Eluveitie auf Clubtour und das neue Projekt Illumishade

Ein Gespräch mit Sängerin Fabienne Erni

Artist: Fabienne Erni (Eluveitie, Illumishade)

Herkunft: Aarau, Schweiz

Genre: Folk Metal, Melodic Death Metal, Hard Rock, Symphonic Rock, Symphonic Metal

Label: Nuclear Blast

Links: http://www.eluveitie.ch/
https://www.facebook.com/illumishade/

Bandmitglieder:

Eluveitie:
Schlagzeug – Alain Ackermann
Gesang, Mandola & Mandolin, Tin & Low Whistles, Bagpipes, Bodhràn – Chrigel Glanzmann
Session Hurdygurdy – Michalina Malisz
Gitarre – Jonas Wolf
Gitarre – Rafael Salzmann
Tin & Low Whistles, Bagpipe, Mandola – Matteo Sisti
Bass – Kay Brem
Geige – Nicole Anspenger
Gesang, Harp, Mandola – Fabienne Erni

Illumishade:
Gesang – Fabienne Erni
Gitarre – Jonas Wolf
Bass – Yannick Urbanczik
Schlagzeug – Marc Friedrich
Synth & Orchestrations – Mirjam Schnedl

Eluveitie waren 2019 viel unterwegs. Unter anderem gab es nach der Festivalsaison eine ausgedehnte Clubtour. Dazu wurde das Projekt Illumishade zu Beginn des Jahres 2020 veröffentlicht. Grund genug, mit Fabienne Erni – Frontfrau von beiden Bands – ein Gespräch zu führen. Natürlich via Phone in Corona-Zeiten.

Time For Metal / Jürgen:
Hallo Fabienne,
es ist sehr schön, dass du dir ein wenig Zeit genommen hast und ich hoffe, Dir und allen anderen um Dich herum geht es gut.

Eluveitie / Fabienne:
Hi Jürgen, bei uns sind alle okay. Sowohl bei Eluveitie als auch bei Illumishade. Keine Symptome und kein Corona.

Time For Metal / Jürgen:
Um das zur Zeit alles beherrschende Thema kommen auch wir nicht herum. Wie geht es den Künstlern und den Klubs in der Schweiz? Gibt es dort auch bereits Ideen und Ansätze, den fehlenden Umsatz aus Konzerten anderweitig zu kompensieren?

Eluveitie / Fabienne:
Den kleinen Clubs in der Schweiz geht es auch schlecht. Bis zum 30.04. herrscht bei uns Auftrittsverbot. Ich selbst habe nicht so den Kontakt, aber unser Management, Tamara Schön arbeitet auch bei dem nationalen Konzertveranstalter Good News, ist dort aktiv. Für Clubs und lokale Veranstalter gibt es wohl die Möglichkeit von Kompensationszahlungen. Aber das ist je Kanton unterschiedlich.

Time For Metal / Jürgen:
Lass uns das Thema dann auch fix beenden und zu Eluveitie kommen. Nach ca. sieben Wochen endete die Clubtour quer durch Europa in Hamburg kurz vor Weihnachten. Wie hast Du die Tour empfunden und hattest Du überhaupt noch Power Weihnachten zu feiern?

Eluveitie / Fabienne:
Es war eine lange, aber sehr gute und intensive Tour. Ich hatte vor der Tour einen gehörigen Respekt vor dem Ablauf. Der Zeitplan war sehr eng. Sechs Konzerte, dann einen Tag off. So etwas habe ich vorher noch nie gemacht. Ich hatte anfänglich bedenken bzgl. meiner Stimme. Aber es ging alles super gut. Mehr als eine kleine Erkältung hatte ich nicht auf der Tour. Es waren tolle sieben Wochen. Zumal in den Städten auch noch die Weihnachtsmärkte waren. So etwas mag ich total gerne. Die Nachmittage waren wir immer auf einem der vielen Weihnachtsmärkte shoppen.

