Finsterforst – #Yolo

“Ghostbusters 3 des Metal“

Artist: Finsterforst

Herkunft: Deutschland

Album: #Yolo

Spiellänge: 40:28 Minuten

Genre: Folk Metal

Release: 14.09.2016

Label: Napalm Records

Link: http://www.facebook.com/FinsterforstOfficial

Bandmitglieder:

Gesang – Oliver Berlin
Gitarre – David Schuldis
Gitarre – Simon Schillinger
Bassgitarre – Tobias Weinreich
Keyboard – Sebastian Scherrer
Schlagzeug – Cornelius Heck

Tracklist:

  1. Bottle Gods
  2. Auf Die Zwölf
  3. #Yolo
  4. Hangover
  5. Wrecking Ball (Miley Cyrus-Cover)
  6. Beat It (Michael Jackson-Cover)
  7. Der durch die Scheibeboxxxer (K.I.Z.-Cover)
  8. Flasche Leer
  9. Das Schlimmste Ist, Wenn Das Bier Alle Ist (Die Kassierer-Cover)
  10. Wild Rover

Finsterforst - Yolo

Das Schwergewicht Finsterforst, das vor allem in den letzten Jahren wahnsinnig an Bekanntheit zugenommen hat, hat sich nach zwei EPs, einer Compilation und vier Alben dazu entschlossen, eine zweite EP zu veröffentlichen. Um diese EP geht es hier auch und sie trägt den in der Jugendsprache schon längst veralteten Begriff #Yolo.

Nachdem die Band es also nun geschafft hat, eine Dekade an seriöser und ebenso komplexer wie zugänglicher Musik zu komponieren, weht ein Hauch von Varg durch die Discographie der Band. Im wirtschaftlichen Sinne begeht man gerade die Erschließung eines neuen Marktes, die Mitglieder kann man einmal im Jahr auf Wacken und Co. beobachten.

Mit #Yolo begeht die Band, das unterstelle ich ihr an dieser Stelle einfach mal, den gleichen Marketingzug wie die Puppenspieler hinter Ghostbusters 3. Bei dem Film reichte es aus, die sehr guten originalen Schauspieler gegen weibliche Nicht-Models auszutauschen, um Befürwortern des Films das Gefühl der politischen Korrektheit und Kritikern, die den Trailer berechtigt nur peinlich fanden, als antiemanzipatorisch darzustellen. Wie wir mittlerweile wissen, war das Ganze eine gelungene PR-Aktion und meines Wissens war das fertige Produkt besser als der Trailer.

Bei #Yolo habe ich im Vorfeld auf einen ähnlichen Vorgang gehofft. Das Cover ist betont witzig gemeint, der Name symbolisiert einen jugendlichen Anstrich, das omnipräsente Raute-Zeichen, eher bekannt als ‚Hashtag‘ wird schon für Verkäufe sorgen, ohne dass ein anderer Aspekt dieser CD begutachtet wurde. Denn es ist, es war und es wird mit dem Kauf dieser CD immer ein Zeichen gegen die Spießer sein, die den Metal ja viel zu ernst nehmen. Frei nach dem Motto: Ich laufe wohl in Schwarz rum, bin aber auch voll gesellig!!!!1111

Und natürlich hat das bisherige Image von Finsterforst eine Hebelwirkung, Lieder wie Mach Dich Frei! (inklusive Video) sprechen zwar nicht den intellektuellen Part des Gehirns an, schlugen aber eine schöne Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dass man mit #Yolo auf Prinzipkäufe und „Ich bin von der Aufmachung so Überrascht“-Käufe hofft, ist ein offenes Geheimnis.

Doch habe ich es einer Band persönlich nie übelgenommen, wenn sie ihre Plattenverkäufe nach oben drücken möchte und dadurch die Möglichkeit erhalten will, auf lukrativeren Bühnen auftreten zu können, da Verkäufe und Auftrittsmöglichkeiten immer noch eng gekoppelt sind. Und wer einmal bei YouTube nach einem Death Metal-Cover von Wrecking Ball gesucht hat, weiß, wie unglaublich witzig und originell ein Cover von Popmusik sein kann. Deshalb habe ich mich dem Ganzen auch angenommen. Da jedes Lied an sich genügend Zündstoff für eine Diskussion bietet, gucken wir uns das ganze doch mal an:

Die ersten vier Lieder sind Eigenkompositionen, die es so in der Form natürlich nie auf ein Album geschafft hätten. Battle Gods könnte auch von Trollfest sein und ist auch noch das annehmbarste Lied der CD, auch wenn der Chorus mich nervt. Auf Die Zwölf wurde im Vorfeld mit einem infantilen Video veröffentlicht und handelt von… Fußball. Oh, wie ich mich getriggert fühle…nicht.

Für den „tanzenden Metal Fan“ geht es dann auch mit dem Lied #Yolo, einer neuen Gottheit in Walhalla, weiter, was mich musikalisch tatsächlich zum Schmunzeln gebracht hat. Die erste Minute ist wirklich genial, der Text erwartungsgemäß peinlich.

Hangover ist definitiv ein Lückenfüller und erwähnt anfangs noch einmal „YoYolo“. Dann kommt auch schon das unheilige Covertripple. Was sich die Herren von Finsterforst bei einer so dämlichen Interpretation von Wrecking Ball gedacht haben, weil auch nur Yolo… Das Cover könnte so ohne weiteres im Radio laufen. Für das Lied fremdschäme ich mich am meisten.

Ich habe keine Ahnung, wer bei Beat It singt, aber auch dieses Cover ist extrem radiotauglich (und ja, ich besetzte dieses Adjektiv negativ). Es ist zwar lang nicht so furchtbar wie Wrecking Ball, aber könnte auch von jeder x-beliebigen Band sein.

Wenn mich nicht alles irrt, ist Der Durch Die Scheibeboxxxer nicht nur ein Cover von K.I.Z. sondern auch ein Cover mit K.I.Z.. Der Gesang der Liveaufnahmen des Originals klingt so verdammt ähnlich wie der des Covers, dass die Herren von Finsterforst entweder gute Stimmenimitatoren sind, oder es sind wirklich die OGs von K.I.Z.. Wie dem auch sei, die Version ist besser als das Original, aber bei weitem kein Kaufgrund.

Flasche Leer ist dann ein Präludium zu Das Schlimmste Ist, Wenn Das Bier Alle Ist, bei dem es übrigens am besten ist, wenn das Cover zu Ende ist. Das Cover unterliegt in allen Punkten den Original. Vor allem im Gesang. Wild Rover setzt dann noch mal auf Schunkelmelodien, die ab zehn Bier Spaß machen.

Fazit: Und was sagt uns das Ganze? Dass meine These, dass wir es hier mit dem musikalischen Ghostbusters 3 zu tun haben, sich verhärtet. Diese Veröffentlichung ist nicht nur ein Versuch, musikalisch ein paar der Musik sonst abgeneigte Fans zu ergattern, sie ist bis auf ein paar helle Momente auch noch schlecht umgesetzt. So gerne ich mich an dieser Stelle auf die Seite des mit dem Zeigefinger auf den sich im Keller versteckenden „Aus-Prinzip“-Schmoller gestellt hätte, bei einer solchen Qualität kann ich es nicht. Ich für meinen Teil hoffe, dass sich #Yolo nicht auf kommende Werke auswirkt. Meins ist es absolut nicht.

Anspieltipps: Der durch die Scheibeboxxer
Gordon E.
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