Rage mit Support: Evertale am 22.08.2020 beim Kultursommer in Oberndorf

Wehe, wenn sie losgelassen…

Eventname: Kultursommer Oberndorf 2020

Bands: Rage, Evertale

Headliner: Rage

Ort: Elefantenparkplatz, Austraße 14, 78727 Oberndorf a. N., (gegenüber der Neckarhalle)

Datum: 22.08.2020

Kosten: die jeweiligen Ticketpreise für den Vorverkauf und die Abendkasse sind auf der Website des Kultursommer Oberndorf 2020 oder unter den Facebook-Event Links zu entnehmen.

Genre: Heavy Metal, Power Metal, Speed Metal

Besucher: ca. 200 inkl. Abendkasse

Veranstalter: DTS Veranstaltungstechnik, Neckarstr 47/1, 78727 Oberndorf a. N.
https://www.dts-veranstaltungstechnik.de/
https://www.facebook.com/DTS.Veranstaltungstechnik/

Links: www.kultursommer-oberndorf.de
https://www.facebook.com/Kultursommer-Oberndorf-101721561633654/

Setlisten:


Intro

  1. True
  2. Chasing The Twilight Zone
  3. Shadow Out Of Time
  4. Price Of War
  5. End Of All Days
  6. My Way
  7. Nevermore
  8. Down
  9. Black In Mind
  10. Wings Of Rage
  11. From The Cradle To The Grave
  12. Season Of The Black
  13. Let Them RIP
  14. Don’t Fear The Winter

Zugabe:

  1. Straight To Hell
  2. Higher Than The Sky


Intro

  1. Empire Rising
  2. The Swarm
  3. As Tarsis Falls
  4. The Crownguard‘s Quest
  5. Chapter 666 (We Are The Hammer)
  6. In The Sign Of The Valiant Warrior
  7. The Great Brotherwar
  8. Firestorm

Es ist Samstag Abend, 22.08.2020, kurz vor 20:00 Uhr. Die Vorfreude auf den heutigen Abend liegt förmlich in der Luft. Für mich persönlich ist es das erste Konzert seit dem Lockdown Mitte März, und ich bin total gespannt, wie dieses, sagen wir mal Corona-Konzert, mit den Offenburgern Evertale und den Power Metallern Rage aus Herne angenommen wird. Der Termin liegt eigentlich gut. Aufgrund der kurzfristigen Ankündigung des Kultursommer Oberndorf jedoch besteht die Gefahr, dass es einigen vielleicht nicht möglich sein wird, heute Abend vor Ort zu sein.

Wie dem auch sei, unter den vorherrschenden Bedingungen und dem ausgeklügelten Hygienekonzept des Veranstalters läuft es beim Einlass vollkommen reibungslos und stressfrei ab. Abgesehen von der notwendigen Registrierung am Einlass und der generellen Maskenpflicht innerhalb der Verkehrsflächen ist der Elefantenplatz sehr übersichtlich strukturiert. Wir Pressevertreter bekommen gar eine eigene Parzelle zugewiesen. Die ersten beiden Reihen direkt vor der Bühne sind mit Liegestühlen versehen, dahinter folgen zwei Reihen mit abgeteilten Parzellen mit jeweils zwei Festzeltgarnituren für 16 Personen und dahinter die Möglichkeit, das Konzert vom Auto aus zu erleben. Sollte es voll werden heute Abend, hätten insgesamt 499 Besucher Platz. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Als Besucher besorgt man sich einen entsprechenden Bon und kann diesen dann an den Ständen einlösen. Bons, Getränke und Speisen sind kategorisch in unterschiedlichen Häuschen voneinander getrennt und die Abstands- und Hygieneregeln sind stets gewahrt. Ehrenamtliche Helfer der hiesigen Vereine sind im Einsatz. Natürlich fühlt sich das alles irgendwie seltsam und ungewohnt an, nur hat man sich sehr schnell an die neuen Umstände gewöhnt, und die Voraussetzungen für einen gelingenden Abend sind trotzdem da. Auch das Wetter spielt mit, Regen ist keiner angesagt.

