L.A. Guns – The Devil You Know

Nach 30 Jahren zurück in der Spur

Artist: L.A. Guns

Herkunft: Los Angeles, USA

Album: The Devil You Know

Spiellänge: 50:33 Minuten

Genre: Glam Rock, Sleaze Rock, Hard Rock, Rock, Punk Rock, Classic Rock

Release: 29.03.2019

Label: Frontiers Records

Link: https://www.lagunsmusic.com

Bandmitglieder:

Gesang – Phil Lewis
Gitarre – Tracii Guns
Gitarre – Ace Von Johnson
Bass – Shane Fitzgibbon
Schlagzeug – Steve Riley

Tracklist:
01. Rage
02. Stay Away
03. Loaded Bomb
04. The Devil You Know
05. Needle To The Bone
06. Going High
07. Gone Honey
08. Don`t Need To Win
09. Down That Hole
10. Another Season In Hell
11. Boom (Bonus)

Wenn man heutzutage versucht, die Geschichte einer Band zurückzuverfolgen, dann ist das dank des Netzes nicht sonderlich schwer. Ein paar Clicks und man hat für gewöhnlich alle gewünschten Infos. Versuche ich das allerdings bei den L.A. Guns, so löst schon der Gedanke daran Schweißperlen auf meiner Stirn aus. Bei einer Band, deren Gründung in den 80ern liegt, erwarte ich natürlich nicht, dass die Jungs heute noch in Originalbesetzung unterwegs sind. Auch eine zwischenzeitliche Bandauflösung ist nach so vielen Jahren nicht unüblich, doch solch ein Netzwerk aus Umbenennungen, Besetzungswechseln und Bandauflösungen und Re-Starts habe ich noch bei keiner anderen Band erlebt.

Gegründet wurden die L.A. Guns bereits 1983 in der Besetzung Tracii Guns (Guitar), Rob Gardner (Drums), Ole Beich (Bass) und Ex-Rapidfire Sänger Axl Rose (Vocals). Rose verließ die Band jedoch schon vor den Aufnahmen zum ersten Demo wieder und gründete die Skandalkombo Hollywood Rose. Sein Nachfolger am Mikro wurde Michael Jagosz, mit dem man dann ein erstes Demo aufnahm. Kurz darauf schlossen sich jedoch die beiden Bands L.A. Guns und Hollywood Rose zusammen und in der Besetzung Axl Rose (Vocals), Tracii Guns (Guitar), Rob Gardner (Drums), Duff McKagan (Bass) und Izzy Stradlin (Guitar) nannte man sich fortan Guns n’ Roses. Nachdem Tracii Guns relativ schnell durch Saul Hudson alias Slash ersetzt wurde, gründete er die L.A. Guns erneut. Mit neuer Besetzung sorgte man auf dem Sunset Strip für einigen Wirbel und konnte das Interesse der Labels wecken, doch vor den Aufnahmen zum Debütalbum L.A. Guns im Jahr 1988 wechselte die Besetzung erneut. Hier nun jeden Wechsel aufzuführen würde jeglichen Rahmen sprengen, denn direkt nach der Veröffentlichung drehte das Bandkarussell erneut. Die Band wurde neben Guns n’ Roses Teil einer neuen Rockgeneration und sorgte für großes Aufsehen. Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre feierten die L.A. Guns große Erfolge mit ihrem Debüt und dem Nachfolgealbum Cocked And Loaded. Die Single The Ballad Of Jane avancierte zum größten Hit und bescherte dem Chaotenhaufen ein Goldalbum. Auch Hollywood Vampires konnte noch überzeugen, doch ab den 90er-Jahren folgte dann ein undurchdringlicher Nebel aus Bandauflösungen und Besetzungswechseln und die L.A. Guns setzten in diesem Punkt völlig neue Maßstäbe. Es folgten regelmäßig weitere Alben mit ständig wechselnden Sängern, darunter auch Ex-Love/Hate Fronter Jizzy Pearl, doch an die ganz großen Erfolge konnte man nicht mehr anknüpfen. Die Band geriet immer mehr in unruhiges Fahrwasser, veröffentlichte halbgare Alben und machte nur noch durch Besetzungswechsel, Bandauflösungen und rechtliche Streitigkeiten auf sich aufmerksam. Anfang des neuen Jahrtausends gab es sogar zeitweilig zwei verschiedene Bands unter dem Namen L.A. Guns. Erst als die beiden Streithähne Tracii Guns und Phil Lewis ihren Kleinkrieg einstellten und erneut die Band reformierten, legte sich der große Nebel etwas. Mit The Missing Peace lieferten sie 2017 wieder ein ordentliches Album ab und konnten bei Kritikern endlich wieder punkten. Das Album kam der lockerlässigen Gangart, mit der man Ende der 80er Erfolge feierte, recht nahe.

