Gotthard auf „Stereo Crush Tour 2025“ am 27.05.2025 in der Großen Freiheit 36, Hamburg

Musik, einfach nur Musik

Event: Gotthard – Stereo Crush Tour 2025

Bands: Gotthard, Y & T

Ort: Große Freiheit 36, 22767 Hamburg

Datum: 27.05.2025

Kosten: VVK 59,95 €, AK 65 €

Zuschauer: ca. 1200

Genre: Hard Rock, Classic Rock, Melodic Rock, Heavy Metal, Melodic Metal, Glam Rock, Hair Metal

Links: https://www.gotthard.com/

Setlisten:


1. Hurricane
2. Don’t Stop Runnin‘
3. Summertime Girls
4. Mean Streak
5. I’m Coming Home
6. Winds Of Change
7. Contagious
8. Black Tiger
9. Rescue Me
10. Forever

1. Ai & I
2. Thunder & Lightning
3. All We Are
4. Stay With Me
5. Remember It’s Me
6. Mountain Mama
7. Every Time I Die
8. Acoustic Jam (e.g. The Call, Angel, Let It Be)
9. Burning Bridges
10. Anytime Anywhere
11. Boom Boom
12. Top Of The World
13. Rusty Rose
14. Heaven
15. Feel What I Feel
16. Drum Solo
17. Lift U Up
18. One Life One Soul
19. Hush
20. Mighty Quinn

Willkommen in der Großen Sauna 36, zumindest gefühlt. Tatsächlich spielen heute zwei alteingesessene Rockbands in der Großen Freiheit 36, ein Club in der Hansestadt Hamburg, wo schon ganz andere Namen die Bühne bearbeiteten. Warum es in der Bude immer so warm ist, egal ob Aprilwetter (wie heute), minus fünf Grad oder plus 30 Grad, lässt sich nicht ergründen. Die Varianten in der Großen Freiheit 36 gehen von Saunatemperatur und stickig bis Aufguss und fast kein Sauerstoff, wenn die Temperaturen draußen noch höher sind.

Y & T – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Egal, um 18:30 Uhr öffnen sich die Pforten und die Menschen strömen in die Bude. Ganz ausverkauft ist der Laden nicht, aber mehr als ordentlich gefüllt. Die Zeit vom Öffnen der Türen bis zur ersten Band ist eine Stunde, sodass alle Menschen, die wollen, pünktlich vor der Bühne sind. Auch Y & T, die Band um Mastermind Dave Meniketti, ist pünktlich und steht wenige Minuten vor 19:30 Uhr bereits auf der Bühne.

Was sofort auffällt: Kabel, da hängen Kabel aus an den Instrumenten. Auch das sonstige Equipment wird mit der Hand bedient. John Nyman, der zweite Gitarrist, pegelt vor dem ersten Ton zunächst das Equipment zur Soundverstärkung ein – und das macht er richtig gut. Dann startet die Zeitreise mit Hurricane vom 1981er-Release Earthshaker. Erster Eindruck: Sound hervorragend, Dave Meniketti, gesanglich eine Koryphäe, und die Band spielen taff auf. Kurzer Hinweis: Meniketti ist Anfang 70 und Gründungsmitglied von Y & T, die bereits 1974 ihre ersten musikalischen Schritte unternommen haben.

Y & T – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Don’t Stop Runnin‘ (In Rock We Trust, 1984) und Summertime Girls (Down For The Count, 1985) folgen und das gesetzte Publikum wechselt zwischen ungläubigem Staunen und begeistertem Mitgehen. So gibt es bereits während der Show Y & T-Sprechchöre. Hier ist nichts vom Band. Wenn eine Gitarre noch mal etwas nachjustiert werden muss, dann nimmt sich Meniketti die Zeit. Ohne jeden Schnickschnack zockt das Quartett Hit auf Hit, bevor es gegen Ende des circa 50-minütigen Sets die Klassiker auf die Ohren gibt. Rescue Me ist gerade mit dem Intro einfach eine wunderbare Nummer, bei der mittlerweile die gesamte Crowd wahlweise die grauen Haare schüttelt oder mitsingt. Aber einen Must-Play-Hit haben die Herren ja noch: „Forever Fallin For You“. Der Refrain erklingt aus vielen Kehlen und Y & T werden als Vorband mächtig abgefeiert. Schade, dass bereits nach 50 Minuten Schluss ist. Die Truppe hätte gerne eine Stunde dranhängen können, was die Sprechchöre nach der Show bestätigen. Das war mal eine mehr als ordentliche Duftmarke. Ob Gotthard da mithalten können?

