Movements – Feel Something

“Eine Mischung aus Alternative Rock, Post-Hardcore, Melodic Hardcore/Emo

und eine kleine Brise Pop-Punk “

Artist: Movements

Herkunft: Rancho Santa Margarita, CA

Album: Feel Something

Genre: Post-Hardcore, Emo, Indie

Release: 20.10.2017

Label: Spinefarm / Fearless Records

Bandmitglieder:

Gesang –  Patrick Miranda
Gitarre – Ira George
Bass – Austin Cressey
Schlagzeug – Spencer York

Tracklist:

  1. Full Circle
  2. Third Degree
  3. Colorblind
  4. Daylily
  5. Deadly Dull
  6. Fever Dream
  7. Suffer Through
  8. Deep Red
  9. Under The Gun
  10. Submerge
  11. The Grey

Manche Dinge zeichnen sich schon ab, bevor überhaupt das erste Album einer Band erschienen ist. Dies könnte auch für die amerikanische Band Movements zählen, die jetzt im Oktober ihr Debütalbum Feel Something veröffentlichte, und bereits mit ihrer EP Outgrown Things deutliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Movements verstanden es, auf dieser zu berühren und Indie mit Post-Hardcore zu vermischen – ein recht interessanter Ansatz also. Doch hält die neue Platte, was die EP versprochen hat?

Als Opener der Platte dient der Song Full Circle, dem es wunderbar gelingt Movements‘ musikalische Ausrichtung zu verdeutlichen, ohne damit sofort ins kalte Wasser zu springen. So sind die Vocals bis zum Refrain noch recht ruhig, während eben dieser dann weitaus stärker gesungen wird und hier typisches und geliebtes Post-Hardcore Feeling aufkommt. Die zweite Strophe flacht dann zwar wieder etwas ab, bleibt aber um einiges energischer als noch zu Beginn. Inhaltlich geht es um die Routine im Alltag, in welcher man sich mehr als schnell gefangenhalten kann. Insbesondere das Ende überrascht mit einem Melodic Hardcore Part, der fast ein wenig an Being As An Ocean erinnert, wenn auch um einiges sanfter, jedoch nicht weniger emotional.

Mit flotter Melodie und verzaubernden Gitarren schließt der zweite Song Third Degree direkt an Full Circle an. Hier wird nun der Alternative Rock-Einfluss um einiges deutlicher, während der Gesang auch ein wenig an Pop-Punk erinnert. Movements scheinen sich wahrlich vom Genre nicht 100% festlegen zu lassen, vielmehr genießt man ihre musikalische Vielfalt. Thematisch handelt der Song über die eigene Fähigkeit der Selbstzerstörung, welcher man nicht entkommen kann, auch wenn diese für einen selbst nicht gut ist. Auf Melodic Hardcore verzichtet der zweite Song komplett, wobei man sich auch hier einen solchen Part gut hätte vorstellen können.

Colorblind liefert um einiges mehr Screams als noch seine Vorgänger – was nicht unbedingt nun kompletten Metal bedeutet, sondern einfach um einiges heavyer daherkommt als seine Vorgänger – eine kleine Änderung, die der Band aber sehr gut steht. Die Single wurde bereits vor Albumrelease veröffentlicht und vergleicht Liebe mit Farbenblindheit, wobei hier eher eine gewisse Unfähigkeit vorliegt, die Liebe selbst also zum Scheitern verurteilt scheint. Movements schaffen es bisher, dem Zuhörer unglaublich emotionale Musik entgegen zu bringen, wobei sie vor allem textlich nicht wirklich Hoffnung bereiten, aber somit auch die Gefühle ihrer Zuhörer besser wiedergeben.

Um einiges ruhiger wird es dann wieder mit Daylily, welcher nun auch textlich ein wenig hoffnungsvollere Gedanken mit sich bringt. Nicht, dass alles okay ist, sondern dass es okay wird – ein Song, wie gemacht für jeden, der ein wenig Hoffnung bedarf. Vor allem der Gesang zeigt sich hier als sehr stark, da sich dieser trotz der eher ruhigen Instrumentierung als sehr kräftig und dominant zeigt, dabei aber nicht an Gefühl verliert, sondern noch eher zunimmt. Daylily ist definitiv ein positiver Song, der jedem Zuhörer Kraft liefert.

Mit einem sehr ernsten Thema schafft es Deadly Dull aus der Menge der eh schon gefühlvollen Songs noch einmal hervorzustechen – Alzheimer ist ein schwieriges Thema, welches vor allem für Angehörige aber auch für den jeweils Betroffenen eine sehr schwere Zeit bedeutet – schließlich verliert man alles, was einen als Person ausmacht. Der Text und somit auch der Gesang sind unglaublich persönlich, womit die Emotionen noch um einiges stärker wirken. Auch die Kombination zwischen Gesang und Melodic Hardcore schafft es hier nicht nur zu überzeugen, sondern auch wohl auch den letzten Zuhörer komplett abzuholen. Dieser Song wird hoffentlich bei keiner Liveshow der Band fehlen.

