Hoflärm Backyard Session am 15.08.2020 // Ausverkauft

Daily Thompson, Swan Valley Heights, Vvlva & Astral Kompakt rocken die Backyard Version

Bands: Daily Thompson, Swan Valley Heights, Vvlva, Astral Kompakt

Ort: Obersalterberger Hof 1, 57577 Marienthal

Datum: 15.08.2020

Kosten: 25 Euro / Ausverkauft

Genre: Stoner Rock, Hard Rock, Heavy Rock, Heavy Metal, Retro Rock, Proto Metal

Besucher: 150

Veranstalter: Heinzelmännchen Hofcafe

Link: https://www.facebook.com/events/776523203091036

Setlisten


  1. Der Trubel Rollt
  2. Fundament
  3. Doomood
  4. Ode An Die Spule
  5. Kleinod / Hitzschlag
  6. Auszeit
  7. Mabilis
  8. Das Verhältnis
  9. Weltwitschie
  10. Halb So Wild
  11. Levitas

  1. Cosmic Pilgrim
  2. What Do I Stand For
  3. Hobos
  4. Night By Night
  5. Gomorrha
  6. Shaking Bones
  7. 13. Winter
  8. Cryptic Faith
  9. Dieb Der Seelen
  10. Path Of Virtue
  11. Black Sands

  1. Teeth and Waves
  2. Alaska
  3. My First Knife Fight
  4. The Heavy Seed
  5. Caligula Overdrive
  6. River

  1. So Cold
  2. Sad Frank
  3. On My Mind
  4. BML
  5. Half T.
  6. Slow Me
  7. Stone Rose
  8. Cosmic
  9. Awake
  10. Spit Out

Am 16.08.2019, also fast auf den Tag genau ein Jahr her, kam es in Marienthal bei Hachenburg zur ersten Neuauflage der Hofrock-Konzerte. Ziemlich schnell Sold Out war das eintägige Festival auf den Höhen des Westerwaldes ein voller Erfolg (hier geht es zum Festivalbericht).

Dies sollte dieses Jahr mit einem zweitägigen Festival mit einigen nationalen und internationalen Topacts getoppt werden. Wie wir alle wissen, hat Corona auch diesem Festival leider einen Strich durch die Rechnung gemacht! Das eigentliche Hoflärm Open Air wird nun in der geplanten Form 2021 stattfinden.

Dem Veranstalterteam um Caspar und Reiner Orfgen ist es jedoch kurzfristig gelungen, einen Ersatz auf die Beine zu stellen. Unter strenger Einhaltung der aktuellen Corona-Richtlinien wird in diesem Jahr das Hoflärm Backyard an gleicher Stelle durchgeführt. Mit großer Freude wurde dies bei den Fans aufgenommen und das limitierte Kontingent von 150 Tickets war schnell weg.

Ich darf erneut für Time For Metal auf den Höhen des Westerwaldes dabei sein. Das Hoflärm Backyard ist für mich in diesem Jahr der Open Air Auftakt (mal schauen, ob da überhaupt noch was in diesem Jahr kommen wird).

Pünktlich mit Kollege Alex vom Rhein aus auf die Socken gemacht. Eine Stunde Fahrt durch die Höhen und Tiefen des Westerwaldes stehen uns bevor, die wir für das Hoflärm Backyard sehr gerne in Kauf nehmen, da uns dort heute gleich vier hervorragende nationale Acts aus der Rock und Stoner Szene erwarten.

Bei uns im Koblenzer Raum gab es heute einige schwere Unwetter mit Gewitter. Desto weiter wir in den Westerwald vorrücken, umso klarer wird es: Hier hat es bisher nicht geregnet und das Wetter ist toll.

