Haudegen, am 25.11.2017 im Kieler Max Nachttheater

“Die Berliner Kotterschnauzen feiern Tourabschluss im hohen Norden!“

Eventname: Blut, Schweiß und Tränen Tour 2017

Headliner: Haudegen

Vorband: Block

Ort:
Max Nachttheater, Kiel

Datum: 24.11.2017

Kosten: 33,75 € VVK,  35,00 € AK

Genre: Rock, Salon.Punk

Besucher: 300

Veranstalter: Max Nachtheater

Link: http://www.max-kiel.de/

https://www.haudegen.com/

http://www.block-band.de/

Setlisten:

  1. Niemansland
  2. Stahlblauer Panzer
  3. Der Wetterleiter
  4. Zurück
  5. Alleine
  6. Die Lichter Gehen Aus

  1. Stimme Aus Der Gosse
  2. Echt Zu Sein Heißt Feinde haben
  3. Ziemlich Beste Freunde
  4. Leuchtturm
  5. Freund In Mir
  6. Happy End
  7. Himmel Und Heiko
  8. Großvater Sagt
  9. Blut, Schweiß Und Tränen
  10. Nackt Fotografieren
  11. Flügel Und Schwert
  12. Atlantis In Den Wolken
  13. Ein Mann Ein Wort
  14. Igor Und Nassim
  15. Feuer Und Flamme
  16. Zu Hause

 

Blut, Schweiß und Tränen, so das Motto der Tour. Es sollen alle Facetten der beiden Berliner Sven Gillert und Hagen Stoll gezeigt werden. Wir sind gespannt. Die, nach eigenen Worten, „Gassenpoesie“ erfreut sich großer Beliebtheit. Trotzdem sind zum heutigen Tourabschluss in die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins nur ungefähr 300 Besucher gekommen. So bleibt Zeit, um mit dem Hausfotografen zu schwatzen, man kennt sich inzwischen, denn bei den Kärbhölzern vor ein paar Wochen standen wir auch schon gemeinsam im Graben. Zu bewundern gibt es auch noch eine eigens mitgeführte Tätowierer Crew, die den Haudegen Hardcore Fans diverse bleibende Erinnerungen unter die Haut bringt. Da auch heute wieder im Anschluss noch Disco im Max Nachttheater ist, beginnt die Vorband Block bereits um Viertel nach sieben. Sie spielen einen, nach eigenen Worten, Salon.Punk, wobei Sänger und Songwriter Michael Pöttinger heute stimmlich untergemischt wird. Seine deutschen Texte sind kaum zu verstehen und beim ersten Song dachte ich noch, der singt auf Englisch. Musikalisch hat er gute Weggefährten dabei, die eine anständige Ladung Rock in die noch überschaubare Runde pfeffern. Gerade Gitarrist Marcus Esser weiß hier zu überzeugen auch die Rhythmus Sektion um Schlagzeuger Christian Tilly Klaus liefert ordentlich ab. Nach 25 Minuten wird das Set aber bereits beendet.

Pünktlich um 20:00 Uhr beginnen Haudegen. Vor der Bühne, immerhin gibt es einen mit Absperrband abgetrennten Fotograben, tummeln sich die knapp dreihundert Gäste. Viele Shirts oder Haudegen Crew Kleidungsstücke sind auszumachen und somit freuen sich diese Fans auf das Ereignis und machen sofort Stimmung. Mit der Stimme Aus Der Gosse beginnen die beiden doch kräftigen und stark tätowierten Frontmänner ihre Darbietung. Deutsche Texte, die von Freiheit, Freundschaft, Liebe, Schmerz und Familie berichten, gepaart mit eingängiger Rockmusik, der super aufspielenden Begleitband, kommen beim Publikum hervorragend an. Die einfach gehaltenen Texte der ehemaligen aus der Plattenbausiedlung in Berlin Marzahn stammenden Rapper sprechen jeden an. Sie haben durch harte Maloche den Absprung geschafft und dieses wird in vielen Passagen ihrer Lieder verarbeitet. Dazu die schlichte Bühnendekoration, die ebenfalls an diese vergangene Zeit erinnern soll. Dann sind da noch die Songs, die von den vielen wertvollen Freundschaften berichten, die in dieser Gegend so wichtig sind. Ziemlich Beste Freunde und Du Hast Einen Freund In Mir zeugen von der inhaltlichen Wichtigkeit im Haudegen Kosmos.

