Fireforce – Rage Of War

Europäischer Power Metal mit etwas zu wenig Feuerkraft

Artist: Fireforce

Herkunft: Antwerpen, Belgien

Album: Rage Of War

Spiellänge: 59:21 Minuten

Genre: Heavy Metal, Power Metal

Release: 15.01.2021

Label: Rock Of Angels Records

Link: https://fireforceband.com/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Matt “Hawk” Asselberghs
Gitarre – Erwin Suetens
Bassgitarre – Serge Bastaens
Schlagzeug – Christophe De Combe

Tracklist:

  1. Rage Of War
  2. March Or Die
  3. Ram It
  4. Firepanzer
  5. Running
  6. Forever In Time
  7. 108-118
  8. Army Of Ghosts
  9. Rats In A Maze
  10. A Price To Pay
  11. From Scout To Liberator
  12. Blood Judge
  13. Tale Of The Desert King

Ein kampfstarker Name, ein martialisches Cover, Kriegsthematik und ein Bandfoto mit Tarnhosen auf der Website: Sollte ich etwa die neue Sabaton erwischt haben? Nein, tatsächlich handelt es sich um das neue Geschütz der Belgier Fireforce und hört auf den Namen Rage Of War. Nach zwei EPs und drei Alben greift die 2008 in Antwerpen gegründete Band wieder an. Besetzungswechsel gibt es in der Kompanie seit der 2019er-EP The Iron Brigade ebenfalls zu verkünden: Axtschwinger Marcus Forstbauer und Frontmann Søren Nico Adamsen wurden durch Matt “Hawk” Asselberghs ersetzt, der gleich beide Posten ausfüllt. Für meinen Geschmack haben die Jungs mit Hawk den bisher talentiertesten Sänger in ihren Reihen. Ebenfalls auf dem Gipfel der bisherigen Bandkarriere siedelt sich der Sound des neuen Outputs an. Dafür wurde eine ganze Heerschar an Kompetenz engagiert: Wie schon auf den früheren Alben war Mystic Prophecy Sirene R. D. Liapakis beteiligt, dieses Mal war er für die Aufnahmen der Vocals zuständig. Für die Produktion der Instrumente war Bob Briessinck in den belgischen Breeze Inc. Studios verantwortlich. Gemixt und gemastert wurde der druckvolle Sound von Henrik Udd (Hammerfall, Powerwolf, At The Gates).

Mystic Prophecy ist ein gutes Stichwort: Ich fand schon in der Vergangenheit, dass Fireforce stark in die Richtung der deutschen Power Metaller gehen. Die ähnliche Stimmfarbe des neuen Sängers im Vergleich zu MP-Goldkehlchen Liapakis, macht die Sache noch eindeutiger. Das soll aber kein Vorwurf sein, denn die Belgier haben durch starke Liveauftritte und gute Studioalben längst bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. Was gibt es noch zu berichten, bevor wir zu den Songs kommen? Das Cover von Eric Philippe hätte höchstens mein 13-jähriges Ich in Staunen versetzt. Auch wenn Philippe schon für andere Metal-Klischee-Bands wie Rhapsody oder Iron Fire tätig war, entlockt mir das heutzutage nur noch ein müdes Lächeln. Kriegsthematik finde ich doof, deshalb spare ich mir die Kommentare zu den Texten.

Kein langweiliges Intro-Geplänkel, Rage Of War legt direkt los mit fetten Riffs, Drums und dem aggressiven Gesang des Neuzugangs. Im Midtempo angesiedelt, drückt der Opener im Refrain ordentlich aufs Gaspedal. Hawk hat noch einige Pfeile im Köcher: in diesem Fall Screams im Stil von ex-Iced Earth und Judas Priest Sirene Ripper Owens. March Or Die stampft in ähnlichem Tempo aus den Boxen, jetzt mit „Raise your fist“ Refrain in bester Headbanger-Manier. Die erste Single Ram It beschreibt die letzten Worte eines Piloten im Zweiten Weltkrieg, bevor er einen feindlichen Bomber rammt: „Wir sehen uns in Valhalla!“ Mit seinen fetten Riffs, starken Drumfills und dem mächtigen Refrain definitiv eine Waffe. Der Firepanzer wird geölt und die Bridge im Stil von Hammerfall leitet zum thrashigen Refrain über, in dem Sänger Hawk von der Kette gelassen wird. Zu den Soli dürfen die „Ohohohooo“ Chöre angestimmt und die Luftgitarren geschwungen werden. Running beginnt mit amtlichen Riffs, verläuft sich dann aber ebenso in der Belanglosigkeit wie die nachfolgende Halbballade Forever In Time. Geht Fireforce etwa die Munition aus?

108-118 legt wieder alle Hebel um und drückt den Bleifuß durch. Hymnische Gitarrenmelodien und Thrashriffs bilden einen schönen Kontrast. Army Of Ghosts marschiert in ähnlich schnellen Schritten voran, allerdings wirft mir der Refrain etwas zu schnell den Stock zwischen die Füße. Hier wäre etwas mehr Brachialität wünschenswert gewesen. Rats In A Maze groovt eigentlich ganz cool, jedoch fehlt mir der rote Faden in der Songstruktur. So wirken die Ratten im Labyrinth fast schon hilflos und verloren. A Price To Pay beginnt etwas zäh, hat dann gegen Ende aber doch noch einige starke Gitarrenläufe und markerschütternde Schreie im Programm. Die Riffs in From Scout To Liberator bocken ganz schön, dann kommt der „Wir wiederholen ständig den Songtitel“ Refrain gefolgt von „Whohohoho“ Chören – gähn. Die abschließenden Songs Blood Judge und Tales Of The Desert King fallen qualitativ nicht unbedingt ins Bodenlose, bekommen aber beide das Prädikat verzichtbar aufgedrückt. Unterm Strich fällt die B-Seite von Rage Of War doch etwas ab und übrig bleiben zu viele Songs der Marke „skippable“.

Fireforce – Rage Of War
Fazit
Eine Messerspitze Schießpulver reicht leider nicht aus, um die Feinde in die Flucht zu schlagen. Mit der Mischung aus Mystic Prophecy und Sabaton ohne deren Hang zum Kitsch, erfinden Fireforce den Metal natürlich nicht neu. Wer mit den genannten Bands etwas anfangen kann, wird dennoch seine Freude mit Rage Of War haben. Fireforce haben mit Matt “Hawk” Asselberghs auf jeden Fall eine neue und gefährliche Waffe im Arsenal.

Anspieltipps: Rage Of War, Ram It und Firepanzer
Florian W.
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