Metal For Mercy Livestream am 04.07.2020 aus der WeRK°STaDT, Witten

Ein cooler Genremix mit Splaindor, Lyra's Legacy und Unplaces

Eventname: Metal For Mercy Livestream

Bands: Splaindor, Lyra’s Legacy, Unplaces

Ort: WeRK°STaDT, Witten

Datum: 04.07.2020

Kosten: gratis (man kann verschiedene Support-Packages erwerben)

Genres: Alternative Rock, Alternative Metal, Melodic Metal, Synthie-Pop, Indie

Zuschauer: ca. 60

Veranstalter: Metal For Mercy e.V. (https://www.facebook.com/metalformercyofficial/) in Kooperation mit der WeRK°STaDT, Witten (https://www.facebook.com/WERK.STADT.Witten/)

Link: https://www.facebook.com/events/258271852176606/

Bei den letzten Livestreams, die ich mir so gegeben habe, war, bis auf einige Bandcontests, immer nur eine Band am Start. Das soll sich heute aber mal ändern, denn beim Livestream des Metal For Mercy e. V. in Kooperation mit der WeRK°STaDT in Witten bedienen drei Bands drei Genres, von denen zumindest eine mal ein wenig andere Pfade beschreitet. Ich kenne zugegebenermaßen heute nur Lyra’s Legacy. Sehr cool ist gleich schon mal der Start des Livestreams, denn die WeRK°STaDT verfügt über einen stilechten roten Bühnenvorhang, der sich jeweils zum Start der Auftritte zu beiden Seiten hin öffnet und nach dem Auftritt dementsprechend wieder schließt.

Als Erstes stehen Splaindor auf der Bühne. Die haben mit Eva eine richtig gute Sängerin am Start, und nicht nur ihr merkt man an, wie viel Spaß es macht, endlich mal wieder eine Show zu spielen. Den Applaus gibt es zum einen virtuell im parallel laufenden Livechat, als auch vom vor Ort eingesetzten Team. Das ist im Übrigen richtig gut aufgestellt. Es gibt verschiedene Einstellungen von stationären Kameras, und manchmal sieht man auch fleißige Menschen durchs Bild huschen, die mit vollem Körpereinsatz vor und auch auf der Bühne unterwegs sind, um uns mit Nahaufnahmen zu versorgen und auch mal die Drummer ins rechte Bild zu setzen. Auch an Licht und Ton gibt’s nix zu meckern, und so kommen Splaindor bei Songs wie Hypocrisy und Routine richtig gut rüber. Danach stellt Eva dann erst einmal den neuen Gitarristen vor, und Markus spielt heute auch tatsächlich seine erste Liveshow mit Splaindor. Sein Vorgänger Eric hatte noch am neuen Album mitgearbeitet, dann aber die Band aus persönlichen Gründen verlassen. Danach geht’s dann weiter zu Chris, den Eva als den „Trommelschlumpf“ vorstellt, und der jetzt mit einem kleinen Solo ausnahmsweise mal ins Rampenlicht kommt. Nach einer knappen dreiviertel Stunde ist es dann aber tatsächlich schon so weit, dass Eva den vorletzten Song ankündigt. Diejenigen, die Splaindor schon live erlebt haben, wissen, was jetzt kommt. Ich weiß es nicht, aber Back To The Glory kann mich genauso gut unterhalten, wie auch der letzte Track Lose It All. Und da Eva wohl beim jetzt stattfindenden Abbau am wenigsten zu tun hat, sitzt sie kurze Zeit später auch schon beim Interview. Da erzählt sie dann, dass der Bandname Splaindor ihre Idee war und sich aus den beiden an sich gegensätzlichen Worten „plain“ und „splendor“ zusammensetzt. Man will damit ausdrücken, dass man halt keine gewöhnlichen Songs spielt, wobei die Musik von Splaindor auf allen gängigen Plattformen verfügbar ist. Das letzte Album wurde 2017 veröffentlicht, und wer sich diese CD noch ins Regal stellen möchte, kann sie direkt über die Band beziehen. Splaindor waren auch im vergangenen Jahr bereits im Studio, um am neuen Album zu arbeiten. Dann hat Eva aber ein Kind bekommen und Gitarrist Eric hat die Band verlassen. So gab es halt neue Prioritäten. Aktuell laufen Mix und Mastering, ein konkretes Veröffentlichungsdatum gibt es aber noch nicht.

