Moonspell – Hermitage

Wirken in sich gekehrter und kommen deutlich weniger aus sich heraus als in der Vergangenheit

Artist: Moonspell

Herkunft: Lissabon, Portugal

Album: Hermitage

Spiellänge: 52:24 Minuten

Genre: Black Metal, Dark Metal, Gothic Metal, Progressive Metal

Release: 26.02.2021

Label: Napalm Records

Link: https://www.moonspell.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Fernando Ribeiro
Gitarre, Keyboard – Pedro Paixão
Gitarre – Ricardo Amorim
Bassgitarre – Aires Pereira
Schlagzeug – Miguel Gaspar

Tracklist:

  1. The Greater Good
  2. Common Prayers
  3. All Or Nothing
  4. Hermitage
  5. Entitlement
  6. Solitarian
  7. The Hermit Saints
  8. Apophthegmata
  9. Without Rule
  10. City Quitter (Outro)
  11. Darkness In Paradise (Candlemass Cover) [Bonus Track on LP, Box, Cassette + Mediabook)
  12. The Great Leap Forward [Bonus Track on 7″ Vinyl in Deluxe Box)

Die Wölfe heulen seit ein paar Monden Hermitage aus dem sonnigen Portugal an. Unter diesem Titel spuckten Moonspell ihr nunmehr dreizehntes Studioalbum aus. Unter der Flagge von Napalm Records schwärmt das Rudel aus, um seinen Black Metal, Dark Metal, Gothic Metal und Progressive Metal überfallartig durch Europa zu tragen. Mastermind Fernando Ribeiro hat in der Vergangenheit gezeigt, wie er aus seiner Formation eine wilde Bestie formen kann. Bereits das Debütalbum Wolfheart aus dem Jahre 1995 katapultierte die sympathischen Headbanger ganz nach oben in den düsteren Metal-Olymp. Neben Nummer eins Platzierungen in der Heimat geht auch bei uns in Deutschland für Moonspell in den Albumcharts immer weiter nach oben. Nach sechs Alben bei Century Media wurden sie bereits abgeschrieben und mussten immer wieder ihre Stellung in der Szene erkämpfen. Wie bei den Wölfen in Europa schaffte die Gruppe eine Trendwende und vergrößert abermals ihr Territorium. Dem eigentlichen Langeisen gehören zehn Sequenzen an und werden von zwei Bonustracks bei verschiedenen Releaseversionen unterstützt. Gut zwei Monate nach der Geburt des neuen Wurfes wollen wir deren Schlagkräftigkeit sowie Verspieltheit einmal genauer unter die Lupe nehmen, schließlich gehen die Jungs im Februar 2022 auf Tour mit Paradise Lost und werden das Vereinigte Königreich auf den Kopf stellen.

Vom Black Metal Gedanken, der zwar da war, aber nie wirklich blutrünstig ausgelebt wurde, ist kaum noch was über. Seit Jahren bauen Moonspell ihr Lager im progressiven Dark Gothic Metal auf und erzeugen dadurch undurchdringliche Atmosphären, die spürbar immer dichter werden. Nachdenklicher, gar verschlossen und menschenscheu ziehen sie fernab der Siedlungen durchs Land. Der Opener von Hermitage bekräftigt dieses Gefühl. Andächtig wie verträumt gleiten die Melodien aus der Finsternis auf die lichtdurchflutete Lichtung. The Greater Good braucht nicht lange, um eine emotionale Basis zu erzeugen, die alle Anhänger der neueren Werke lieben, aber auch noch bei den Old School Anhängern der ersten Platten gut ankommt. Weiterentwickelt? Ich persönlich finde diese Begrifflichkeit in der Musik oft störend, weil im Umkehrschluss die Entwicklung vorher noch nicht soweit vorangeschritten sein müsste und einen nicht gewollten Schleier auf alte Klassiker legen könnte. Einigen wir uns daher auf die Begrifflichkeiten: „Erfahrung gesammelt“ und „technisch neue Wege aufgeschlagen“. Ohne Frage – das kann man bei den Südeuropäern spätestens seit Alpha Noir aus dem Jahr 2012 bei jedem Output wie das pulsierende Blut in den Adern spüren.

Nach dem ersten Durchlauf, muss ich gestehen, war mir die Tendenz in den einzelnen Kompositionen eine Gangart zu langsam und die dominierenden Melodien nicht explosiv genug. In den nächsten Titeln wie Common Prayers und All Or Nothing wich dieser Gedanke nach und nach aus den verkrampften Gehirnwindungen. Die Bestätigung, dass sich Fernando Ribeiro deutlich verschlossener gibt, wird unterstrichen, trotzdem servieren die fünf Musiker ein spannendes Werk, welches auch bei den längeren Wanderungen überzeugen kann. In meine persönliche Top drei dürfte Hermitage zwar nicht vordringen, liegt aber gar nicht mal soweit von der Spitze weg, wie zunächst vermutet. Schroffer und wilder können Moonspell im Jahr 2021 noch, das wiederum zeigt der Titeltrack, der in vier Minuten den tödlichen Biss an die Kehle setzt. Schöne Headbangpassagen begleiten das Gesicht der Scheibe. Die ausgefahrenen Krallen werden weiter abgewetzt und die einstigen Welpen bekommen ihren eigenen Charakter. Als müde darf man Pedro Paixão, Ricardo Amorim, Aires Pereira und Miguel Gaspar nicht verfrüht in den Ruhestand schicken. Die Zeit hat jedoch an ihren Knochen genagt. Entitlement kann man sinnbildlich aufführen für die neu errungene, andächtige Kunst, die tückisch im Schatten des Waldes wartet, ein neues Opfer zu reißen.

Moonspell – Hermitage
Fazit
Mir hätte was gefehlt, wenn ich Hermitage nicht im Nachgang von zwei Monaten doch noch auf die Ohren bekommen hätte. Meine liebste Zeit liegt in den Anfängern und um Alpha Noir. Die neue Tendenz zeigt auf, wie gesetzt Moonspell agieren können und es schaffen, ohne große Explosionen noch spannende Gedanken in die Köpfe zu pflanzen. Spätestens jetzt ist eine nordeuropäische Tendenz nicht mehr zu leugnen. Als progressive Gothic Dark Formation könnten sie sehr gut ihren Sitz in Skandinavien haben. Mit den ganzen Vergleichen und Eindrücken im Kopf bleibt Fernando Ribeiro mit seinem Rudel weiterhin was Besonderes mit ganz eigenen Interpretation und einer Leidenschaft, die kaum zu kopieren ist. Das Lager könnte trotz der Veränderungen gespalten werden - falls ihr es auch noch nicht getan habt, hört selber mal in den immer noch aktuellen Silberling.

Anspieltipps: Hermitage und Entitlement 
René W.
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Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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