My Refuge – The Anger Is Never Over

Überraschend starke Power Metal Weltreise

Artist: My Refuge

Herkunft: Mailand, Italien

Album: The Anger Is Never Over

Spiellänge: 59:22 Minuten

Genre: Power Metal

Release: 23.04.2021

Label: Pride & Joy Music

Link: https://www.facebook.com/MyRefugeMetal/

Bandmitglieder:

Gitarre und Keyboard – Mauro Paietta
Gitarre – Simone Dettore
Bassgitarre – Javier Perez
Bassgitarre – Salvatore Chimenti
Schlagzeug – Mark Vetter

Gastmusiker:

Piano – Gabriela Kaufmanova
Piano und Keyboard – Katarina Gubanova

Tracklist:

  1. Immortal Fire
  2. War In Heaven
  3. The River And The Rain
  4. Winterland
  5. The Last To Die
  6. What If Tomorrow Never Came
  7. Mistress Of The Dark
  8. The Child And The Moon (Instrumental)
  9. After Ten Years
  10. Until The End
  11. Memories
  12. The Anger Is Never Over

Ein Album, das nicht nur musikalische Grenzen sprengt, sondern auch Musiker verschiedener Nationen vereint. So oder so ähnlich hat sich My Refuge Mastermind Mauro Paietta das internationale Projektalbum The Anger Is Never Over vorgestellt. Nach der Gründung von My Refuge durch Paietta im Jahr 2010 entstanden zwei selbstproduzierte EPs und 2015 das Debütalbum A Matter Of Supremacy. Aus der Not der ständigen Besetzungswechsel hat der Gitarrist und Keyboarder nun eine Tugend gemacht. Beim deutschen Label Pride & Joy Music erscheint am 23. April das zweite Album The Anger Is Never Over, auf dem Musiker aus vier Kontinenten und 14 Ländern zu hören sind. Entgegen einiger Projekte, die durch simples Namedropping versuchen, im Fahrwasser monumentaler Veröffentlichungen wie Tobias Sammets Avantasia zu schwimmen, setzt Mauro Paietta auf eher unbekannte Künstler. Diese hat er teilweise durch ihre Performance auf YouTube gefunden und „rekrutiert“.

Power Metal aus Italien hat immer einen kleinen Beigeschmack: Entweder hat man es mit großartigen Bands wie Rhapsody, Labyrinth oder Elvenking zu tun oder der Bandname ist ebenso schnell aus dem Gedächtnis verschwunden wie die CD aus dem Player. Da die vorab veröffentlichte Single Winterland einen guten Eindruck bei mir hinterlassen hat, hoffe ich auf die erste Kategorie. Um jedem Sänger bzw. jeder Sängerin eine angemessene Aufmerksamkeit zu schenken, habe ich mich dazu entschieden, die Songs einzeln zu besprechen. Die Nennung des jeweiligen Herkunftslandes soll lediglich den internationalen Charakter dieses ungewöhnlichen Projekts unterstreichen.

Immortal Fire – feat. Berzan Onen (Türkei)

Die Marschrichtung ist klar: Melodischer Power Metal mit griffigen Riffs eröffnet unsere musikalische Weltreise. Die Drums des Deutschen Mark Vetter tragen ihren Teil zum schwungvollen Beginn bei. Onen bringt am Mikro alles mit, was man sich von einem Sänger dieses Genres wünscht: Aggressivität, hohe Schreie und einen gewissen Wiedererkennungsfaktor. Die progressiven Elemente, die von Zeit zu Zeit eingestreut werden, erinnern an Paiettas Landsmänner Labyrinth. Die Soli des Masterminds sind ebenfalls nicht zu verachten – starker Auftakt!

War In Heaven – feat. Iggy Rod (Argentinien)

Noch einen Zacken härter legt der zweite Song los. Feinstes Highspeed-Geballer sollte jeden Power Metal Fan überzeugen. Der eingängige Refrain lässt die Faust in die Luft schnellen und mich lautstark mitgrölen. Iggy Rod (Azeroth, Damnation Angels) erinnert etwas an den alten Haudegen Rob Rock, was als großes Kompliment gemeint sein soll. Auf diesem Niveau darf es gerne weitergehen.

The River And The Rain – feat. Ronny Castillo (Venezuela)

Ansprechende Keyboard-Orgelsounds eröffnen Stück Nummer drei, auf dem Ronny Castillo das Mikro übernimmt. Dieser hat auch gemeinsam mit Mauro Paietta den Rhapsody-Klassiker Emerald Sword gecovert. Der Gesamtsound bleibt auf hohem Niveau, trotzdem kann der Gesang von Castillo nicht mit dem seiner Vorredner mithalten. Immerhin teilt er sich ein Schicksal mit Rhapsody-Sirene Fabio Lione: Beide haben einen so hartnäckigen Akzent, der die Vocals nur schwer verständlich macht.