Nun liegt mit The Devil You Know der nächste Longplayer der wiedervereinigten Skandalnudeln vor und man muss beweisen, dass man tatsächlich wieder in der Spur ist – dass The Missing Peace vor zwei Jahren kein einmaliger Erfolgsausrutscher war. Der Opener Rage knallt gleich zu Beginn mit ordentlicher Punk Schlagseite aus den Boxen. Es wird gleich ein zackiger Takt vorgelegt, der dem Album zum Kickstart verhilft, jedoch wird der Sleaze Anteil hier völlig außer Acht gelassen. Die L.A. Guns der Neuzeit kommen rotzfrech und frisch daher. Nach dem punkigen Einstieg besinnt man sich in Stay Away, das sofort an die Frühwerke der Band denken lässt. Zwar wird auch hier der Hair Metal Anteil etwas zurückgefahren, dafür ist die Nummer mit ein paar coolen Riffs ausgestattet, die so auch durchaus von Aerosmiths Joe Perry stammen könnten. Der Song balanciert zwischen klassischen Sleaze und metalastigem Rock und man hört viele Einflüsse der frühen Rockgeschichte, wie z.B. von Led Zeppelin oder Black Sabbath heraus. Das leicht bluesig angehauchte Loaded Bomb ist ein erstes Highlight, eine starke Rocknummer mit Rock ’n‘ Roll Einschlag und treibendem, lässigem Rhythmus, der sich sofort zwischen den Ohren eingräbt. Mit dem Titeltrack The Devil You Know folgt gleich das nächste Highlight. Die bis dato härteste L.A. Guns Nummer überhaupt, die von einem schwerfälligen, harten Tony Iommi Gedächtnisriff getragen wird und düstere, starke Metalschlagseite aufweist. Black Sabbaths Heaven & Hell lässt grüßen. Mit angestaubtem 80er-Flair hat das alles nichts zu tun, was aber bei der komplett umstrukturierten Band auch nicht zu erwarten war. Auch Needle To The Bone eignet sich gut, um sich einen Eindruck zum Album zu verschaffen. Eine ziemlich markante Hookline sorgt für Wiedererkennungswert. Hier geht es etwas schneller, jedoch zeitgleich softer und gewohnt sleazig zur Sache, ganz ähnlich ist dann auch das extrem groovige Don`t Need To Win gestrickt. Hier wird auch sehr schön mit bluesigen Elementen gespielt. Going High ist von einem dunklen Hauptriff geprägt und tritt etwas auf die Tempobremse, während bei Gone Honey purer grooviger Rock ’n‘ Roll angesagt ist. Einziger wirklicher Aussetzer ist meiner Meinung nach Down That Hole, welches nichtssagend vor sich hin plätschert. Eine obligatorische Ballade ist mit Another Season In Hell vertreten, wenn sie auch, passend zur Thematik, im Vergleich zu den üblichen Herz/Schmerz Metal Ballads etwas härter und ruppiger ausfällt. Als Bonustrack und Rausschmeißer gibt es Boom auf die Ohren, eine extreme Rocknummer mit geilem Gitarrensolo und perfekt zum Mitgrölen. Die Nummer ist gemacht für die Bühne und die Band zeigt zum Schluss noch einmal, dass sie auch nach 35 Jahren noch Biss hat.

Fazit
Mit The Devil You Know zeigen die Amis, dass sie auch im gehobenen Alter durchaus noch in der Lage sind, ordentlich abzuliefern. Im Vergleich zum Vorgänger konnte man noch einmal eine Schippe drauflegen. Das Album überzeugt mit abwechslungsreichen Songs, großartigen Rhythmen, guten, prägnanten Riffs und hartem Beat. Die Texte bringen die nötige Attitüde. Die Songs klingen frisch, knackig und frech und mit The Devil You Know, Stay Away und dem punkigen Rage gibt es tatsächlich so etwas wie Ohrwürmer. Aufgrund vieler 70er-Jahre Rockelemente lässt sich das Album eher im Classic Rock als im Sleaze Rock ansiedeln. Leider lässt die Produktion etwas zu wünschen übrig, wodurch die Songs etwas an Durchschlagskraft verlieren. Mit dem teils rumpeligen, scheppernden Sound hat sich die Band selbst ihrer Möglichkeiten beraubt. Fans werden dennoch jubeln und auch Rock und Sleaze Fans werden hier voll und ganz zufriedengestellt.

Anspieltipps: The Devil You Know, Stay Away und Rage
Andreas F.7
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7
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