Die Impericon Festival Warm Up Party am 27. April 2018 im Conne Island, Leipzig

“Was für eine schöne, bunte Welt“

Festival: Impericon Festival Warm Up Party

Bands: Emil Bulls, Imminence, Oceans Ate Alaska, Lonely Spring

Ort: Conne Island, Leipzig

Datum:  27.04.18

Kosten:  15 € VVK, ausverkauft

Veranstalter: Impericon

Link: https://www.impericon.com/de/

Alle Jahre wieder zieht das Impericon Festival durch mehrere Städte Europas und präsentiert ein fulminantes Line-Up, wenn es um Metalcore, Deathcore und Hardcore sowie Punk geht. Und alle Jahre wieder findet am Vortag zu dem Festival in Leipzig das sogenannte Warm Up im Conne Island statt. Eine kleinere Auswahl an Bands sorgt somit für die perfekte Grundstimmung und schafft es, die Vorfreude auf das eigentliche Impericon Festival ins Unendliche zu steigern. In der 2018er-Ausgabe des Warm Ups warteten mit Emil Bulls, Oceans Ate Alaska, Imminence und Lonely Spring vier Bands auf das Publikum, die unterschiedlicher nicht sein könnten und, zumindest teilweise, ordentlich einzuheizen wussten. Das Conne Island war noch vor dem eigentlichen Warm Up ausverkauft, womit sich der Abend definitiv in einer gewissen Enge abspielte.

Den Anfang machen Lonely Spring, die momentan auch gemeinsam zusammen mit Emil Bulls und Imminence auf Tour sind. Das Quartett wird immer gerne als Newcomer der deutschen Emo Rock Szene beschrieben und genau das trifft den Kern der Jungs eigentlich auch ganz gut. Besonders spannend zeigen sich die Vocals, welche hier von Jul und Simon in recht gleichmäßigem Wechsel mit sehr viel Können und Bühnenpräsenz präsentiert werden – zwei Mitglieder, wo man übrigens nicht den Namen braucht, um zu erkennen, dass hier eine Verwandtschaft besteht. Durchaus Verwechslungspotenzial, aber das nur als interessante Notiz am Rande. Lonely Spring machen ihre Sache jedenfalls sehr gut, was die Nähe zum Publikum angeht, auch wenn man ihnen eine gewisse Zurückhaltung durchaus noch anmerkt. Auch scheint ihr Sound nicht zu 100 % jeden Anwesenden zu überzeugen, was eventuell daran liegt, dass sie sich musikalisch doch stärker dem Rock als dem Metal anlehnen und somit eventuell nicht ganz ins Schwarze an diesem Abend treffen.

Die nächste Band trifft da schon eher den Kern des Publikums: Imminence dürften inzwischen dem einen oder anderen ein Begriff sein, haben sie doch vor allem beim Summer Breeze 2017 auf der kleinen Camel Stage durchaus das Publikum für sich gewinnen können. Auch an diesem Abend im Conne Island beweist sich das Publikum textsicher und bewegt sich mit großer Bewegungsfreude durch das Set. Soundmäßig bewegen sich Imminence auf einer sehr interessanten Schiene, die da ein wenig an Bring Me The Horizon erinnert, auch was den veränderten Stil angeht. Vom Opener The Sickness, welcher ordentlich Power und Screams hat, haben sich Imminence mit ihrem letzten Album etwas entfernt, auch wenn Songs wie This Is Goodbye und Broken Love genauso überzeugen können, hier eben dann mit stärkerer Emotionalität. Und ja, auch die deutschen Worte von Sänger Eddie Berg, der natürlich seinen schwedischen Akzent nicht ganz verstecken kann, zaubern einem als Zuschauer ein Lächeln auf die Lippen. Mit Imminence könnte durchaus noch viel passieren in den kommenden Jahren, auch weil sie sehr publikumsnah agieren und einen Sound haben, der durchaus breitere Massen anspricht.

Ein wenig das Kontrastprogramm zu Imminence liefert dann auch die nächste Band Oceans Ate Alaska, die momentan bei einigen Shows Blood Youth durch Europa begleiten und deshalb wohl an mehreren Stellen die letzten Wochen anzutreffen waren. An diesem Abend im Conne Island freut sich das Publikum nach zwei etwas leichteren Bands etwas stärker zu eskalieren, wozu Oceans Ate Alaska durchaus geeignet sind. Wie bereits festgestellt beim Summer Breeze letzten Jahres und auch bei dem Auftritt am 23. April in München, schaffen es Oceans Ate Alaska zwar das Publikum zur Bewegung zu animieren und auch ihre Instrumentals ordentlich rüberzubringen, doch die Vocals sind noch immer ein Problem, wenn es hier zu den Liveauftritten kommt. Eine Tatsache, die sich hoffentlich irgendwann noch verbessert, doch noch muss man während des Auftritts teilweise das Gesicht verziehen.

Und das Gesicht verziehen muss ich persönlich auch leider immer noch bei dem eigentlichen Headliner des Abends: Emil Bulls gehören fest zur Metal Szene in Deutschland und sind deshalb auch ähnlich häufig anzutreffen. Bereits im letzten Jahr zogen sie mit ihrer Kill Your Demons Tour durch Deutschland, welche sie nun momentan zusammen mit Imminence und Lonely Spring fortsetzen. Und auch wenn das Publikum ganz aus dem Häuschen ist, in einer so kleinen Location die Jungs mal zu sehen, so hemmt hier meine ganz persönliche Meinung zur Band die Euphorie, welche beim Publikum durchaus vorhanden ist. Emil Bulls wirken noch immer und stets etwas prollig, wie sie singen und auch performen und die Tatsache, dass sich genau dies im Publikum widerspiegelt, gibt einem durchaus zu denken. So richtig wollen die Songs nicht ankommen bzw. auch die Emotionen gehen innerhalb der Performance einfach verloren. Spaß haben kann man bei Emil Bulls durchaus – mit manchen Bands wird man aber einfach nicht warm und wird es wohl auch nie werden.

Trotz der teilweise eher enttäuschenden Auftritte zeigt sich das Impericon Festival Warm Up mehr als gelungen, was aber auch vor allem an dem unglaublich schönen Conne Island selbst liegt. Fast wie ein Paradies wirkt diese kleine Location, die mit Basketball Körben und Graffiti ausgestattet ist und um welche sich abends auch viele Nicht-Konzertgänger versammeln, um einen entspannten Abend zu genießen. Fast wie ein kleines Alternative Paradies – da geht man doch durchaus immer gerne hin!

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