Früh genug treffen wir auf dem Hof in Marienthal an. Einige Leute befinden sich bereits am Eingang. Auch Volker von den Rockfreaks Siegen ist da, den begrüßen wir natürlich freudig. Volker dürfte einer großen Stoner-Fangemeinde ja bestens bekannt sein, denn er kündigt auf dem Freak Valley in Netphen die Bands mit dem Standardsatz „Liebe Freunde“ an. „Liebe Freunde“ steht auch auf seinem Nasen- / Mundschutz. Den hat extra seine Schwester für ihn genäht!

Nasen- / Mundschutz ist natürlich heute ein Thema, denn das Hoflärm Backyard findet unter Corona-Bedingungen statt. Das heißt: Wenn man auf dem Festivalgelände unterwegs ist, hat man diesen zu tragen. An den zugewiesenen Bereichen (Sitzgelegenheiten oder urigen Stehtischen) kann man diesen abnehmen.

Das heißt für mich, dass ich den Nasen- / Mundschutz beim Fotografieren vor der Bühne tragen muss, ebenso, wenn ich mir ein Bier holen möchte. Das klappt auch recht gut bei den restlichen Fans, da man sich schnell daran gewöhnt hat.

Dieses Jahr hat man als Festivalground den Bereich hinter dem Hof genommen. Letztes Jahr befand sich dieser vor dem Hofcafé. Es schließt sich eine ellenlange Wiese an, die man als Campground hätte nehmen können. Das war wohl auch beim regulären Festival so geplant. Dies bestätigt mir Caspar Orfgen später.

Ziemlich viele bekannte Gesichter laufen heute hier auf dem Hof rum. Einige Fans, die wir vom Vortex Music Surfer in Siegen, dem Freak Valley Netphen oder gar vom Desertfest Berlin her kennen. Da werden einige Leute von uns natürlich persönlich begrüßt. Die Aufenthaltsmöglichkeiten auf dem Festivalground sind recht großzügig (eben nach Corona-Bedingungen) verteilt. Alex und ich stellen uns an einen urigen Stehtisch, einem Scheunentor auf Pfählen befestigt. Der ist absolut fest im Boden verankert und man kann sich schön dagegenlehnen.

Die ersten Westerwälder Kaltschalen sind bereits getrunken und der musikalische Teil beginnt. Heute wird jede Band von einem Duo angekündigt. Den letztjährig hier Anwesenden wohlbekannt sind dies Sängerin Katharina Heldt und Schlagzeuger Carsten Krohn von den Kölnern Galactic Superlords.

Den Abend eröffnen die Kölner Astral Kompakt. Astral Kompakt spielen noch im hellen Abendlicht. Ohne Lichtshow geht das hier zugange. Dafür wälzt sich die Mucke des Trios über die Bühne zu den Wiesen in einem großartigen schweren fuzzigen Stoner/Doom Gewand. Rein Instrumental gibt es von Astral Kompakt gewaltig etwas auf die Nüsse. Das Trio ist erst seit 2017 unterwegs, eine EP steht zu Buche. Ein Album soll in diesem Jahr wohl noch folgen, so sagte man mir jedenfalls am Merchstand.

Die Titel der Songs der Band geben einiges wieder. Der Trubel Rollt gleich zu Beginn an, das Fundament für den schweren instrumentalen Stoner Sound ist schnell gelegt, bevor man in einem Doomood ist. Ohne Hitzschlag gibt es hier auf dem Hoflärm keine Auszeit. Das Verhältnis ist gut, denn alles ist Halb So wild. Das war jetzt ein kurzer Abriss der Setliste des Kölner Trios. Toller Auftakt der Jungs, der zeigt, dass es in Köln weit mehr als nur Karneval gibt.

Der Sound hier auf dem Hoflärm ist übrigens ausgezeichnet (war er bereits im letzten Jahr schon). Zu verdanken haben wir das Falko, dem Bassisten von Sarkh. Der wird übrigens nächste Woche hier auch bei Pizza.Beer & Music mit seiner Band live dabei sein. Das Event ist bereits ausverkauft.

