Bands: Odd Couple, Cliffsight
Ort: Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden, Murnaustraße 1, 65189 Wiesbaden
Datum: 18,12.2025
Kosten: 23 € VVK, 25 € AK
Genre: Psychedelic, Garage, Krautrock, Rock, Blues Rock, Stoner Rock
Veranstalter: Schlachthof Wiesbaden
Link: https://schlachthof-wiesbaden.de/events/odd-couple
Kurz vor Weihnachten geht es noch einmal ins Kesselhaus nach Wiesbaden, meinem zweiten Wohnzimmer. Da stehen die Berliner Odd Couple heute mit einem warm-bunten Programm auf der Bühne und servieren Rush-Hour Des Lebens Tour Part 2.
Cliffsight eröffnen den Abend
Den Opener des Abends übernehmen die Hanauer Cliffsight und sorgen früh dafür, dass das Kesselhaus auf Temperatur kommt. Ganz unbekannt sind sie für mich dabei nicht: Bereits im Mai dieses Jahres habe ich das Quartett direkt gegenüber in der Kreativfabrik (Krea) als Support von Hippy Death Cult live erlebt. Der Wiedererkennungswert ist sofort da – musikalisch wie auch in ihrer konzentrierten Bühnenpräsenz.
Mit Tim Cammerzell (Gitarre, Gesang), Felix Topitsch (Gitarre), Daniel Hanke (Bass) und Adrian Schein (Schlagzeug) steht eine Band auf der Bühne, die ohne große Gesten auskommt, dafür aber mit Substanz überzeugt. Gegründet 2006 und bis heute aktiv, bewegen sich Cliffsight souverän zwischen Stoner Rock, Psychedelic, Alternative und Progressive Rock – ein Stilgemisch, das live besonders gut funktioniert.
Schwere Grooves und kontrollierte Dynamik
Der Schwerpunkt des Sets liegt natürlich auf dem aktuellen Album Stargazer. Die Songs sind geprägt von schweren, groovenden Riffs, bluesigen Einschüben und immer wieder überraschenden rhythmischen Wendungen. Mal dominieren stoische, fast hypnotische Passagen, mal öffnen sich die Stücke zu dynamischeren Momenten, die sich langsam zu druckvollen Rocknummern steigern. Trotz der stilistischen Vielfalt bleibt alles fokussiert und geschlossen.

Cliffsight spielen ihre Musik unaufgeregt, aber hochkonzentriert. Statt Effekthascherei setzen sie auf Zusammenspiel und Spannung, die sich allmählich aufbaut. Bass und Schlagzeug bilden ein stabiles Fundament, während die Gitarren zwischen erdiger Schwere, bluesiger Wärme und psychedelischer Weite changieren. Es gibt im Verlauf des Sets ein paar winzige technische Schwierigkeiten, die die Band selbst wohl kurz etwas stören, das Publikum und den Fluss des Auftritts jedoch nicht ernsthaft stören.
Spontaner Support mit Wirkung
Im anschließenden Gespräch erzählt mir Bassmann Daniel Hanke, dass Cliffsight erst wenige Tage vor dem Gig als Support angefragt wurden. Diese Chance kurz vor Jahresende wollten sie sich natürlich nicht entgehen lassen – und genau diese spontane Energie scheint dem Auftritt gutzutun. Trotz der kurzen Vorlaufzeit wirkt nichts improvisiert oder unsicher, vielmehr zeigt sich die Band bestens eingespielt.
Im Kesselhaus kommt die Band sichtbar gut an. Das Publikum lässt sich auf die Hanauer gerne ein. Als spontaner Support für Odd Couple erweisen sich Cliffsight als passende Wahl. Cliffsight, eine Band, die live durch Haltung, Sound und Substanz überzeugt.

