Lord Dying – Mysterium Tremendum

Der musikalische Nahtod führt zu einem ungeheuren Album

Artist: Lord Dying

Herkunft: Portland, Oregon (USA)

Album: Mysterium Tremendum

Genre: Sludge Metal, Prog Metal

Spiellänge: 48:57 Minuten

Release: 26.04.2019

Label: eOne / SPV

Link: https://lorddying.bandcamp.com/

Bandmitglieder:

Gitarre, Gesang – Erik Olson
Gitarre – Chris Evans
Bass – Matt Price
Schlagzeug – Chase Manhattan

Tracklist:

1. Envy The End
2. Tearing At The Fabric Of Consciousness
3. Nearing the End Of The Curling Worm
4. The End Of Experience
5. Exploring Inward (An Unwelcome Passenger)
6. Severed Forever
7. Even The Darkness Went Away
8. Freed From The Pressures Of Time
9. Lacerated Psyche
10. Split From A World Within Devoid Of Dreams Death, The Final Loneliness
11. Saying Goodbye To Physical Form

Mysterium Tremendum von Lord Dying wäre ein Album, welches fast an mir vorbeigegangen wäre, wenn ich sie nicht vor Kurzem live gesehen hätte.
In Wiesbaden sollten sie ursprünglich zusammen mit Earth Ship als Support für The Obsessed auftreten. Als dann The Obsessed zum wiederholten Male abgesagt haben, haben Earth Ship und Lord Dying das Ding alleine durchgezogen. Und das war gut so. Dort habe ich mir das Album Mysterium Tremendum auf Vinyl mitgenommen und was soll ich sagen!? Ich war nach dem Gig total begeistert und bin es auch mit dem Album Mysterium Tremendum.

Erschienen ist Mysterium Tremendum bereits im April dieses Jahre bei eOne/SPV. Erhältlich ist es als CD und in den Vinylvarianten black und Blue & White Marble.

Lord Dying ist im eigentlichen Sinne eine Sludge Metal Band aus Portland, Oregon in den USA. Die beiden Vorgängeralben, der seit 2010 existierenden Band, Summon The Faithless (2013) und Poisoned Altars (2015) sind Sludge Metal Alben.

Mit Mysterium Tremendum vollzieht die Band um die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder Chris Evans (Gitarre) and Erik Olson (Gitarre, Gesang) einen kompletten Bruch bzw. Stilwechsel.
Wer auf Mysterium Tremendum fiesen Sludge à la mit Crowbar, Black Tusk, High On Fire oder auch Kylesa erwartet, wird enttäuscht sein. Die Enttäuschung wird sich jedoch in Grenzen halten, denn das, was das Quartett auf diesem Album macht, vollzückt ungemein, obwohl es sich dem Thema Tod in seiner ganzen Breite widmet.

„Ursprünglich hatten wir vor, ein Album über das Thema Leben zu schreiben, aber dann wurde es doch eins über den Tod”, erklärt Lord Dying Gitarrist und Sänger Erik Olson zum dritten Studioalbum Mysterium Tremendum.

Herausgekommen ist dabei ein Konzeptalbum, welches sich um den Tod dreht, sich jedoch damit beschäftigt, wie es auf der anderen Seite aussieht und was uns dort eventuell erwartet. Auch persönliche Schicksalsschläge, wie zum Beispiel der Tod von Chris Evans Schwester im Song Lacerated Psyche werden bearbeitet.

Es wird sich über Todesangst, Totenkult und -kultur ausgelassen und dieses Konzeptalbum nimmt einem wirklich mit in die verschiedenen Ebenen des Dies- und Daseins.
Entstanden sind dabei geradezu epische Songstrukturen mit vertrackten Arrangements, die genauso vertrackt daher kommen, wie die ausgeschriebenen Songtitel. Zudem geht es geradezu technisch versiert in den einzelnen Songs zu.

Ohne auf die einzelnen Songs einzugehen, die alle für sich im Gesamtkontext stehen, möchte ich einfach einmal Textfragmente von The End Of Experience zitieren: There is no god, there is only us; there is no love, there is only us.

Wir erleben auf diesem Werk riffgewaltige Stücke, progressive und psychedelische Akzente. Es ist einfach alles danach, im Sinne einer musikalischen Nahtoderfahrung. Das Album Mysterium Tremendum ist einfach nur Post: Postsludge, Postdoom, Postblack und sogar irgendwie Prog Metal, oder wie man es sonst noch nennen mag. Mysterium Tremendum wirft einfach alles aus der Bahn.

Bei der diesjährigen Tour hatten Lord Dying sich übrigens mit Alyssa Maucere (Glory In the Shadows) am Bass verstärkt. Alyssa Maucere hat dort auf mich einen wahnsinnsstarken Eindruck gemacht. In den Metal Archives wird sie mittlerweile auch als Bandmember gelistet. Wie hatte ich noch in meinem Livereview geschrieben: Wenn ich Lord Dying wäre, würde ich die nicht mehr hergeben! Das scheinen Lord Dying gelesen zu haben.

Lord Dying – Mysterium Tremendum
Fazit
Mit Mysterium Tremendum haben Lord Dying ein Konzeptalbum hingelegt, welches so schnell nicht zu toppen sein dürfte. Ihrem ursprünglich dreckigen Sludge sind sie entrückt. Das Album wirkt wie eine musikalische Nahtoderfahrung. Erschreckend und aufwühlend! Das Album dürfte auch vielen Fans aus dem Prog Metal Bereich gefallen, wenn sie denn einmal reinhören würden. Der Stempel Sludge Metal, der bei diesem Album von Lord Dying völlig fehl am Platze ist, könnte diese wohl eher davon abhalten. Wer hier nicht reinhört, hat absolut was verpasst! Bestnote für dieses Album, denn besser geht es nicht!

Abspieltipps: Envy The End, Nearing the End of the Curling Worm und Even The Darkness Went Away
Juergen S.
10
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10
Punkte
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