In kompletter Akustikversion zeigt sich der nächste Song Fever Dream, welcher im Vergleich zum Vorgänger etwas einfacher wirkt und man sich, auch als Zuhörer, eine kurze, ruhigere Pause gönnt. Der Song selbst ist zwar noch immer traurig und leicht beklemmend, jedoch schafft er es nicht, auf demselben Niveau wie Deadly Dull zu berühren. Zusammen mit Suffer Through, welcher sich musikalisch wieder näher an den Anfängen der Platte bewegt, passiert nun leider das, was man eventuell bereits vermutet hatte: Movements berühren zwar noch immer, jedoch erscheint der Verlauf der Songs ein wenig einseitig und zu gleichbleibend. Nicht auf solcher Ebene, dass man Feel Something als schlecht bezeichnen würde oder man sich gar langweilt, nur ein wenig mehr Abwechslung wäre vielleicht ganz schön gewesen. Suffer Through punktet jedoch wieder durch ein flotteres Tempo sowie eine starke Instrumentierung. Ebenso tut es Movements mehr als gut, wenn sie sich des Melodic Hardcores bedienen, denn dies wertet die einzelnen Songs stets um einiges auf.

Die gewünschte Abwechslung folgt dann aber doch: Mit Deep Red liefern Movements einen Song, der weitaus wilder wirkt, als sich die Band bisher gezeigt hat und man scheint fast ein wenig experimentieren zu wollen. Vor allem Gitarre und Bass präsentieren sich hier in ganz neuem Gewand, welches zwar nicht unbedingt besser zu Movements passt, jedoch hier an dieser Stelle die Erfrischung liefert, die man sich gewünscht hat. Thematisch handelt der Song um eine neue Liebe, passenderweise wird hierbei die Farbenblindheit textlich erneut aufgegriffen, womit Colorblind wunderbar miteinbezogen wird. Under The Gun unterscheidet sich zwar nicht stark aus instrumentaler Perspektive, der Gesang Mirandas ist jedoch um einiges unkontrollierter, stärker und man kann die Wut auf einen selber sowie die starken Gefühle regelrecht spüren. Es scheint, als wäre hier diese neue Liebe, die in Deep Red thematisiert wurde, wieder erloschen und was einem selbst bleibt, ist Leere und Zorn. Under The Gun lädt perfekt zum Ausrasten und Kopfwippen ein. Submerge scheint wie das Ende einer kleinen Triologie – die Liebe in Deep Red, welche in Under The Gun zerfällt und nun bleibt man mit dem Schmerz und der Trauer in Submerge übrig. Passend ruhig kommt der vorletzte Song der Platte daher, geht sowohl mit dem Tempo als auch mit dem Gesang zurück, um Platz für ein wenig ruhigere Trauer zu machen. Live wäre es wohl der Song, bei dem alle stillstehen und genießen, während andere Filmeifrige wohl ihre Handys zucken würden.

Mit The Grey wird dann auch das Ende von Feel Something eingeläutet. Movements bleiben dabei stärker am Vorgänger, legen aber dennoch gesanglich wieder um einiges stärker aus, während die Instrumentierung auch im Refrain noch einmal abhebt. Ein wenig fällt da einem Funeral For A Friend ein, auch wenn sich Movements doch nicht wirklich zu 100 % mit einer Band vergleichen lassen. Vielmehr scheinen sie viele Bands und Genres als Inspiration zu besitzen.  The Grey kann vor allem gesanglich überzeugen, vor allem in der zweiten Hälfte versteht es The Grey noch einmal komplett mitzureißen, und damit die Platte wunderbar abzurunden.

Fazit: Movements konnten mit ihrem Debütalbum Feel Something halten, was ihre EP bereits angedeutet hatte. Hier liefert eine Band unglaublich gefühlvolle Musik, welche sich vor allem textlich auszudrücken weiß, weshalb man sich als Zuhörer auch automatisch stärker mit diesem befasst. Eine Mischung aus Alternative Rock, Post-Hardcore, Melodic Hardcore/Emo und eine kleine Brise Pop-Punk (wenn auch nicht im gewohnten Gewand) liefert Musik, welche an viele gute Bands erinnert und sich dennoch ganz nach Movements anhört. Ein wenig mehr Abwechslung hätte man sich bereits in der ersten Hälfte gewünscht, dennoch schafft es die Band schnell genug, die Kurve zu kriegen und sich noch vielseitiger zu präsentieren. In den nächsten Wochen sind sie auch in Deutschland als Support bei den Tourdaten von Knuckle Puck zu sehen - ein Duo, welches man sich also nicht entgehen lassen sollte. <br/<
Anspieltipps: The Grey, Deadly Dull, Color Blind
Anabel S.
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