Nachdem mich Splaindor schon mal positiv überrascht haben, freue ich mich schon sehr auf den Auftritt von Lyra’s Legacy. Mit ihrem letzten Album Prisoner konnten sie mir ja doch immerhin 8,5 von 10 Punkten entlocken, und ich hatte auch schon immer das Gefühl, dass die Bühne ihr zweites Wohnzimmer ist. Die Männer dürften heute also mal wieder ein sehr energiegeladenes Set spielen. Nach dem Intro wird das aber leider durch technische Probleme ziemlich ausgebremst. Es liegt allerdings nicht an der Bühnentechnik oder an irgendwelchen defekten Kabeln oder Steckern, sondern der Stream selbst ruckelt, hakt oder setzt sogar ganz aus. Aber die Crew vor Ort gibt alles, und so können wir irgendwann dann auch bei Lyra’s Legacy die vor der Bühne stehenden Flammenwerfer mal in Action bewundern. Christian würde bei einer „normalen“ Liveshow sicher auch auf den Merchstand von Lyra’s Legacy hinweisen, den gibt es heute natürlich nicht. Aber er weist gern darauf hin, dass man sich jederzeit sowohl über die Band selbst als auch über das Label Roll The Bones Records entsprechend eindecken kann. Weiter geht’s in der Show, bei der ich dann auch zum ersten Mal den neuen Drummer Sven in Action erlebe. Im Mai wurde er offiziell als festes Bandmitglied von Lyra’s Legacy vorgestellt, da dürfte das heute für ihn genauso eine Livepremiere sein, wie für den neuen Gitarristen von Splaindor. Feuertaufe bestanden! 😀 Eigentlich wäre dann Prisoner der letzte Song, aber im Livechat wird vehement eine Zugabe gefordert. Die spielen die Männer natürlich gern, aber dann ist auch diese Show vorbei, und während die anderen Bandmitglieder an den Abbau gehen, sitzt Tobias dann schon zum Interview bereit. Bevor es an die erste Frage geht, werden wir alle insofern beruhigt, als dass natürlich auch der Auftritt von Lyra’s Legacy aufgezeichnet wurde. Wir können uns also im Nachhinein noch eine ruckelfreie Ausgabe gönnen. Auf die Frage, ob denn irgendwas in Richtung weiterer Konzerte geplant sei, antwortet Tobias, dass für dieses eine Konzert Keyboarder Romuald sogar extra aus dem Urlaub zurückgekehrt sei. Generell hat man aber natürlich auf die aktuelle Situation reagiert und ist statt Terminplanung derzeit schon mit dem Songwriting für einen Nachfolger von Prisoner beschäftigt. Eine Frage, die ich in Interviews auch ganz gern mal stelle, geht heute auch an Tobias, nämlich die nach dem kuriosesten Erlebnis in der Bandgeschichte. Auf den Spitzenplätzen liegt dabei sicherlich, dass Andreas einmal eine Gitarre von einem Fan geschenkt bekam. Auch die Show, die Lyra’s Legacy mit einer Leiter auf der Bühne spielen mussten, ist ganz weit vorn. Beim Aufbau war nicht drauf geachtet worden, dass eins der vielen Kabel durch die Sprossen gezogen wurde, und als die Show dann losging, war es halt zu spät, das noch zu beheben. Sehr kurios! 😀 Auch Lyra’s Legacy sind musikalisch auf allen gängigen Streamingplattformen zu finden, physikalische Kopien der CD gibt es, wie bereits erwähnt, direkt vom Label Roll The Bones Records.

