Ego Kill Talent – The Dance Between Extremes

Talent schlägt Ego in 12 Sätzen

Artist: Ego Kill Talent

Herkunft: São Paulo, Brasilien

Album: The Dance Between Extremes

Spiellänge: 49:00 Minuten

Genre: Alternative Rock

Release: 19.03.2021

Label: BMG

Link: https://www.egokilltalent.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Jonathan Dörr
Gitarre und Bassgitarre – Niper Boaventura
Bassgitarre und Gitarre – Theo Van Der Loo
Schlagzeug und Gitarre – Jean Dolabella
Schlagzeug und Bass – Raphael Miranda

Tracklist:

  1. NOW!
  2. The Call
  3. Lifeporn
  4. Deliverance
  5. Silence
  6. In Your Dreams Tonight
  7. Sin And Saints
  8. Starving Drones (A Dinner Talk)
  9. Our Song
  10. Diamonds And Landmines
  11. Beautiful
  12. The Reason

Samba und Death Metal haben mal kurz Pause: Heute geht es um die 2014 gegründete Alternative Rock Band Ego Kill Talent aus Brasilien. Neben dem gleichnamigen Debüt aus 2017 und diversen EPs, brachten sich die Brasilianer vor allem durch zahlreiche Liveshows ins Gespräch der internationalen Rockszene. Unter anderem traten sie im Vorprogramm von Bands wie Queens Of The Stone Age, Shinedown oder den musikalischen Vorbildern Foo Fighters auf.

2020 hätte das Jahr von Ego Kill Talent werden können: Neben der bestätigten Südamerikatour mit Metallica und Greta Van Fleet stand eine ausgedehnte Europatour mit System Of A Down auf dem Plan. Das vorliegende Album The Dance Between Extremes sollte ursprünglich im Mai letzten Jahres erscheinen. Dank der Bitch namens Covid ging auch diese Rechnung nicht auf. So entschlossen sich die fünf Herren kurzerhand, den geplanten Release in drei Teile zu splitten. Die ersten beiden EPs und die dazugehörigen Musikvideos erschienen bereits im letzten Jahr. Am 19.03.2021 erscheint der letzte Teil, der das komplette Material umfasst.

Der druckvolle moderne Sound wurde in den 606 Studios aufgenommen, dessen heilige Hallen passenderweise Foo Fighters-Ikone Dave Grohl gehören. Produziert wurde The Dance Between Extremes allerdings nicht von Mr. Grohl, sondern von Steve Evetts (The Dillinger Escape Plan, Suicide Silence). Weitere prominente Gäste, die teilweise ins Songwriting involviert waren, sind SOAD-Drummer John Dolmayan, Stone Sour-Schlagwerker Roy Mayorga und Skateboard-Legende Bob Burnquist, der als Fan der Band ein paar Percussions beigesteuert hat.

Das Besondere an Ego Kill Talent ist die außergewöhnliche Liveperformance, bei der sämtliche Bandmitglieder bis auf Sänger Jonathan die Instrumente während der Show tauschen. Diese instrumentalen Fähigkeiten bekommt man im Sound der Brasilianer sehr schnell zu spüren. Obwohl die Songs auch eine gewisse Radiotauglichkeit mit sich bringen, ist das spieltechnische Niveau auf hohem internationalem Level angesiedelt. Im Opener NOW! bekommt man dieses Talent in Form von polyrhythmischen Riffs serviert, nachdem Sänger Jonathan mit eindringlichen Vocals in den Song einsteigt. Unterlegt wird der eingängige Song durch die Drumbeats von Jean Dolabella, der fünf Jahre lang die Felle bei Sepultura verdroschen hat. „Wenn du dich mit dieser Musik gut fühlst und Freude empfindest, gibt es nichts Besseres“, sagt Dolabella zur Single NOW! – das trifft hundertprozentig zu.

Die nächsten beiden Stücke The Call und Lifeporn lassen dann deutlich die Vorliebe zur Band des ehemaligen Nirvana-Drummers durchscheinen. Allerdings niemals als Plagiat, sondern als tiefe Verneigung, gespickt mit kleinen technischen Raffinessen. Der Erfolg von Ego Kill Talent spiegelt sich auch im Video zu Titel Nummer vier, Deliverance, wider. Dieses wurde seit der Premiere Ende Januar über 130.000-mal geklickt. Emotionales Highlight sind die melancholischen Lyrics. Noch eine Spur introvertierter zeigt sich der Beginn von Silence, bevor fette Riffs die düsteren Vibes durchbrechen. Nur der Refrain ist etwas zu „cheesy“ für meinen Geschmack. In Your Dreams Tonight ist gleichermaßen Radio- und Stadionrocker, der nach einmaligem Hören vom Altrocker bis zur Hausfrau mitgesungen werden kann. Lädt auf jeden Fall zum beschwingten Mitwippen ein.

Die groovigen Riffs in Sin And Saints sind ebenfalls amerikanischer Prägung. In diesem Fall eher in Richtung Breaking Benjamin oder Three Days Grace inklusive geilem Part zum Abgehen in der Mitte. Starving Drones dröhnt wieder etwas komplexer aus den Boxen. Aggressiver Sprechgesang, Tempowechsel und Breaks geben den Ton an. Über den „Fire-Desire-Reim“ legen wir den Mantel des Schweigens. Our Song ist eigentlich eine Poprock-Nummer mit eingängigem Refrain, wäre da nicht dieser eine Part, der den musikalischen Anspruch der Brasilianer von diesem Kurs abbringt. Diamonds And Landmines wurde bereits 2018 als Single veröffentlicht und dürfte damit der älteste Song auf dem neuen Album sein. Das tut der starken Nummer keinen Abbruch: Groovende Riffs, knarzende Bässe, ein Refrain von einem anderen Stern und ein grandioser Gesangspart ab Minute zwei befördern das Lied direkt aufs „Treppchen“.

Für die abschließenden Songs Beautiful und The Reason kehren die Foo Fighters wieder zurück in den Sound der Brasilianer. Kein Problem, denn das macht immer noch mehr Spaß als das letzte FF-Album.

Ego Kill Talent – The Dance Between Extremes
Fazit
Ja, man kann die Vorbilder von Ego Kill Talent zu fast jeder Sekunde heraushören. Jedoch sind die Produktionsqualität und das spieltechnische Niveau derart hoch, dass man gerne über diese Tatsache hinwegsieht. Mit dieser Hitdichte und der ungewöhnlichen Liveperformance sind die Brasilianer locker in der Lage, ein Festival der Größenordnung Rock Am Ring zum Beben zu bringen.

Anspieltipps: NOW!, Deliverance und Diamonds And Landmines
Florian W.
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