Longsound Festival am 27.06.2015 in Münster

“Ein Abend (fast) ohne Gesang“

Festivalname: Longsound Festival

Bands: Suntrigger, Planisphere, Cartographer, Eden Circus

Ort: Rare Guitar, Münster

Datum: 27.06.2015

Kosten: 7,00 € VVK, 9,00 € AK

Genre: Post Rock, Progressive Rock

Besucher: ca. 60 Besucher

Veranstalter: Rare Guitar (http://www.rareguitar.de/)

Link: https://www.facebook.com/events/967843843239430/

2015 06 27 - Konzertplakat neu

 

Setlisten:

 

  1. Intro
  2. Unbreakable
  3. Go Ahead
  4. Suntrigger
  5. Deep Black Sea
  6. 7 Deadly Sins
  7. Lost

  1. Weil Es Notwendig War
  2. Nautical Jaunt
  3. Ascona Part II
  4. The Future Needs Roots
  5. Porphyrogen

  1. Intro
  2. Anger
  3. We’ve Come A Long Way
  4. A Sea Of Sunshine
  5. Built With Blood And Fears And Tears
  6. Satao’s Bane
  7. Depression
  8. 17:04 – Now Yours, Not Ours, Not Mine

  1. Devoid Of Purpose
  2. A Shore Uncertainty
  3. A Desert In Between
  4. 101
  5. Her Lovely Hands Upon The Black Earth
  6. Comfort

Es gibt sie tatsächlich noch; diese Menschen, die so begeisterte Konzertgänger und selbst Musiker sind, dass ihnen das Konzertangebot in der Heimatstadt nicht reicht. Zumindest, wenn es um ihre Lieblingsgenres geht. Also hat sich in Münster genauso ein Enthusiast überlegt, dass es doch am besten wäre, selbst etwas auf die Beine zu stellen. In Münster gibt es zwar viele Bands, die dem Post Rock, dem Post Metal und dem Prog generell frönen, für die es aber nicht so viele Auftrittsmöglichkeiten gibt. Also flugs die Netze ausgeworfen, auf persönliche Empfehlungen gehört, mal selbst ein wenig recherchiert und unzählige Gespräche geführt. Der Veranstaltungsort war mit Rare Guitar ziemlich schnell gefunden. Dieser im Jahr 2007 eröffnete Shop, der sich nahe des Münsteraner Hauptbahnhofes befindet, verkauft hauptsächlich gebrauchte, aber auch neue, Gitarren, Bässe, Verstärker und Effekte und bietet auch einen Reparaturservice. Außerdem gibt es hier auch mit schöner Regelmäßigkeit kleine, aber sehr feine Veranstaltungen, die sich abseits des Mainstream und der großen Masse bewegen. Auch das jetzt zum ersten Mal stattfindende Longsound Festival bringt Bands zusammen, die bislang nur einem kleineren Kreis bekannt sind. Ich gehörte diesem Kreis bis zu diesem Abend nicht an, denn ich kannte nur Eden Circus, war aber sehr gespannt auf die drei anderen Bands. Die Anreise mit dem Auto verläuft problemlos, Parkplätze sind ebenfalls genug vorhanden, so dass ich also pünktlich auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs eintreffe und der Dinge harre, die da so kommen mögen. Das Wetter hat auch gehalten, so dass man sich schön draußen aufhalten und sehr nette Gespräche führen kann.