Time For Metal / Jürgen:
Im Sommer wart ihr ja auch auf vielen Festivals, u.a. Wacken und Summer Breeze in Germany. Was gefällt Dir besser? Club oder Open Air?

Eluveitie / Fabienne:
Beides hat seinen Charme. Im Club ist die Energie sehr gebündelt. Du siehst die Leute direkt vor dir und kannst die Energie förmlich greifen. Festival ist natürlich anders. Wobei es da auch immer Unterschiede gibt. Die großen Festivals wie Wacken und Summer Breeze ist ein heftiges Ausleuchten der Grenzen. Wenn sich Moshpits bewegen vor den großen Bühnen, ist das der Wahnsinn. Dazu sieht man auch noch andere Künstler. Parkway Drive haben wir uns angesehen. Subway To Sally waren neben uns im Backstage.

Time For Metal / Jürgen:
Du bist jetzt seit ca. drei Jahren bei Eluveitie und quasi von 0 auf 100 gestartet mit Touren rund um den Globus. Dein Leben muss sich komplett gedreht haben. Wie kommst Du damit klar und wie ist das überhaupt alles entstanden?

Eluveitie / Fabienne:
Der Jonas (Jonas Wolf, Gitarre Eluveitie) fragte an, ob ich mir vorstellen könnte, in einer Band wie Eluveitie mitzumachen. Ich hatte ein Video zur Verfügung gestellt und die Band fand es interessant. Dann habe ich mal mit Chrigel (Sänger Eluveitie) telefoniert. Ich hatte bis dahin noch nie in einer professionellen Band gespielt. Die Stimme passte, dann habe ich eine Demo eingeschickt…. habe mich mit der Band getroffen, ja und drei Monate später kam das Angebot. Da musste ich auch erst mal überlegen, ob ich das überhaupt kann. Dann habe ich zu mir gesagt – hey, let´s do this – ich habe Musik studiert und wollte Musiklehrerin werden und evtl. einen Chor leiten. Das Leben änderte sich plötzlich. Man war mit einem Schlag in der Öffentlichkeit präsent. Das war, wie schwimmen lernen im kalten Wasser. Meine erste Show war im Z7 in Pratteln mit neuerlerntem Make-up und meinem ersten persönlichen Stageoutfit. Das war ein Double Gig. Jeweils vor mehr als 1000 Menschen – ich hatte ja vorher noch nie vor so vielen Menschen gesungen. Das war eine absolute Challenge für mich und eine riesengroße Umstellung. Es ist aber absolut top. Nach nun drei Jahren ist das Musikerleben zur Normalität geworden inkl. Social Media und Co.  

Time For Metal / Jürgen:
Inis Mona ist wohl einer der bekanntesten Songs von Eluveitie. Er wurde 2008 veröffentlicht. Wenn ich mal zurückrechne – da warst Du 14 Jahre alt. Hast Du Eluveitie bereits in Deiner Jugend gehört? Wie bist Du zum Metal gekommen? War für Dich eher der Opernball in Wien oder Wacken im Regen in der Jugend ein Traum?

Eluveitie / Fabienne:
Beides nicht – ich war als junges Mädchen ein großer Musicalfan. Später dann, während meines Studiums, habe ich mich mit traditionellem skandinavischem Folk befasst. Metal kam mit Eluveitie. Ich mag Balladen sehr gerne. So ist Eluveitie als Mischung perfekt. Bei mir hat der Metal etwas länger gebraucht, um zu landen. Aber die Metalszene ist super. Die Leute und die Fans sehr loyal und wie eine Familie. Ich finde, gerade auch das Drumherum ist in der Metalszene wunderschön.

Time For Metal / Jürgen:
Wie sieht Deine Planung für 2020 aus? Der Kalender für das erste Halbjahr 2020 ist noch recht leer für Eluveitie. Ist jetzt erst mal der Fokus auf Illumishade?

