King Diamond auf „European Tour 2025“ am 10.06.2025 im Schlachthof, Wiesbaden

Eine königliche Show

Event: King Diamond – European Tour 2025

Bands: King Diamond, Paradise Lost, Angel Witch

Ort: Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden e.V., Murnaustr. 1, 65189 Wiesbaden

Datum: 10.06.2026

Kosten: VVK 66,60 €, AK 69 €

Zuschauer: ca. 1200

Genre: Heavy Metal, NWoBHM, Dark Metal, Gothic Metal

Link: https://schlachthof-wiesbaden.de/

Setlist King Diamond:

  1. Arrival
  2. A Mansion In Darkness
  3. Halloween
  4. Voodoo
  5. „Them“
  6. Spider Lilly
  7. Two Little Girls
  8. Sleepless Nights
  9. Out From The Asylum
  10. Welcome Home
  11. The Invisible Guests
  12. The Candle
  13. Masquerade Of Madness
  14. Eye Of The Witch
  15. Burn
  16. Abigail

Seitdem die Festivalsaison 2025 steht, geistern zwei Namen durch die Köpfe der Metalheads. Der eine ist Savatage, die zwei Konzerte in Deutschland absolvieren (hier nachzulesen). Der andere Name ist Kim Bendix Petersen und sein Gefolge. Immerhin gibt es vier Shows in deutschen Clubs, dazu noch Tilburg, das vom Westen ebenfalls gut erreichbar ist. Anscheinend ist das Potenzial von King Diamond damit ausgeschöpft. Kaum eine Location meldet ausverkauft. Das verwundert, da King Diamond nicht jedes Jahr durch Deutschland touren. Klar, die Termine sind unter der Woche, aber auch die Wochenenden in Oberhausen oder Ludwigsburg melden freie Kapazitäten. Sei es drum, die Fans, die sich Tickets besorgt haben, wissen, warum es heute nach Wiesbaden geht.

Das Wetter hat sich gegenüber Pfingsten deutlich verbessert. Herbst ist nicht mehr, eher Frühjahr und mit um die 20 Grad eigentlich alles perfekt. Ab frühem Nachmittag trudeln die ersten Metalheads am Schlachthof in Wiesbaden ein. Der Komplex nennt sich Kulturzentrum Schlachthof, in dem ein Biergarten genauso zu finden ist wie eine zweite Location, in der heute eine weitere Metalband aktiv ist. Ab 17 Uhr öffnet der Biergarten, in dem je nach Wahl noch ein Kaffee zum Wachwerden oder ein Bier für die Stimmung genossen wird. Um 18:30 Uhr beginnt der Einlass in die Halle, die eine Kapazität zu bis 3.000 Menschen bietet. Dann platzt die Hütte aber aus allen Nähten. Heute ist das nicht der Fall, im Gegenteil. Lockeres Stehen und Headbangen sind angesagt. Ab 19 Uhr gibt es Livemusik mit einer Legende der NWoBHM.

Angel Witch – Schlachthof, Wiesbaden – 2025

Angel Witch machen den Anfang und bekommen gerade einmal eine knappe halbe Stunde und nur ein Teil der Bühne und der Anlage. Das ist vom Management des King unwürdig. Ohne das Album Angel Witch aus dem Jahr 1980 und dem Sänger Kevin Heybourne wären viele musikalische Entwicklungen so nicht möglich gewesen.

Als Opener leiden Angel Witch besonders unter den Anfangsschwierigkeiten und Atlantis geht unter wie die gleichnamige Stadt. Mit White Witch kommen Band und Sound immer besser in Fahrt, sodass Angel Of Death und der Übersong Angel Witch entsprechend gut ankommen und Publikum und Band so langsam auf Betriebstemperatur sind. Da legt das Quartett die Instrumente schon an die Seite. Schade, jetzt, wo alles richtig gut läuft, ist bereits Schluss.

Circa 15 Minuten Umbaupause und die nächste Band. Das sind Paradise Lost, die genauso wie Angel Witch nur auf dem vorderen Teil der Bühne agieren und auch nur einen Teil der Soundanlage zur Verfügung haben. Dass Paradise Lost musikalisch einiges draufhaben, steht außer Frage. Wenn aber selbst Sachen wie Enchantment vom Erfolgsalben Draconian Times und der Titeltrack One Second nicht zünden, dann passt was nicht. Klar, zum einen sind King Diamond-Fans nur bedingt die Menschen, die mit der Gothic Szene und Paradise Lost steil gehen. Aber so lustlos und regelrecht unmotiviert kommen Nick Holmes und Co. selten rüber. Dazu ist die Lightshow eher auf möglichst „nicht gesehen werden“ geeicht. Nebelmaschine auf Anschlag, dazu violett, rot und dunkles Blau als Licht. Da helfen auch Embers Fire und Say Just Words nichts. Technisch ist das alles gut gespielt, nur will der Funke nicht überspringen. Da war bei Angel Witch zum Ende deutlich mehr los als bei Paradise Lost. Es gibt Bands, die können perfekte Alben aufnehmen, sind live aber nicht ganz so stark. Gleiches gibt es auch genau umgekehrt. Paradise Lost scheinen zur ersten Kategorie zu gehören.