Wie schon geschrieben, handelt es sich bei Rare Guitar in erster Linie um einen Shop. Die überall an den Wänden hängenden Gitarren geben dem Raum, den ich dann kurz vor Konzertbeginn betrete, eine ganz eigene Atmosphäre. So etwas habe ich noch nicht gesehen! Beim Fotografieren komme ich zwar das ein oder andere Mal den guten Stücken etwas zu nahe, aber nach Konzertende hingen alle noch an ihrem Platz. 🙂

2015 06 27 - Gitarren an Wand 02 2015 06 27 - Gitarren an Wand 01

Los geht es um 20:00 Uhr mit der Band Suntrigger aus Münster. Gegründet im Jahr 2012 hat sich das Trio dem Post Rock verschrieben. Es steht zwar ein Mikrophon am Bühnenrand, aber einen Sänger gibt es nicht. Bis auf einige eingespielte Samples gibt es hier handgemachte Instrumentalmusik mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Teilweise erinnert mich das an Riverside, wobei die Musik von Suntrigger auf mich über die gesamte Dauer gesehen fast schon eine hypnotische Wirkung hat und ich mich leicht wie in Trance fühle. Daran ändern auch die gelegentlichen sehr energiegeladenen Parts nichts. Till, Marcel und Oliver wirken sehr professionell und spielen das vierzigminütige Set fast schon wie nebenbei und mit einer schlafwandlerischen Sicherheit. Viele Worte machen sie nicht, es gibt eine kurze Vorstellung mit Dank an die Organisatoren und die anderen Bands, das war es. Nach der Show ergibt sich aber durchaus die Gelegenheit zu einer sehr netten Unterhaltung.

2015 06 27 - Suntrigger 04 2015 06 27 - Suntrigger 01

Die folgende Band Planisphere aus Köln hat einen Mann mehr auf der Bühne, jetzt gibt es zwei Gitarren auf die Ohren, wobei Jens bei einem Song auch das Keyboard spielt. Über Bühnenerfahrung verfügen die fünf definitiv, denn seit der Gründung im Jahr 2011 hat man schon diverse regionale und überregionale Konzerte gespielt und im Jahr 2013 die Auszeichnung „Newcomer des Jahres“ erhalten. Wieder komplett ohne Gesang reißt mich die Vorstellung der Band komplett aus meinem tranceähnlichen Zustand, denn es geht hier wesentlich rockiger, progressiver, stellenweise auch aggressiver zu Werk. Bei dem teilweise fast schon wahnwitzigen Geschreddere kriege ich eine wahre Wohlfühlgänsehaut, andere Parts erinnern mich wiederum an die meist sehr ruhig gehaltenen Werke der britischen Band Enochian Theory. In einem sehr netten Gespräch nach der Show verrät mir der Bassist Andre, dass man derzeit dabei ist, das erste Studioalbum vorzubereiten. Hierfür soll eine Crowdfunding-Aktion gestartet werden, und wenn diese nicht 100 %ig erfolgreich ist, will man den Rest selbst beisteuern. So langsam dämmert es mir, dass ich hier wirklich von wahrhaften Enthusiasten umgeben bin, und mein Respekt wächst zunehmend.

2015 06 27 - Planisphere 03 2015 06 27 - Planisphere 02

Aus unserem Nachbarland Niederlande, genauer gesagt aus Tilburg, kommt die dritte Band des Abends. Mit Cartographer, die es seit dem Jahr 2010 gibt und die heute zum ersten Mal in Deutschland auftreten, stehen jetzt fünf Mann auf der Bühne, nun gibt es Vollverpflegung mit drei Gitarren, aber wieder ohne Gesang. Die Grundausrichtung ist ähnlich der von Planisphere, auf mich wirkt die Show von Cartographer aber, abgesehen von einigen sehr heftigen Ausbrüchen, etwas ruhiger. Allerdings sind die Jungs technisch noch etwas versierter, die Songs teilweise fast schon etwas „verfrickelt“, wobei das dem Hörspaß keinen Abbruch tut. Gleich zu Beginn der Show hält es einen der Gitarristen nicht auf der Bühne. So weit, wie die Kabellänge es zulässt, geht er auf das Publikum zu und spielt mitten im Raum. Im Laufe der Show findet er noch einen weiteren Mitstreiter, so dass dann plötzlich zwei Gitarristen vor anstatt auf der Bühne stehen. Die Show von Cartographer endet mit einem sich ständig steigernden Dauerton der drei E-Gitarren, der mir irgendwann fast die Trommelfelle zerfetzt. Gleichzeitig gehen vom Basston dermaßen heftige Vibrationen aus, dass ich das Gefühl habe, am nahe gelegenen Bahnhof fährt ein Güterzug vorbei. Wie die Jungs das gemacht haben, weiß ich nicht, aber die Pedaltrains, die jeder zu seinen Füßen hatte, bergen für mich sowieso viele Geheimnisse 😀 Auch mit den Jungs von Cartographer konnte ich dann noch ein sehr nettes Gespräch führen. Sie sind ebenfalls gerade mit den Arbeiten zum neuen Album beschäftigt, es wäre dann nach einer EP und einem Album das zweite Album, das veröffentlicht wird. Sie freuen sich auch sehr, heute hier spielen zu können, da es für sie grundsätzlich ziemlich schwierig ist, Konzerte auf die Beine zu stellen. Das ist in den Niederlanden nicht viel anders als hier in Deutschland, zumindest für die „kleineren“ Bands.