Pünktlich legen Evertale dann mit Empire Rising auch gleich zünftig los. Die Dämmerung setzt gerade ein, sodass die Offenburger die letzten Lichtstrahlen des Tages noch mitnehmen. Wie sich die Jungs wohl selbst gerade fühlen, frage ich mich fortwährend. Denn auch für Evertale kam dieser Gig überraschend. Monatelang durften die Musiker nicht live spielen und von daher wäre es nicht ungewöhnlich, sollte die gewohnte Spielpraxis etwas darunter gelitten haben. Anzumerken ist dies den Jungs in jedem Falle nicht, das klingt ausgesprochen tough und sieht sehr professionell aus. Okay, Circle- und/oder Mosh Pits bilden sich zwangsläufig keine und die Besucher halten sich vorbildlich an die Bestimmungen. Dies hält den einen oder anderen jedoch nicht davon ab, von seinem Sitz aufzustehen und mitzumachen. So soll es auch sein, ein wenig des alten Konzertfeelings muss schon sein. Ich gehe davon aus, dass sich jeder von uns nach solchen Gigs in den vergangenen Monaten verzehrt hat und die Regelungen dennoch in die kommenden Stunden wohlwollend integriert. Für Evertale, da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster, ist es ebenfalls ungewohnt, dafür aber nicht weniger wichtig, dass die Besucher mitmachen.

Evertale performen ihren Power Metal sehr präzise, technisch versiert und vor allem die Bühnenpräsenz stimmt. Der Funke springt über und die eingängig melodischen Tracks vermitteln eine gehörige Portion Druck. Die ganze Geschichte groovt harmonisch durch den lauen Augustsommerabend. Die Setlist bietet dabei einen formidablen Querschnitt aus den beiden Longplayern Of Dragons And Elves aus 2013 und dem sehr gelungenen 2017er Album The Great Brotherwar. Letzteres hat Evertale einiges an Aufmerksamkeit in der Metalszene beschert. Mit zunehmender Spieldauer weicht die Anspannung der Musiker der doch sehr entspannten Stimmung im weiten Rund. Matthias „Matze“ Graf, Sänger und Gitarrist selbst gibt zum Besten, dass er es eigentlich nicht mehr geglaubt hatte, im Jahr 2020 nochmals mit Evertale auf einer Bühne zu stehen. Umso mehr hat man sich über das Angebot aus Oberndorf gefreut.

Nun, die knappe Stunde, die Evertale auf der Bühne stehen, ist leider viel zu schnell vorbei. Aber, und das ist Evertale zu verdanken, zu keiner Sekunde kommt Langweile auf und Evertale haben mit diesem Auftritt erneut ihre Klasse bewiesen. Quittiert wird dieser Auftritt mit gebührendem Applaus der Gäste. Der Einstand am heutigen Abend ist gemacht und lässt auf mehr des Gleichen hoffen.

Links: https://www.facebook.com/EvertaleOfficial
http://www.evertale.eu/
https://www.instagram.com/evertale_powermetal/
https://twitter.com/EvertaleBand

Wenig später dann kündigt ein fulminantes Intro die Ankunft des Headliners an, die Zeit für Rage ist gekommen. Rage 2020 – „Die neue Ära“, so wurden die Jungs aus Herne im Vorfeld angepriesen. Quasi runderneuert und im neuen Line-Up, als Quartett – wie in alten Tagen – will man sich fortan präsentieren. Nachdem Gitarrist Marcos Rodriguez die Band verlassen hat, konnte Sänger und Bassist Peter „Peavy“ Wagner gleich zwei neue Saitenvirtuosen verpflichten. Neuzugang Stefan Weber (Ex-Axxis) und Jean Bormann (vormals Angelic, Rage & Ruins) komplettieren neben Peavy und seinem langjährigen Freund und Schlagzeuger Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos die Band.

