Artist: Unchained Horizon
Herkunft: Wilhelmshaven, Deutschland
Genre: Heavy Metal / Metal
Label: Eigenproduktion
Link: https://unchained-horizon.com/
Bandmitglieder:
Gesang – Sascha
Gitarre – Chris
Gitarre – André
Bassgitarre – Andi
Schlagzeug – Arne
Vier Jahre nach dem viel beachteten Album Fallen Kingdom melden sich die Wilhelmshavener Heavy-Metal-Musiker mit einem neuen Paukenschlag zurück: The Guardian’s Call heißt das dritte Studioalbum von Unchained Horizon – ein Werk, das nicht nur über 55 Minuten klassische Metal-Epik verspricht, sondern zugleich ein neues Kapitel in der Bandgeschichte aufschlägt (Review hier).
Time For Metal / René W.:
Vier Jahre nach Fallen Kingdom erscheint nun The Guardian’s Call. Was hat sich in dieser Zeit musikalisch und persönlich bei euch verändert? The Guardian’s Call ist euer drittes Studioalbum und eine Eigenproduktion. Welche Freiheiten – aber vielleicht auch Herausforderungen – bringt dieser Schritt mit sich?
Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Mit The Guardian’s Call schlagen wir bewusst das nächste Kapitel auf und es liegt alles in unserer Hand, an Fallen Kingdom anzuknüpfen. Nachdem Pure Steel Records seine Arbeit komplett eingestellt hatte, war für uns schnell klar: Wir nehmen das Zepter wieder komplett selbst in die Hand.
Alles, was auf der Platte passiert, ist zu 100 % Unchained Horizon – im Guten wie im Herausfordernden. Ein Label sorgt nicht nur für Reichweite, sondern hat eingespielte Kanäle, Kontakte und Strukturen. Das fällt jetzt komplett in unseren Aufgabenbereich – von Promotion bis Organisation. Das ist mehr Arbeit und manchmal auch mehr Chaos. Aber es ist ehrliches Chaos.
Time For Metal / René W.:
Schon das Intro The Guardian’s Call Part I macht klar: Ihr bleibt eurem klassischen Heavy-Metal-Weg treu. Warum war es euch wichtig, keinen modernen Schnickschnack einzubauen?
Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Wir schreiben Songs nicht mit Blick auf Trends, sondern aus dem Bauch heraus. Unser Sound ist organisch gewachsen durch das, was wir hören, fühlen und auf der Bühne leben. Wenn da klassischer Heavy Metal rauskommt, dann nicht aus Nostalgie, sondern weil das unsere musikalische DNA ist.
Etwas einzubauen, nur damit es zeitgemäß wirkt, wäre für uns wie Nieten auf eine Jeans zu kleben, die gar keine braucht. Wir stehen auf klare Riffs, Melodien und Songs ohne Effekthascherei. Wenn das klassisch ist, umso besser.
Time For Metal / René W.:
Songs wie Grim Reaper und Heroes wirken härter und direkter als früheres Material. War diese Entwicklung bewusst geplant oder hat sie sich organisch ergeben?
Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Bei uns gibt es keinen Masterplan an der Wand. Alles entsteht organisch. Wir lassen Stimmung, Energie und Flow freien Lauf und greifen das auf, was sich im Proberaum ehrlich und kraftvoll anfühlt. Wenn dabei eine direktere, vielleicht auch kantigere Platte entsteht, dann ist das kein Strategiewechsel, sondern einfach der Moment, in dem wir uns gerade befinden.
Wir glauben, man hört, ob etwas konstruiert ist oder wirklich aus dem Bauch kommt. Und auf unseren Alben ist nichts kalkuliert. Wenn es dieses Mal also härter klingt, dann vermutlich, weil wir gerade genau das fühlen.
Time For Metal / René W.:
Eure Musik erinnert stellenweise an frühe Edguy oder auch an Mob Rules, zudem hört man deutliche 80er-Iron-Maiden-Einflüsse. Wie schafft ihr es, diese Einflüsse einzubinden und trotzdem euer eigenes Gesicht zu bewahren?

Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Vergleiche hören wir tatsächlich öfter und ganz ehrlich: Das ehrt uns. Aber wir setzen uns nicht hin und sagen: „Heute schreiben wir mal einen Song im Stil von…“. Wir hören alle unterschiedliche Musik, bringen verschiedene Einflüsse mit und legen uns bewusst nicht fest. Klar, gewisse melodische Gitarrenläufe oder Harmonien sind Teil unserer DNA. Diese „eiserne Jungfrauen“-Note kann man uns vielleicht auch gar nicht absprechen.
Wir kopieren nicht, sondern wir sind geprägt. Das ist ein Unterschied. Witzigerweise werden wir immer wieder mit ganz unterschiedlichen Bands verglichen, aber letztendlich ist es eine Kombination aus allem, was wir so hören, vereint in unserem Stil. Das zeigt eigentlich nur, dass die Leute verschiedene Facetten davon heraushören.
Time For Metal / René W.:
Saschas markante Vocals tragen die epische Atmosphäre eurer Songs. Wie entstehen bei euch die Gesangslinien – zuerst die Riffs oder zuerst die Melodien?
Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Bei uns gibt es keinen starren Bauplan, aber in etwa 90 % der Fälle steht tatsächlich zuerst das Riff. Das Instrumentale gibt meist die Stimmung vor, die Atmosphäre, die Dynamik, die Energie, und daraus entwickelt sich dann ganz organisch die Gesangslinie.
Aber es gibt auch Ausnahmen. Bei War war es zum Beispiel genau andersherum. Da stand zuerst die Idee für Text und Gesangsmelodie im Raum, und die Musik hat sich da herum aufgebaut.
