartet und jetzt sowas.“

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Wir nehmen uns das auch zu Herzen und das ist so ein „Boah, nein, was machen wir jetzt?“, und dann wird wild rumtelefoniert und wir quatschen mit dem Label und mit der Produktabteilung und versuchen irgendeinen Weg zu finden, die Leute, die sich die Special Edition gekauft haben, irgendwie zu entschädigen und die CDs wieder auszutauschen so gut es geht.

Time For Metal / Mario F.: Das hat ja auch wunderbar funktioniert.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Warst du betroffen?

Time For Metal / Mario F.: Ja

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Das ist ja super, wenn das zumindest funktioniert. Im ersten Moment war da natürlich bei uns der Schock groß und wir haben einen Tag lang mega rotiert.

Callejon / Maximilian „Kotze“ Kotzmann: Das war witzig irgendwie. Wir waren im Büro – wieso, weiß ich zwar nicht, aber wir waren dort – und haben die Platte gehört und dann kam das Thema auf, dass alle auf Facebook sagten, das Ding sei zerkratzt und wir hörten grade die Platte und in dem Moment hörten wir selbst die Hänger.

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Basti ist wirklich mit dem Kopf auf die Tischplatte gefallen. Aber wenn es am Ende gut gelaufen ist, dann sind wir froh.

Time For Metal / Kai R.: Meine abschließende Frage bezüglich Köln. Ihr hatte ja hier einen etwas tragischen Unfall bei einem Konzert. Wie sieht es heute Abend aus: Reißen wir das E-Werk ab?

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Ich hoffe nicht, wir haben eigentlich mehr Bock ein geiles Konzert zu spielen ohne Verletzte.

Time For Metal / Kai R.: Wunderbar. Wir freuen uns drauf.

Callejon / Christoph „Kotsche“ Koterzina: Wir auch!

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