Auch die Liebe zur Familie wird bei Haudegen großgeschrieben. Das zeigt sich schon daran, dass der kleine Junge, der in vorderster Front auf den Schultern seines Vaters sitzt, direkt angesprochen wird und natürlich auch ein Präsent ergattert. Das alles macht die beiden Schwergewichte sympathisch und lässt das martialische Aussehen vergessen machen. So stammt aus dem Werk Blut, Schweiß Und Tränen der Song Großvater, der den Familienaspekt schön widerspiegelt. Und wer da nun denkt, dass hier nur Härte gezeigt wird, wird eines Besseren belehrt. Balladeske Songfragmente und auch á Capella Songs werden intoniert. Dazwischen immer wieder das animierte Zusammengehörigkeitsgefühl. Ihr Seid!, Wir sind!, Du bist!, Sie ist!, Er ist! und danach ein lautstarkes Haudegen. Das schweißt zusammen. Auch die treibenden hymnischen Refrains steuern zu dem Gefühl bei, denn sie können schnell und einfach mitgesungen werden. Zwischen den einzelnen Songs, die einen guten Einblick in das Schaffen vermitteln, wird viel erzählt. Gefühlt dauert das fast genauso lange, wie gesungen wird. Auch zeigen sich die beiden Herren unbeeindruckt von Feuerschutz- und Rauchverbot Auflagen und zünden sich eine Zigarette nach der Anderen an. Das stört aber eigentlich niemanden, es ist passend – genau wie der Spruch „Wir sind zwar nicht die Schlauesten, dafür aber die Loyalsten“. Diese Ehrlichkeit beeindruckt das Publikum und lässt Haudegen einen von uns werden. Natürlich fehlt auch das gemeinsame Armeschwenken nicht und wird enthusiastisch zelebriert. Das setzt sich allerdings nicht im gesamten Saal durch, denn weiter hinten stehen die etwas Ruhigeren und lassen sich das Beck‘s schmecken und feiern eher still. Nur die Lippen bewegen sich zu den Weisen und das Haupt nickt im Takt.

Gefühlsbetont in Atlantis In Den Wolken wird nochmals der weiche Kern in der rauen Haudegen Haut offen gelegt. Nach Ein Mann Ein Wort wird zunächst die Bühne geräumt. Der Blick auf die Uhr sagt, gerade mal eine Stunde und 20 Minuten gespielt. Nach kurzem Zugabe Geklatsche tauchen sie natürlich nochmals auf und es gibt noch Igor Und Nassim, Feuer Und Flamme. Dabei wird die Begleitband vorgestellt und empfiehlt sich mit kurzen Soloeinlagen. Nach der Schlussansage über das, was viele antreibt, der Rückkehr in das eigene Zu Hause, so auch der letzte Titel, wird das Konzert beendet. Damit ist nach einer Stunde und 35 Minuten das Ende der Fahnenstange erreicht. Leider kommen die beiden Haudegen nicht mehr ins Publikum, vielleicht wohl wissend, dass es ob der kurzen Spielzeit Kritik geben könnte. Aber am Merch Stand ist noch der Sänger und Texter Michael Pöttinger von Block anzutreffen. Mit ihm plaudern wir noch ein wenig über den Gig.  Es gibt anstelle einer Setlist die aktuelle CD Hitparade. Darauf markiert er die gespielten Tracks und so habe ich eine Setlist. Als zusätzliche Errungenschaft gibt’s noch das Block Craft Bier als Probeartikel geschenkt. Dazu lest ihr hier den Artikel.

Fazit: Kurzer aber nicht langweiliger Abend im nur mäßig besetzten Max Nachttheater. Wer den direkten Vergleich zum hiesigen Auftritt von Kärbholz hat, erkennt die wichtigen Unterschiede. Beides hat seinen eigenen Reiz, den Haudegen würde eine kleinere Lokation vielleicht gut tun und über die Spieldauer sollte auch noch mal nachgedacht werden.

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