In der Umbaupause wird, wie gewohnt, gefachsimpelt. Ich unterhalte mich mit Caspar Orfgen, der das Ganze hier mal wieder ausgezeichnet organisiert hat. Für den heutigen Ablauf kann man ihm nur gratulieren.

Weiter geht es mit der Aschaffenburger Kombo Vvlva. Vvlva unterscheiden sich schon an der Schreibweise von der englischen Techno Band, oder der Hannoveraner Sludge Band, denn die werden Vulva geschrieben. Trotzdem reizen Vvlva immer wieder zu Wortspielen. Ich könnte jetzt zur Beschreibung fortführen: Die Musik von Vvlva erstreckt sich über den Venushügel des Westerwaldes …. Aber lassen wir das. Vvlva setzen auf Classic Rock der späten Sechziger/frühen Siebziger. Etwas Heavy Psych Rock und Krautrock würzen die Songs. Hier und da ist auch ein Song mit deutschen Text dabei. Markant ist dabei ihr Retro-Orgelsound. Bei dem Quintett ist jetzt natürlich etwas mehr Bewegung auf der Bühne. Frontmann und Sänger Tobias Ritter macht das richtig locker und flockig. Dies, obwohl es bisher wegen Corona kaum Proben (und Auftritte ja sowieso) nicht gab. Das verrät er mir im Anschluss nach dem Gig. Während Gitarrist Philipp Muschal stoisch tolle Gitarrensoli performt und dabei ebenso cool wirkt wie Bassist Dr. Michael Hock und Schlagzeuger Julian Rocco Lepore im Hintergrund, geht an den Keys Christian Karl richtig ab. Songs der beiden Alben Silhouettes und Path Of Virtue stehen auf der Setliste. Tolle Show der Aschaffenburger, die, wie die anderen Bands auch, anschließend am Merchstand stehen.

Weiter geht es mit den Münchenern Swan Valley Heights. Aus dem Death Valley von München, welches neben solchen Bands wie Colour Haze (können wohl als die Münchener Urstoner schlechthin betrachtet werden) und Dune Pilot schon einige tolle Stoner Bands hervorgebracht hat, kommen Swan Valley Heights. Das Trio scheint die Gunst der Stunde wirklich nutzen zu wollen und wirbelt hier mit seinem Sound doch mächtig Staub auf. Verlangsamte Hardrock-Gitarrenriffs treffen auf ein schleppendes Schlagzeug und einen rollenden Bass. So beschreiben sie ihre Mucke selbst. Und ja, das beschreibt es richtig gut. Bass und Schlagzeug bilden die Grundlage, auf der sich Gitarrist und Sänger David Kreisl bewegt und auch austobt. Kein monotones Geschrammel, was manchmal dem einen oder anderen Stoner Altmeister nachgesagt wird. Nein, Swan Valley Heights bieten da schon eine coole Abwechslung, passend zur trockenen Hitze des Westwood Desert hier in Marienthal. Die Songs sind vom Album The Heavy Seed. Ok, der Festivalground ist noch grün, aber Sand könnte man sich doch gut dazu vorstellen. Am Ende des Gigs wird die Bühne richtig zerlegt. David Kreisl lässt es richtig krachen und performt ausgestreckt liegend auf den Brettern der Bühne.

Apropos Bühne. Die ist eine Art Eigenbau und gut gemacht. Das Schlagzeug steht auf einem Traktoranhänger hinter der eigentlichen Bühne, wenn ich das richtig gesehen habe. Das ist aber so gestellt, dass das kaum auffällt. Beim Gig von Swan Valley Heights ist es schon dunkel. Eine spezielle Lichtshow gibt es nicht. Nur ein paar lilafarbene Lichter erleuchten die Musiker. Eine Lichtshow braucht es auch eigentlich gar nicht, denn hier spricht die Musik für sich!

