Die Franzosen von Muertissima sind bis dato komplett an mir vorbeigegangen, und das, obwohl sie bereits seit dem Jahre 2017 im Death-Metal-Kosmos unterwegs sind. Bei dem Quartett sind Simon Perrin und Stéphane Prados die federführenden Figuren. Zumindest sind die beiden von Anfang an dabei. Die beiden könnte man noch von der Band Anthropovore (Black Metal) kennen. Sei es drum. Muertissima haben bis dato auch erst ein Album namens Inquisition draußen. Dieses erschien im Jahre 2021. Fünf Jahre später erscheint nun also Album Nummer zwei, welches auf den Namen Prophecy hört und bei Fetzner Death Records erschienen ist.
Die Franzosen laden den geneigten Fan mit einigen gesprochenen Wörtern ein und starten so den Song Kings Of Maleficience. Schon nach einigen Klängen wird mir klar, warum ich die Band nicht unbedingt auf dem Schirm hatte. Bin doch eher der direkte und old schoolige Typ, wenn es um das Thema Death Metal geht. Das heißt natürlich nicht, dass es außerhalb meiner Komfortzone kein gutes Material gibt. Mit guten Akkorden und Riffs geht es nach den gesprochenen Worten weiter, und es klingt für mich jetzt schon alles sehr progressiv, aber man muss eben allem eine Chance geben. Der Song entwickelt sich zu einem brachialen Gesamtwerk, vor allem, wenn sie den Uptempopart herausholen. Das Riffing ist sehr imposant und setzt sich fest und steht im Gegensatz zu dem sonst eben doch eher progressiven Songwriting, welches aber absolut drückt. Dann wird das Tempo herausgenommen und Einzelanschläge erklingen. Guter Wechsel. Es geht dann wieder zurück zum progressiven Midtempopart, um am Ende noch einmal den Knüppel herauszuholen. Diese aggressiven Screams rücken das Ganze in eine noch extremere Richtung und ergänzen sich sehr gut mit den Growls. Hätte nach den ersten Sekunden nicht gedacht, dass sich der Song, aus meiner Perspektive, so geil entwickelt.
I Sleep With Demons kommt dann gleich zu Beginn mit noch mehr Energie um die Ecke. Diese wird durch das schnelle Tempo transportiert. Auch hier überzeugen sie mit fettem Riffing, auch der Übergang ins drückende und groovige Midtempo ist mehr als gelungen. Die Kombination aus Growls und Screams passt wieder und hier bietet man so was wie Screams im Cleargesangsektor als Bonus an. Hat absolut was. Dieses verleiht dem Song eine etwas deathcorige Schiene. Die Breakdowns passen dann natürlich hervorragend dazu und alles klingt irgendwie chaotisch, besonders im dissonanten Bereich, aber es ergibt dann doch irgendwie Sinn. Kurzes Stöhnen einer Frau und dann geht’s wieder voll auf die Zwölf. Nichts für schwache Nerven, würde ich sagen, aber definitiv interessant. Am Ende gibt es dann wieder den Part mit den gepitchten Vocals, die mich dann ganz kurz an Fear Factory erinnern.
Kein Material für zwischendurch
Auch das nachfolgende Stück Rich Bitch (feat. Kevin von Tragos, Evolution Zero) gestaltet sich sehr abwechslungsreich und es passiert so einiges. Am Anfang geht man sehr extrem zu Werke und die Screams und Growls werden gezielt und vernichtend eingesetzt. Dann arbeitet man mit Breakdowns und einer Art Stop and Go, aber auf technisch sehr hohem Niveau. Nach einem Break groovt man im Midtempo herum und man baut den Song, nennen wir es mal, sehr experimentell auf und erzeugt somit einen modernen Sound. Das wilde Solo kommt gut, die Vocals werden dann immer höher und höher. Das klingt sehr böse. Starker Tobak.
Mit Echoes Of Attenborough hat man ein Instrumentalstück mit sprechender Passage, welches drei Minuten geht. Ist bestimmt interessant, aber mich verleitet solch ein langes Intro zum weiterskippen.
Und so erschafft man eine gewisse Stimmung und Material, welches man eben nicht so nebenbei hören kann, denn jeder Song hat irgendwie etwas Spezielles. Mir ist das manchmal zu viel, aber man muss sagen, dass das hier spielerisch und technisch auf sehr hohem Niveau ist. Allerdings klingt das für mich an einigen Stellen nur nach Chaos und Durcheinander, wie z. B. bei dem Song The Rain. Hier bewegt man sich auch ein wenig im melodischen Death Metal.
Auf der anderen Seite haben sie aber auch Songs wie From Undead To Oblivion, die mich völlig überzeugen können. Gerade diese melodischen Passagen sind hervorragend. Das Teil ist absolut intensiv.
Flamenco-Klänge am Ende
Am Ende gibt es dann noch Pachacamac, eine reine Flamenco-Akustikgitarren-Nummer. Klingt schön und kann man am Ende auch wohl machen, passt aber irgendwie so gar nicht, aber zeigt wieder einmal auf, dass den Burschen das auch egal ist und sie eben sehr experimentierfreudig zu Werke gehen möchten.
Hier geht es für weitere Informationen zu Muertissima – Prophecy in unserem Time For Metal Release-Kalender.