King Diamond – Schlachthof, Wiesbaden – 2025

Umbaupause, und die dauert etwas länger. Ein Vorhang verhindert die Sicht auf das Geschehen. Uriah Heep sind mit The Wizard das Erkennungszeichen. Mit dem Ende des Tracks fällt der Vorhang und der King ist angekommen. Er hantiert mit einer Puppe auf dem Sarg von Abigail, die fachmännisch durchbohrt wird. A Mansion In Darkness eröffnet und die Saitenarbeiter Andy LaRocque und Mike Wead stehen auf den Treppen, während Matt Thompson auf der zweiten Ebene über allen thront und für den Rhythmus am Schlagwerk sorgt. Dazu wuselt Wolf-Bassist Pontus Egberg neben dem King und ist vor der ersten Minute sehr agil. Hel Pyre, eventuell bekannt von Nervosa, steht an den Keyboards und ist die zweite Stimme neben King Diamond. Dazu gesellt sich eine Tänzerin, die sich mit dem King im Laufe der Show das eine oder andere Scharmützel liefert.

King Diamond – Schlachthof, Wiesbaden – 2025

Der Sound ist ein völlig anderer als bei den Vorbands, ebenso ist die Lightshow eine ganz andere. Bereits mit den ersten Tönen geht es vor allem in den vorderen Reihen mächtig ab. Nach dem ersten Track stellt der King seine Mitstreiter vor, wobei erwartungsgemäß Andy LaRocque kräftig abgefeiert wird und es fast fließend zu Halloween übergeht. Die Fans heben bis in die hinterste Ecke ihre Fäuste in die Luft und der King entfaltet seine Faszination mit ständig wechselnden Stimmlagen und der dazugehörigen Show. Als der King die oberste Ebene der Bühne erklimmt und quasi von der Hallendecke über dem Drumset grüßt, geht ein großes Raunen durch den Schlachthof. Der Herr wird in ein paar Tagen 69 Jahre – jung? Auf jeden Fall gibt es weit jüngere Menschen, die ohne Montur und Mikrofon mehr Probleme hätten, die Sprossen zum Dach des Bühnenaufbaus zu erklimmen. „King“-Sprechchöre würdigen das Geschehen auf der Bühne.

King Diamond – Schlachthof, Wiesbaden – 2025

Der King selbst leitet gemeinsam mit Einspielungen zu jedem Stück ein. Von „Them“ geht es zu Spider Lilly, die entsprechend verkleidet auf der Bühne herumspringt. Highlights? Davon hat der King einiges auf Lager, zum Beispiel die beiden Puppen, erneut von der hervorragend agierenden Tänzerin bedient, die sich gegenseitig bekriegen, bevor der King zur schlaflosen Nacht überleitet. Hier zeigen sich die Vorteile, wenn genügend Platz in einer Location ist. So kann ohne Probleme die Mähne gewedelt und dem Bewegungsdrang freien Lauf gelassen werden. Klar, alles hat seine Grenzen, aber wie der King selbst, so ist auch sein Publikum eher gesetzt und zettelt keinen Moshpit an.

Der nächste schauspielerische Akt folgt mit Out From The Asylum und Welcome Home. Der King selbst sieht aus wie Einstein Senior und schiebt die als ältere Dame verkleidete Tänzerin mit einem Rollstuhl über die Bühne.

King Diamond – Schlachthof, Wiesbaden – 2025

Das Ganze gipfelt in einem Techtelmechtel, bei dem der King die ältere Dame von der Bühne verjagt. Auf großes Kino der Schauspielkunst folgt große Musik mit Welcome Home. Allein diese Darbietung hätte eine proppenvolle Location verdient. Was die Saitenfraktion abliefert, ist bärenstark, dazu die verschiedenen Stimmfarben des King und der Backgroundsängerin Hel Pyre – viel mehr geht nicht.

Zum Ende wird es kompakter, obwohl der King immer wieder mit dem Publikum interagiert und auch sonst sehr gesprächig und nahbar rüberkommt. Eye Of The Witch darf Hel Pyre ankündigen, nachdem der King intensiv die Frage mit dem Publikum geklärt hat, was als Nächstes gespielt werden soll. Burn ist der Schlusspunkt des Hauptteils, bevor die Bühne für den Abschluss kurz auf Dunkel gestellt wird. Jeder Fan in der Location weiß natürlich, was das Finale sein wird. Trotzdem ist der Jubel groß, als die ersten Töne von Abigail erklingen. Ein mehr als würdiger Abschluss unter einer knapp 100-minütigen Show, die zu den bärenstarken Gigs des Jahres 2025 gehört.

King Diamond – Schlachthof, Wiesbaden – 2025

Zum Running Gag gehört die Ankündigung eines neuen Albums, ja sogar einer Trilogie und einer Tour und keine Ahnung was sonst noch. Erfreuen wir uns einfach an den starken Gigs von King Diamond anno 2025 und schauen mal, was in der Zukunft passiert.

Noch einige Worte zur Location. Das Kulturzentrum Schlachthof feierte vergangenes Jahr seinen 30. Geburtstag. Dazu gibt es sogar ein Buch mit vielen Geschichten. Wer sich in Richtung der Toiletten begibt, sollte einen Blick auf die Wände werfen. Hier ist die Künstlerschaft vermerkt, die in den vergangenen 30 Jahren die Bühnen im Kulturzentrum Schlachthof bearbeitet hat. Eine tolle Idee, und bei den vielen Namen, die dort zu finden sind, zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine Location für kleine und mittelgroße Bands ist. Die Liste ist eine wahre Fundgrube, nicht nur für Menschen, die mit dem Kulturzentrum Schlachthof eine lange Geschichte verbindet.