2015 06 27 - Cartographer 02 2015 06 27 - Cartographer 04

Und dann kommt gegen 23:00 Uhr die Band auf die Bühne, wegen der ich heute eigentlich hier bin. Bei Eden Circus gibt es auch Gesang, wobei es leider zu Beginn der Show kleinere technische Probleme gibt, so dass Siegmar am Mikrophon zunächst nicht so gut zu hören ist. Das wird aber dank des hervorragenden Mannes am Mischpult schnell behoben, und so komme ich zum Ende des Abends doch noch dazu, einige Songs des Debütalbums Marula, zu dem ich im vergangenen Jahr das Review schreiben durfte, auch einmal live zu genießen. Und genießen ist hier wirklich angesagt, denn Eden Circus schaffen es, die Songs auch live in der gleichen, wenn nicht sogar in einer größeren Intensität rüberzubringen. Siegmar am Mikrophon ist komplett im Gesang versunken, wechselt problemlos zwischen den verschiedenen Gesangsarten. Und wenn ich dann noch bedenke, dass Gitarrist Nils eigentlich Linkshänder ist, sein Instrument aber grundsätzlich mit der rechten Hand spielt, nötigt mir das doch mächtigen Respekt ab. Auch Eden Circus merkt man an, dass sie bereits über einige Bühnenerfahrung verfügen und sich, genau wie alle anderen Bands des heutigen Abends, trotzdem immer wieder freuen, vor Publikum spielen und dessen Reaktion sofort miterleben zu können. Aber auch dieser Auftritt geht viel zu schnell vorbei, um kurz vor Mitternacht verklingt der letzte Ton.

2015 06 27 - Eden Circus 10 2015 06 27 - Eden Circus 03

Und auch jetzt ergibt sich hier und da immer noch die Gelegenheit für ein mehr oder weniger langes Gespräch, denn alle Musiker sind nach wie vor anwesend. Genau diese Atmosphäre hat mich mittlerweile dazu gebracht, dass ich viel lieber auf diese kleinen aber feinen Konzerte bzw. Festivals gehe. Hier warten die Musiker nicht abgeschottet auf ihren Auftritt und verschwinden danach wieder hinter der Bühne, sondern sie stehen mittendrin und sind jederzeit ansprechbar. Sie freuen sich über Lob, können auch mit Kritik umgehen (wobei heute Abend keine Kritik nötig war) und erzählen manchmal auch einfach gern aus ihrem Leben. Da ich aber noch eine einstündige Heimfahrt vor mir habe, muss ich mich dann leider doch verabschieden. So viel Instrumentalmusik wie heute habe ich bislang nur in meiner Mike-Oldfield-Phase gehört, aber die Reise nach Münster hat sich definitiv gelohnt. Ich hoffe, dass sich dieses Festival etablieren und wachsen kann und werde gern auch weiterhin meinen kleinen Beitrag dazu leisten.

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