Kadavar – Rough Times

„Gute Musik in schweren Zeiten“

Artist: Kadavar

Herkunft: Berlin (Deutschland)

Album: Rough Times

Genre: Psychedelic Rock, Classic Rock, Stoner Rock

Spiellänge: 44:53

Release: 29.09.2017

Label: Nuclear Blast

link: http://www.nuclearblast.de/de/label/music/band/about/2893136.kadavar.html

Bandmitglieder:

Gesang / Gitarre – Christoph “Lupus” Lindemann
Bass – Simon „Dragon“ Bouteloup
Drums – Christoph “Tiger” Bartelt

Tracklist:

1. Rough Times
2. Into The Wormhole
3. Skeleton Blues
4. Die Baby Die
5. Vampires
6. Tribulation Nation
7. Words Of Evil
8. You Found The Best In Me
9.The Lost Child
10. À L’Ombre Du Temps

Da haben wir nun das vierte Album innerhalb von 7 Jahren der Berliner Psychedelic Rockband Kadavar mit dem Titel Rough Times.

Erschienen bei Nuclear Blast gibt es wieder einige exzellente Ausgaben für den Sammler. So ist das Album erhältlich als CD, CD Digi (mit dem Beatlescover Helter Skelter als Bonustrack), schwarzes Vinyl und als farbiges Vinyl (Orange / Blue bi-coloured)

Kadavar bauten sich im Januar 2017 in einem alten Fabrikgelände im Berliner Stadtteil Neuköln in Nähe der Sonnenallee ein neues eigenes Studio. Fertigstellung war im März. Gleichzeitig begannen sie mit dem Songwriting für das geplante neue Album, welches ca. 2 Monate in Anspruch nahm. Im Mai 2017 wurde dann Rough Times innerhalb von zwei Wochen aufgenommen, gemischt und gemastert. Das Besondere an der Aufnahme ist, dass das komplette Album auf einer 16 Spur Tonbandmaschine live aufgenommen wurde. Dabei wurde jeder Song maximal dreimal aufgenommen und schließlich wurden für das Album die besten Takes genommen.

Was dabei herausgekommen ist, ist aus meiner Sicht ein starkes Stück authentischer Stoner Rock mit einigen psychedelischen Einflüssen. Eine Platte, die zwar dem Retro Rock frönt, jedoch eine volle Dröhnung eigenständiger Kadavar Rock darstellt. Mit dem Album Rough Times haben es Kadavar geschafft, zu den Großen in diesem Genre zu gehören.

Rough Times steht für mich ganz in Tradition der späten Sechziger und der frühen Siebziger. Für mich persönlich die kreativste Schaffensphase in der Musik. Dazu passend ist die bereits oben erwähnte Aufnahmetechnik. Hier kracht und röhrt es wunderschön. Wenn man die Augen schließt, fühlt man sich in die Siebziger zurückversetzt.

Der gleichnamige Titelsong Rough Time prescht regelrecht los und führt krachend in das Album ein. Es wird verzerrt und es kracht aus den Boxen. Fans, stellt euch auf schwere Zeiten ein. So beginnt auch der zweite Song Into The Wormhole, der im weiteren Verlauf aber doch einen recht eingängigen Refrain erhält und ein spaciger Ohrwurm wird.

Die Baby Die ist so was wie ein grooviger und dreckiger Stoner. Der Song erinnert mich ein wenig an die frühen Monster Magnet, jedenfalls was ganz anderes wie die vorangegangenen Songs.

Einige Songs erinnern an die frühen Black Sabbath. Hier nenne ich man exemplarisch die Songs Skeleton Blues und Words Of Evil. Dies aber nie im Stile einer Black Sabbath Cover / Tribute Band, sondern eben Kadavar authentisch. Das muss man schließlich mal so hinbekommen: Authentisch zu wirken und doch echte Klassiker irgendwie in den eigenen Songs zu verarbeiten. Und das machen sie so überzeugend, dass man wirklich annehmen kann, dass es ihnen wirklich egal ist, welche musikalische Richtung zurzeit angesagt ist. Gerade das ist es, was dabei rüber kommt: Kadavar machen ihr Ding und lassen sich nicht bevormunden.

Typischen Spacerock gibt es mit Tribulation Nation, während wir psychedelische Anklänge beim orgelgeschwängerten The Lost Child hören. Krautrock lässt grüßen. Der dann folgende Song You Found The Best In Me führt uns wieder zurück in das glückselige Love und Peace der Hippies.

Mit dem letzten Song À L’ombre Du Temps konnte ich ehrlicherweise zunächst nichts anfangen. Ich stellte mir wirklich die Frage: Was soll das jetzt? Lückenfüller oder was!? Nach mehrmaligem Hören gefällt er mir aber immer besser. Zunächst habe ich mich mit dem französischen Text schwergetan. Vielleicht war es das, womit ich mich zunächst schwertat. Aber dann gefiel mir die Soundcollage im Hintergrund immer besser. Mittlerweile kann ich mir diesen Song gut als Soundtrack für einen französischen Schwarz-Weiß Film vorstellen. Gerade dieses Stück beweist nochmals die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Kadavar. Sie machen halt das, was sie wollen bzw. mögen. Sie können es sich erlauben für sich und ihr Album künstlerische Freiheit zu beanspruchen.

Fazit: Tolles Stoner / Classic Rock Album mit psychedelischen Einflüssen. Absolutes Muss für die Vintage Fans. Obwohl von den Siebzigern stark beeinflusst, behalten sich Kadavar ein großes Stück Authentizität. Kadavar sind nicht nur irgendeine Retroband. Kadavar sind unverkennbar Kadavar und dies zeigen sie in ihrer musikalischen Eigenständigkeit.

Anspieltipps: Rough Times, Skeleton Blues und Words Of Evil
Juergen S.
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