Mit den Genres Synthie-Pop und Indie hatte Metal For Mercy die letzte Band des Abends getaggt. Unplaces sind zu zwei Dritteln in weiblicher Hand, Drummer Daniel hält im letzten Drittel die Flagge für die Männer hoch. Direkt, nachdem Dorette die ersten Zeilen von Standing Still gesungen hat – was eine großartige Stimme! – denke ich nur „die könnten auch beim M’era Luna auftreten“. Es ist sicherlich sehr elektronisch und erinnert eher an Ann Clarc und Depeche Mode, aber wer Bands wie Celldweller oder Agent Side Grinder mag, könnte auch an Unplaces Gefallen finden. Mich unterhalten sie jedenfalls bestens, wobei es jetzt zwar keine Hänger im Stream gibt, das Bild aber teilweise arg verpixelt wird. Ob es an den ständig wechselnden Lichteffekten liegt…keine Ahnung. Ich gerate bei Songs wie Changes oder Marching aber sowieso eher ins Tanzen als nur ins Zuschauen. Sehr interessant ist aber auch, dass eine der Kameras, während es auf der Bühne mit Songs wie Nothing More To Say oder Freedom weitergeht, immer mal wieder den gesamten Innenraum der WeRK°STaDT zeigt. Hier sieht man dann, wie die einzelnen Crewmitglieder an ihren Mischpulten und Bildschirmen sitzen, um uns mit so gutem Bild und Ton zu versorgen. Aber zurück zu Unplaces. Die sind auch fleißig dabei, neue Songs zu produzieren, einer davon ist No Means No, den es jetzt auf die Ohren gibt und dessen Titel ja selbsterklärend sein dürfte. Noch einmal gibt’s den Aufruf, Metal For Mercy durch eine Spende zu supporten, wobei bislang erfreulicherweise schon 374 € zusammengekommen sind. Die beiden letzten Songs passen thematisch sogar irgendwie zusammen, Time und Utopian Dream bilden den Abschluss des Sets von Unplaces. Zu Utopian Dream meint Bassistin Petra abschließend, dass man bei Unplaces den utopischen Traum habe, schon bald wieder vor vielen Leuten spielen zu können. Meiner Meinung nach wird das wohl leider tatsächlich eine Utopie bleiben, aber Daumen bleiben natürlich gedrückt. Für das letzte Interview dieses Livestreams setzt sich dann Sängerin und Multiinstrumentalistin Dorette auf den Stuhl, und hat auch gleich eine positive Nachricht für alle Fans parat: Es sind tatsächlich aktuell zwei Shows mit Publikum geplant, und zwar am 15.08. in Darmstadt und am 22.08. auf der Freilichtbühne Wattenscheid. So viel also zum Thema Utopie, mögen diese beiden Shows tatsächlich stattfinden. Auch in diesem Interview wird die Frage gestellt, ob man denn auch Mitglied im Metal For Mercy e.V. sei. Das muss Dorette verneinen, da sie schon ehrenamtlich im Bochumer Musikbüro tätig ist und sich darauf konzentrieren möchte. Sie lobt aber natürlich die Arbeit des MFM und den persönlichen Einsatz der Mitglieder. Das Bandleben von Unplaces liegt trotz Corona nicht auf Eis. Nachdem im vergangenen Jahr ein Livealbum veröffentlicht wurde, werden weiterhin neue Songs geschrieben und produziert, die dann so nach und nach veröffentlicht werden sollen. Außerdem sind Unplaces auch auf einer Compilation vertreten, die man u. a. auf der Webseite von Unplaces erwerben kann. Die Erlöse gehen an den Verein Mein Grundeinkommen. Eine der letzten Fragen ist dann die nach dem erinnerungswürdigsten Auftritt. Da fällt Dorette dann eine Show in Kiew ein. Hier haben Unplaces die Band Brunettes Shoot Blondes supportet. Die für ungefähr 1000 Besucher ausgelegte Location war schon beim Auftritt von Unplaces gut gefüllt, und obwohl niemand die drei kannte, hat das Publikum von Anfang an gut abgefeiert und mitgemacht. So etwas ist ja aus meiner eigenen Erfahrung tatsächlich leider selten der Fall, von daher verstehe ich die Begeisterung von Dorette da schon sehr gut. Aber auch sie kann andere Leute abfeiern, und so werden jetzt alle die Menschen vor die Kamera gerufen, die während der gesamten Show im Hintergrund standen und dafür gesorgt haben, dass alles glatt lief. Mit diesen schönen Bildern und der „Dankestafel“ zum Abschluss ist dann gegen 22:00 Uhr wirklich Feierabend, und ich kann mich meinerseits diesem Dank schlicht und ergreifend nur anschließen. Ein ganz klein wenig soll auch dieser kleine Bericht als „Dankeschön“ dienen. 🙂

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