Winterland – feat. R.A. Voltaire (Kanada)

Winterland ist die bereits angesprochene Single mit dem Kanadier R.A. Voltaire an vorderster Front. Der Song hat mich ermutigt, mich näher mit dem Konzept hinter The Anger Is Never Over zu beschäftigen. Die Nummer ist einfach ein Ohrwurm vor dem Herrn und Mr. Voltaire hat eine schöne klare Stimme, die perfekt zum Melodic Metal von My Refuge passt. Die Gitarrensoli aus Gefühl, Geschwindigkeit und Technik haben eine Melodiestruktur, die mich an den ehemaligen Stratovarius-Gitarristen Timo Tolkki erinnern.

The Last To Die – feat. Fernando Neri (Brasilien)

Nicht alle Pfeile im Köcher von Signor Paietta sind so treffsicher wie der starke Auftakt. The Last To Die will bei mir auch nach mehreren Durchläufen nicht zünden. Insgesamt passiert wenig Aufregendes und der Brasilianer Fernando Neri hat dem stimmlich nicht viel entgegenzusetzen.

What If Tomorrow Never Came – feat. Ilias Michailicos (Griechenland)

What If Tomorrow Never Came ist eine Art Halbballade, die von der mal warmen, mal glockenhellen Stimme von Ilias Michailicos intoniert wird. Trotz der schönen Pianopassage der Tschechin Gabriela Kaufmanova und des herausragenden Gitarrensolos bleibt viel Stückwerk über. Das Konzept wirkt irgendwie zerfahren und liefert zusammen mit The Last To Die die ersten kleineren Durchhänger des Albums.

Mistress Of The Dark – feat. Davide Vella (Italien)

Es geht wieder etwas vertrackter und düsterer zu Werke, denn die Herrin der Dunkelheit übernimmt das Zepter. Leicht progressive Riffs wechseln sich mit schnelleren Passagen ab und die tollen Hooks kehren zurück auf die Bühne. Leider habe ich das Gefühl, dass Davide Vella mit der grandiosen Instrumentalleistung stimmlich nicht mithalten kann. Dennoch handelt es sich um einen abwechslungsreichen Song aus der Feder des Italieners.

The Child And The Moon (Instrumental)

Die multinationale Sängerschar hat erst mal Pause, denn wir kommen zum kurzen Instrumentalstück The Child And The Moon. Streicher und Akustikgitarren lockern die Atmosphäre etwas auf, ohne an der harten Grundausrichtung des Albums zu rütteln.

After Ten Years – feat. Rafael Dinnamarque (Brasilien)

Langsam gewinnen die Südamerikaner die Oberhand. Insgesamt sechs der elf Sänger kommen aus diesen Gefilden. Nicht nur die eingängigen Melodien, sondern auch die an Helloween-Röhre Andi Deris erinnernde Stimme lassen mich an neuere Scheiben der Hamburger Kürbisköppe denken. Tiefer gestimmte Gitarrenriffs und lässige Drumpassagen runden den gelungenen Song ab.

Until The End – feat. Kike Valderrama (Kolumbien)

Beim Nachnamen des nächsten Sangeskünstlers muss ich unweigerlich an Kolumbiens Fußball-Legende Carlos Valderrama denken. Ein Verwandtschaftsgrad ließ sich auf die Schnelle nicht herleiten. My Refuge frickeln wieder, was das Zeug hält und haben einen ohrwurmtauglichen Refrain in petto. Aufgrund der letzten Minute des Songs kann man sagen, dass es sich um das bisher härteste Stück handelt. Bei Kike Valderrama handelt es sich gewiss nicht um einen schlechten Sänger, der aber an dieser Stelle etwas überperformt und seiner Stimme einfach zu viel abverlangt.

Memories – feat. Andra Ariadna Chitu (Rumänien)

Das war vorerst genug Testosteron, Frauenpower ist angesagt. Katarina Gubanova aus der Ukraine am Piano und Andra Ariadna Chitu aus Rumänien stehlen einigen Herren auf dem Album die Show. Andra trifft genau diese Töne, die Gänsehaut bis zur Kopfhaut erzeugen. Neben Berzan Onen und Iggy Rod liefert die junge Rumänin die bisher überzeugendste Gesangsperformance auf The Anger Is Never Over ab – großartig.

The Anger Is Never OverArthur Pessoa (Brasilien)

Das Beste kommt zum Schluss? Gar nicht mal so verkehrt, denn der Titelsong hat noch mal einiges zu bieten: Arthur Pessoa reiht sich mit seiner intensiven und angriffslustigen Gesangsleistung nahtlos in die gerade genannten Topsänger der Scheibe ein. Die Riffs und Drumms marschieren vorneweg und der überlagerte Gesang im Refrain lässt die Haare erneut auf gute Weise zu Berge stehen – ben fatto signor Paietta.

My Refuge – The Anger Is Never Over
Fazit
Ein spannendes Konzept hat sich My Refuge Gründer Mauro Paietta hier ausgedacht. Anstatt einfach einen bekannten Namen aufs CD-Cover zu klatschen, um über mittelmäßige Kompositionen hinwegzutäuschen, hat der Italiener eine internationale Heerschar an eher unbekannten Musikern um sich versammelt und ein starkes Album aufgenommen. Jeder Fan von Power und Melodic Metal Bands wie Kamelot, Labyrinth oder auch neueren Helloween darf ungeniert zugreifen.

Anspieltipps: Immortal Fire, War In Heaven, Memories und The Anger Is Never Over
Florian W.
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