Glädjekällor – Jesuskomplex

Wenn Emotionen zu Tönen werden…

Artist: Glädjekällor

Herkunft: Malmö, Skåne, Schweden

Album: Jesuskomplex

Spiellänge: 50:14 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 31.10.2020

Label: Talheim Records

Link: https://www.facebook.com/Gladjekallor

Bandmitglieder:

Alle Instrumente und Vocals – C. L. (Ludvig Andersson)

Tracklist:

  1. Åkarp
  2. Idag Människa – Imorgon Jord
  3. Den Bästa Sommaren
  4. Inkognito
  5. Jesuskomplex
  6. Evig Är De Dödas Ryktbarhet
  7. Skilt Åt Att Förenas
  8. Förgätmigej
  9. Alternativ – Uppvaknande

Gibt es Liebe auf den ersten Blick? Kann Musik einen sofort treffen und umhauen? Ist ein komplettes Album schon nach dem ersten Durchhören in der Lage, den Hörer/Fan zu überzeugen und voll und ganz zu vereinnahmen? Ist es wahr, dass manche Dinge nur zum richtigen Zeitpunkt an einem bestimmten richtigen Ort sein müssen? Kann man es schaffen, ist es denn möglich, Emotionen zu Tönen und diese zu Musik werden zu lassen? Fragen über Fragen…

Ich habe das mir vorliegende Album der schwedischen Ein-Mann Black Metal Band Glädjekällor nun natürlich schon mehr als einmal durchlaufen lassen und ich bin immer noch gefesselt von den Songs, von einigen Passagen, nein – ich bin fasziniert und überwältigt von allem, was hier erschaffen wurde. Manche mögen sich fragen, ob das noch Black Metal in Reinkultur ist, ob es wirklich „trve“ sei, ich beantworte mir diese eine Frage mit einem „Ja!“, denn es ist einfach das, was man daraus macht. Alle anderen Fragen bleiben für mich unbeantwortet und dürfen in ihrer fragenden Schönheit einfach weiter offenbleiben.

Soweit mein Vorwort zum Album Jesuskomplex des 2010 gegründeten Black Metal Projektes Glädjekällor aus Malmö, dessen schwedischer Name übersetzt im Sinn von „Quellen der Freude“ gedeutet bzw. interpretiert werden kann. Jesuskomplex ist nun das zweite Full Length Album, 2011 erschien mit Värdelös das Debüt, dem einige Singles und Splits folgten. Ich bin echt froh, dass hier nun die zweite Langrille am 31.10.2020 über Talheim Records veröffentlicht wurde, die neun Werke auf guten 50 Minuten enthält und so facettenreich ist, dass ich mich mitunter beim Hören immer wieder erwischte, verloren in Gedanken aus dem Fenster zu schauen und zu träumen, zu schwelgen oder einfach nur zu lauschen.

Das Album startet mit Åkarp, ein Song, der erst mal alles bietet, was man im ersten Moment vermutet, nordischer atmosphärischer Black Metal, sehr emotional umgesetzt und die Tiefe ist spürbar. Schon mit Idag Människa – Imorgon Jord wird merklich spürbar, dass das Schubladendenken sofort zur Seite gepackt werden darf. Dieser Song bietet dem Hörer Raum, sich fallen zu lassen. Den Bästa Sommaren schlägt genau in die bereits vorgeschlagene Kerbe, hat einen etwas rockigen Touch, der der Melancholie nicht nachträglich ist.
Inkognito kommt dann wieder schwärzer daher und reißt den Hörer fast aus seiner entstandenen Lethargie, was dann aber Jesuskomplex in anderer Art und Weise aufzubauen vermag. Nun startet Evig Är De Dödas Ryktbarhet und ich bin beim ersten Hören so dermaßen überrascht und beeindruckt. Was für ein Song, der einfach so anders ist und mir gerade wohl auch ob seiner elektronischen wallenden Art sehr gefällt und eine Atmosphäre kreiert, die ihresgleichen sucht. Ganz stark gemacht. Selbst das Jahrmarkt-Outro passt dann dazu. Skilt Åt Att Förenas ist voller schwermütiger Emotion und mag im ersten Teil recht depressiv wirken, jedoch mit den Klavierfiguren in Hälfte zwei nimmt der Song für mich eine Wende und das Ende mit den hymnenhaften Gitarren, die das Gesamtbild ergänzen.
Förgätmigej kommt kalt und nordisch daher, vielleicht hätte der eine oder die andere dieses Album genau mit nur solchen Songs vermutet, dann wäre es wohl eintönig geworden, so aber bietet dieser Song eine Abwechslung, die mit ihren Melodien und ihren Hooks zu überzeugen weiß. Der mit guten acht Minuten längste Song der Scheibe wirkt zu keiner Zeit langweilig.
Den Abschluss eines bisher auf allen Ebenen starken Albums macht Alternativ – Uppvaknande, ein akustisch atmosphärischer Song, der noch einmal eine ganz eigene Stimmung kreiert und den Fan langsam aus dem Gesamtwerk herausgeleitet, der Herzschlagrhythmus und die gesprochenen Worte ergeben ein wunderschönes Ende.

Glädjekällor – Jesuskomplex
Fazit
Fragen über Fragen - wie schon zu Beginn erwähnt. Ich bin gefangen und vielleicht kam dieses Album auch erst so richtig bei mir an und ich war eben auch jetzt erst empfänglich für dieses Werk. Ein durchgehend persönliches Album der schwedischen Glädjekällor, welches uns sowohl in das Licht, so auch in die Dunkelheit führt. Die Art und Weise des Bandgründers C.L., Dämonen, die er schon sehr lange loswerden wollte, zu vertreiben. Hinzu kommt, dass die gesungene schwedische Sprache immer auch eine eigene Charakteristik hat, die mich fasst.

Anspieltipps: Alle – immer wieder
Dave S.
9.9
Leser Bewertung0 Bewertungen
0
9.9
Punkte
Weitere Beiträge
Funebria – Death Of The Last Sun