Eluveitie / Fabienne:
Die drei Monate Pause mit Eluveitie waren nach der Tour zum Ende des letzten Jahres geplant. So war hier schon der Focus auf Illumishade. Die drei Monate wollten wir für die Fertigstellung des Albums nutzen. Nun ist alles anders. Russland im April fällt leider aus bzw. ist verlegt. Ich habe mich total auf die Tour gefreut. Nun haben wir mehr Zeit für Illumishade. Hier stehen noch das Mastering und die finale Abmischung an.

Time For Metal / Jürgen:
Illumishade kamen wohl nicht nur für mich aus dem nichts. Der zweite bekannte Name ist Jonas Wolf (Eluveitie) an der Gitarre. Wer sind die anderen Musiker bei Illumishade und woher kennt Ihr euch?

Eluveitie / Fabienne:
Die sind alle mit mir zur Schule gegangen. Die Mirjam spielt bei Varda (schweizer Folkband), Marc bei Atomic Symphony (Symphonic Prog/Rock Band). Yannick ist als Bassist bei diversen Projekten unterwegs, z.B. Pillowism (Alternative). Wir haben gemeinsam studiert. Die Masterarbeit war die Gründung einer Band. So führen wir unsere Masterarbeit quasi weiter fort. Tamara (Tamara Schön) macht das Management. Es ist ein DIY Projekt – wir können alles selbst entscheiden und sind mit sehr viel Herzblut dabei. Auch ein Label suchen wir nicht. Wir möchten unabhängig bleiben. Der Longplayer wird ein Self-Release. Das Werk kommt aber auch als CD auf den Markt. Vinyl ist erst mal nicht geplant, aber das kann ja noch kommen. Wir lernen viele neue Schritte – von A bis Z. Ich arbeite jetzt wie ein Newcomer. Diese Phase habe ich mit dem Einstieg bei Eluveitie praktisch übersprungen.

Time For Metal / Jürgen:
Drei Singles sind bereits veröffentlicht und ein Konzeptalbum soll released werden. Bisher überrascht mich die Musik etwas. Mit Eluveitie haben Illumishade recht wenig zu tun. Wo soll die musikalische Reise hingehen?

Eluveitie / Fabienne:
Es ist ein Spielplatz. Jeder schmeißt seine Einflüsse mit hinein. So kommen dann viele verschiedene Elemente zusammen bei Illumishade. Der Jonas (Jonas Wolf, Eluveitie) ist z.B. großer Van Halen Fan. Er bringt das Hardrock Element mit hinein. Ich bin dann eher für die kitschigen Sachen zuständig (lacht). Der Kern der Songs wurde von Jonas und mir geschrieben, mit der ganzen Band haben wir dann an den Songs weiter gefeilt. Wir haben sehr viel gemeinsam geschrieben. Nun sind alle Songs im Kasten. Das Mastering und Mixen müssen wir noch machen. Das Release kommt im Frühjahr und die Releaseshow ist für den 22.05. geplant. Nun müssen wir natürlich schauen, ob der Auftritt möglich ist für uns. Wenn nicht, müssen wir uns etwas Neues, Kreatives überlegen. Aber die Veränderungen bzgl. Corona sind ja momentan so schnell, da weiß man nie.

Time For Metal / Jürgen:
Im Herbst 2020 soll es mit Eluveitie in die USA gehen. Wer ist mit Euch noch unterwegs auf der Tour?

Eluveitie / Fabienne:
Also, wenn Du das nicht weißt, ist es noch nicht öffentlich. Da müssen sich alle noch etwas gedulden. Aber es ist ein interessantes Package.

Time For Metal / Jürgen:
Vielen Dank für das nette Gespräch, ich wünsche Euch alles Gute und bleibt gesund. Ich hoffe, man sieht sich noch bei einem Gig im Jahr 2020.

Eluveitie / Fabienne:
Sehr gerne, Danke für die Fragen. Du auch und Hände waschen!

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