Rage, in den Jahren 1983 bis 1986 noch als Avenger firmierend, blicken auf weit mehr als 30 Jahre Erfahrung und insgesamt auf 24 veröffentlichte Studioalben seit der Gründung zurück. Das jüngste Werk Wings Of War erschien am 10. Januar 2020 und sollte mit einer anstehenden Tour entsprechend vermarktet werden. Dann kam die Pandemie und so ist dieser heutige Auftritt beim Kultursommer in Oberndorf zugleich einer der ersten Gigs im neuen Line-Up.

Was zu erwarten war, tritt dann auch ein. Die Herren um Peavy strotzen nur so vor Spielfreude. Das gesamte Stageacting ist energiegeladen, insbesondere die beiden Saitenhexer Stefan und Jean sorgen für eine exzellente Show, der man sich einfach nicht entziehen kann. Sitzgelegenheiten sind zwar schön, nur werden diese von den Besuchern immer weniger in Anspruch genommen. Haare wehen durch die Luft und es wird ordentlich – natürlich mit Abstand – gemosht. Die lockere nordrhein-westfälische Art trägt immens zur ausgelassenen Stimmung bei, denn Peavy weiß mit seinen Ansagen ein ums andere Mal die Gäste in die Show zu integrieren.

Klassiker wie Chasing The Twilight Zone, End Of All Days, Nevermore oder auch das neuere Wings Of War und From The Cradle To The Grave verlangen den Fans alles ab. Aus der so reichhaltigen Liste von Songs haben Rage sich die Tracks herausgesucht, die in jedem Falle zünden. Eingefangen in der mystisch anmutenden Lichtshow, teils tiefem Nebel und der allgemein starken Bühnenpräsenz bleibt eigentlich kein Wunsch unerfüllt. „Wir lassen und den Spaß nicht verderben“, dies ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, vielmehr eine sehr direkte Ansage und zugleich auch Motto. Peavy betont an diesem Abend mehrfach, wie sehr sich die Band nach so langer Zwangspause auf einen „echten“ Gig gefreut hat. Der Auftritt von Rage begeistert und wird mit Don’t Fear The Winter beendet. Zumindest für einen kurzen Moment. Die Rufe nach einer Zugabe werden erhört und dieser Abend wird mit den All-Time-Klassikern Straight To Hell und Higher Than The Sky nochmals zum Stimmungszenit geführt.

Links: https://www.facebook.com/RageOfficialBand
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Fazit:
Der Kultursommer Oberndorf zeigt, dass größere Veranstaltungen unter bestimmten Hygieneregeln- und Konzepten während der Corona-Pandemie durchaus machbar sind. Zumindest für nicht allzu große Open Air Veranstaltungen darf dies gelten. Im Indoor-Bereich habe auch ich meine Zweifel, denn in geschlossenen Räumen ausreichende Abstandsregelungen einzuhalten und vor allem die Belüftung der Locations zu gewährleisten, stellt mit Sicherheit eine immense Herausforderung dar. An der frischen Luft sieht die ganze Sache anders aus. Die seit 07.08.2020 zurückliegenden Veranstaltungen des Kultursommers und auch der heutige Abend führten die Bedürfnisse der Fans und Besucher und sicher auch die der Musiker gediegen zueinander. An dieser Stelle gilt es ein großes Lob an die Veranstalter und an die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer auszusprechen. Ich hoffe sehr, dass sich die Mühe lohnt und am Ende der eine oder andere Euro auf der Habenseite zu verbuchen sein wird. Danke an den Kultursommer Oberndorf sowie an Rage und Evertale für dieses einzigartige Erlebnis und wir sehen uns bei Axxis + Vanish am kommenden Freitag, den 28.08.2020 an gleicher Stelle wieder!

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