Umbaupause und Stimmungswechsel
Die kurze Umbauphase nutze ich, um kurz draußen zu verschnaufen, und dann sind Odd Couple in der heute doch recht familiären Atmosphäre des Kesselhauses im Wiesbadener Schlachthof dran. Sie tauchen den Raum sofort in ihren eigenwilligen, schwer greifbaren Sound. Das Berliner Duo, hervorgegangen aus der Psychedelic-Rock-Band Suns Of Thyme, entzieht sich seit jeher klaren Genregrenzen. Was hier passiert, bewegt sich irgendwo zwischen Garage Rock, Krautrock und Psychedelic, angereichert mit einer guten Portion Noise – roh, verspielt und gleichzeitig erstaunlich präzise.
Rush-Hour des Lebens – live
Odd Couple sind gerade in der Rush-Hour Des Lebens, so jedenfalls der Titel des im April dieses Jahres erschienenen neuen Albums. Von dem sind Stücke wie Monotonie und Allein In Berlin, die ihren Platz in der Setliste haben. Live entfalten die Songs von Odd Couple ihre ganze repetitive Kraft und machen den hypnotischen Charakter der Band besonders deutlich. Die Songs wirken direkt, manchmal fast stoisch, verlieren dabei aber nie ihren Humor.
Denn so richtig ernst, nehmen sich Jascha Krafft und Tammo Dehn wohl selbst nicht. Ihre oft lakonischen, witzigen Texte sorgen immer wieder für kleine Brüche und ironische Momente. Das Publikum folgt ihnen bereitwillig durch diese Mischung aus Konzentration und Leichtigkeit, aus treibenden Grooves und augenzwinkernder Distanz. Im Publikum ist eine Bandbreite zwischen stoischer Ruhe und ausgelassenem Tanzen angesagt.

Mehr Tiefe durch Verstärkung
Obwohl Odd Couple offiziell ein Duo sind, präsentieren sie sich an diesem Abend live mit einem weiteren Mitspieler, der die Band am Bass und an den Keys unterstützt. Diese zusätzliche Ebene verleiht dem Sound mehr Tiefe und Druck, ohne die rohe Direktheit zu verwässern. Die Grooves werden breiter, die psychedelischen Passagen dichter – das Kesselhaus erweist sich dabei als idealer Raum für diese Klangwelt.
Klassiker, Nähe und ein besonderer Moment
Das Set spannt einen weiten Bogen durch die Bandgeschichte. Neben neueren Songs gehören auch Klassiker wie Wand, Über Den Zaun Fressen oder 10 Bier Bitte zum Repertoire. Gerade bei diesen Stücken ist die Verbindung zwischen Band und Publikum besonders spürbar: Köpfe nicken, Körper bewegen sich, einzelne Zeilen werden mitgesungen.
Der Sound im Kesselhaus ist klar und druckvoll, jedes Instrument findet seinen Platz. Schlagzeug, Bass und Keys treiben stoisch nach vorne, während Gitarre und Gesang zwischen Melodie, Wiederholung und Geräusch changieren. Odd Couple spielen konzentriert, aber nie distanziert – immer präsent, immer im Moment. Ja, der Moment – für einen Moment bzw. Song verlässt Sascha Dehn seinen Platz hinter den Drums, um diesen an Jascha Krafft zu überlassen und selbst in die Tasten der Keys zu hauen.

Persönlicher Rückblick und Fazit
Für mich hat dieser Abend auch eine persönliche Note. Ich habe Odd Couple – damals ebenfalls als Trio – zum ersten Mal 2022 auf dem Hoflärm Festival in Marienthal live erlebt. Diese erste Begegnung kommt nach dem Konzert erneut zur Sprache, als wir uns noch unterhalten.
Am Ende bleibt der Eindruck eines intensiven, ehrlichen Konzertabends. Odd Couple zeigen im Kesselhaus in Wiesbaden, wie zeitlos und zugleich gegenwärtig ihr Sound ist. Musik, die nicht laut erklären muss, was sie will – sondern einfach wirkt. Schön, auch wieder die Hanauer Cliffsight gesehen zu haben, deren Musik zwar anders als die von Odd Couple ist, allerdings genauso zeitlos wirkt.
Weitere Bildergalerien:
Odd Couple
Cliffsight