Ich habe über die Jahre ein ganzes Portfolio an Texten gesammelt – Fragmente, komplette Lyrics, einzelne Zeilen. Manchmal passt plötzlich ein neues Riff perfekt zu einem bereits existierenden Text. So war es etwa bei Serpent Queen und Atlantis. Da hatte Chris das Riff und das musste nur noch feinjustiert werden, die Gesangslinien haben sich dann fast von selbst ergeben.
Am Ende ist es immer ein Gefühl oder eine Emotion, es darf sich nicht erkämpft anfühlen, dann funktioniert es für uns.
Time For Metal / René W.:
Auf dem Album gibt es weniger Balladen und stattdessen viele krachende Refrains und galoppierende Gitarren. War es euer Ziel, ein besonders druckvolles Old-School-Werk zu schaffen?
Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Das war kein erklärtes Ziel, das hat sich einfach so ergeben. Die Songs entwickeln sich aus der Energie heraus, die gerade da ist. Und diesmal war die offensichtlich ziemlich geladen. Wenn viele, wie du sagst, „krachende Refrains und galoppierende Gitarren“ auf dem Album gelandet sind, dann, weil sich genau das im Proberaum richtig angefühlt hat. Vielleicht liegt es an der Phase, in der wir uns gerade befinden, vielleicht auch daran, dass wir live gemerkt haben, wie sehr uns diese unmittelbare, treibende Energie packt.
Ob das am Ende als besonders druckvolles Old-School-Werk wahrgenommen wird, entscheiden die Hörer.
Time For Metal / René W.:
War und No More Tomorrow stechen als Highlights hervor. Was macht diese Songs für euch persönlich so besonders?
Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Spannend, dass du gerade diese beiden Songs als Highlights hervorhebst. Genau das lieben wir an einem Album: Jeder hört etwas anderes als Highlight heraus. No More Tomorrow fällt für uns fast ein wenig aus dem Rahmen. Gerade die Passage gegen Ende hat eine leicht düstere, fast schon an Paradise Lost erinnernde Atmosphäre.
Am Ende zeigt das aber vor allem eins: Musik funktioniert subjektiv. Und genau das hoffen wir, sodass auf dem Album für jeden etwas dabei ist, das einen persönlich abholt.
Time For Metal / René W.:
Mit Fallen Kingdom konntet ihr euch eine solide Fanbase aufbauen. Spürt ihr heute einen anderen Erwartungsdruck als noch vor einigen Jahren?
Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Klar, ein gewisser Erwartungsdruck ist da. Niemand will die Leute enttäuschen, die einen nun begleiten und so stark unterstützen. Aber der Druck kommt weniger von außen als von uns selbst. Wir wollen uns treu bleiben. Keine Rolle spielen, kein kalkulierter Richtungswechsel, sondern genau das auf die Bühne bringen, worauf wir wirklich Bock haben. Und wenn wir hinter unseren Songs stehen, überträgt sich das auch.
Wenn wir die Songs spielen, die uns selbst elektrisieren, und sehen, wie die Fans mitsingen, mitgehen und diesen Moment mit uns teilen, dann ist das der eigentliche Kern von allem. Dafür steckt man die ganze Arbeit rein.
Wir sind sehr Fan-nah und wollen das auch bleiben. Heavy Metal lebt vom gemeinsamen Erlebnis und vom ehrlichen Austausch zwischen Band und Publikum. Wir wollen unterhalten, Spaß haben und den Moment genießen. Wenn das rüberkommt, haben wir alles richtig gemacht.

Bassist Andi Bauer wird nach dem Release musikalisch neue Wege gehen und verabschiedet sich bei der CD-Release-Party am 13.03.2026 in Wilhelmshaven. Wie emotional ist dieser Moment für euch – und was dürfen die Fans an diesem Abend erwarten?
Unchained Horizon / Sascha und Chris:
Andi ist nicht nur ein großartiger Bassist, sondern hat auch einen wichtigen Teil dazu beigetragen, wo Unchained Horizon heute stehen. Besonders bei der Identitätsfindung der Band hat er viel mitgeprägt, dafür sind wir ihm sehr dankbar.
Dass sich Wege irgendwann trennen, gehört zum Leben und manchmal auch zur Musik. Andi möchte nun neue musikalische Pfade einschlagen, und das respektieren wir natürlich, auch wenn es uns ein wenig traurig macht. Gleichzeitig blicken wir nach vorne – mit Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit und mit dem Wissen, dass man sich im Leben immer zweimal sieht.
Für die CD-Release-Party am 13.03.2026 in Wilhelmshaven möchten wir vor allem einen Abend feiern, der ehrlich, emotional und voller Energie ist. Es wird ein besonderer Moment sein, aber kein trauriger Abschied im klassischen Sinn, sondern eher ein würdiger Abschluss eines gemeinsamen Kapitels.
Die Musik steht im Mittelpunkt, und wir wollen mit den Fans gemeinsam das neue Album feiern und Andi den Respekt zeigen, den er verdient hat, und dann mit einem guten Gefühl für den nächsten Abschnitt von der Bühne gehen.
So ein wenig spiegelt sich das auch in dem Song Metal Unites wider. Der Song steht für das, was wir an Heavy Metal lieben, und ist ein Statement für Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Gefühl, dass Musik Menschen verbinden kann. Metal war für uns immer mehr als nur Musik – es ist eine Szene, eine Haltung und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Er soll zeigen, dass sich Wege verändern können, aber der Kern und die Leidenschaft für die Musik bleiben bestehen und verbinden.