Gotthard – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Gegen 21 Uhr geht das Licht aus und wie schon Y & T kommen Gotthard ohne großes Intro auf die Bühne und lassen einfach nur die Musik sprechen. Klar, es steht vor allem das neue Album Stereo Crush im Fokus. Spätestens als All We Are von dem 2005er-Album Lipservice erklingt, ist das Publikum elektrisiert. Der mittlerweile seit 14 Jahren am Mikro agierende Nic Maeder kann Steve Lee nicht ersetzen, das kann kein Mensch. Aber er interpretiert die Lee-Stücke hervorragend und bietet dazu eine ausgereifte Bühnenperformance, bei der er immer wieder das Publikum mit einbezieht. Sonst gibt es vor allem die hervorragende Saitenfraktion Leo Leoni und Freddy Scherer, dazu mit Marc Lynn einen bockstarken Bassisten. Wenn du derart starke Menschen an den Saiten hast, dann hast du einen super Sound und die Musik kommt einfach rüber. Es benötigt keinen Funkenflug, damit der Funke von der Bühne aufs Publikum springt.

Gotthard – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Mountain Mama ist bereits recht früh im Set und wird von Leo Leoni mit diversen Effekten, sowohl von den Vocals als auch von der Gitarre intoniert. Als ein Highlight entpuppt sich die Akustik-Session. Leoni, Scherer und Maeder haben eine Dame namens Steffi mit auf der Bühne, die die eine oder andere Ballade auswählt. Wer die Defrostet-Scheiben von Gotthard kennt, kann sich grob vorstellen, was hier passiert. Als Programmpunkt im Set ist das hervorragend gemacht und die Stimmung steigt minütlich. Als die Klassiker-Rubrik mit Anytime Anywhere, Top Of The World und Heaven angeworfen wird, kommt selbst die letzte Silberlocke in Bewegung. Was Gotthard hier auf die Bühne bringen, ist von der Performance und der Atmosphäre ganz große Kunst. Die Große Freiheit 36 ist nicht der Laden, der für einen guten Sound bekannt ist. Das Schweizer Uhrwerk zeigt, dass es auch in einem verbauten Laden möglich ist, einen nahezu perfekten Sound zu kreieren. Hier geht ein Chapeau an die Techniker und die Crew, sowohl von Gotthard als auch von Y & T. Es geht also auch in der Großen Freiheit 36 mit einem glasklaren Sound. Bitte die Rezeptur unbedingt an Testament weiterreichen. Die sind im Oktober hier. Sonst müssen wir bereits vor dem Konzert unser Testament bezüglich des Sounds machen.

Gotthard – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Die Zugabe beginnt mit einem weiteren Highlight. Gotthard sind eine Rockballadenband. Eine der herausragenden Balladen ist One Life One Soul. Das Ding bringen Leoni und Co. akustisch auf die Bühne und treiben vielen Menschen die Tränen ins Gesicht. Hierfür gibt es diverse Begriffe und Superlative – aber der Moment lässt sich nicht beschreiben – der lässt sich nur fühlen. Mit Hush (nein, immer noch kein Deep-Purple-Cover, Deep Purple coverten bereits von Joe South) und Mighty Quinn (nein, auch das ist kein Manfred-Mann-Cover, das Ding hat Bob Dylan geschrieben) gehen knapp zwei Stunden Gotthard-Konzert zu Ende. Logisch, dass der Applaus kaum enden will.

Wenn du auf handgemachte Musik stehst, bei der die Menschen auf der Bühne auch live zocken, dann schau dir die beiden Altmeister des Rocks an. Die Musik strahlt die Faszination aus, da benötigt es keine Showelemente.