In der Umbaupause treffe ich endlich Reiner Orfgen, nach dem ich zwar den ganzen Abend bereits Ausschau gehalten habe, ihn nun aber erst wahrnehme. Der ist natürlich ganz stolz, dass das heute so toll abläuft. Das kann er auch. Herzlichen Dank an die Organisatoren nochmals an dieser Stelle!

Nun kommt der Topact des heutigen Abends. Die Olympiasieger des rockigen Zehnkampfes: Daily Thompson. Pardon, der Olympiasieger und Star im Zehnkampf heißt Daley Thompson. Ok, flach!!! Aber das sind halt die Wortspiele, die bei dieser Band immer wieder gemacht werden. Daily Thompson, das Trio aus Dortmund, begeistert seit 2013 mit einem Mix aus Grunge, Blues, Garage und Indierock die Fangemeinde. Fett und Heavy schleudern sie den Fans ihre Mucke um die Ohren.

Kaum zu beschreiben, was das Trio da auf der Bühne macht. Das funkt jedenfalls von der ersten Sekunde an. Da rücken dann doch eine Menge Fans von ihren Plätzen, um dem Trio Mercedes (Bass, Gesang), Danny (Gitarre, Gesang) und Matze (Drums) etwas näher zu kommen.

Daily Thompson, die unter anderem bereits auf dem WDR-Rockpalast aufgetreten sind und eine Menge Liveerfahrung haben, sind richtig Thursty (so einer der Albumtitel, mittlerweile sind es bereits vier). Das merken auch die Fans und feiern die Band ab. Das wäre jetzt unter normalen Bedingungen wohl ein totaler Abriss. Aber zu Zeiten der Pest und Cholera, sorry Corona, leider nicht. Bassistin Mercedes, die auch bei einigen Songs die Vocals übernimmt, wendet sich an die Fans und mahnt, die Abstandsregeln einzuhalten. Das ist zwar nicht schön, muss aber sein! Kurze Zeit kommt auch Veranstalter Reiner Orfgen auf die Bühne, mahnt die Fans freundlich,, aber bestimmend. So, jetzt sollten es alle kapiert haben, denn Caspar und Reiner Orfgen wollen schließlich die nächsten Jahre hier das Hoflärm noch weiter fahren.

Ja klar, es ist halt sehr schwierig bei solch einer Mucke, wie Daily Thompson sie jetzt in das Publikum schleudern, einfach auf den Plätzen zu bleiben. Daily Thompson heben am heutigen Abend dermaßen ab, sie werden sogar interstellar. Ihr neues Album Oumuamua, nach dem im Jahr 2017 entdeckten gleichnamigen interstellaren Objekt benannt, haben sie heute am Merchstand dabei, obwohl es eigentlich nicht offiziell veröffentlicht ist. Natürlich werden davon einige Songs dargeboten und so kommt sogar noch eine Portion Spacerock dazu. Richtig spacig wird es mit Cosmic Cigar, einem ellenlangen Song.

Obwohl Daily Thompson ihren Gig mit So Cold begonnen haben, bleibt es ein warmer Sommerabend. Der Gig endet mit Spit Out. Ein genialer lauer Sommerabend in Marienthal findet sein würdiges Ende.

Fazit: Das ursprünglich geplante Hoflärm 2020 musste auf 2021 verschoben werden. Caspar und Reiner Orfgen hatten dann die geniale Idee mit der Backyard Session an gleicher Stelle eine schmalere Version unter Corona-Bedingungen auf die Beine zu stellen. Diese Backyard Version war dann wirklich der Knaller mit den vier hervorragenden Bands Daily Thompson, Swan Valley Heights, Vvlva und Astral Kompakt. Für die anwesenden Fans so was wie das Highlight des Jahres.

Caspar und Reiner, wir würden euch am liebsten um den Hals fallen. Geht ja leider nicht, aber das holen wir nach. Ein großer Dank geht an das Hoflärm nach Marienthal.

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