Nebelwind – Ruinen-Der Verfall Des Seins Und Die Angst Vor Dem Vergessen

Nicht vom Albumtitel verwirren lassen

Artist: Nebelwind

Herkunft: Dresden, Deutschland

Album: Ruinen – Der Verfall Des Seins Und Die Angst Vor Dem Vergessen

Spiellänge: 45:04 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 01.05.2020

Label: Wolfmond Production in Kooperation mit Schattenpfade

Links: https://www.facebook.com/NebelwindBM/
https://nebelwind.bandcamp.com/

Bandmitglieder:

Gesang und Keyboards – Ködarnyek
Gitarren – Apocaleon

Tracklist:

  1. Abbilder In Schwarz-Weiß
  2. Von Wehmut Und Stiller Klage
  3. Schattenbrandung
  4. Wenn Der Tod Das Leben Küsst
  5. Ruinen
  6. Im Schatten Der Sonne
  7. Erinnerungen
  8. Was Bleibt…
  9. Der Weg Ins Nichts

Wenn ich mir die Geschichte von Nebelwind durchlese, habe ich mal wieder direkt vor Augen, dass sich Beharrlichkeit tatsächlich auszahlt und es sich lohnt, an seinen Zielen festzuhalten. In 2013 stand Ködarnyek (Ulfur, ex-Frozen Blood, ex-Stainless, ex-Thorsons) nämlich ziemlich allein auf weiter Flur, als er das textliche Konzept für die Songs von Nebelwind entwarf und im Jahr 2016 damit begann, aktiv ins Songwriting einzusteigen. Geplant war die Veröffentlichung von drei EPs, die Songs sollten mithilfe von Musikern anderer Bands eingespielt werden. Dann entschloss sich Apocaleon (Askvald), sich Ködarnyek anzuschließen, sodass die zwölf bereits fertig geschriebenen Songs zumindest instrumental eingespielt werden konnten. Die Gesangsaufnahmen fanden in 2018 statt, und die drei EPs Verborgen In Nacht Und Nebel, Wege und Dämmerung sind in der CD-Ausführung tatsächlich ausverkauft. Auf Bandcamp kann man sie sich noch anhören.

Die Ideen gehen Nebelwind aber nicht aus. Nachdem Ruinen – Der Verfall Des Seins Und Die Angst Vor Dem Vergessen bereits via Wolfmond Production in Kooperation mit Schattenpfade veröffentlicht wurde, sind weitere Teile mit den Namen Abschied Einsamkeit und Morgengrau geplant. Hier soll es aber zunächst einmal um die Ruinen gehen.

Mit einer Art Monolog startet der zweitlängste Song des Albums, Abbilder In Schwarz-Weiß. Und wenn man es nicht schon bei den Songtiteln – vom Albumtitel Ruinen – Der Verfall Des Seins Und Die Angst Vor Dem Vergessen gar nicht zu reden – ahnt, sind beim ersten Song nicht die kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotos gemeint, die ich persönlich sehr gern mag. Es geht um die pure Abwesenheit von Farbe, um Sonnenstrahlen, deren Wärme die Haut nicht mehr erreicht, um das blühende Leben um uns herum, das nicht mehr sichtbar ist.

Der Gesang von Ködarnyek ist gewöhnungsbedürftig, manchmal klingt es, als ob die Stimme kurz vorm Überkippen ist. Spricht aber für die Intensität, mit der die Songs aufwarten. Eingerahmt wird dieser Gesang sehr oft von einem mächtigen Instrumentenkonglomerat, wobei dank der sehr guten Bearbeitung hier kein Klangbrei aus den Boxen fließt, sondern man tatsächlich fast jedes einzelne Instrument für sich verfolgen kann. So fällt im folgenden Von Wehmut Und Stiller Klage auf, wie gut sich die symphonischen Elemente, die per Keyboard hinzukommen, in das Gesamtkonstrukt einfügen und es perfekt ergänzen. In diesem Track hören wir auch zum ersten Mal die zweite Gesangsstimme, die in ihrer Tiefe einen großartigen Kontrast zum Hauptgesang bildet.

Auch mit einer wunderbaren, fast schon als melodisch zu bezeichnenden Rhythmusgitarre können Nebelwind punkten, wie zum Beispiel in Ruinen. Das erinnert mich streckenweise tatsächlich ein wenig an Imperium Dekadenz. Die haben ja sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache gesungen, und so tun es Nebelwind bei meinem Favoriten des Albums, Im Schatten Der Sonne, auch. Hier übertreffen sie sich selbst und bauen eine grandiose Soundlandschaft auf, in der die englischen und deutschen Gesangspassagen auf Wanderschaft gehen können. Ab ungefähr 3:30 klingt es dank der ein wenig im Hintergrund mäandernden Leadgitarre fast ein wenig nach Black’n’Roll, sehr cool gemacht.

So voluminöse Soundlandschaften gibt es im längsten Track des Albums, Was Bleibt…, nicht. Balladesk und sehr reduziert geht es los, und passend zur unbarmherzigen Wahrheit des Textes bleibt auch über den gesamten Song hinweg die Instrumentierung im direkten Vergleich eher harsch. Aber warum sollte man Sätze wie „… Was bleibt zurück. Schmerz, Trauer und Entsetzen. Was bleibt zurück. Die stille Suche nach dem Leben.“ auch mit Geigenklang umschmeicheln?

Zu einzelnen Songs gibt es kein Material auf YouTube, darum hier der Promotrailer für das Album. Den Link zur Bandcamp-Seite von Nebelwind findet ihr oben.

Nebelwind – Ruinen-Der Verfall Des Seins Und Die Angst Vor Dem Vergessen
Fazit
Mit solchen Texten, wie Nebelwind sie verwenden, ist es natürlich so eine Sache. Teilweise ziemlich lyrisch, sodass es schwierig ist, zu verstehen, was die Jungs sagen wollen. Wenn einem aber das eine oder andere aufgrund persönlicher Erfahrungen fast schon vertraut vorkommt, mag man sich wünschen, es genauso poetisch erzählen zu können. Ich fühle mich aber teilweise zumindest fast so etwas wie getröstet. Und wenn man von den Texten mal weggehen möchte, musikalisch haben die Jungs von Nebelwind auch was zu bieten, das kann man sich als Fan der schwarzmetallischen Klänge gern geben.

Anspieltipps: Jeder Song ist eine schwarzmetallische Perle, aber meine Favoriten sind Wenn Der Tod Das Leben Küsst, Ruinen und Im Schatten Der Sonne
Heike L.
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